Beide Sachen kann man voneinander anders bewerten, also richtig oder falsch finden. 32 Millionen Euro Bargeldvermögen ist etwas anderes als 32 Millionen Betriebsvermögen. .
???
Herr Döpfner hat sein Geld in BILD gesteckt für den Tag, als die Schenkungssteuer berechnet wurde. Ergebnis: Keine Steuer
Die Linke hat im Bund noch nie regiert und die SPD redet zwar gerne von den kleinen Leuten, aber kümmert sich nicht um sie.
Das Gefühl kommt also aus der direkt erlebten Alltagserfahrung.
Dazu habe ich weiter oben auch einen Artikel zu Chorweiler (Problemviertel in Köln) verlinkt.
Wer sich nicht vertreten und abgehängt fühle, gehe dann auch oft nicht mehr zur Wahl. Ein Teufelskreis setze ein: In den Problemvierteln werde auch weniger Wahlkampf gemacht, oft fehlten schlichtweg auch die Infos.
Warum die Schwächsten nicht mehr links wählen | tagesschau.de
Mal konkret:
Die Partei „Die Linke“ wirbt ja meines Wissens auch für eine Vermögenssteuer. Möchte also das sehr gut Begüterte mehr abgeben.
Steuer heißt dann, diese Vermögenssteuer fließt erstmal ins Steuersäckel.
Der „Normalverdiener“, der trotzdem am Ende des Monats gucken muss ob das Geld reicht bis hin zum Geringverdiener fragen sich dann, was habe ich konkret davon?
Wofür diese Steuergelder ausgegeben werden, kann ich nicht beeinflussen. Kann für meine Schule um die Ecke sein, aber auch für Artilleriemunition für die Ukraine, die man in den USA kauft.
Also erstmal abstrakt, ohne das die Betroffenen direkt einen Nutzen haben.
Jetzt sagt die AfD, wir streichen das Bürgergeld bzw kürzen es drastisch. Was bei den beschriebenen Wählern ankommt: dann ist mehr Geld in den Sozialkassen, was ggf mir zugute kommt, wenn ich es brauche.
Dazu der psychologische Aspekt: beides richtet sich ans Gerechtigkeitsempfinden. An „die da oben“ und die „da unten“.
Wie @Doppelrahmstufe schon andeutete, tritt man lieber nach unten, weil das ja „faule Schmarotzer“ sind, um dieses Narrativ aufzugreifen. Bei den Reichen kommt dann das schon genannte Narrativ „das haben die sich ja irgendwie erarbeitet (Leistung)“, und zudem brauchen wir das Geld ja für die Wirtschaft.
Beides medial richtig befeuert zeigt Wirkung.
Also Sache der kognitiven Wahrnehmung?
Das ergibt doch keinen Sinn? Wieso ist im einen Fall klar, dass der Bürger profitiert, im anderen nicht?
Bürgergeld wird auch nicht aus der Sozialkasse finanziert - falls dort dein Denkfehler liegt.
Ich wollte die vereinfachte Denkweise möglicher Wähler darstellen, nicht meine. ![]()
Nun ja, der Tagesschau-Artikel bezieht sich auf zwei Landtagswahlen 2022 im Westen. Die Wahldaten zeigten damals, dass Benachteiligte oft in die Wahlenthaltung flüchteten, denn die Wahlbeteiligung sank stark. Die Bundestagswahl 2025 hatte hingegen die höchste Wahlbeteiligung seit der Wiedervereinigung.
Die Frage ist, denke ich, was man unter kognitiver Verarbeitung versteht.
Wenn man auch darunter versteht, dass „diese Denkprozesse nicht bewusst ablaufen und nicht rational sein müssen“ und „Einstellungen, Überzeugungen, Erwartungen“ eingeschlossen sind (vgl. Wikipedia), dann würde ich eher zu einem Ja tendieren, wobei der Einfluss von Emotionen dann meines Erachtens immer noch nicht hinreichend inbegriffen wäre.
Das ist jetzt gar nicht kritisch gemeint, da ich zuvor ja auch im Wesentlichen vom Denken geschrieben habe. Ich wollte das für mich nur noch mal explizit machen, dass die Art und Weise der Verarbeitung von Informationen ja auch viel mit Gefühlen zu tun hat.
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, also das Abwerten von Minderheitenangehörigen, die nicht zu meiner Ingroup gehören, hat ja auch emotionale Aspekte, wie wohl auch das ‚Nach oben buckeln und nach unten treten‘. Dabei sind schließlich v. a. Hirnregionen aktiv, die gerade nicht zum Abwägen und zur Handlungsplanung/-steuerung genutzt werden.
Short and simple - und das wäre meine Hypothese: Das limbische System ist leichter mit rechten Narrativen ansprechbar.
Das würde dann auch logisch erklären, warum diese einen psychostrukturellen Vorteil gegenüber linken ‚Ideen‘ haben.
Man könnte jetzt unter solchen Aspekten - und ich sage das wertfrei und ohne es für richtig zu halten (im Gegenteil) - zu dem Schluss kommen, dass es eines linken Populismus’ bedarf.
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Eine aktuelle Umfrage aus Österreich zeigt noch mal die Einstellung vieler Leute:
Rund jeder neunte Österreicher hält eine Diktatur unter Umständen für die bessere Staatsform. […] Elf Prozent blieben unentschieden.
22 Prozent sind also nicht gegen die Diktatur.
Während 85 Prozent der befragten Wählerinnen und Wähler mit Neigung zu den österreichischen Grünen eine Diktatur voll und ganz ablehnen, liegt der Wert bei Menschen, die die FPÖ präferieren, lediglich bei 44 Prozent.
Ebenfalls erhoben wurde in der Umfrage die Zustimmung zur Aussage „Was Österreich jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“. Hier stimmten 16 Prozent voll und 14 Prozent überwiegend zu. Nur ein Viertel der Befragten lehnte die Aussage strikt ab.
(Die Zeit)
30 % befürworten also ausdrücklich eine völkische Ein-Parteien-Autokratie.
Kein Wunder, dass die rechtsextreme FPÖ dort aktuell in Umfragen auf über ein Drittel der potenziellen Stimmen kommt.
Österreich hat ein deutlich höheres Rentenniveau usw. Am vermeintlichen Neoliberalismus kann es also nicht liegen, dass Rechtsextreme dort derart stark sind.
Das belegen ja auch andere Studien, zum Beispiel hier:
Studie Nichtwähler
Gespaltene Demokratie - Soziale Spaltung der Wahlbeteiligung
Dass Menschen aus prekären Milieus seltener wählen, bestreite ich gar nicht.
Das kennt man schon lange.
Die Studien, auf die du verweist, sind ja auch schon älteren Datums, bis vor die Gründung der rechtsextremen AgD zurückgehend.
Meine Vermutung wäre, dass das spätestens seit der Wiedervereinigung immer schon so war, was die Relation der Wahlbeteiligungen von meist gebildeteren Gut- und Besserverdienenden und oft eher geringer gebildeten Ökonomisch-Schlecht(er)gestellten angeht.
Der Anteil der wahlberechtigten Langzeitarbeitslosen an allen Wahlberechtigten lag zuletzt bei höchstens zwölf Prozent. Diese Teilgruppe ist jedenfalls auch bei stark reduzierter Wahlbeteiligung alleine schon mal nicht sonderlich relevant fürs Wahlergebnis.
Je nachdem, wen man dazuzählt, umfassen die wirklich prekären Milieus ein Fünftel bis zu einem guten Viertel:
Das ist nicht nichts, aber - ganz wertfrei - ist die demokratiepraktische Handlungsmacht dieser Wähler begrenzt.
Nun müsste man sich angucken, welche Wahlbeteiligungen und -präferenzen diese Milieus bei der letzten Bundestagswahl, die mit der höchsten Beteiligung seit der Wiedervereinigung, gezeigt haben.
Zunächst ist mal anzunehmen, dass auch deren Wahlbeteiligung gegenüber früheren Wahlen deutlich gestiegen ist.
Dass erhebliche Teile dieser Wählerschaft für linke ‚Ideen‘, geschweige denn für progressive/linksliberale Politik erreichbar sind, würde ich mal bezweifeln.
Klingt ja eher fatalistisch.
Anders gefragt: was müsste man als Progressive Partei mit eher linkem Programm tun, um diese Wählergruppen anzusprechen? Also das Interesse zu wecken und die Lebensrealität dieser Menschen anzusprechen?
Es wäre ja fatal von vornherein zu sagen, die wollen wir nicht bzw die verstehen unser Programm eh nicht.
Wenn man mit seinen Ideen nur eine kleine exklusive Gruppe adressiert, bleibt man politisch in einer Nische und guckt nur zu statt zu gestalten.
Das meinte ich auch nicht. Mir erscheint es aber realistisch, darauf keine großen Hoffnungen zu setzen.
Die verschiedenen Gründe für meine Skepsis habe ich hier ja schon vielfältig dargelegt.
Aus der oben verlinkten Publikation ist da noch folgende Abbildung interessant:
Die 6,5 %, die dem Typ der „Akquieszenz“ zuzuordnen sind, wählten ja schon tendenziell Die Linke. Das war allerdings vor ihrer Aufspaltung.
Aber die Typen „Regressive Veränderungsaversion“ (6,9 %) und „Instrumenteller Wachstumsindividualismus“ (7 %) sind schon per definitionem schlecht ansprechbar. Ähnliches gilt für Wähler vom Typ „Zurückgezogene Notwendigkeit“ (12,2 %), deren „mittlere politische Selbstverortung liegt […] signifikant rechts vom Durchschnitt aller Befragten.“
Es ist kein Gamechanger, aber bei den heutigen Mehrheitsverhältnissen bei Wahlen können ein paar Prozent schon viel ausmachen.
“Links” hat es eigentlich unglaublich einfach in einer Demokratie. Nimm Einem 500 und verlier ihn als Wähler, gib fünf Anderen je 100 und gewinne sie als Wähler.
Es scheitert dann langfristig aber daran, dass die 500 in der Folge abschmelzen und nach dem ersten Impuls ein gesamthafter Abstieg erfolgt. So sieht die Außenwirkung aus, weil “links” zum Teil auch degrowth und Verzicht offen vertritt. Nicht sexy.
Die Linke hat gleichzeitig den Ruf, Geld ineffizient zu vergeuden. Mehr Abgaben erhöhen somit die Staatseinnahmen, das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die Wohlfahrt gesteigert wird. Geld vergeuden auch SPD, Union etc., aber bei den Linken hat es zumindest den Ruf, besonders oft nur in linken Projekten unter Beteiligung nicht-produktiver anderer Linker versenkt zu werden. Ich sehe das Problem zwar quer durch die Landschaft, weil alle Parteien in Regierungsverantwortung bereits viel teurere Sachen versemmelt haben, aber der Ruf ist in der Breite dennoch besser. Ich vermute es liegt an der ideologischen Selbstüberhöhung, die bei Vergeudung dann besonders übel genommen wird (z.B. bereits im ganz Kleinen sowas wie die Kotti-Klos in Berlin).
Sehr witzig.
„Geld vergeuden“?
Dafür steht Union &Co. Insbesondere Jens Spahn. Und es gibt noch nicht einmal einen Untersuchungsausschuss…
Von wegen „Links vergeudet Geld“.
Hast du meinen Beitrag überhaupt vollständig gelesen?
Es ist mehr als deutlich, wo der Schwerpunkt liegt. Und diesem Schwerpunkt widerspreche ich, da er falsch ist.
Auch die Verschonungsbedarfsprüfung war ein rechtes Werk. Und die hat den Staat unglaublich viel gekostet.
Um noch einmal einen Impuls zu geben. In dem Schaubild sind unterschiedliche Parteien dargestellt und bis zum großen Auftritt der AfD gab es immer wieder Mehrheiten von SPD, Grünen (und der Linke). Dies ist nun nicht mehr der Fall, obwohl die Linke ein Allzeithoch feiert und auch die Grünen relativ gut darstehen. Die große Schwäche liegt bei den Sozialdemokraten.
Auf Parteien bezogen wäre eventuell die bessere Frage, welche Art von neuer Partei den “Ausfall” der Sozialdemokratie kompensieren könnte. Die Linke und Grünen werden zusammen kaum die 35% erreichen, die es braucht für eine Koalition mit der SPD. Ist die “Krise” der linken Ideen eventuell lediglich eine Krise der Sozialdemokraten?
Sehr ihr im näheren Ausland eine erfolgreiche Alternative für die Sozialdemokraten? Oder linke Ideen/Herangehensweisen, die beim Wahlvolk fruchten?
Ein Aufbäumen der SPD mit Blick nach „links“?
Du solltest zum einen einbeziehen, dass es bei der letzten Bundestagswahl mit außergewöhnlich hoher Wahlbeteiligung die mit Abstand größte Abwanderung von der SPD zur CDU/CSU gegeben hat und die Mitte-Studie 2025 ergab, dass 25,7 % der potenziellen SPD-Wähler Klassismus (einen Aspekt der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit) zeigten, was insg. sogar der höchste gemessene Wert war (s. Abb. 4.4).
Du solltest zum anderen einbeziehen, dass sich der Wähler-Pool seit Wahlteilnahme der AgD deutlich verändert hat und sich die AgD-Wählerschaft zu einem ganz erheblichen Teil aus vormaligen Nichtwählern speist. Aufgrund der AgD wählen nun viele Leute, die lange gar nicht gewählt haben, weil es kein solches (erfolgversprechendes) parteipolitisches Angebot gab.
Das wäre aber ja eigentlich die Zielgruppe für „linke“ Politik a la Teilhabe, soziale Gerechtigkeit und Umverteilung.
Einige haben ja schon klar geäußert, dass sie als Vertreter der Vermögenden linke Politik eher als Bedrohung empfinden.
wirkt da dann schon wohlfeil.

