Das passt sogar zu den oben wiedergegebenen empirischen Befunden, dass Leute, “die sich selbst viel weiter oben in der Status-Hierarchie verorten”, als sie tatsächlich stehen, und “sich stark mit anderen vergleichen”, der von Amlinger/Nachtwey ‘diagnostizierten’ Zerstörungslust frönen:
Nachtwey: Viele der destruktiven Interviewten, Männer wie Frauen, strebten auffallend stark nach Erfolg, fühlten sich in ihrem Ehrgeiz aber blockiert. Etwa von Diversity-Programmen, die ihrer Meinung nach Personen bevorzugen, die weniger leisten. Sie pochten auf das Recht des Stärkeren, auf ein Wettbewerbsdenken, das letztlich einem neoliberalen Ideal folgt.
SPIEGEL: Der demokratische Faschismus strebe einen »entfesselten Kapitalismus« an, schreiben Sie.
Nachtwey: Die faschistische Version der Freiheit lautet: die Freiheit zu dominieren, zu herrschen.
Amlinger: Die destruktiven Personen sind so sehr auf ihr Fortkommen fixiert, dass die Fantasie nicht weit ist, all die Leute wegzuräumen, die ihnen vermeintlich im Weg stehen. Sie möchten freie Durchfahrt. Was durchaus wörtlich gemeint ist. Einige der Klimaaktivisten, die sich auf die Straße geklebt hatten, sind brutal bedroht worden – und dies wurde von den Interviewten bejubelt.
Das wiederum schließt ans Persönlichkeitsmerkmal Soziale Dominanzorientierung an. In der Wikipedia heißt es dazu:
Social dominance orientation (SDO) is a personality trait measuring an individual’s support for social hierarchy and the extent to which they desire their in-group be superior to out-groups.
Individuals who score high in SDO desire to maintain and, in many cases, increase the differences between social statuses of different groups, as well as individual group members. Typically, they are greedy and seekers of power. People high in SDO also prefer hierarchical group orientations. Often, people who score high in SDO adhere strongly to belief in a „dog-eat-dog“ world.
Robert Altemeyer said that people with a high SDO want more power (agreeing with items such as „Winning is not the first thing; it’s the only thing“).
Zusammen mit der politischen Einstellung des Autoritarismus (Right-Wing-Authoritarianism, kurz RWA) bildet SDO das stärkste Prädiktorenpaar für Vorurteile.
Diese Leute haben also das Ziel der persönlichen Statusverbesserung und gerade nicht das Ziel soziale Gerechtigkeit.
Daher wird man sie mit einer sozialeren Politik auch nicht überzeugen können.