Alles nachvollziehbar, aber einen - aus meiner Sicht zentralen - Punkt hast du nur angedeutet.
Menschen sind - in unterschiedlichem Maße - anfällig für Vorurteile.
In der Wikipedia heißt es dazu:
Zusammen mit der politischen Einstellung des Autoritarismus (Right-Wing-Authoritarianism , kurz RWA) bildet SDO [sc. Soziale Dominanzorientierung] das stärkste Prädiktorenpaar für Vorurteile.
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit richtet sich ja gegen gesellschaftliche Minderheiten.
Der Philosoph Arthur Schopenhauer hat es mal so formuliert:
Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.
Wer sich also per Zufall zur Mehrheit zählen kann, schafft durch Abwertung von Fremdgruppen- aka Minderheitenangehörigen ein Unten, von dem er sich abgrenzen und dem gegenüber er sich erhaben fühlen kann.
Also eine leistungslose Selbstaufwertung aufgrund von zufälliger Zugehörigkeit.
Diese mag nun für bestimmte Gruppen besonders ‚verführerisch‘ sein.
Die Tendenz zur Fremdgruppenstereotypisierung und -abwertung (aufgrund von Vorurteilen) ist erst einmal universell. Niemand ist davon gänzlich frei.
Man muss schon aktiv dagegen anarbeiten, um sie (weitgehend) zu überwinden.
Da linke Politik erst mal von der Gleichwertigkeit aller Menschen - unabhängig von ihrer Gruppenzugehörigkeit - ausgeht, ist dieses Ziel schwieriger zu erreichen, weil es mehr geistige Anstrengung erfordert.
Folglich ist Linkssein psychostrukturell im Nachteil.