Sind "linke" Ideen weniger überzeugend?

Mal eine provokante Frage:

Wenn man einerseits sieht, wieviel Zuspruch die rechten Ansichten einer AfD als auch eher rechtskonservative Ansichten von CDU/CSU haben (obwohl inhaltlich wenig dahinter steckt),
warum überzeugen die Ideen vom eher linken Spektrum nicht?

Trotz des Erfolges der Linken dümpelt man im Vergleich doch eher auf der Hälfte der Stimmen herum…

Was sind Gründe?

Sprechen die „linken“ Ideen trotz Empirie die Menschen nicht überzeugend an?

Fühlen sich die Wähler nicht abgeholt, weil nicht verständlich angesprochen?

Werden die Ideen eher für eine kleine akademische Gruppe formuliert (und auch nur verstanden)?

Oder sind einfach alle anderen zu verfestigt rechts, also 80% der Wähler „verloren“ für linke Ideen und Ansätze?

Einfach mal in die Runde geworfen…

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Das würde ich nicht sagen. Ein wesentlicher Grund für die massive Kampagne der Union gegen die Grünen war mMn, dass die im Wählerpool der Union wildern konnten. Allerdings ist eine andere Frage, was eigentlich als “linker” Ansatz gilt.

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Zur Frage werfe ich mal eine viel zitierte Studie ein:

Low-effort thought promotes political conservatism

Linkes Denken setzt also schon mehr Denkanstrengungen voraus.

Es gibt auch neurophysiologische Studien, die auf die Funktion des präfrontalen Cortex’ hindeuten (z. B. „Toward a neuropsychology of political orientation: exploring ideology in patients with frontal and midbrain lesions“). Von seinem Funktionieren hängt prosoziales Verhalten wesentlich ab.

Folglich ist links-liberales Denken gewissermaßen evolutionär im Nachteil.

Es ist wohl kein Zufall, dass höher Gebildete eher zum Linksliberalismus neigen, wie sich in unzähligen Daten immer wieder zeigt.

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Aus dem pädagogischen Alltag kann ich feststellen, das es eine sehr individuelle kognitive Leistungsfähigkeit gibt.
Das lässt sich bis zu einem gewissen Grad trainieren und steigern, doch irgendwann reichen Anstrengungen allein nicht mehr aus.
Dann braucht es Hilfe… :wink:

@JohanneSAC gute Frage:
Wie definiert man eine eher „linke“ Haltung oder Denkweise?

Getreu dem Spruch “Wer in jungen Jahren nicht links ist hat kein Herz. Wer im Alter noch links ist hat kein Hirn” [Achtung: Überspitzung], merke ich an mir selber, dass ich zunehmend weiter in eine wirtschaftsliberale Richtung rutsche.

Für die Diskussion wäre es wirklich wichtig und spannend “links” zu definieren. Ich würde mutmaßen, dass sich jeder hier im Forum einem linken Spektrum zuordnet - sonst wäre man nicht bei der LdN oder diesem Forum gelandet. Nur was bedeutet das?

Nach wie vor ist für mich eine antifaschistische Haltung Teil meiner Identifikation und Ursache, weshalb ich mich links einordne. Ebenso halte ich Chancengleichheit, soziale Absicherung und Solidarität hoch.

Gleichzeitig fällt es mir zunehmend schwerer mich den Ideen linker Parteien anzufreunden. Die Gründe sind vielseitig und mir fehlt gerade die Zeit alle aufzuführen - vielleicht ergibt sich das noch im Laufe der Diskussion. Um es kurz zu halten: Ideen wie Erbschaftssteuer (unterhalb extrem hoher Bagatellgrenzen) oder die Glorifizierung von Degrowth Fantasien schrecken mich ab.

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Bin zwar kein überzeugter KI-Freund, aber mal als Duskussionsgrundlage:

Politisch links der Mitte (oft als Mitte-Links bezeichnet) beschreibt eine politische Position, die zwar noch im breiten Spektrum der Mitte verortet ist, aber stärker linke Werte wie soziale Gerechtigkeit, staatliche Umverteilung, Chancengleichheit und Mitbestimmung betont, während sie sich von radikalen linken Positionen abgrenzt, aber konservative oder liberale rechte Ansichten ablehnt. Typischerweise finden sich hier Parteien, die soziale Sicherungssysteme stärken, Umweltschutz fördern und gesellschaftlichen Wandel befürworten, aber innerhalb demokratischer Strukturen agieren.

Merkmale der Mitte-Links-Position:

  • Sozialstaat: Befürwortet staatliche Unterstützung für Familien, Arbeitslose und Benachteiligte, um soziale Ungleichheit zu verringern.
  • Gleichheit: Setzt sich für Chancengleichheit und gegen Diskriminierung ein.
  • Demokratie & Partizipation: Legt Wert auf Mitbestimmung und aktive Bürgerbeteiligung.
  • Wirtschaft: Tendenziell eher regulierend als deregulierend, mit Fokus auf soziale Verantwortung der Wirtschaft.
  • Verhältnis zur Mitte: Die genaue Abgrenzung ist fließend, aber Mitte-Links strebt nach Konsens, jedoch mit einer stärkeren Betonung progressiver, sozialer Anliegen als die reine Mitte oder die Mitte-Rechts-Position

Abgrenzung:

  • [Links der Mitte] vs. Mitte: Mitte-Links ist weniger konservativ und traditionell als die Mitte und fokussiert stärker auf soziale Reformen.
  • Links der Mitte vs. Linksaußen/Linksextremismus:**Während Linksaußen eine radikale Systemumgestaltung fordert, agiert Mitte-Links innerhalb des bestehenden politischen Systems.
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Mindestens seit der Agenda 2010 wurde in Deutschland schrittweise eine konservativ neoliberale Meinungs und Deutungsmaschine aufgebaut, die weit über einzelne Parteien hinaus wirkt. Wirtschaftsnahe Thinktanks, große Medienhäuser, insbesondere aus dem Springer Umfeld, sowie CDU und FDP haben über Jahre hinweg konsistente Narrative gesetzt und bei jedem politischen Problem reflexhaft nach unten getreten. Der Markt gilt als vernünftig, Staat als ineffizient, Gewerkschaften als überholt, soziale Absicherung als leistungsfeindlich. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck klarer Interessen. Kapitalstarke Akteure verfügen über Geld, Medienmacht und institutionellen Zugang, um ihre Perspektiven dauerhaft im öffentlichen Diskurs zu verankern. Die gesellschaftliche Gegenseite ist strukturell unterfinanziert, medial schwächer vertreten und wird zusätzlich delegitimiert.

Politische Talkshows haben diesen Prozess nicht korrigiert, sondern durch permanentes False Balancing weiter verstärkt. Empirisch belegte Analysen werden regelmäßig mit bloßen Meinungen gleichgesetzt, soziale Forderungen reflexhaft als ideologisch abgewertet. Über Jahrzehnte wurde so einer breiten Öffentlichkeit eingeprägt, dass soziale Gerechtigkeit unrealistisch, kollektive Interessenvertretung verdächtig und linke Akteure grundsätzlich als extrem wahrgenommen werden.

Wie tief dieser Deutungsrahmen inzwischen verankert ist, zeigte sich bei der Vorstellung der Kriminalitäts und Verfassungsschutzstatistik durch Innenminister Dobrindt. Trotz klarer Datenlage, nach der rechtsextreme Straftaten und Personenpotenziale zahlenmäßig und dynamisch deutlich dominieren, wurden linke und rechte Extremisten kommunikativ nahezu gleichgesetzt. Durch selektive Einordnung und grafische Darstellung mit unterschiedlichen Skalierungen entstand ein verzerrter Eindruck, der die tatsächlichen Größenverhältnisse verwischt. Das ist kein Ausrutscher, sondern die logische Folge eines seit Jahrzehnten normalisierten Narrativs, in dem ökonomische Interessen als Vernunft erscheinen, während gesellschaftliche Gegenpositionen systematisch delegitimiert werden.

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Ein wesentlicher Grund wird in der Fragmentierung und Radikalität der politisch „progressiven“ Reformbewegungen liegen. Konservative und reaktionäre Parteien haben in einer Demokratie aufgrund der menschlichen Natur und Erfahrungen automatisch einen strategischen Vorteil:

  • Vorteil der Konservativen: Für die allermeisten Wähler ist der Status Quo erträglich. Es gibt sehr viele Reformvorschläge weg vom Status Quo, aber nur wenige würden tatsächlich die Lebensumstände (der Mehrheit oder des Durchschnitts) der Wähler signifikant verbessern. Die meisten Menschen sind risikoavers und sind daher im Allgemeinen nicht bereit, den erträglichen Status Quo aufs Spiel zu setzen.
  • Vorteil der Reaktionären: Eine Reform weg vom Status Quo hat also nur dann Erfolg, wenn eine Mehrheit der Wähler von einem attraktiven Nutzen-zu-Risiko-Verhältnis überzeugt ist. Reaktionäre haben den Vorteil, dass sie durch einen Verweis auf ein Geschichtsbuch vermeintlich haargenau aufzeigen können, wie ihre Welt aussehen würde. Die Unsicherheit bzgl. der Veränderung ist also minimal und damit auch das empfundene Risiko. Hinzu kommt, dass wir Menschen dazu neigen, die Vergangenheit positiv zu verklären („früher was alles besser“, und dank Hollywood wissen wir, dass das Mittelalter ausschließlich von edlen Rittern und hübschen Prinzessinnen bevölkert war).

Um gegen diese strategischen Nachteile anzukommen, müssten sich die progressiven Reformbewegungen auf konkrete Einzelforderungen konzentrieren, die sie nacheinander abarbeiten bzw. bewerben, beginnend mit den für die Mehrheit der Wähler nützlichsten Forderungen. Stattdessen setzen die eher progressiven politischen Parteien mit ihren Wahlprogrammen aber auf vollumfängliche Reformpakete, die jedes für sich auch Forderungen enthält, die nicht von einer Mehrheit der Wähler unterstützt werden. Ferner bedeuten diesen Reformpakete jeweils ein deutlich größeres Risiko als es eine Einzelforderung bedeuten würde. Dass manche Forderungen besonders radikal sind, erhöht das Risiko weiter.

Meine Empfehlung an progressiven Parteien wäre, dass sie alle radikalen Forderungen, die auf absehbare Zeit keine Chance auf eine Unterstützung der Mehrheit der Wähler haben, aus ihren Wahlprogrammen streichen. Diese Forderungen könnten weiterhin als Fernziel in den allgemeinen Parteiprogrammen beworben werden, aber den Wählern müsste eben glaubhaft die Angst genommen werden, dass die Partei ihr politisches Kapital dafür zweckentfremden wird, jene radikalen Forderungen in der kommenden Legislaturperiode gegen den/ihren Wählerwillen einzuführen bzw. zu unterstützen.

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Vorsicht vor solchen Schlussfolgerungen, das grenzt an moderner Phrenologie. Es muss kein Zufall sein, kann aber sehr wohl mehr Korrelation denn Kausalität sein - vielleicht fördert das soziale Mikroklima einer Universität eine politisch eher linke Prägung, dann wäre das Links-Sein auf die selbe Ursache wie die Bildung zurückzuführen, eine klassische Scheinkorrelation durch einen dritten Faktor.

Auch gibt es ja durchaus die Meinung, dass die Wokeness-Linken sich durch eine tatsächliche oder vermeintliche Aufgabe zentraler aufklärerischer Prinzipien wie dem Universalismus (zugunsten eines auf dem Konzept der Gruppenidentitäten basierendem Partikulardenkens, Tribalismus) weit von klassischen linksliberalen Ideen entfremdet haben, siehe Beiträge wie Links ist nicht woke von Susan Neiman.

Ich habe mich als Arbeiterkind seit meiner Jugend immer links gesehen, mich persönlich hat das linke universitäre Umfeld aber eher wieder unpolitischer werden lassen (oder genauer: Ich würde mich nicht mehr links, aber auch nicht rechts nennen). Ich weiß nicht, wie ich es genau beschreiben soll - irgendwie hatte ich oft das Gefühl, dass in Diskussionen zu viel moralische Überheblichkeit und zu wenig Demut mitschwingt.

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Citation needed.

Funktioniert bei SPD und CDU ja super. Die haben jetzt schon keine Agenda außer Status Quo verwalten.

Im Gegenteil. Wenn ein Großteil der Menschen mit dem Status Quo hadert, und die etablierten Parteien an Glaubwürdigkeit verlieren, weil ihnen nicht zugetraut wird das Leben der Menschen wirklich zu verbessern, dann ist der Verzicht auf Ideen zur grundsätzlichen und signifikanten Verbesserung der Lage der komplett falsche Weg.

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Mag es vielleicht daran liegen, das gute aber progressive Ideen eher belehrend von oben herab „verkauft“ werden? Also das man Wählergruppen für „zu dumm“ hält, um Zusammenhänge zu verstehen (und damit nicht erklären will) und die Leute das spüren lässt?
Selbst wenn man recht hätte, Leute lassen sich ungern als „dumm“ hinstellen, und gegen dann eher auf Abwehrhaltung.

Evt. ein Faktor?

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Ich denke, der Eindruck entsteht vor allem dadurch, dass sich in der Mittelschicht gut links sein lässt.
Man hat genug zu leben, einen relativ sicheren Job und soziale Teilhabe. Zeit, sich den gesellschaftlichen Problemen zu widmen.
Dem gegenüber steht der Konservative, der sieht, wie er in seinem Job von ständigen Veränderungen angegangen wird, irgendjemand ist immer reicher als man selbst obwohl der sicher nicht mehr arbeitet als man selbst, im Verein wollen die jungen Mitglieder ständig sich mit neuen Ideen einbringen während doch alles schon immer gut war.

Und noch woanders steht der Mindestlohnempfänger oder Arbeitslose. Er versucht wirklich alles, aber kommt einfach nicht weiter. Das Geld reicht nicht zum Monatsende, die Miete und das Auto wird immer unbezahlbarer und die Rente eines Tages schwebt wie ein Damokles-Schwert über allem wie auch die Befürchtung, dass einmal der Backofen oder die Waschmaschine die Grätsche macht. Er hat mal SPD gewählt, vielleicht sogar links, aber gebracht hat es wenig.

[Landtagswahl 2022:]
Beispiel Köln-Chorweiler, ein als sozialer Brennpunkt bekanntes Hochhausviertel: Nur etwa jeder Fünfte ging dort zur Wahl, die Wahlbeteiligung lag in diesem Stadtteil bei 21,9 Prozent.
Warum die Schwächsten nicht mehr links wählen | tagesschau.de

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Ist das so? Oder werden gut erklärte Ideen so lange mit Lügen und dummen Falschbehauptungen beworfen, bis es um nichts anderes mehr geht als die Lügen?

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Es gibt schon überzeugende Belege bzw. gute Indizien für einen kausalen Zusammenhang:

Untersuchungen an 12.000 Zwillingspaaren, die während vier Jahrzehnten in fünf Ländern durchgeführt wurden, ergaben, dass eine Neigung zu bestimmten politischen Einstellungen angeboren ist.

Konservative zeigten sich insgesamt weniger geistig flexibel als politisch links eingestellte Personen, und besondere Mühen bereitete Konservativen der Assoziationstest. Offenbar dachten sie in engeren Bahnen.

Wer hingegen im Kartentest mit seinen wechselnden Regeln schwach abgeschnitten hatte, äußerte auffallend oft Sympathie für Autoritäten. Und je eindeutiger Befragte angegeben hatten, Routinen zu schätzen, umso ausgesprochener zeigten sie in der Regel nicht nur autoritätsgläubige und konservative, sondern auch nationalistische Einstellungen.

Intelligence is correlated with a range of left-wing and liberal political beliefs. This may suggest intelligence directly alters our political views. Alternatively, the association may be confounded or mediated by socioeconomic and environmental factors. We studied the effect of intelligence within a sample of over 300 biological and adoptive families, using both measured IQ and polygenic scores for cognitive performance and educational attainment. We found both IQ and polygenic scores significantly predicted all six of our political scales. Polygenic scores predicted social liberalism and lower authoritarianism, within-families. Intelligence was able to significantly predict social liberalism and lower authoritarianism, within families, even after controlling for socioeconomic variables. Our findings may provide the strongest causal inference to date of intelligence directly affecting political beliefs.

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0160289624000254

Es ist auch logisch. Intellektuelle Neugierde ist das Gegenteil des Sich-Wohlfühlens in Routinen.

Und neugierige Menschen suchen sich anregende soziale Umgebungen wie z. B. Hochschulen.

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Vielleicht beides?

Ich würde es jetzt eher in Frage stellen, dass Routinen ein Zeichen unterdurchschnittlicher Intelligenz seien.

Ganz im Gegenteil werden Routinen sogar als äußerst wichtig für Hochbegabte gesehen.

Gerade wer sich viel mit mit neuen, fordernden Informationen umgibt ist oftmals nicht offen für Veränderungen im Alltag.

Daher stelle ich vor allem den kausalen Zusammenhang durchaus in Frage.

Es beginnt ja schon damit, dass Intelligenz nicht gleich Intelligenz ist. Menschen sind auf verschiedenen Gebieten mal mehr mal weniger intelligent.

Und es gibt auch sehr viele Studien die vor allem die soziale Prägung als Ursache sehen.

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Die Empirie ist anders:

Eine große Analyse zeigt: Hochbegabte unterscheiden sich nur in einer Eigenschaft von anderen: der Offenheit für neue Erfahrungen. Sie verlassen gern ihre Komfortzone, sind flexibel im Denken und Verhalten, dazu oft unkonventionell mit einem Faible für Kunst und Kreativität.

Offenheit für neue Erfahrungen ist u. a. folgendermaßen gefasst:

  • mit Vorliebe für Abwechslung (statt Routine) […]

Am […] Ende der Skala (wenig Offenheit) stehen Adjektive wie konservativ, konventionell, routiniert, uninteressiert usw.

(Hervorhebungen von mir)

Zusammenfassend lässt sich festhalten:

Hochbegabte waren deutlich offener für jegliche neue Erfahrungen. Ihnen fällt es damit sowohl leichter, die Perspektive eines Menschen, der völlig anders denkt als sie selbst, anzunehmen und zu durchdenken, als auch, ihre Komfortzone zu verlassen: neues Essen auszuprobieren etwa oder sportliche Herausforderungen anzunehmen. Offenheit für neue Erfahrungen geht der psychologischen Forschung zufolge auch einher mit intellektueller Neugier, Flexibilität, Unkonventionalität, einem Gefühl für Kunst, Kreativität und liberalen politischen Einstellungen.

Und damit sind links-liberale Einstellungen gemeint (s. verlinkte Metaanalyse).

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Wir driften ab.

Mal eine Vermutung.

Es gibt progressive „linke“ Ideen, die wissenschaftlich belegt und logisch sind, aber eine durchaus „radikalere“ Umsetzung erfordern.
Dabei werden teils die Lebenswirklichkeiten vieler Gruppen ignoriert oder zumindest nicht ausreichend berücksichtigt.
Quasi Kollateralschäden auf dem Weg zum hehren Ziel, aber eher unabsichtlich.
Das erzeugt dann Widerstand, die an sich gute Idee wird als negativ und bevormundend geframt und landet im Orkus.

Das Problem was man in der politischen Mitte offenbar hat, wenn man versucht alle mitzunehmen, ist das man viele Kompromisse machen muss, was die Ergebnisse und Ziele verwässert. Je mehr man sich von der Mitte entfernt, desto geringer die Bereitschaft zu Kompromissen.
Aber dann steigender Widerstand der anderen Seite.

Dann eine intellektuelle Überlegenheit zu propagieren macht den Widerstand nicht kleiner, weil wieder von oben herab…

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Offenheit für Neues auf der einen Seite schließt aber Routinen auf der anderen Seite nicht aus!

Dass du hier Routinen und unterdurchschnittliche Intelligenz in einen Topf wirfst halte ich für extrem fragwürdig und beantwortet die Frage wie Intelligenz und politische Einstellung Zusammenhängen nicht im geringsten.

Du zeichnest hier ein Bild, dass auch aus dem von dir verlinkten Artikel nicht im geringsten hervorgeht.

Edit:
Zudem ist fraglich ob die Studien aus den USA wo durch das auf zwei Positionen reduzierte Angebot leichter eine Richtung definiert wird, direkt übernommen werden können.

Bei dem komplexeren Angebot in Deutschland würde ich wirklich in Frage stellen ob Wähler der Grünen wirklich weniger intelligent sind als Wähler der Linken, ob sozialliberale Anhänger der FDP weniger intelligent sind als Anhänger der SPD.

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Mit einer Studie kann ich nicht dienen, aber mit einer Plausibilisierung: Bei der letzten Bundestagswahl sind 29 Parteien angetreten. Wenn man nun alle Forderungen der 29 Wahlprogramme zusammenwirft, wie groß ist Ihrer Meinung nach der Anteil an „verbessernden“ Forderungen? Die Wahlprogramme sind wohlgemerkt bereits vorselektierte Liste an Forderungen, die halbwegs durchdacht sind. Nehmen wir stattdessen alle Forderungen, die auf den Parteitagen zur Diskussion gestellt werden oder gar alle Forderungen, die an irgendwelche Stammtischen vorgebracht wird, dann wird der Anteil an „verbessernden“ Forderungen vermutlich nochmal erheblich schrumpfen.

Ich verstehe SPD und CDU als konservative Parteien (wobei sich die CDU unter Merz zunehmend ins reaktionäre Spektrum verschiebt), das passt dementsprechend zu Ihrer Beobachtung.

Das habe ich nicht geschrieben. Ich habe geschrieben, dass auf jene Ideen verzichtet werden soll, die nicht zu einer signifikanten Verbesserung führen, und dass das politische Kapital explizit nur bzw. konzentriert für jene Ideen verwendet werden soll, die zu einer signifikanten Verbesserung führen.