Sind "linke" Ideen weniger überzeugend?

Auch hier wieder: die Union war noch nie so dogmatisch wie heute. Es schadet ihr in keinster Weise. Wenn rechts die Gewichtung eine völlig andere ist, taugt das als Argument nicht so richtig. Da muss ja schon viel früher angesetzt werden.

Und hier dann nochmal rechts weitergedacht: die Mitte zeigt sich hier sehr tolerant, wenn es darum geht, rote Linien zu verschieben. Die Mitte hat einen Drall nach rechts, besonders wenn man dann davon ausgeht, dass sie gegenüber linken Ansichten wenig anschlussfähig ist. Dass sich der linke Extremismus schwer mit der in ihren Augen kapitalistisch verblendeten Mitte tut, sehe ich auch so. Aber auch rechts tut man sich schwer mit den ganzen Schlafschafen.

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Aus deinem verlinkten Süddeutsche-Artikel:

Die Grünen-Wähler in der Stichprobe hatten als Kinder einen mittleren IQ von 108, Anhänger der Konservativen 104 und Labour-Unterstützer 103. Nichtwähler und Anhänger einer rechtsextremen Partei lagen jeweils unter 100.

Ist Labour nicht eine linke Partei? Demnach hätten konservative Wähler ja einen (wenngleich geringen) höheren IQ als Linke.

Könnten wir bitte aufhören, politische Haltung mit dem IQ zu erklären…
Was für ein Unsinn.

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Generell würde ich erstmal zwischen den beiden politischen Achsen unterscheiden:

  1. Wirtschaftspolitik
  2. Gesellschaftspolitik

Nicht selten sind Menschen bspw. markt-liberal, aber gesellschaftlich eher progressiv.
Oder das Gegenteil: wirtschaftlich klar links, aber gesellschaftlich eher konservativ.

Genau deshalb ist es eigentlich nicht sonderlich sinnvoll als Partei, die tatsächlich eine Regierung stellen will, komplett auf eine Richtung auf beiden Achsen zu setzen. Das schränkt die potenzielle Wählerschaft extrem ein.

Womit wir bei den Problemen von „linker“ Politik wären:

Zunächst einmal ist es immer schwieriger für politischen Wandel jeglicher Art Mehrheiten zu gewinnen, solange es im Großen und Ganzen läuft (s. Merkel-Ära). Aber genau diese Situation kippt seit 2020 immer weiter, eine Krise folgt auf die nächste, und damit gibt es offensichtlich ein Potenzial für radikalere Politik in der Bevölkerung. Denn die Verwaltung des Status quo wird gesellschaftlich als nicht mehr ausreichend betrachtet.

Die Zeichen der Zeit sind:

Wirtschaftskrise, Verteidigung, innere Sicherheit, Migration

Das sind jetzt alles nicht gerade klassisch als links wahrgenommene Themen. Das macht die ganze Sache für das linke Spektrum dementsprechend deutlich schwieriger, als für das rechte Spektrum.

Zusätzlich ist es für mich auch die B-Note.
Linke Politik hat ein Talent dafür, sich unglaublich umständlich und kompliziert auszudrücken. Ebenfalls halte ich den bereits erwähnten und oft von linken Parteien gewählten „vollumfänglichen“ Ansatz für nicht hilfreich. Dieses entweder ganz oder gar nicht, schwarz oder weiß, moralisch richtig oder falsch.

Da ist sehr wenig Platz für die graue Realität und genau das macht es schwer, Menschen mitzunehmen, die zwar Teilen der linken Analyse zustimmen, aber nicht dem gesamten Paket.

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Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen.
Aber liegt halt damit begründet, dass weniger Gebildete oft auch weniger attraktive und schlechter bezahlte Jobs machen, wenig Steuern zahlen, Gefahr laufen, ins soziale Netz zu rutschen und damit für den Politiker weniger attraktiv sind, eher vergessen werden, von Populisten (Kurt Becks Arbeitslosen-Schelte: "Waschen und rasieren, dann kriegen Sie auch einen Job" - DER SPIEGEL) gut angegriffen werden können und früher oder später von der Politik enttäuscht werden. Viele werden Nichtwähler oder Protestwähler und das führt dazu, dass Problemviertel erst recht von Politikern aufgegeben werden.

Das ist wohl ein entscheidender Punkt. Man erklärt es zwar, aber so komplex das es viele nicht verstehen, dann hat man keine Lust mehr zum erklären, und die sind dann halt alle dumm und fallen hinten runter.
Damit generiert man keine Mehrheiten.

Um das unpassende Intelligenz-Thema abzuschließen:

Wenn Linke intelligent sind und Rechte eher dumm, die Rechten aber intelligent genug sind für Mehrheiten und Macht, dann müsste man schon fragen wo sich die Linken dann dumm anstellen.

:wink:

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“Aber die anderen machen…” ist der typische Fehler. Man muss selbst ein Angebot machen und sich nicht als Opfer von konservativem Framing gerieren.

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Darum geht es nicht, sondern darum, warum die Menschen nicht links wählen. Und da ist ein vermeintliches Argument, das auf der anderen Seite nachweislich nicht gilt, kein Argument.

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Dann machen wir es doch mal konkret. Die ideologischen Punkte der Linken sind für mich recht klar. Ob gut oder schlecht ist erstmal egal, ein paar Punkte teile ich mehr oder weniger, manche lehne ich ab.

Beispiele (geht sicher mehr und genauer, das ist was mir als erstes auffällt):

  • Staat löst alles: Vertrauen in Verstaatlichung, Regulierung und Umverteilung, unabhängig davon ob staatliche Lösungen träge/ineffizient sind.
  • Kapitalismus = Hauptschuldiger: Viele Probleme werden primär als Systemfrage gedeutet, weniger als Folge konkreter Politik oder Fehlanreize.
  • Außenpolitik pazifistisch: Skepsis gegenüber NATO, Waffenlieferungen und Abschreckung, realpolitisch aus meiner Sicht schwer haltbar, aber hier sind die Positionen tatsächlich noch relativ divergierend.
  • „No borders“-Reflex und Moral vor Machbarkeit: Sehr offene Haltung, bei der Steuerungs-, Kapazitäts- und Akzeptanzfragen nachrangig wirken und humanitäre Argumente dominieren.

Wenn ich die CDU dagegen lege, fällt es mir viel schwerer, dogmatische/ideologische Positionen zu formulieren. So richtig ideologisch ist das für mich nicht mal.

  • Status-quo-Reflex: Lieber bewahren als verändern, selbst wenn Strukturen (Rente, Föderalismus, Verwaltung) offensichtlich nicht mehr funktionieren.
  • Wirtschaft erst mal laufen lassen: Vertrauen in Markt und Industrie, mit weniger Eingriff bei Klima, Digitalisierung und Infrastruktur. Erst das Fressen, dann die Moral

Kannst du weiterhelfen? Du sagst schließlich, CDU wäre da vergleichbar zu den Linken und müsstest dann beisteuern können.

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Sorry aber diese Einschätzung ist geradezu irrwitzig. Natürlich besteht eine große kognitive Kunst in der Grundlagenforschung. Daraus aber marktfähiges (= es rechnet sich) Angebot zu schaffen das letztlich für die breite Masse skalierbar ist und damit den Wohlstand aller erhöht indem besagte Innovation demokratisiert werden kann, ist nur selten so trivial wie du darstellst, im Gegenteil ist es so manches Mal gar die eigentliche Kunst. Als würde die Grundlagenforschung Milch produzieren. Die Grundlagenforschung entdeckt höchstens die Kuh. Marktteilnehmer machen dann Parmigiano und Appenzeller daraus, den jeder kaufen kann. Ich kenne deinen persönlichen Hintergrund nicht, aber es würde mich doch wundern wenn der in der Ökonomie liegt. Nichts für ungut, aber diese Einschätzung untermauert wohl genau den Punkt meines Beitrags.

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Warum soll es Unsinn sein, wenn es empirisch bestens belegt ist?

Markt regelt alles besser als der Staat

Soziale Hängematte untergräbt den Kapitalismus und den freien Markt

Wunder Punkt. Habe ich auch oben angesprochen
Dem entgegen stand die russlandtreue Position von Union und SPD auch nach 2014 noch und ein geradezu duckmäuserisches Verhalten gegenüber der USA. Die Außenpolitik ist unter der Union ebenfalls gefährlich marktgetrieben: Wandel durch Handel hat vor allem uns gewandelt und in gefährliche Abhängigkeiten getrieben.

Wagenburg-Reflex bei der Union. Heimische Industrie, gerade Vergangenheitsindustrie, wird gehätschelt, dabei oft internationale Unternehmen übersehen. Eine Intel-Ansiedlung konnte ein Habeck angehen, wäre für eine Union undenkbar. Sie hätte geprüft, ob man nicht Siemens und Infineon pushen sollte.

Ob das was die Union bei der Kanzlerwahl, der Rente und der Richterin-Wahl ideologiegetrieben war oder ernsthaft begründen lässt? Und Wirtschaft laufen lassen passiert ja gerade nicht: Rückschritte bei allen CO2-Reduktions-Zielen ist ein massiver Eingriff und wirft Planungen von Unternehmen die mutig in die Zukunft investiert haben, völlig über den Haufen.

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Der Umgang mit den Grünen war für mich schon sehr Ideologiegetrieben.

Auch vieles was man von der CSU so hört. Bildungspolitisch wird z.B. vieles was wissenschaftlich klar belegt ist abgelehnt, weil „Leistung“ und solcher Blabla.

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Weil dies höchstens ein Teil dessen ist, was wir Demokratie nennen.
Politik ist ebenso wenig deterministisch wie die Menschen, die sie gestalten.
Wäre es anders, ließen sich Wahlergebnisse allein aus der Bevölkerungsstruktur ableiten.

Aber Politik ist keine Naturwissenschaft, sondern zutiefst menschlich.
Sie ist ein emotionaler Wettkampf der Ideen, nicht das Ergebnis einer Gleichung.

Für sowas wie Charisma, Rhetorik, Bündnisse, Macht, Skandale, Intrigen, äußere Einflüsse und Momentum ist in deiner Argumentation kaum Platz. Aber genau diese Faktoren haben einen entscheidenden Einfluss auf Wahlen.

Was ich noch hinzufügen möchte, ist ein grundlegendes Missverständnis, das ich in den letzten 10 Jahren im linken Spektrum (in dem ich selber aktiv politisch unterwegs bin) beobachtet habe:

Moral und Fakten aussprechen ≠ automatische politische Mehrheit

Das wäre wünschenswert, aber so läuft der Hase der Demokratie nunmal nicht.
Die Richtung der Linken stimmt, wenn es darum geht, möglichst vielen Menschen helfen zu wollen. Aber eine Richtung ersetzt keinen Antrieb, keinen Plan, keine realistische Machtperspektive! Es geht in einer Demokratie nicht zwangsläufig darum, wer recht hat, sondern wie man eine Mehrheit gewinnt.

Moral ist ein Kompass, aber ohne einen politisch funktionalen Motor bewegt sie rein gar nichts.

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Keiner deiner Punkte überzeugt mich. Einfacher Grund:

Die Linke ist theorie- und wertegetrieben (Antikapitalismus, Systemkritik). Dazu dann hohe Programm-/Realitätsresistenz, für mich dahingehend sichtbar, dass Positionen oft stabil bleiben, auch wenn sie praktisch schwer umsetzbar sind. Moralische Klarheit ist wichtiger als Mehrheits- oder Regierungsfähigkeit, daher gibt es auch den großen internen Dissenz, wenn jemand anderes nicht moralisch genug ist in den eigenen Augen.

Die CDU ist viel pragmatischer, denn Positionen werden situativ angepasst. Es wird doch sogar dauernd vom Rechtsruck der Union berichtet. Merkel hat ebenfalls ziemliche Flexibilität der Union bei vielen Dingen gezeigt. Das geht nicht mit Ideologie zusammen. Das wäre zugleich auch meine große Kritik an der Union, dass sie eben kaum noch für etwas steht, sondern austauschbar wird. Ideologie ist damit eher Hintergrundrauschen (Konservatismus, soziale Marktwirtschaft/Ordoliberalismus) und kein harter Leitsatz. Macht- und Koalitionsfähigkeit schlägt Grundsatztreue.

Wenn ich das zuspitzen müsste, würde ich sagen, Die Linke scheitert oft an der Wirklichkeit, die CDU oft an Ideen.

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Da die Diskussion ohnehin random in alle möglichen Richtungen läuft, mache ich auch noch mal ein Fass auf. Das meiner Einschätzung nach entscheidende.

Empirisch ist nachgewiesen, dass viele Wähler Parteien wählen, die nachteilig für sie selbst sind.

Dieses Faktum zeigt, dass im Grunde der Ansatz, dass das Überzeugen im Sinne des Habens der besseren Argumente so entscheidend wäre, nicht überzeugend ist.

Meine These ist, dass, wenn man erklären kann, warum Leute wider ihre eigenen Interessen wählen, das Rätsel im Wesentlichen gelöst ist.

Dann muss man aber - zwangsläufig - mit psychologischen Erklärungen arbeiten.

Dann müssen wir uns aber über die Einfachheit, Vorurteile zu mobilisieren, negativ zu emotionalisieren und erfolgreich Fake News und Verschwörungstheorien zu streuen, unterhalten.

Ständig den Wähler als aufgeklärten, empathiebegabten, deliberativen Rationalisten mit gutem ethischen Kompass zu verklären ist nachweislich eine Täuschung, die der vom Homo Oeconomicus in ihrer Wirklichkeitsfremdheit ebenbürtig ist.

@Tywin_Lannister

Klar ist Politik keine Naturwissenschaft, aber gewisse Wahrscheinlichkeiten für Wahlpräferenzen lassen sich schon allein aus demografischen und soziostrukturellen Faktoren recht treffsicher vorhersagen.

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Das beruht auf Gegenseitigkeit. Darum höre ich jetzt auch auf. Obwohl ich da gerne noch viel dazu schreiben würde. Aber bringt ja niemand weiter.

Aus meiner Sicht sind das nur verkürzte linke Phrasen. Ich bin z.T. gegen linke Politik (nicht gegen jede übrigens), weil links-Linke nur in der Lage sind Werte umzuverteilen, aber nicht zu schaffen. Das heißt am Ende der Gleichung entziehe ich mit links-linker Politik die Grundlage für Wohlstand und Fortschritt. Kaum etwas von dem was wir heute haben hätte unter Links-linker Politik entstehen können; der heutige Wohlstand und die Moderne werden von links-Linken als selbstverständlich und gegeben angesehen. In einer links-Linken Gesellschaft ist alles gerecht und gleich, da muss man nichts umverteilen, weil es überhaupt kaum was zu verteilen gäbe.

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Würde ich mitgehen.
Aber das ist oft die Erwartung bei (theoretisch) guten „linken“ Ideen, die man dann komplex erklärt, aber an der Wirklichkeit der Wähler vorbei.
Was die Rechten tatsächlich erkannt haben: Keep it short and simple.
Jetzt mag man einwenden, gute komplexe Ideen sind nie short and simple. Allerdings kommen sie dann halt nicht bei der Masse an.
Es braucht halt manchmal Buntstifte….

Ich habe dich oben gefragt, ob das mittlerweile wissenschaftlicher Konsens ist. Letztes Jahr war es auf jeden Fall nicht mehr als eine These.

Darauf hast du nicht geantwortet und behauptest jetzt, es sei empirisch belegt. Also bitte, dann lege den Konsens dar.

Oder ist es viel mehr eine These, die du für logisch (und schmeichelhaft) hältst und deswegen unterstützt?

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