Sind "linke" Ideen weniger überzeugend?

Und zudem ist Moral höchst individuell. Ich erinnere daran, wie einige Linke vor 2-3(?) Jahren Konzertveranstalter aufforderten bestimmte Gruppen nicht mehr auftreten zu lassen. Man unterstellte den Künstlern (mit bekannt sind Ronja Maltzahn und die Band Lauwarm) „Kulturelle Aneignung“ weil sie als Weiße Dread Locks trugen.

Betroffenenverbände distanzierten sich später davon und erklärten, dass Weiße natürlich Dreads tragen dürften.

Ich will die Diskussion dazu nicht wieder anfachen, aber es zeigt wie unterschiedlich Moral doch ist und wie schnell man mit diesem Fokus allein zwar Gutes will, aber Schlechtes tut.

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In den Sozialwissenschaften gibt es nie für irgendwas einen Konsens.

Was ich mit Bezug zu empirischen Daten dargelegt habe, ist aber empirisch sehr gut belegt.

Mehr kannst du nicht erwarten.

@Mike

Dass es bloß am Messaging liegt, erscheint mir unzureichend. Es geht auch um die Anfälligkeit für Vorurteile, bestimmte negative Gefühle und Falschbehauptungen u. dgl. m.

Was das angeht, sind die Rechten im Vorteil.

Das Thema ist komplex, sicher.
Manchmal hilft es aber schon an Teilaspekten zu arbeiten.

Aber das ist doch kein Grund, sich dagegen zu entscheiden, linke Parteien zu wählen. Oder ging das von Politikern aus?
Wir entfernen uns immer mehr von der grundsätzlichen Frage und landen in einer Diskussion, warum rechte Einstellung (nicht mal Politk) besser ist als linke Einstellung.
Das ist doch gar nicht das Thema, sondern zeigt vielmehr das Problem persönlichen Biases, persönliche Abneigungen gegen linke Politik zu haben. Das lässt sich aber doch nicht auf die Gesellschaft spiegeln - oder doch?
Von sich selbst auf andere zu schließen, hat schon viele Forscher in Sackgassen getrieben.

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Das stimmt so nicht. Natürlich gibt es auch in den Sozialwissenschaften Common Sense und bspw. Lehrbuchmeinung.

Empirie allein sagt wenig aus bei einem multifaktoriellen Problem.

Du hast mich falsch verstanden. Ich würde nie dazu aufrufen linke Politiker pauschal nicht zu wählen.

Mir ging es darum, dass ein individuelles Moralverständnis sich nicht allein für politisches Handeln eignet weil es zu individuell ist und damit kaum Potenzial für ausreichende Mehrheiten bietet.

Es war als Unterstützung zu Tywin_Lannister gedacht.

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Vielleicht fehlen Beispiele, also Beweise, für erfolgreiche Staaten mit linker Ausrichtung?

Wenn ich den linken Flügel oder die Linke reden höre, nehme ich immer wahr, dass man die Steuern für arbeitende Menschen mit ordentlichem Einkommen erhöhen will, den Klassenkampf ausrufen will etc. Das macht vielen Angst, und erschüttert das Gerechtigkeitsverständnis vieler.

außerdem empfinde ich linke Kommunikation als unklar. „Gerechtigkeit“, was ist das denn?

„mehr netto vom Brutto“ ist viel greifbarer…

Das „linke vom BSW“ ist auch ein anderes wie von den Linken.

Zudem haben linke Parteien ein Verständnis von Frieden, das nicht mehrheitsfähig ist.

Oft haben auch die Parteien die Nase vorne, die einen begnadeten Kommunikator haben..unabhängig von der politischen Idee…

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Ein Konsens besteht ja nicht mal methodisch, wenn man verschiedene Sozialwissenschaften wie Psychologie, Soziologie, Politologie, Ethnologie etc. pp. nimmt.

Aber da du diese Behauptung aufgestellt hast, kannst du sicherlich ein Beispiel für eine inhaltlich konsensuell unumstößlich erhärtete Hypothese nennen.

Ich halte dann dagegen.

Beispielsweise ist wissenschaftlicher Konsens, dass Bildung und Einkommen stark mit einander korreliert sind und 1 Jahr mehr Bildung im Durchschnitt zu mehr Einkommen führt.

Ich habe es dir aber auch einfacher als das gemacht. Was Lehrbuchwissen ist würde ich auch als Konsens bezeichnen.

Ich habe mir gerade nochmal den vom Tagesspiegel zitierten Artikel von Zmigrod angeschaut. Laut Publisher wurde der Artikel bisher 27 zitiert, von 21 verschiedenen Autoren.

Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, auch mit der Erfahrung eigener Veröffentlichungen, dass das zwar auf einen wahrgenommenen Beitrag zur Wissenschaft hinweist, aber noch lange nicht auf Lehrbuch-Konsens.

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Um mal deinen Maßstab von oben anzulegen, sagt das noch nichts über Kausalität aus.

Psychologen würden einer etwaigen Kausalität u. U. entgegenhalten, dass es Faktoren (z. B. den g-Faktor) gibt, die beides gleichermaßen beeinflussen.

Der Artikel vom Wissenschaftspublizisten Stephan Klein verweist auf verschiedene Forschungsbefunde, z. B. mittelbar auf „Genetic Influences on Political Ideologies: Twin Analyses of 19 Measures of Political Ideologies from Five Democracies and Genome-Wide Findings from Three Populations“, eine Studie, die 220mal zitiert wurde. Dass jüngere Paper von Zmigrod noch nicht so oft zitiert wurden, kann ganz schlicht damit zusammenhängen, dass a) die Studien noch nicht lange veröffentlicht sind oder - theoretisch auch - b) die Community für den entsprechenden Forschungszweig nicht so groß ist. Die von dir angeführte Referenzierung ist aber für den kurzen Zeitraum schon recht beachtlich. Da Zmigrod et al. ihrerseits sicherlich auch ältere Arbeiten auf dem Gebiet zitieren, könnte man jene, wenn sie zu vergleichbaren Ergebnissen gekommen sind, dann auch auf ihre Zitierhäufigkeit hin checken, dann sähe die Sache schon ganz anders aus.

Auf Google Scholar sind für den verlinkten Artikel übrigens annähernd 200 Zitationen vermerkt.

Was du mit „Lehrbuch-Konsens“ meinst, entzieht sich meiner Kenntnis.

Lehrbücher geben einen Überblick über unterschiedliche Konstrukte - oft exemplarisch, um verschiedene methodische Zugänge zu vermitteln. Ich würde mal behaupten, dass etliche Lehrbücher sich widersprechende Hypothesen/Konstrukte aufweisen.

Ich würde die Wissenschaftsdiskussion hier mal abbrechen, weil sie mit dem Thema direkt nichts zu tun hat. Gerne dazu neuen thread oder per PN, wenn am Thema Interesse besteht.
Daher würde ich weitere Post zu diesem irrelevanten Thema nicht mehr freigeben, weil es uns hier nicht weiterbringt,

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Gute Punkte.
Besonders das Friedensthema scheint grad eher realitätsfern, wenn auch moralisch gut gemeint.

Die Zahlen wurden vor der Wahl von mehreren Medien publiziert und da hätten die Pläne der AFD ja wesentlich mehr schockieren müssen.

Wahl: Parteien versprechen deutliche Steuerentlastungen - Nachrichten - WDR

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Es kann sein, dass du das so wahrnimmst, es stimmt so pauschal aber nicht! Die Linke ist für Entlastungen bei Einkommen, bei gleichzeitiger Belastung sehr hoher Vermögen.

Das sieht man auch sehr gut an der verlinkten Grafik von @der_Matti: Falls du mit „arbeitende Menschen mit ordentlichem Einkommen“ nicht nur Einkommen von über 90.000€ jährlich meinst, ist deine Aussage schlichtweg falsch. Für alle Einkommensklassen darunter sinkt die Belastung nämlich! (In der verlinkten Grafik werden Paare beschrieben, deren gemeinsames Einkommen entsprechend bei 180.000€ liegt)

Die Gruppe der Menschen mit Einkommen von über 90.000€ ist auf jeden Fall nicht einfach gleichzusetzen mit „arbeitende Menschen mit ordentlichem Einkommen“. Außerdem würde deren Einkommen um 800,-€ mehr belastet. Bei der Menge an Einkommen keine wirklich große Erhöhung.

Das kann eine Kritik an Kommunikation sein, nicht aber an Inhalten. Keine Partei entlastet Arbeitnehmer so viel wie die Linke. Sie könnte sich also ohne weiteres auch „mehr netto vom brutto“ auf die Fahne schreiben.

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Die Kommunikation ist auf jeden Fall ein Problem. Mich ärgert, dass sie sich da von den Medien immer wieder aufs Glatteis führen lässt mit streitbaren Themen und dann über Vermögenssteuer redet, statt darüber, was das an Entlastung an anderer Stelle bedeuten würde und, wenn man schon so eine problematische Haltung zu Aufrüstung und NATO hat (die, so deute ich das zwischen den Zeilen, nicht jeder im Vorstand teilt), dann verweise ich doch bei einer Frage dazu darauf, dass es da doch innenpolitische Themen gibt, die den Menschen viel mehr unter den Nägeln brennen. Das haben andere Parteien definitiv besser drauf. In dem Zusammenhang auch das Lage-Interview mit Volt ein abschreckendes Beispiel, das nahezu die ganze Zeit darum handelte, dass Bildung ja Ländersache ist.

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Das nehme ich so nicht wahr.

Es geht hier ja darum, warum sich linke Ideen nicht verkaufen lassen und Punkte wie das von mir angesprochene Video von Reichinek wo sie bei allen Punkten die man bei den großen Supermärkten kritisieren könnte ausgerechnet den Verbraucherpreis kritisiert und das in einer Art und Weise in der sie wichtige Punkte der Kostenentwicklung seit 2020 schlicht weglässt schafft eben keinerlei Vertrauen, dass hier wirklich a) Sachverstand und b) ein wirklicher Plan vorliegt. (Die Videos von Söder erzeugen bei mir den gleichen Eindruck, um den Vorwurf vorzubeugen ich würde hier pauschal rechte Ideen besser finden)

Diskussionen um kulturelle Aneignung und Umbenennung von Veranstaltungen mögen zwar nur von einem kleinen Teil der Linken kommen, aber haben weitreichende Auswirkungen darauf wie progressive Positionen generell wahrgenommen werden.

Und auch die Kommunikation ist da oft zweifelhaft. Ich erinnere mich an die Diskussion um Schwangerschaftsabbrüche. Die jusos hatten da einen Wegfall von 218 als Position beschlossen ohne eine Neuregelung zu thematisieren. Damit wurde ihnen unterstellt quasi straffreie Abtreibungen bis zur Geburt zu fordern. Das blieb hängen obwohl man später betonte, dass man zu einer Neuregelung noch keine Position habe.
Da wurde einfach auch handwerklich schlecht gearbeitet (was man später auch selbst zugab) und ein eigentlich wöchiges Thema welches weit in die Mitte hinein von Bedeutung ist begativ besetzt.
Und da war nicht nur Böswilligkeit rechter Medien dabei, sondern einige haben sehr wohl auf Social Media sogar selbst verteidigt, dass ein Entfall von 218 straffreie Abtreibungen bis zur Geburt ermöglicht. Auch wenn das nur Leute aus der 2-3 Reihe der Jusos waren, so hat der Verzicht auf einen Vorschlag zur alternativen Regelung dafür gesorgt, dass man mit einer Position die eigentlich eher mehrheitsfähig war, am Ende auch progressive Wähler der Mitte verschreckt.

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Nimm den gesamten skandinavischen Raum im Vergleich zu dem Rest Europas. Der Rechtsruck hat Skandinavien erst vor einigen Jahren erreicht, weshalb die rechtere Regierung Dänemarks nicht als Gegenargumente genutzt werden sollte.

Ein weiteres Beispiel ist China ab den 90ern mit ihren erfolgreichen 5-Jahresplänen und massiver staatlicher Lenkung. Kuba könnte auch genannt werden, wobei diese natürlich massiv unter amerikanischen Sanktionen leiden.

Kuba als Erfolgsmodell?

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Kuba mit einer Revolution inkl. Hinrichtungen ohne Prozesse und dem Umgang mit der Opposition als Erfolgsmodell und dann fragt man sich warum sich linke Ideen nicht verkaufen lassen?

Edit:
Was nicht heißt, dass es nicht durchaus auch positive Entwicklungen in Kuba gab, z.B. was Alphabetisierung und Gesundheitssystem angeht, aber Kuba kam auch aus einer ganz anderen Ausgangslage als Deutschland. Ich bezweifle, dass es deutsche als Erfolg sehen würden wenn es uns nach ein paar Jahren linker Regierung ähnlich ginge wie den Menschen aus Kuba. Zumal Tourismus zur Devisenbeschaffung hier deutlich schwerer wäre.

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Im Vergleich zu den umliegenden Staaten Haiti, Jamaika und Dominikanische Republik durchaus, insbesondere wenn man auch außerhalb des platten Wertes BIP schaut.

Wohlstand und insbesondere auch eine politische Ausrichtung eines Landes sollte auch immer relativ gesehen werden, weshalb ich als Vergleich andere karibische Staaten gewählt habe.

Als einen weiteren Vergleich könnten auch die gesamten “westlichen” Länder bis zum Wandel hin zum neoliberalen Mitte-Ende der 90er genommen werden. Im Vergleich zu heute war man in den 70ern und 80ern viiiiiiel linker und hatte in DE zum Beispiel eine Vermögenssteuer und höhere Spitzensteuersätze. Damals gab es weniger Ungleichheit, einen höheren gesellschaftlichen Zusammenhalt und gleichzeitig ein höheres Wirtschaftswachstum.

Ich nehme die Debatte hier teilweise als eine Scheindebatte wahr, in der wenig über den deutschen Tellerrand geschaut wird.

Zur Ausgangsfrage: Ich glaube nicht, dass linke Ideen weniger überzeugend sind, sondern dass es immer um die Bewertung der Ideen geht, welche abhängig sind nicht von der Qualität der Ideen, sondern eher vom gesellschaftlichen Klima. Im eher linken Südamerika werden linke Ideen als überzeugender wahrgenommen als im stramm rechten Russland.

Wie die Bewertung einer Idee genau vorgenommen wird, hängt sicherlich vom momentanen gesellschaftlichen Klima und der Bewertung von Meinungsmachern ab (Dominante Medien + Lobbyverbänden + Politikern + Politinfluencern). Ich denke, diese haben eine extrem große Reichweite und Einfluss. Momentan sind diese einfach rechts-konservativ domniert (Welt, Bild, Nius), (Bauernverband, Familienunternehmer) (CDU + AfD >50%) und diese Kräfte sind so erfolgreich laut, dass linke Ideen letztlich nicht die Wirkkraft entfalten, die sie brauchen für eine Umsetzung. Für viele links-grüne Ideen gibt es Mehrheiten in der Bevölkerung, die aber nicht umgesetzt werden (Tempolimit, mehr Klimaschutz, gerechtere Erbschaftssteuer, …).

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