Sozialstaat - Zuviel des Guten?

Die Ärmsten, von denen es genommen wird, stecken zwangsläufig so gut wie alles in den Konsum.

Finanziell besser gestellte Schichten sparen einen Teil oder machen z.B. einen teureren Urlaub. Es fließt also weniger in die hiesige Volkswirtschaft.

2 „Gefällt mir“

Es ist schon bemerkenswert, wie vielen gleich einfällt, bei den Bedürftigsten zu sparen, ohne darüber nachzudenken erst mal mehr Gerechtigkeit herzustellen.

Und, nein, kein Klinikkettenchef leistet das Hundertfache seiner Krankenschwestern.

Das Nach-oben-Buckeln-und-nach-unten-Treten scheint ein evolutionäres Relikt zu sein.

Es ist doch eigentlich recht einfach. Mehrere habe es hier schon angesprochen.

Erst Steuerbetrug mit Nachdruck bekämpfen (jede:r Steuerprüfer:in holt ein Vielfaches ihrer/seiner Kosten rein), parallel die berühmten Schlupflöcher schließen und schädliche Subventionen abschaffen oder schrittweise abschmelzen (für verbleibende Subventionen muss ein ‚Mehrnutzen‘ nachgewiesen werden), ebenso leistungsloses Einkommen aus Erbschaften und Schenkungen angemessen besteuern, Sozialversicherungen vereinheitlichen (Sondersysteme so weit wie möglich abschaffen) - und wenn’s dann immer noch nicht reichen sollte, kann man darüber nachdenken, letzte Effizienzreserven zu heben, bevor man bei den besonders Bedürftigen kürzt.

10 „Gefällt mir“

Bei dem Thema wüsste ich gern wo die Grenze liegt. Meine Frau und ich sind so dumm pro Woche 72 Stunden zu schuften und ohne Hilfe die Kinder zu betreuen. Trotzdem bleibt kaum was hängen obwohl wir 72 Stunden unseres Lebens für den Wohlstand unserer Arbeitgeber hergeben und ja natürlich auch für jeden der steuer-finanzierte Sozialhilfe jeder Art erhält. Ich habe da nach oben und unten ein Störgefühl. Ich mache weder Luxusurlaub noch sonst was. Wir kommen aber die letzten 2-4 Jahre immer schlechter klar. Das kann es doch nicht sein.

1 „Gefällt mir“

Sorry, aber bei solch schwammigen Selbst-/Einzelfallbeschreibungen ist es immer schwer, irgendwas dazu zu sagen.

Man müsste jetzt schon wissen, wie euer Nettoäquivalenzeinkommen, also einschließlich aller staatlichen Zuflüsse (wie z.B. Kindergeld), ist:

Das müsste man dann mit dem Median des Nettoäquivalenzeinkommens und den daraus abgeleiteten Armuts(gefährdungs)grenzen vergleichen.

Und was meinst du damit, dass „kaum was hängen“ bleibt?

Welche Größenordnung schwebt dir denn vor? Und im Vergleich zu welchen finanziellen Verhältnissen?

Man kann ja nur sinnvoll vergleichen, wenn man genaue - auch statistische - Daten hat.

Jenseits dessen gilt natürlich nach unten hin das soziokulturelle Existenzminimum, zu dem das Bundesverfassungsgericht auch schon mehrfach geurteilt hat.

Die Menschenwürde (Art. 1 GG) ist eben nicht verhandelbar. Und das ist auch gut so.

Diese alte Erzählung trifft für frühere Phasen (z.B. 2000er Jahre, teils nach der Agenda-2010‑Phase) eher zu, ist aber nach den aktuellen Zahlen nicht mehr haltbar. Deutschland hat inzwischen im internationalen Vergleich hohe Lohnkosten und überdurchschnittlich hohe Lohnstückkosten; die Produktivität reicht nicht mehr aus, um das zu kompensieren.

„Deutschland hat im Vergleich von 27 wichtigen Industriestaaten die vierthöchsten Lohnstückkosten.“
Lohnstückkosten: Der Standort Deutschland bröckelt - iwd.de

Die deutsche Industrie gehört weiterhin zu den produktivsten weltweit und liegt in einer IW-Studie bei der Produktivität auf Rang sieben der 27 untersuchten Länder; von den großen Industrieländern haben nur die USA eine höhere Produktivität.

Gleichzeitig weist Deutschland aber die dritthöchsten Arbeitskosten, sodass der Produktivitätsvorsprung gegenüber vielen Ländern den Nachteil der hohen Löhne und Lohnnebenkosten nicht mehr wettmacht.

6 „Gefällt mir“

Aber es ist such falsch die einfach weg zu wischen. Viele kennen Menschen, die wenig oder schlicht nicht arbeiten, aber durch genug Kinder nicht schlecht leben und mit Schwarzarbeit glänzen. Denkst du wirklich die geben das in Umfragen wirklich zu? Die sägen nicht an dem Ast auf dem sie sitzen.

Und das andere extrem sind Superreiche die hart besteuert gehören und Arbeitgeber denen es ach so schlecht geht. Komischerweise haben die aber ständig neue dicke Autos, bauen sehr teure Häuser oder lassen noch teurer Kernsanieren und haben gern noch ein Haus im Süden. Auf jeden Fall ist genug da um oft essen zu gehen und 2-4 mal dick Urlaub zu machen. Lohnanpassungen sind aber nie möglich.

Unterschätzt hier im Forum (wo viele denke ich aus einer sehr hoch bezahlten Akademikerblade kommen) nicht, wie viel Wut in der unteren Einlommensschicht mit 65.000-75.000 Brutto für 4 Personen mit 2 mal Vollzeit. Da bleibt fast nichts. Und man opfert trotzdem seine freie Zeit für die Sozialhilfen der einen und den gierigen Lebensstil der anderen.

6 „Gefällt mir“

Das ist ohne Zahlen ja sehr subjektiv. Wenn in meinem Verständnis „kaum was hängen“ bliebe, wäre das ein 1A Grund meine Berufswahl gründlich zu überdenken. Ist ja auch ein „Marktsignal“, wenn man für die eigene Leistung offensichtlich nicht angemessen entlohnt wird. Oder es geht halt zu viel Geld für was auch immer raus… Also vielleicht den Whirlpool draußen im Garten nicht im Winter durchheizen :wink: Keine Ahnung…

Aber so ganz grundsätzlich: Es gibt bei staatlichen Leistungen, Steuervorteilen etc. zwei Richtungen, in die man die regulieren kann und man muss sich i.d.R. für eine entscheiden. Entweder will ich, dass niemand, der es braucht, leer ausgeht. Oder ich will, dass keiner zuviel bekommt.

Was mich nun immer wieder etwas verwirrt: Grade an der Untergrenze, wo es wirklich um Essen, Unterkunft und ähnlich existenzielle Bedürfnisse geht, wenn bspw. Geld zu spät überwiesen oder gekürzt wird, scheint für viele vor allem wichtig, dass keiner was bekommt, der es nicht bekommen sollte. Dabei hielte sich der mögliche Schaden für die Staatsausgaben in sehr engen Grenzen, der mögliche Schaden für die Betroffenene kann dagegen leicht Lebenschancen für eine und (bei Kinderarmut) gleich mehrere Generationen ausradieren. Ist ja nicht so, als könnten wir demographisch grade auf ein Kind verzichten (Christliche oder sonstige Werte werden zwar gern proklamiert, aber mein Eindruck ist, dass man grade bei denen, die das lautstark tun, eher mit Argumenten durchdringt, die auf Eigeninteressen zielen).

Dort aber, wo es nur noch um die Frage geht, ob die dritte oder vierte Generation der Nachkommen mal wieder eine Erwerbstätigkeit wenigstens in Erwägung ziehen müsste, wenn eine nennenswerte Vermögens- oder Erbschaftssteuer anfiele, wird eher nach dem einen „Familienbetrieb“ geschaut, der möglicherweise einen Hausmeister in Kurzarbeit schicken müsste („Aaarbeitsplätze“) und gesagt, das können wir nicht riskieren. Hier entstehen teils Milliardenschäden für die Staatskasse und wenn mal irgendein Erbe eins seiner Anwesen oder Golfplätze oder so verkaufen müsste, um Steuern zu zahlen, wäre das möglicherweise ohne allzugroße (echte) Schmerzen zu überstehen.

In meinen Augen steht das komplett auf dem Kopf. Es müssen schon sehr viele Sozialhilfeempfänger sehr erfolgreich betrügen, um 1% der Cum-ex- Schäden zu verursachen. Trotzdem sind Leute wie der Schwarzgeldkofferträger Schäuble oder „Ichkannmichnichterinnern, warum mit Privatbankern nach Treffen mit mir, so überaus großzügig umgegangen wurde“-Scholz selbstverständliche Kandidaten für Spitzenposten.

Da stimmt doch sehr grundsätzlich in der Wahrnehmung und in der Bekämpfung von Ungerechtigkeiten und Problemen der Staatsfinanzen etwas nicht, würde ich meinen. Und zwar nicht in der Politik, sondern beim Souverän.

Wir erwirtschaften pro Kopf reichlich Wohlstand, gemessen am BIP wachsen die Sozialausgaben kaum. Der Wohlstand ist nur zu stark oligarchisiert und das, was der Staat ausgibt, ist zu wenig auf langrfristige Investitionen (in Material und Menschen) ausgerichtet. Und dann wird da gespart, wo die Leute sich mangels Besitz an Medien, Lobbyisten, möglichen Frühstücksdirektoren-Posten und teils mangels Wahlrecht (deswegen so gern bei Klimaschutz, Bildung und Jugend) am wenigsten wehren können, weil man sich an die anderen nicht rantraut. Das gilt für die (regierende) Politik. Und für die Individuen, die ein diffuses Ungerechtigkeitsgefühl im Zweifel zuverlässig gegen „die da unten“ richten.

4 „Gefällt mir“

Eine emotionale Ansammlung unsubstanziierter Vorurteile.

Der weit überwiegende Teil aller deutschen Arbeitsplätz befindet sich in kleinen und kleineren mittelständischen Unternehmen. Ich bin ständig mit diesen Unternehmern im Gespräch.

Erscheckend viele dieser Unternehmen schrammen schon seit Jahrzehnten mit eher mageren Margen knapp über der Nulllinie entlang. Die Unternehmer zahlen sich ein ganz leidliches Gehalt aus, meist nicht mehr als ein höhere Manager (Hauptabteilungsleiter- oder Bereichsleiter) in einem Konzern. Das große Auto läuft auf Unternehmenskosten. Von den zig Häusern habe ich selten etwas gesehen. Und ja, weil deren Unternehmen so herumkrebsen und sie bei jeder kleineren Branchen- und Wirtschaftskrise schlaflose Nächte haben, können die ihre Mitarbeiter auch nicht großzügig entlohnen.

Warum ist das so? Weil die meisten Unternehmer zwar den Mut hatten, zu gründen. Aber nie wirklich gelernt haben, ein Unternehmen zu führen mit dem Ziel, so schnell wie möglich nicht mehr im, sondern am Unternehmen zu arbeiten. Z.T., weil sie es so wollen - sie interessiert das Unternehmen aus fachlicher Sicht - die Metallverarbeitung, der Maschienenbau, das Recyceln - und nicht Organisation, Abläufe, IT, Controlling, …. Z.T., weil sie es nicht anders können (meistens, weil sie nicht abgeben können).

Und wer im KMU-Bereich wirklich erfolgreich ist, d.h. ein Unternehmen hat, dass im Vergleich zu seiner Branche beständig überdurchschnittlich profitabel ist und beständig wächst, der hat auch verstanden, dass das überwiegend meisten auch nur dann langfristig stabil funktioniert, wenn er gute Mitarbeiterentwicklung und -führung etabliert hat, eine gute Unternehmens- und Führungskultur, der Wert darauf legt, dass seine Mitarbeiter gerne bei ihm arbeiten, weil nur dann sie auch gut arbeiten. Dazu gehört auch eine überdurchschnittliche Entlohnung. Der hat ein organisiertes stabiles Geschäftsmodell geschaffen, etwas von wirklichem Wert. Der darf meinetwegen seinen Erfolg mit dicken Essen, mit dicken Urlauben, dicken Autos und dicken Häusern feiern, wenn ihn das glücklich macht. Wer ihm das nicht gönnt, ist schlicht neidisch.

6 „Gefällt mir“

Wow, geht’s noch? Polemik erster Klasse. Wir können uns solchen Mist nicht leisten selbst wenn wir wollten. Du bist Lehrer oder? Schön wenn man sich auf die überhöhte Pension freuen kann. So jetzt stehts Unentschieden, also reicht oder.

Ich betone extra beide Seiten und sage, dass eine ganze Schicht gar nicht vertreten wird. Nicht arm genug und nicht reich genug. Und das Thema falscher Job ist ja toll. Das Framing auf Arbeitslose und Zack eskalieren hier alle. Übel.

1 „Gefällt mir“

Ist bei den Bauern bspw. nicht anders. Aber wenn man sich anschaut, für wen deren Verbände Politik machen/beeinflussen, sind das in der Regel nicht die Mehrheiten ihrer Mitglieder, sondern die besonders großen und reichen Mitglieder. Könnte das bei Arbeitgebern ähnlich sein?

1 „Gefällt mir“

Die kleinen und kleineren mittelständischen Unternehmern sind selten aktiv in Verbänden organisiert.

2 „Gefällt mir“

Es tut mir leid, wenn das schärfer rüberkam, als es gemeint war. Ich finde, wenn man schon die eigene Lebenssituation zur Grundlage macht, sollte man präzise genug sein, damit eine sinnvolle Auseinandersetzung damit stattfinden kann. Bitte entschuldige die Zuspitzung, das hätte ich freundlicher schreiben sollen.

2 „Gefällt mir“

Das ist möglicherweise ein Teil des Problems?

Ein weiterer Teil des Problems ist, dass die absolute Spitze schnell Verbündete beim Rest findet, indem sie so tut, als wären ganz viele Leute von möglichen Änderungen betroffen (teils werden mMn politsiche Lösungen auch bewusst so gebaut). Klassische Beispiele bei der Erbschaftssteuer („Oma ihr klein Häuschen…“) oder halt bei Steuersätzen („das trifft auch die Handwerker…“) Also ob es unmöglich wäre, die richtig dicken Fische zu angeln.

Alles gut, ich war auch etwas zu emotional. Und ich kenn dich ja auch besser. Von daher kein Streit. Das Thema trifft mich weil ich aus Arbeiterfamilien komme, ich nicht einfach easy Studium und hohes Einkommen gekriegt habe. Ich musste immer kämpfen und jetzt schmilzt das bisschen Erkämpfte weg und es juckt gelinde gesagt keine Sau. Es wird nur über Unternehmen (Sozialhilfeempfänger Nummer 1), sehr Arme und Topverdiener gesprochen. Meine Frau und ich sparen bei uns damit unsere Kinder Musik lernen können oder schwimmen lernen können. Weil wir ja doch dann zu „Reich“ sind für Support. Ach ja und wir sind so „dumm“ trotzdem noch Ehrenamt zu machen. Ist da die Wut nicht nachvollziehbar? Es geht hier um das Gefühl von Sicherheit nach Maslow, das habe ich nicht.

4 „Gefällt mir“

Alles richtig. Der Unterschied: Die meisten Menschen kennen einen oder mehrere Sozialhilfeempfänger, die auf die eine oder andere Weise „betrügen“, gelegentlich sogar recht demonstrativ für die Nachbarschaft. Der Cum-Ex-Schaden ist in der Tat viel größer, aber für die Normalbevölkerung deutlich weniger fassbar. Menschen ticken nicht ausschließlich rational, erst recht nicht, wenn es um ihr Gerechtigkeitsempfinden geht. Das ist recht sensibel und schnell verletzt.

6 „Gefällt mir“

Den Weg den dieser Thread genommen hat ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie es den Überreichen gelungen ist die echte Konfliktlinie zu verwischen und sich selbst aus dem Spiel zu nehmen, während alle anderen sich nicht die Krümel gönnen, die ihnen übrig gelassen werden. Normale Arbeitnehmer bei denen es nach 72h pro Famlie grad für das nötigste reicht gegen Bürgergeld-Empfänger, gegen den Chef von Malerbetrienb nebenan der ein zu dickes Auto fährt.

Es wurde korrekterweise angemerkt, dass viele KMUs keine großen Sprüge machen und im Grunde kaum mehr bezahlen können in der Breite. Es wurde angemerkt, dass wir zuviel über Fairness am unteren Ende sprechen, wo es am Ende nicht nur um genug Geld für Essen, sondern auch um Lebenschancen für Kinder geht. An beiden stellen ist also im Grunde nicht zu holen. Große Einsparungen wird nicht geben und viel Steuern sind da auch nicht zu holen.

WIESO also die gesamte Diskussion? Wieso nicht einfach in die Daten schauen, gucken wo das Geld ist und alle Energie darauf verwenden es genau dort zu holen? Wie haben es die Überreichen geschafft, dass wir einfach gar nicht mehr über ihren obzönen Reichtum reden, während Marc Zuckerberg es für normal hält auf einem Podium „low stakes“ über sein neues Hobby zu sprechen, nämlich Rinder genetetisch zu manipulieren und mit Bier zu füttern, damit sein Steak besser wird.

4 „Gefällt mir“

Ich kann anekdotisch aus eigener Erfahrung berichten, dass das Amt auch gern mal ganz genau hinschaut und Gründe findet, nicht zu zahlen. Davon unabhängig bin ich vom Wohngeld-System auch kein großer Fan.

1 „Gefällt mir“

Haste außer Stammtisch noch was?

3 „Gefällt mir“

Alte Erzählung ? Ich habe noch nie in den Nachrichten gehört, dass es einen Zusammenhang zwischen Löhnen und Produktivität gibt.

Solche Statisken werden nie besprochen und hinterfragt,

Wir laufen als Schule bis heute Zahlungen für Klassenfahrten aus dem BuT hinterher, die das Jobcenter nachweislich bewilligt, aber seit einem Jahr nicht überwiesen hat. Anträge, die Lehrkräfte vorausgefüllt hatten, von den Familien unterschreiben lassen haben und in mehreren Fällen dann persönlich zum Jobcenter gebracht haben, sind „nicht eingegangen“…

Da gehen teilweise Lehrkräfte persönlich oder andere improvisierte „Träger“ in Vorleistung, damit die Kinder teilnehmen können. Und längst nicht immer bekommt man das Geld irgendwann zurück. Wohlgemerkt sind das schulpflichtige Veranstaltungen. Dass die Eltern das überhaupt bezahlen sollen, finde ich schon grundfalsch. Ne total gute und einfache Entlastungsmaßnahme für Familien und Lehrkräfte wäre, dass bspw. 3 Klassenfahrten zwischen Klasse 5 und 10 mit einem Kostenrahmen von ca. 300€ aufsteigend zu meinetwegen 450€/Kind grundsätzlich vom Staat bezahlt werden und zwar für alle. Genau wie Schulbücher. Da würden pro Fahrt hunderte Arbeitsstunden bei Lehrkräften und in Jobcentern wegfallen, die damit zugebracht werden, Anträge zu prüfen, Gelder zu überweisen, Geld hinterher zu laufen und an mancher Schule auch einige Arbeitszeit einer A14-Stelle (!), die sich mit der Verwaltung von Büchern und Büchergeld herumschlagen muss. Außerdem müsste kein Kind ohne Bücher in der Schule sitzen oder von Klassenfahrten ausgeschlossen werden, weil da irgendein Erwachsener, ob nun im Jobcenter oder bei den Eltern irgendeinen Mist gebaut hat. Wäre doch mal was. Aber Gott bewahre, dass dann jemand die Klassenfahrt oder die Schulbücher „geschenkt“ bekommt, der sie hätte selbst bezahlen können.

Gleichzeitig brauchte das Jobcenter 4 Jahre, um Geld zurücküberweisen zu lassen, das wegen einer ausgefallenen Klassenfahrt auf unserem Klassenkonto lag. Ich hatte selbst das Jobcenter angeschrieben und dummerweise gefragt, wohin ich das überweisen sollte, weil ich naiverweise einfach die Summe der unnötig bezahlten Gelder zurückschicken wollte. Das ging so einfach natürlich nicht. Ich musste für jeden einzelnen SuS via Excel dokumentieren, wieviel Geld geflossen war (spoiler: Immer der gleiche Betrag) und wann und noch irgendeine Zahlenkolonne. Das wurde dann offensichtlich vom jeweils zuständigen Sachbearbeiter irgendwann händisch bearbeitet und ich bekam jahrelang mal hier mal da eine email mit einer individuellen Zahlungsaufforderung individuellem Rechnungszweck inklusive Tippfehlern und Zahlendrehern…

Dass so eine Behörde mit solchen Arbeitsabläufen aktuell buchstäblich über die Existenzgrundlage von Menschen wachen soll, verursacht mir wirklich Übelkeit. Wenn man nicht auf Klassenfahrt kann, ist das zwar blöd, aber das ist ja nicht existenziell bedrohlich. Und man hat Lehrkräfte, die sich durch teils schwer verständliche Briefwechsel und Anträge wühlt und unterstützt. Wenn dann noch diskutiert wird, ob das zentrale Problem ist, dass Leute zuviel bekommen könnnten…

5 „Gefällt mir“