Sind "linke" Ideen weniger überzeugend?

Ehm, wie auch @pbf85 anschneidet in seinem letzten Post, würde ich die der Studie zugrunde gelegten politischen Einstellungen bzw. Polgefüge nicht in den ‘deutschen’ (gerade hier im Forum verstandenen) Links-Begriff übersetzen. Soweit ich weiß wären selbst die US-Demokraten nach unserem Verständnis allenfalls eine CDU mit SPD-Sympathien. Für Liberalismus und gegen Authoritarismus zu sein bedeutet macht jemanden noch lange nicht zum Grün-/Links-Wähler.

Das klingt so, als sei der überwiegende Teil der Mittelschicht Links, wohingegen Konservative eher die Abgehängten sind? :sweat_smile:

Statt mit dem ganz breiten Pinsel aus der Vogelperspektive zu arbeiten, wäre doch eher eine Untersuchung interessant, wie sich die politischen Einstellungen nach Studienfachausrichtung verteilen. Dann wäre der Punkt mit der Intelligenz von vornherein geklärt.

Zusammenfassung von ChatGPT, wenig überraschend:

Kurzfassung: Studienfach und politische Einstellung hängen statistisch zusammen, aber es sind Tendenzen, keine festen Regeln. Sozialer Hintergrund, Milieu, Persönlichkeit und Hochschulumfeld spielen ebenfalls eine große Rolle.

Typische Zusammenhänge (empirische Tendenzen)

Sozial-, Geistes- & Kulturwissenschaften
Beispiele: Soziologie, Politikwissenschaft, Erziehungswissenschaft, Geschichte, Philosophie

Häufigere Tendenzen:
links bis links-liberal
hohe Zustimmung zu Umverteilung, Gleichstellung, Minderheitenrechten
skeptischer gegenüber Marktmechanismen, Militär, Nationalismus
Erklärung: Fokus auf Machtstrukturen, soziale Ungleichheit, Normen und Kritik bestehender Ordnungen.

Wirtschafts- & Rechtswissenschaften
Beispiele: BWL, VWL, Jura

Häufigere Tendenzen:
liberal bis konservativ-liberal
Betonung von Markt, Leistung, Rechtssicherheit
geringere Zustimmung zu staatlicher Umverteilung (v. a. BWL/VWL)
Differenzierung:
VWL oft liberal-ökonomisch
Jura politisch breiter, aber institutionell-konservativer

MINT-Fächer
Beispiele: Mathematik, Informatik, Physik, Ingenieurwesen

Häufigere Tendenzen:
politisch moderat, teils technokratisch
weniger ideologisch, stärker lösungs- und effizienzorientiert
Ingenieurwesen etwas konservativer als Naturwissenschaften
Erklärung: geringerer Bezug zu normativen Gesellschaftsfragen im Studium.

Medizin & Gesundheitswissenschaften

Häufigere Tendenzen:
sozial-liberal bis moderat
hohe Zustimmung zu Solidarprinzipien im Gesundheitssystem
gesellschaftspolitisch eher progressiv

Lehramt

Häufigere Tendenzen:
links-liberal
starke Orientierung an Chancengleichheit, Inklusion, sozialstaatlichen Lösungen

Jetzt überlegen wir mal kurz welche dieser Studienausrichtungen in der Top 3 Industrienation Deutschland das Gros des GDP erwirtschaften (womit der Sozialstaat sowie einige der der Okkupationen der Absolventen der anderen Ausrichtungen am Ende des Tages finanziert werden (müssen)) und dann müssen wir uns vielleicht auch nicht wundern das links-linke Positionen nicht so populär sind. Just my 2 cents

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Nicht abgehängt, aber gefährdeter mit der persönlichen sozialen und wirtschaftlichen Position zu hadern. Damit sind wir in der Bedürfnispyramide eine Stufe tiefer. Das gesellschaftliche Wohl muss vor dem eigenen Wohl zurückstehen. Wer links ist, hat andere persönliche Ansprüche an das Leben. Das Aktiendepot muss nicht jährlich neue Rekorde brechen, es muss reichen. Ein i-MiEV spricht schon vom Namen keinen Konservativen an, bei Design und Komfort ist erst recht Schluss. Das Ding hat sich aber verkauft. Da die persönlichen Ansprüche eines Linken in unserer Luxuswelt leichter zu befriedigen sind, hat er bald Zeit, sich um gesellschaftliche Themen zu sorgen, nicht unbedingt zu lösen.

Ein Problem, das wir rechts nicht haben.

Ich glaube die Kompromissbereitschaft nimmt ab, je stärker man sich beiden Extremen annähert, sowohl rechts wie links.
Die Art und Weise ist sicher anders.

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Habe es nicht so wahrgenommen, dass beim Thema Abschiebungen um Kompromisse gerungen wurde oder beim Bürgergeld. Wo es Widerstand gibt, ist die Vorratsdatenspeicherung, aber auch da nicht in der breiten Bevölkerung, sondern eher ein Nerd-Thema, genauso wenn es um das Verbrenner-Aus geht. Fallen dir rechte Themen ein, die in der Mitte auf breiten Widerspruch stoßen?

NATO-Austritt, EU-Austritt, so ein paar Punkte von rechts kommen auch nicht gut an.

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Oder genetisch neugierige veranlagte Menschen gehen an Hochschulen, wo sie in einem soziokulturellen Umfeld gebildet werden, das meist links ist. Das Gehirn ist entsprechend entwickelbar.

Mir ist jetzt nicht klar (auch nach schnellen Querlesen der im Tagesspiegel verlinkten Studie) wie das in der Studie berücksichtigt wird.

Als ich mich letztes mal mit dem Thema beschäftigte war diese Forschungsrichtung auf jeden Fall nicht mehr als eine Theorie und weniger wissenschaftlicher Konsens. Ist das mittlerweile anders?

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Man müsste sich jetzt über echte Innovation unterhalten. Die kommt oft aus neuen Ansätzen in der Mathematik (wissenschaftsgeschichtlich z. B. komplexe Zahlen, Riemannsche Geometrie usw.) oder der Grundlagenforschung. Der Rest ist dann einfach bloß, was im Englischen „to compute“ genannt wird, also dem einfachen regelbasierten Abarbeiten von Algorithmen, was Maschinen inzwischen meist besser beherrschen als Menschen, da es nichts anderes als das mechanistische Abspulen von Denkroutinen ist.

Die auf außergewöhnlicher geistiger Kreativität beruhenden Innovationen tragen letztendlich weit mehr zum BIP bei als das schnöde Abwickeln von Routinen. Den Rahm schöpfen aber die Mediokren ab, die diese notwendige Basis dazu nutzen, etwas in marktgängige Produkte zu übertragen.

Die wirklich kreativen Hochbegabten sind aber in aller Regel sehr offen für neue Erfahrungen. Die echten Innovationen sind auf sie zurückzuführen.

Höhere Bildungsinstitutionen sind ja wandelbar. Dies lässt du außer Acht. Studierende prägen das intellektuelle Klima genauso wie der Lehrkörper. Beide Gruppen stehen in einer Wechselbeziehung. Gleichwohl gibt es ein starkes Übergewicht an Menschen mit links-liberalen Einstellungen an Hochschulen. Selbst wenn man nur von einer sehr eingeschränkten Wechselwirkung ausginge, ist Linksliberalismus offenbar für die Studierenden sehr attraktiv, denn sonst würden sie ihn ja zurückweisen.

Noch ein paar allgemeine Überlegungen seien angemerkt:

Linksliberalismus ist immer komplizierter fürs Individuum, weil er Diversität gutheißt, weil er Empathie voraussetzt, weil er Gegebenheiten außerhalb des unmittelbaren Nutzens fürs eigene Ego mitdenkt, weil Zukünfte jenseits des Bestehenden imaginiert werden müssen usw. usf.

All das macht ihn anspruchsvoller, anstrengender und geistig herausfordernder als Ideologien, die auf der Sicherung des eigenen Status quo (Verteidigung persönlicher Privilegien), der Wiederherstellung einer alten Hierarchie, dem Unterwerfen unter autoritäre Herrschaft, Komplexitätsreduktion durch Abwehr von Diversität, Rücksichtslosigkeit (gegenüber Benachteiligten, zukünftigen Generationen etc.) beruhen.

Linksliberalismus perpetuiert also Komplexität, während sein Gegenpol auf Vereinfachung setzt.

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Ich habe gerade ein Beispiel aus Social Media warum linke Ideen bei vielen nicht zünden. Reichinek redet darüber, dass Preise nicht steigen würden sondern erhöht werden und nimmt Lidl als Beispiel die dadurch, dass sie die Preise bei Lebensmitteln erhöhen können wie sie wollen Schwarz zum reichsten deutschen gemacht haben.

Wenn man jetzt aber die Margen im Supermarkt kennt, insbesondere dann auch was nach Abzug aller Kosten bleibt, dann frage ich mich wo hier das Potential wäre bei Lidl die Preissteigerung der letzten Jahre nur aus der Marge von Lidl zu erklären.

Sie nimmt Milch als Beispiel und nimmt den Verkaufspreis und den Preis der Bauern als einziges Kriterium. Wertschöpfung und Kosten dazwischen gibt es in ihrem Video nicht.

Zudem behauptet sie in diesem Bereich würde der Markt versagen. Die Entwicklung der Butterpreise als Beispiel zeigt aber doch sehr eindrücklich, dass die Discounter sinkende Kosten im Einkauf sehr direkt auch weitergeben.

Überhaupt ist der Lebensmittelhandel, insbesondere die Discounter ein schlechtes Beispiel. Deutschland hat enorm geringe Preise für Lebensmittel und selbst in den Nachbarländern im Osten mit deutlich niedrigeren Lohnkosten sind die Lebensmittel im Supermarkt im Schnitt teurer.

So ein Video zeigt für mich, dass man gar nicht daran interessiert ist Wirtschaftskompetenz zu zeigen sondern es geht ausschließlich um Klassenkampf.

Natürlich holt das kaum jemanden ab der sich der Komplexität von Preisen bewusst ist.

Und so hat sie zwar schon auch ein wenig Recht, dass Preissteigerungen auch gemacht werden konnten weil das aktuell gut vermittelbar war, reduziert das Thema aber rein auf Schwarz und ignoriert, dass die Steigerungen auch durch steigende Lohn- und Energiekosten sowie höheren Margen bei den Herstellern zustandekommen.

Für mich ist das eine Politik die sich ganz gezielt nur an Menschen ohne Wirtschaftskenntnisse richtet.

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Um einmal zurück zur eigentlichen Frage des Threads zu kommen, ein aktuelles Beispiel, das perfekt zu den Punkten über moralische Arroganz und Selbstüberhöhung in Verbindungmit internem Fraktionierungsverbot passt: Der Brandanschlag auf Andreas Büttner (Antisemitismusbeauftragter Brandenburgs, Linke-Mitglied).

Falls es jemand nicht mitbekommen hat (ein wenig auch zum Nachlesen: Nach Brandanschlag gegen Linkenpolitiker: Die Grenze zur Gewalt will nicht jeder in der Linken sehen | taz.de ): Schuppen angezündet, Scheibe eingeschlagen, rotes Dreieck an die Tür gesprüht. Dazu Morddrohung per Brief. Büttner & Familie jetzt unter 24h-Polizeischutz.

Breite Verurteilung von SPD, CDU, Grünen, etc., aber aus der Linkspartei-Spitze? Erst sehr spät und formelhaft, möglichst ohne interne Konfrontation. Büttner selbst sagt öffentlich: Er ist enttäuscht.

Warum? Weil er Antisemitismus nicht nur rechts, sondern auch links benennt – besonders in anti-israelischen und „palästinasolidarischen“ Kreisen. Er kritisiert die IHRA-Ablehnung der Partei, die „Genozid“-Rhetorik und fordert Abgrenzung von Hamas-Sympathisanten. Dafür gilt er als Nestbeschmutzer.Statt den Anschlag für Selbstkritik zu nutzen („Haben wir ein Antisemitismus-Problem in der Linken?“), wird er weiter angegriffen oder isoliert.

Genau das Muster, das Wähler abschreckt: Eigene Position moralisch absolut aufladen, dann wird jede Abweichung zum Verrat und es gibt keine offene Debatte.

Das erklärt für mich mit, warum linke Ideen für viele nicht mehr anschlussfähig sind: Dogmatisch und ideologisch, wenig streitbar (wenn man nicht dem vorherrschenden Trend folgt).

Das ist einfach nicht attraktiv. Ob die AfD so viel debattierfreudiger ist, sei mal dahingestellt, aber das Problem in der Linken (nicht alleine die Partei, ich meine die gesamte Richtung) wird dadurch ja nicht kleiner.

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Dennoch ist da vieles ja nicht falsch.
Die Discounter diktieren den Lieferanten die Preise. Wenn Eduscho sagt, sie können Kaffee zu dem gewünschten Preis nicht mehr liefern, werden sie aus dem Sortiment genommen, bis sie es doch irgendwie möglich machen. Südzucker würde das gleiche Produkt nicht in Discounter-Verpackung füllen, wenn sie einen Hebel hätten, sich dagegen zu wehren. Auch darf man nicht den Fehler machen, die Margen des einzelnen Ladens mit den Margen der Schwarz-Gruppe zu vergleichen. Denn auch hier diktiert die Schwarz-Gruppe, wie es zu laufen hat, noch ärger dort, wo Filialleiter selbständig sind, wie bei Edeka. Dazu kommen dann die Miet-Einnahmen der Filialen, wie wir seit Benko wissen, auch ein guter Hebel zur Gewinnmaximierung.

Das Nennen von einzelnen Anekdoten führt nirgendwo hin.

Es ging ja um linke Ideen.

Eine plausible Definition gibt die Wikipedia:

Die mitunter weit voneinander entfernten Strömungen der politischen Linken eint […], dass sie von der Gleichwertigkeit der Menschen ausgehen und den Egalitarismus unterstützen, oft, indem sie sich gegen den Erhalt sozialer Hierarchien stellen.

Im Gegensatz zur Rechten:

Die politische Rechte ist der Teil des politischen Spektrums, der von einer Ungleichheit der Menschen ausgeht und daher eine gesellschaftliche Hierarchie befürwortet oder akzeptiert.

Das ist erst mal die Grundlage.

Da die reale, zunehmend komplexer werdende Welt jede Menge Ungleichwertigkeiten beinhaltet, sagen Linksliberale, dass es positiven Fortschritt geben muss, um Abwertungen und Benachteiligungen zu überwinden.

Ihre höhere Geistesleistung gibt ihnen die Freiheit, neue Wege im sozialen Zusammenleben zu suchen. Sie können wegen ihrer Intelligenz eher Ressourcen für Menschen aufwenden, die nicht mit ihnen verwandt sind, und sind eher für staatliche Wohlfahrt, die höhere Steuern erfordert.

„Um progressiv zu sein, brauchen Menschen kognitive Leistungsfähigkeit. Wer immer im Bekannten bleibt, muss nicht viel überlegen.“
Ähnlich erklärt der Londoner Forscher Kanazawa die Ergebnisse. Mit Intelligenz könne sich der Mensch von Traditionen abwenden.

Was wir gerade - weltweit - erleben ist die Gegenbewegung, die Abwehr der realen Komplexität der Welt, die künstliche Simplifizierung durch die Überforderten und der Rückzug auf angestammte Privilegien, die der Status-Verteidigung dienen, aber zur Legitimierung von Ungleichwertigkeit benutzt werden.

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Die Linke ist leider für einen großen Teil der deutschen Bevölkerung seit Jahrzehnten faktisch unwählbar, weitgehend unabhängig von ihren konkreten Forderungen. Das liegt weniger an aktuellen Programmen als an historisch gewachsenen Zuschreibungen und einer dauerhaften Diffamierung. Seit ihrer Entstehung wird sie über ihre tatsächliche politische Praxis hinaus mit der SED Vergangenheit, mit Systembruch und politischer Unzuverlässigkeit assoziiert. Diese Narrative wurden über Jahre gepflegt und verfestigt, insbesondere in einer demografisch älter werdenden Gesellschaft, für die biografische Prägungen aus Kaltem Krieg und Wiedervereinigung politisch weiterhin wirksam sind. Für diese Altersgruppen ist Die Linke seit vierzig Jahren emotional und kulturell ausgeschlossen, unabhängig von inhaltlicher Übereinstimmung.

In jüngeren Bevölkerungsgruppen verlieren die historischen Zuschreibungen an Bedeutung, während soziale Fragen, Wohnkosten, Arbeitsbedingungen und Vermögensverteilung stärker in den Vordergrund treten. Die generelle Ablehnung der Partei nimmt ab.

Über Jahrzehnte war es jedoch eigens die Aufgabe der SPD, linke, soziale und verteilungspolitische Positionen mehrheitsfähig zu machen. Diese Rolle hat sie zunehmend aufgegeben. Statt soziale Interessen offensiv zu vertreten, wurde sie in immer neue Koalitionen eingebunden, in denen sie regelmäßig blockiert wird, ohne im gleichen Maße die schrittweise Durchsetzung neoliberaler Positionen ihrer Partner zu verhindern. Während Zugeständnisse nach rechts als pragmatisch verkauft werden, bleiben sozialdemokratische Kernforderungen auf der Strecke.

In der Folge hat sich das politische Handeln der SPD kontinuierlich von der namensgebenden sozialdemokratischen Agenda entfernt. Der realpolitische Schwerpunkt ist über Jahre nach rechts gewandert, nicht durch offenen Bruch, sondern durch schrittweise Anpassung. Das Ergebnis ist ein Vakuum, in dem linke Inhalte zwar gesellschaftlich relevant bleiben, aber politisch nicht mehr konsequent vertreten werden.

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Und wie bringst du das überein mit dem Vorwurf an die SPD, dass sie nur noch eine Partei für Arbeitslose und Rentner ist und nicht mehr für Arbeiter und einfache Angestellte?

Selbst Lars Klingbeil hat das erkannt. Zitat:

„Uns ist der Charakter als Partei der Arbeit abhandengekommen“, so Klingbeil. Die Sozialdemokraten seien nicht mehr eine „Partei, die für Menschen da ist, die Leistung zeigen im Job, in der Familie oder auch im Ehrenamt.“ Stattdessen werde die SPD als Partei wahrgenommen, die sich „angeblich nur um das Bürgergeld“ kümmere.

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Bis hierhin hätte ich die folgen können. Aber weiter oben weisst du ja darauf hin, dass es aus SPD und Grünen entsprechende Reaktionen gab. Jetzt ist es natürlich Definitionsfrage, aber in aller Regel werden diese Parteien zumindest in Teilen der “linken” Richtung zugeordnet. Dann widerspricht genau dein vorgestellten Beispiel eigentlich deiner Verallgemeinerung in dieser Klammer.

Forschende der Universität Osnabrück haben gezeigt, dass Wahlversprechen an Arme häufiger gebrochen werden als Wahlversprechen an Reiche. Wenn Arme ihre Stimme für eine Lösung abgeben, sinkt sogar die Wahrscheinlichkeit für eine Umsetzung. Die Rückmeldung an Arme aus dem politischen System lautet: Wenn du dich für deine Belange einsetzt, schadest du dir. (Quelle, Fazit ab 5:00)

Ich kann mir vorstellen, dass linke Ideen auch darunter leiden, dass sie insbesondere eine Wählerschicht ansprechen, die die Erfahrung machen musste, dass sie sich schadet, wenn sie wählen geht.

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Nein, es ist graduell unterschiedlich. Die These lautet: je linker, desto intoleranter gegenüber anderen Haltungen; es gipfelt dann darin, dass auch andere linke Positionen nicht links genug sind und der Feind werden.

Grüne und SPD sind sicherlich weniger links als Die Linke. Bei den Grünen verschiebt sich diese Haltung auch eher auf grüne als linke Positionen; auch hier wird die eigene moralische Überlegenheit gerne vorgetragen. Das wirkt polarisierend, weil Wechselwähler oder Wähler mit nur teilweiser Übereinstimmung sich das ungern geben. Die SPD ist für mich tatsächlich eine Partei der Mitte, weil sie in sich unterschiedliche Positionen vereint (wegen des grottenschlechten Top-Personals aber erfolglos).

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Das ist erneut ein klassisches negatives Framing, das konservative Akteure erfolgreich in die Köpfe der Bevölkerung tragen. Arbeitslose werden nicht nur stigmatisiert, sondern gleich auch noch politisch instrumentalisiert: Die Partei, der angedichtet wird, ihre Interessen zu vertreten, tun es faktisch nicht. Die viel zitierte „große“ Anhebung von Hartz IV auf das Bürgergeld war nichts weiter als ein verspäteter Inflationsausgleich. Kaufkraftbereinigt ist das Leistungsniveau nicht gestiegen, sondern real nur weniger stark weiter gesunken. Wie man daraus ernsthaft ein „Eintreten für Arbeitslose“ ableiten kann, bleibt mir schleierhaft.

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Ein Glück, dass du dann kein Berater von Klingbeil und der SPD bist, denn sie müssen Antworten darauf finden und können sich nicht nur auf “klassisches negatives Framing der Konservativen” zurückziehen. Politik heißt, man muss andere von seinen Positionen überzeugen. Wenn man das nicht kann, dann wird man nicht gewählt.

Was aber am Ende schlecht für die Erzeuger aber gut für den Verbraucher ist. Wird im Video aber ja genau andersrum dargestellt.

Klar. Aber genau das ist ja das was ich am Video so schwach finde. Es gibt sehr wohl Kritikpunkte die berechtigterweise hervorgebracht werden können und die Schwarz Gruppe ist da sicher nicht heilig.

Warum werden dann aber ausgerechnet die Verbraucherpreise bei Lebensmitteln kritisiert, also genau das wo wir in Deutschland sehr günstig sind, auch im Vergleich zu umliegenden Ländern mit weniger Kaufkraft?

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z.B. Einkünfte aus Vermögen, eine unsolidarische, privilegierte Krankenversicherung usw.

Spannend - wie kommst Du darauf, dass mir Einkünfte aus selbst erwirtschaftetem Vermögen nicht zustehen?

Und über die Konstruktion der Krankenversicherung in Deutschland kann man sicher trefflich streiten, aber

a) ich bin persönlich relativ spät in die PKV gewechselt und habe dadurch höhere Kosten als in der GKV - insbesondere wenn man bedenkt, dass ich auch für meine Kinder zahlen muss. Das ist es mir aber Wert, weil ich die besseren Leistungen schätze.

b) mir etliche Ärzte aus dem Freundes-/Bekanntenkreis glaubhaft versichern, dass die eigenen Praxen ohne Privatpatienten schlicht nicht finanzierbar wären.

Ich bin nicht sicher, ob unsolidarisch der richtige Begriff ist, wenn die Privatpatienten dazu beitragen, dass Praxen überhaupt existieren können.

Zum eigentlichen Thread: “linke Ideen” sind weniger überzeugend, weil sie regelmäßig den Praxistest nicht bestehen - das ist halt nicht unbedingt sexy.

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