Die Besitzstandsverteidigungsgesellschaft oder: der Gerechtigkeitsdiskurs wird kaum mehr geführt

Mein subjektiver Eindruck ist, dass es grob gesprochen zwei Politikansätze gibt, den der Besitzstandsverteidigung und Maximierung der eigenen Vorteile auf der einen Seite und den der Verteilungsgerechtigkeit auf der anderen Seite.

John Rawls formulierte einst, dass die Gerechtigkeit die erste Tugend sei.

Davon sind wir - so scheint mir - sehr weit entfernt.

Meine These ist nun die, dass völlig unabhängig von der eigenen gesellschaftlichen Position der Eigennutz die vorherrschende Einstellung ist (und das zumeist auch, wenn es um Verteilungsfragen geht) und Gerechtigkeitsdiskurse allenfalls noch in Nischen Platz finden.

Verteilungskonflikte werden im Wesentlichen mit Besitzstandsverteidigung beantwortet, ohne sich Gerechtigkeitsfragen überhaupt noch zu stellen.

Und die Politik gibt dem populistisch nach.

Als Beispiel greife ich mal eine aktuelle Meldung heraus:

Dass die umwelt- und klimaschädlichen Subventionen ganz überwiegend auch Wohlhabende, die i.a.R. mehr verbrauchen, stärker privilegieren als Ärmere, sollte von niemandem bestritten werden.

In einem weiteren Artikel auf Zeit.de heißt es mit Bezug zu einem Reformvorschlag des Netzwerks Steuergerechtigkeit und der Friedrich-Ebert-Stiftung:

Eine faire Besteuerung der Ehe scheint zumindest rechnerisch möglich.

(Hinter Paywall)

Würde der Staat sich dieses Geschenk [beim Ehegattensplitting] sparen, hätte er laut Berechnungen des Fraunhofer-Instituts jedes Jahr Mehreinnahmen von 14 Milliarden Euro.

[S]elbst jene, die heute am meisten vom Splitting profitieren, stünden bei dieser Reform nicht zwingend schlechter da.

Erst ab einem zu versteuernden Einkommen von 100.000 Euro überwiegen die Einbußen durch die Reform die Gewinne durch das höhere Kindergeld. Sie hätten zum Beispiel 218 Euro weniger im Monat als vor der Reform, aber immer noch 432 Euro mehr als ohne die Möglichkeit, den Grundfreibetrag zu übertragen.

Auf die Details muss man jetzt gar nicht eingehen. Aber das Beispiel Ehegattensplitting ist m.E. ein gutes, um sich die Polarität zwischen Besitzstandsverteidigung einerseits und Verteilungsgerechtigkeit andererseits bewusst zu machen.

Dass die Bundesregierung am Ende eine annähernd so verteilungsgerechte Lösung findet, wie sie der nun von FES und Netzwerk Steuergerechtigkeit eingebrachte Vorschlag verheißt, bezweifle ich.

Ansatzpunkte für eine Reanimierung des Gerechtigkeitsdiskurses könnte der Ansatz des schon erwähnten John Rawls bieten:

Wie der öffentliche Diskurs derzeit läuft, habe ich allerdings wenig Hoffnung, dass überhaupt wieder in Kategorien von Gerechtigkeit gedacht wird.

Und so wabert ein diffuses Ungerechtigkeitsempfinden weiter durch die Gesellschaft, da ein kognitiv-argumentativer Gerechtigkeitsdiskurs nicht mehr ausgetragen wird.

Wenn aber Ungerechtigkeit zu einem Gefühl degeneriert ist, das jede:r für sich beanspruchen kann, dann führt das geradewegs in die Eigennutzmaximierung hinein.

Angefügt sei noch, dass, wenn ein öffentlicher kognitiv-argumentativer Gerechtigkeitsdiskurs weitestgehend entfällt, auch abstruse Ungerechtigkeitsgefühle gar nicht mehr korrigiert werden.

Auch Medien hätten m.E. die Aufgabe, diese Diskurslücke zu schließen.

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Man muss sich auch bewusst machen, wie Gerechtigkeitsdiskurse immer wieder abgewürgt werden.

Zwei Rammbock-Methoden erscheinen mir hier vorherrschend:

  1. Die Diskreditierung von Menschen, die sich erdreisten, Gerechtigkeit zum Thema zu machen, als „Gutmenschen“
  2. Das Unterstellen falscher Prioritäten (Motto: ‚Erst muss die Wirtschafts wieder laufen, dann kann man sich über Verteilungsfragen Gedanken machen.‘)
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… oder alternativ: „Neider“

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Wenn ich mit dem Finger auf das meiner Meinung nach dominierende Problem zeigen müsste, das die Verhinderung dieses Diskurses seit Jahrzehnten auf Default gestellt hat, dann ist es mangelnde soziale Beweglichkeit und damit Verfestigung von Mileus über Generationen.
Aufstieg dauert in Deutschland so lange wie kaum woanders und ist so schwer wie kaum woanders. In der Folge sind ALLE gesellschaftlichen Entscheidungsräume von Relevanz ausschließlich von Reichen besetzt, die logisch auf Seiten der Besitzstandswahrung stehen. Aufstieg in diese Räume durch Menschen mit anderen Lebensläufen und damit Perspektiven ist extrem selten und wenn sie mal stattfindet aufgrund ihrer Singularität dem damit einhergehenden Surviorship-Bias praktisch wertlos für die Sache der Gerechtigkeit.

Ich bin mir absolut sicher, dass Friedrich Merz in den letzten 20 Jahren exakt 0 vertrauliche Gespräche mit Menschen geführt hat, die nicht Multi-Millionäre sind. Niemals wird er ohne Kameras die Perspektive normaler Menschen gehört haben. Und das gleiche gilt für CEOs, ebenso wie für Markus Lanz, der Heidi Reichinek natürlich nicht ausreden lässt, wenn sie Vermögen besteuern will. Schließlich gehört ihm die halbe Toskana.
In allen Räumen, in denen wichtige Entscheidungen beraten und getroffen werden, wird der Diskurs durch die Teilnehmenden zur Echokammer. Und ich will hier keine individuelle Schuld herbeireden. Es ist die Struktur dieser Gremien bei denen Menschen, deren Erleben die Prämisse „Wachstum = gut“ vollständig bestätigt. CEOs, deren Boni bei Wachstum steigen, Medienschaffende, denen CEOs permanent sagen, dass Wachstum toll ist, während ihr eigenes Vermögen dabei wächst (wir erinnern uns an Jan Hofers Panne vor laufender Kamera darüber zu braggen, dass seine Immos sich im Wert verdreifacht haben) und Politiker, dich sich selbst an Wachstum messen und die natürlich nur mit Menschen vertraulich sprechen für die Wachstum toll ist.
Dass von diesem Wachstum seit 30 Jahren praktisch nichts bei den unteren 50-60% ankommt, findet als Thema in diesen Räumen nicht statt.

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Was die Aufstiegsmobilität angeht, war Deutschland zuletzt im (oberen) Mittelfeld:

Neuere Daten zeigen allerdings, dass sie rückläufig ist.

Natürlich muss man da mehr tun und natürlich muss man auch an die Verteilung ran.

Besitzstandsverteidigung würde ich dennoch keineswegs auf die Reichen und Mächtigen beschränken wollen.

Auch der Facharbeiter beim Daimler oder die Verwaltungsangestellte bei der Allianz-Versicherung tendieren zur Besitzstandsverteidigung, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Wären nur Oberschichtsangehörige Besitzstandsverteidiger:innen, aber die große Mehrheit der Bevölkerung nicht, dann wäre es wahrscheinlich sehr viel einfacher Gerechtigkeitsdiskurse zu führen.

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Das mag auch mit der hedonistischen Anpassung in Zusammenhang stehen die bewirkt, dass auch wer viel hat meint, er habe bestenfalls genug. „von außen betrachtet“ kann das aber ganz anders wirken.

Es ist äußerst positiv zu werten, sich dieses Thema anzunehmen, vielen Dank dafür @Simsalabeam

Dass es da, zugunsten derer die viel besitzen ausfallende, Unterschiede des Bildungsgrades gibt, ist kaum bestreitbar. Eine Folge der Umstände.

Das das Interesse an einem solchen Diskurs auf der Seite derer, die viel besitzen, fehlt, eben sowenig. Dass es schwer fällt, sich von etwas zu trennen, ist vielfach untersucht und bestätigt worden.

Um einen Diskurs sinnhaft, belebt und zielführend anzustoßen müsste - so glaube ich - der Impuls aus der Gruppe kommen, die sich wirksame Initiativen weder leisten können, noch in einer direkten Debatte mit privilegierten bestehen könnten. Zumindest müssen sie an solch einem Diskurs teilhaben und dabei Unterstützung erhalten.

Aber auch der, zu einer begrüßenswerten Aktivität einladende Titel

Die Besitzstandsverteidigungsgesellschaft oder: der Gerechtigkeitsdiskurs wird kaum mehr geführt

Lädt niemanden aus der Gruppe derer ein, die mehr Gerechtigkeit bräuchten. Er triggert bestenfalls die, die gar kein Interesse an einer Veränderung haben.

Und das schließt aus obigen Gründen und aus Gründen die @merkaii bereits bemerkt hat unsere derzeitigen Volksvertreter ein.

Solch ein Diskurs dürfte auch nicht zur wissenschaftlichen Betrachtung verkommen, die gar keine Änderung anstrebt, sondern Erkenntnisgewinn. So schön der ist, bleibt er überflüssig, wenn ihn keiner nutzt, um etwas zum besseren zu verändern

Ja, das fällt mir auch auf: Aussagen wie …

„Die oberen 10 % der Haushalte besitzen rund 60 % des gesamten Nettovermögens in Deutschland, die untersten 50% dagegen nur wenige Prozent.“

„Das reichste 1 % der Bevölkerung verfügt über rund 30–35 % des Gesamtvermögens – etwa so viel wie die unteren 75 % zusammen. Sie besitzen mehr als die Hälfte des Finanzvermögens. Die obersten 0,007 % der Deutschen halten ein Viertel des gesamten Finanzvermögens des Landes.“

„Die ärmere Hälfte der Haushalte besitzt nur etwa 3–3,5 % des gesamten Nettovermögens.“

„Die unteren rund 27 % der Bevölkerung besitzen gar kein Vermögen oder mehr Schulden als Vermögen.“

… regen niemand mehr auf, geschweige denn, würden Menschen auf die Straßen treiben.

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Ich halte den Gerechtigkeitsdiskurs für verfehlt. Denn offensichtlich bestehen in der Gesellschaft unterschiedliche Auffassungen von Gerechtigkeit. Mit dem Gerechtigkeitsargument würde man also selbst dann, wenn man einen solchen Diskurs führt, die Besitzstandsverteidiger nicht zum einlenken kriegen. Dann wird halt erklärt, dass der Besitz hart erarbeitet wurde und diejenigen dafür etwas geleistet haben etc. pp.

Sinnvoller ist es daher, einen Diskurs über die Sinnhaftigkeit des aktuellen Wirtschaftssystem (also des Kapitalismus) zu führen. Und auch über den Sinn konkreter Maßnahmen.

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Dass es „in der Gesellschaft unterschiedliche Auffassungen von Gerechtigkeit“ gibt, ist ja nichts Schlimmes.

Das Diskursiv-Machen würde aber bedeuten, die jeweiligen Gerechtigkeitsvorstellungen auch zu begründen. Und darüber lassen sich dann auch Maßstäbe für Gerechtigkeit, die von möglichst vielen geteilt werden, entwickeln.

Rawls’ Gedankenexperiment (s.o.) wäre eine Anregung dazu.

Dass es auch Abwehrreflexe der von dir beschriebenen Art geben wird, halte ich auch für wahrscheinlich.

Ein Diskurs endet aber nicht, wenn jeder sein Statement aufgesagt hat. Vielmehr ist die Transparenz der Ausgangspositionen erst der Beginn der Auseinandersetzung.

Menschen sind soziale Tiere, die wollen oft nicht als sozial inkompatibel gelten.

Wenn man den Chef einer Klinikkette fragt, ob er glaubt, das Hundertfache seiner OP-Schwestern zu leisten, wird er vermutlich nicht gleich Ja schreien.

Dem würde ich entgegnen, dass ein Gerechtigkeitsdiskurs für Menschen viel greifbarer ist. Schon Primaten haben ja einen intuitiven Sinn für Gerechtigkeit.

Kapitalismuskritik ist sehr viel abstrakter.

Das sehe ich anders. Ich würde eher sagen, der Gerechtigkeitsdiskurs ist abstrakt.

Beispiele für konkrete Kapitalismuskritik:

  1. Ist es nicht absurd, dass wir Lebensmittel wegwerfen, die noch genießbar sind, und diejenigen bestrafen, die sie sich aus den Mülleimern nehmen? Ist es nicht absurd, dass wir die Profitinteressen von Supermärkten etc. über das Überleben von Menschen stellen?
  2. Ist es nicht absurd, dass wir zahllose Arbeitskräfte ungenutzt lassen, nur weil das Kapital gerade keine Verwendung für sie hat?
  3. Ist es nicht absurd, dass viele zu wenig zum leben haben, während andere mehr haben als sie jemals verbrauchen können?

Die Anknüpfungspunkte sind ja eigentlich dieselben wie im Gerechtigkeitsdiskurs. Nur kann man mit der Frage nach der Sinnhaftigkeit eben die Gegenargumente umgehen, diese Zustände wären gerecht, weil Leistungsprinzip etc. pp.

Ohnehin muss am Ende jeder Gerechtigkeitsdiskurs daran scheitern, dass man sich nicht auf eine Definition von Gerechtigkeit wird einigen können. Daher halte ich es für sinnvoller, gleich eine Sinndebatte zu führen.

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In deinen drei Fragen erkenne ich jetzt noch keine Systemkritik am Kapitalismus.

Die letzte Frage ist übrigens eine Gerechtigkeitsfrage. Denn sie thematisiert Verteilungsungerechtigkeit.

Und selbstverständlich gibt es zu all deinen rhetorischen Fragen auch Gegenargumente bzw. empirische Korrekturen.

Dass hierzulande Menschen verhungern, die keine Essstörung haben, ist „absurd“.

Aufs Containern (bzw. die Straffreiheit dafür) werden sich trotzdem die meisten ohne solche Übertreibungen einigen können.

Die zweite Frage hat einfach mit Wertschöpfung, Effizienz und Qualifikation zu tun. Trotzdem kann man ja ‚Beschäftigungstherapie‘ für sinnvoll halten. Ich persönlich finde es viel schwieriger, Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer - nicht mithalten können, zu Sündenböcken zu erklären. ‚Arbeitsdienste‘ oder was immer du dir vorstellst, würden aber nichts oder nur wenig daran ändern, dass auf diese Menschen herabgeblickt wird.

Das muss man auch nicht. Gerechtigkeit ist sozusagen ein ‚fuzzy concept‘. Letztlich reicht hinreichende Überlappung eines wesentlichen Teils der Bevölkerung und eine hinreichende Ähnlichkeit, was die Maßstäbe angeht.

Die haben Vorsteuer dafür abgezogen, führen aber keine Umsatzsteuer ab. Das ist nicht unbedingt Kapitalismuskritik, da geht es auch um Steuergerechtigkeit.
Supermärkte könnten die kostenlos abgeben (zum Beispiel ein Kostenlosregal einrichten), aber dann müssen sie die Waren aus den Büchern ausbuchen.
Und warum soll man Arbeitskräfte einsetzen, wenn man keine Verwendung für sie hat? Ist das nicht Beschäftigungstherapie? Macht es nicht viel mehr Sinn, diese Zeit zu nutzen und sie fortzubilden, damit sie danach umso mehr der Gesellschaft nutzen können? Und Ehrenamt ist ja trotzdem da - und da sind eigentlich immer Stellen frei für Leute, die sich gerne wo einbringen wollen.
Und zu 3: Da reden wir dann nicht mehr von lokaler, sondern von globaler Gerechtigkeit. Das ist gleich mal eine ganz andere Hausnummer. Und erfordert ja dann, dass Du neben der globalen Gleichheit trotzdem in jedem Land das Problem der lokalen Gleichheit hast. Da macht es also Sinn, erst mal die lokale Gleichheit global in den Griff zu bekommen, bevor man sich globaler Gleichheit zuwendet.

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Wiegt die Steuergerechtigkeit hier wirklich so schwer, dass sie die, ja dann verschwendeten Ressourcen - vor allem Wasser - und die Belastung der Umwelt überwiegt? Oder genießbares bedürftigen vorzuenthalten? Das mag ja steuergerecht sein, macht für mich im Hinblick auf knappe Ressourcen und in Deutschland durchaus existierende Ernährungsarmut aber keinen Sinn.

In dem von @Simsalabeam angeführten Beispiel wird auch abgewogen, welcher Gerechtigkeitsfaktor schwerer wiegt.

Und gerade, wenn es um Almende geht, muss ein sorgsamer Umgang damit verpflichtend sein.

Zugestimmt. Allerdings gibt es vermeidbare Armut, was die Ernährung angeht. Und das sollte reichen, um sich mit Verschwendung von Lebensmitteln kritisch auseinander zu setzen.

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Der langfristige Ausweg wäre, dass Reiche sehr früh sehr viele Kinder bekommen sollten zum Wohle der Gesellschaft. Wenn Susanne Klatten 21 Milliarden an 3 Kinder vererbt, sind es jeweils 7 Milliarden. Hätte sie 300 Kinder, wären es nur 70 Millionen pro Kopf und die Welt wäre nach noch einer weiteren vergleichbaren Generation bedeutend gleicher. :wink:

Da würde sogar die Diskussion um Erbschaftsteuer langsam obsolet.

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Nein, das ist auch keine Lösung, weil das Kind ja trotzdem bei Volljährigkeit bereits 1,4 Millionen steuerfrei geschenkt bekommen hat. Die Ungleichheit ist also auch bei 15 Kindern bereits in die Wiege gelegt.

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Dass der Gerechtigkeitsdiskurs im obigen Sinne kaum noch geführt wird, erkennt man übrigens auch daran, wie über die Gesetzesvorhaben der Bundesregierung diskutiert wird.

Anders ist auch die immer wieder deutlich erkennbare soziale Schieflage bei den „Reformen“ nicht erklärbar.

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Die Reformen sind so unausgewogen, dass sogar schon FAZ-Redaktuere rote Socken tragen sollen :wink:

„Als superreich gelten üblicherweise Menschen mit einem Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar, davon leben rund 5000 in Deutschland,und für deren Vermögen plant diese Koalition gar nichts.“

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Der Begriff ‚Gerechtigkeitsdiskurs’ ist in den letzten Jahren zu einem der zentralen und lautesten Themen in Politik, Wissenschaft, Medien und im Alltag geworden. Der öffentliche Diskurs wird also geführt, er ist sogar sehr laut, wird aber sehr wirksam an anderer Stelle beeinflusst.

Das Problem sehe ich darin, wie und mit wem er geführt wird.

Im öffentlichen Diskurs wird über die besonders Vermögenden und über die diskutiert, die bevorzugt erscheinen, aber nicht mit ihnen. Ebenso wenig sind die Benachteiligten direkt beteiligt.

Ein Teil der besonders Vermögenden ist aber entscheidend am Diskurs beteiligt; oft agieren einige als Regelsetzer oder Gatekeeper anderer Stimmen, nicht als gleichberechtigte Diskutanten. Einige nutzen ihre Macht, den Begriff ‚Gerechtigkeit’ so zu definieren, dass er ihre Interessen begünstigt (z. B. ‚Gerechtigkeit ist, dass jeder bekommt, was er leistet’, ohne zu fragen, ob die Startbedingungen gleich waren).

Einige können ihre Ressourcen nutzen, um zu bestimmen, worüber überhaupt gesprochen wird und welche Begriffe verwendet werden.

Lobbying & Denkfabriken: Viele Superreiche finanzieren Institute, Stiftungen oder Denkfabriken (Think Tanks). Diese produzieren Studien und Argumente, die oft darauf abzielen, Umverteilung als ‚wirtschaftsschädlich’ zu framen oder Steuersenkungen als ‚Gerechtigkeitsgewinn’ darzustellen.

Medienbesitz: Da einige Medienhäuser im Besitz von vermögenden Einzelpersonen oder Konzernen sind, können diese einen direkten Einfluss darauf nehmen, welche Stimmen im Gerechtigkeitsdiskurs Gehör finden und welche (z. B. Forderungen nach höheren Vermögensteuern) als ‚unrealistisch’ oder ‚radikal’ abgetan werden.

Ein Teil des Diskurses findet gar nicht öffentlich statt, sondern in geschlossenen Kreisen (Gespräche zwischen CEOs, Hintergrundgespräche in Gremien, Lobbygespräche). Hier werden die Regeln für Gerechtigkeit oft vorverhandelt, bevor sie in die Öffentlichkeit gelangen. Das ist keine Teilhabe im Sinne von Diskurs, sondern die Vorwegnahme von Entscheidungen.

Provokant gefragt: Wie demokratisch ist der aktuelle Diskurs noch, wenn die Spielregeln vorab in geschlossenen Kreisen verhandelt werden? Droht hier nicht eine langsame Erosion demokratischer Teilhabe?

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Moin.

Es ist fast kaum zu ertragen, wie hier der Wohlstand und die Umverteilung geleugnet wird. Es muss mehr Gerechtigkeit geben, das ist wohl gleichzusetzen mit : die Reichen müssen für die Armen bezahlen. Dann wird alles gut..

Zwei Punkte muss ich vorweg schicken, ich war lange auch der klassisch linken Ansicht, dass eine Gesellschaft so funktionieren sollte, wie oben beschrieben, .und zweitens ich selbst bin sicher nicht reich. Bin Alleinverdienender mit zwei Kindern. Wir sind weit weg von den 100.000 € Jahreseinkommen.

Im Eilzug habe ich in den letzten Monaten eine Läuterung durchgemacht.. Weg von der Umverteilung, hin zur Selbstbestimmtheit und Eigenverantwortung!

Ich möchte für mich und meine Kinder Chancengleichheit. Ich möchte das Gefühl haben, dass es uns absehbar besser gehen kann, wenn wir uns nur hart anstrengen. Und dasselbe wünsche ich mir für unsere Gesellschaft! Ich möchte auch dort hinkommen, dass ich mir nicht jeden Tag um das Geld Gedanken machen muss! Ich möchte meine Kinder auf die beste Schule schicken können. Ich möchte den beiden die Welt zeigen können. Ich möchte nicht aus finanziellen Gründen auf ein drittes Kind verzichten müssen!

Dafür brauche ich aber nicht den Staat, der uns das Geld jeden Monat in großen Summem abnimmt, um es für Subventionen und Umverteilung auszugeben.

Was sagst du, wenn du gefragt wirst, wem du mehr vertraust mit DEINEM Geld umzugehen? Haushaltest Du lieber selbst mit Deinem Geld oder gibst Du es lieber ab und vertraust auf die Institutionen?

Für mich steht die Antwort fest! Ich vertraue uns als Familie mehr und glaube, es ginge uns viel besser, wenn wir jeden Monat mehr übrig hätten und selbst entscheiden könnten, wofür wir es ausgeben.

Chancengleichheit, Bildung und Infrastruktur muss durch den Staat nicht nur gewährleistet und sichergestellt und im höchsten Maße gefördert werden. Jedes Kind, egal welcher Herkunft, muss die gleichen Chancen haben. Kita, Schule Studium, hier dürfte nicht gespart werden, es muss investiert werden! Jedes Kind, egal welcher Herkunft, muss die gleichen Chancen haben! Zur Infrastruktur gehört mehr als Straßen und Brücken, das ist auch freies und funktionierendes WLAN, guter ÖPNV, aber auch moderne Sportstätten , die.jedem.zur Verfügung stehen!

Es ärgert mich aber wenn die Kohle stattdessen in endlose Sozialausgabeb gesteckt Wird und dann wiederum in.Maßnahmen um.Sozialbetrug zu vermeiden! Dafür müssen diese Soziaöausgaben natürlich noch bewilligt werden, was auch wieder Geld kostet! Das Mittel gegen Sozialbetrug ist keine Sozialausgaben! Etwas ähnliches gilt a.m.S. für Subventionen! Das sind Sozialausgaben für.Besserverdienende.Wenn ich der Meinung bin, dass ich mir eine E-Auto, eine Sanierung leisten oder auch meinen Partner heiraten möchte, sollte ich es machen. Wenn solche.Dimge aber nur mache, weil ich Förderung vom.Staat kriege, läuft doch etwa grundsätzlich schief!

Wir benötigen nicht die Poltik und schon gar nicht die Verwaltung, die sich um alles kümmern. Wir brauchen Menschen, die sich um Menschen kümmern! Wir brauchen Familien, die sich um sich sorgen (können) Ein wünscheswertes Miteinander kann nicht staatlich verordnet werden, es gedeiht durch ein grundsätzlich positives Selbst- und Weltbild , was wiederum gefördert wird, wenn man das Gefühl hat, Schmid seines Glückes zu sein.

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