Ob das als Beispiel taugt? Chinas wirtschaftlicher Aufschwung (der Hunderte Millionen aus Armut befreit hat) begann ja erst als die CCP marktwirtschaftliche/kapitalistische Prinzipien in der Wirtschaft eingeführt hat. Dasselbe in Vietnam - wirtschaftlicher Aufstieg kam durch die Einführung der Marktwirtschaft. Nicht überraschend, ganz Osteuropa hat ja nach dem Niedergang der UDSSR das Gleiche erlebt.
Es scheint tatsächlich auch mit den Rahmenbedingungen zusammen zu hängen, zumindest in Deutschland.
Geht es uns grundsätzlich gut, die Wirtschaft brummt, dann haben wir offenbar Zeit uns auch mit „Linken“ Ideen wie Umverteilung etc. zu befassen.
Geht es uns eher „schlecht“, die Wirtschaft hakt, werden wieder eher konservative Ideen aufgegriffen.
Traut man dem eher linken Spektrum dann weniger Problemlösekompetenz zu, aber skurrilerweise den Rechten?
Der Maßstab der Deutschen ist aber Deutschland und nicht Haiti.
Und dass ein Land welches grundlegend in staatliche Infrastruktur investiert besser dasteht als Länder die das nicht tun ist doch logisch. In Deutschland wird aber bereits in staatliche Infrastruktur investiert und zwar mehr als in Kuba.
Kuba kann also vielleicht aus karibischer Sicht als Positivbeispiel gelten, aber sicher nicht aus deutscher Perspektive.
Und das auch nur wenn wir die Lage für Andersdenkende ausblenden.
Ja, wurde es. Bis zum Punkt in dem man sein Einkommen eingeben kann und dann sieht, wie es sich verändert im netto wenn die einzelnen Parteien ihr Programm durchbringen… da scheinen die linken Programme weniger Anklang zu finden…
Ob staatsmodelle wie Kuba und China als gute Beispiele herhalten können, keine Ahnung. Ich kann mir jetzt nicht vorstellen, dass eine Aussage wie „lasst es uns wie in China oder Kuba machen“ Wähler bringt
Skandinavien ist da bestimmt besser in der Kommunikation
Selbst bei Umverteilungsfragen (z. B. höhere Erbschaftsteuer ab 10 Mio., Vermögensteuer ab 100 Mio., höhere Einkommensbesteuerung der obersten fünf Prozent) greifen problematische Einstellungen, z. B. das weit verbreitete ‚Nach oben buckeln, nach unten treten‘, das wiederum auch mit RWA (Right-Wing Authoritarianism) und SDO (Social Dominance Orientation) zusammenhängt.
Auch in solchen Bereichen geht es also oftmals nicht um eine irgendwie rationale Abwägung.
Interessant ist im Zusammenhang mit Reichenbesteuerung noch Folgendes:
Ich bin ja nur am nachdenken, woran es liegt.
wenn ich überlege wie die Parteien vor der Wahl kommunizieren und dass sie natürlich eine Story aufbauen, um zu verfangen, ohne Details, würde ich sagen, die spd und die Linken bringen einfach stark rüber, dass in Deutschland auch der ordentlich leben soll, der nicht arbeitet. Erst im 2. Schritt kommt dann ein „wir müssen die Erwerbstätigen auch entlasten“.
Und die Grafik zeigt das Familieneinkommen. In viele Regionen und DE, insb im Süden und Westen, bist du als Familie mit 120k im Jahr nicht reich, bei Mieten von 2000€+ für genug Wohnraum.
Und wenn du hier bei einem mittelständischen Unternehmen angestellt bist, wirst du schnell merken, dass der Chef nicht will dass die Linken ihrenpositionen durchbekommen.
Aber am Ende schaut man immer auf die Wahlprogramme und leitet daraus etwas ab.. vielleicht ist es viel mehr die Gallionsfigur und die generelle Aura einer Partei.
Bei der nächsten Wahl haben die linken und Grünen wieder Chancen, mit der aktuellen Performance der Regierung..
Wie du selbst sagst, man kann mich immer vom rational und langfristig denkenden Wähler ausgehen.
Die unmittelbaren Lebensbedingungen sind dem Einzelnen oft wichtiger als langfristige gesellschaftliche Ideen in ferner Zukunft.
Ja, das ist sicher schlecht für tiefgreifende Veränderungen, aber wenn ich das nicht adressiere, weil es mir „zu dumm“ ist, krieg ich als Partei keine Stimmen.
Möglicherweise auch ein Punkt.
Und selbst im grundsätzlich eher linken Südamerika verlieren sie nun mehr und mehr Regierungen. Chile, Bolivien, Ecuador, Argentinien sind alle nicht mehr linksregiert. Woran liegt das deiner Meinung nach?
Ich gehe davon aus, dass es an mieser Wirtschaftsentwicklung, hoher Kriminalität und dysfunktionalem Staatsapparat liegt, dass die Linke nach Dekaden unangefochtener Regierungszeit in Ungnade fällt.
Puh, so monokausal ist es nicht. Es gibt weltweit gesehen historisch auch genug Beispiele für rechte(re) Regierungen, die bei ihrem Volk in Ungnade fallen oder schlechte wirtschaftliche Ergebnisse einfahren. Japan seit 2010 zB.
Ich versuche mich einmal an einer Erklärung, indem ich die Unterschiede zwischen südamerikanischen Ländern und erfolgreichen Ländern Ostasiens betrachte. In Ostasien haben wir als erfolgreiche Staaten Japan bis ca. 2000 und Südkorea. China nehme ich nur am Rande mit in den Vergleich, da es als großes Land genug Macht hat, andere Wege einzuschlagen als kleinere Nationen - und dies erfolgreich durch Staatskapitalismus durchgeführt hat.
Südkorea und Japan haben verschiedene Wirtschaftszweige stark abgeschottet und diese entwickelt, bevor es diese dem internationalen Handel ausgesetzt hat. Sie haben sich industrialisiert und sind danach dem liberalen Handelssystem beigetreten. Beide Länder verfügen über wenig natürliche Ressourcen und haben eine wettbewerbsfähige Industrie aufgebaut, die sich im Welthandel behauptet und die Länder tragen. Die Strategie war teilweise Isolationismus, Industrialisierung und dann Beitritt zum globalen Handel. Im Falle von Japan kommt hinzu, dass sie später als große Handelsmacht mit eigener monetärerer Souveränität viel Geld in die Wirtschaft pumpen konnten ohne dass das Geld heftig entwertet oder ein Staatsbankrott droht. Sie können durch die Nationalbank im Zweifelsfall alle Schuldentitel kaufen lassen und die Schulden streichen, ohne dass es zu Realwirtschaftlichen Problemen kommt.
Die südamerikanischen Staaten haben eine klar ressourcendominierte Wirtschaft. Man könnte argumentieren, dass dies ein kolonialistisches Erbe ist, bei der die Kolonialmächte auf Ausbeutung gesetzt haben. Diesen Argumentationsstrang möchte ich aber nicht weiter verfolgen. Die Länder haben sich Recht früh dem internationalen Handel geöffnet ohne dass eine Industrialisierung stattgefunden hat. Der Aufbau einer wettbewerbsfähigen Industrie war gegenüber der starken internationalen Konkurrenz nie möglich. Die wirtschaftlichen Wachstumsmöglichkeiten sind begrenzt. Weiterhin hätte man teilweise mit Eingriffen von Außen zu kämpfen, was nicht geholfen hat. Auch sind die Länder nicht mächtig genug als dass sie eine international wirkmächtige Währung anbieten können. Ihre Schuldentitel basieren auf US-Dollar und sie haben keine Möglichkeit für Schuldenschnitte, die nicht extrem von außen sanktioniert werden. Sie sind gegenüber dem Ausland verschuldet.
Sie haben einen anderen Weg als die Ostasiatischen Länder eingeschlagen, der teilweise in ihrem Ressourcenreichtum begründet ist. Wobei die Ressourcen auch nicht die Gelder bringen, die zB der Nähe Osten durch Öl erhält. Die Länder im nahen Osten, die nicht oft von außen überfallen würden, sind relativ reich (Kuwait, Saudi Arabien, Oman, Emirate).
Als relativ armes Land sind durch den internationalen Handel die Entwicklungsmöglichkeiten arg begrenzt. Historisch gibt es nur wenige Länder, die eine Erfolgsgeschichte haben, welche nicht basiert auf Abschottung und Industrialisierung (Japan, China, Südkorea). Ein Beispiel, das tatsächlich ohne Abschottung groß geworden ist, wäre Vietnam. Wobei dieses extrem von einer Auslagerung von Prozessen aus China profitiert, ähnlich wie Tschechien viele Zulieferer für Autofirmen in Deutschland hat. Ansonsten ist Costa Rica ein Exot, der durch Fokus auf ökologische Entwicklung hohe Einnahmen als Öko-Tourismus Land erzielt und zudem kein Problem mit externen Einmischungen von der USA hatte.
Es gibt ökonomisch viel mehr Dimensionen als Links-Rechts und viele Optionen haben kleinere Länder ganz einfach nicht. Das macht Entwicklung sehr schwierig und bei kleineren Ländern eher die Ausnahme als die Regel (Siehe Afrika, Zentral- West- und Südasien, Südamerika).
Man kann auch provokant zurückfragen, ob linke Ideen uns nicht in diese sicherheitspolitische Misere gebracht haben (siehe mangelnde Kriegstüchtigkeit).
Auch ein Punkt.
Links an der Realität vorbei?
Zuviel Wunschdenken?
Du hast sehr viel geschrieben, aber keiner deiner Punkte weist irgendwie auf erfolgreiche linksregierte rolemodels in Südamerika hin. Kannst du das präzisieren oder bin ich zu dumm?
@Mitte Interessant ist für mich, wie Du für Dich Links interpretierst. Meine Interpretation von Links ist eine ganz andere. Vorab muss ich aber sagen, dass ich mich nie wirklich mit den Ideologien der “Linken” intensiv beschäftigt habe. Das heißt, ich habe weder “Das Kapital” gelesen, noch haben mich die Manifeste der einzelnen Strömungen (Marxisten, Trotzkisten etc.) interessiert. Mein Bild von “Links” ergibt sich also aus Erfahrungen, die ich in meinem direkten Umfeld gemacht habe. Mein persönliches Umfeld (und ich) würde sich wahrscheinlich als links-liberal bezeichnen. Für mich bedeutet eine linke Gesellschaft, dass einzelne Menschen ihre Begabungen und Stärken für sich und die Gesellschaft sinnvoll einbringen. Davon profitiert am Ende sowohl das Individuum als auch die Gesellschaft (Staat), und somit ist es auch sinnvoll, dass die Gesellschaft das Individuum fördert und absichert. Die Stärke der Gesellschaft resultiert also aus der Begabung des Einzelnen, die er wiederum der Gesellschaft zur Verfügung stellt. In meinem Weltbild verändert das Individuum die Gesellschaft. Dadurch resultieren Rechte und Pflichten in dem Verhältnis von Individuum zu Gesellschaft und umgekehrt. Grundlage dafür waren früher für mich nur die universellen Menschenrechte.
Seit 2022 ist Artikel 2 der UN-Charta natürlich für mich mehr in den Vordergrund getreten und hat meine Sicht auf angebliche Selbstverständlichkeiten doch stark verändert. Auch dieses kann ich durch meine Sozialisation erklären, da ich in einer Zeit groß geworden bin, in der es zwar einen Kalten Krieg gab, aber subjektiv ein Krieg in Europa sehr unwahrscheinlich war.
Auszug
„Alle Staaten genießen souveräne Gleichheit. Sie haben dieselben Rechte und Pflichten und sind gleichberechtigte Mitglieder der internationalen Gemeinschaft, ungeachtet aller Unterschiede wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, politischer oder anderer Natur.“ Weiter heißt es: „Jeder Staat hat die Pflicht, die Rechtspersönlichkeit der anderen Staaten zu respektieren. Die territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit jedes Staates sind unverletzlich. Jeder Staat hat das Recht, seine politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Ordnung frei zu wählen und zu entwickeln.“
Entgegen mancher Foristen ist Moral ein Eckpfeiler meiner links-liberalen Haltung, und diese versuche ich in meinem Leben überzeugend umzusetzen und dadurch mein Umfeld positiv zu beeinflussen.
Im Grunde wurde das oben schon einmal angeschnitten, als es hieß
Linke (Parteien) setzen gern auf Visionäre Erzählungen, in denen es in einer fernen Zukunft wenn man erst alle Forderungen umgesetzt hat, allen besser gehen wird.
Dabei ignoriert man, dass man all diese Ideen nicht im luftleeren Raum umsetzen wird und Kompromisse eingehen muss, die das Endergebnis verändern werden. Vielen Menschen fehlt vielleicht auch wegen schlechter Erfahrungen der Vergangenheit das Vertrauen in diese Form der Politik, bei der erst in weiter Zukunft der mögliche Ertrag winkt.
Zum Beispiel wäre auf das Grüne Wirtschaftswunder verwiesen, das nur eine Kugel Eis kosten werde. Klar, wenn links umsetzen hätte können wie sie wollten wäre das möglich gewesen, aber das war halt illusorisch.
Oder man könnte auf den CO2 Preis und die Rückzahlung über das sozial gerechte Klimageld schauen. Die Kosten für die Menschen sind gekommen, die angedachten Entlastungen nicht.
Ich wähle sicher weiter grün, aber den Versprechen progressiver Parteien glaube ich mittlerweile nicht mehr. Da ist mir zu wenig realistisches Planen. Mir geht es nur noch um ein notwendiges Korrektiv zur Union/AfD. Geringeres Übel halt.
Skandinavien ist da bestimmt besser in der Kommunikation
Wobei Skandinavien auch nicht der linke Traum ist, den man sich manchmal vorstellt. In Schweden etwa ist die Vermögensungleichheit höher als in Deutschland (Gini-Index von Schweden 88,1; in Deutschland 78,8, siehe Liste der Länder nach Vermögensverteilung – Wikipedia). Dänemark wiederum hat einen deutlich schlechteren Kündigungsschutz als Deutschland. Und eigentlich würde zumindest ich eher einen starken Kündigungsschutz unter linker Politik verstehen.
Wenn sich wie beim Anschlag mit Stromausfall in Berlin dann eine linke Gruppierung bekennt, dann führt das wie hier schon erwähnt zu einem pauschalisiertem negativen Framing:
Macht es künftigen Ideen nicht leichter, weil dann schnell wieder die Ideologiekeule geschwungen wird.
War tatsächlich eine linksextreme Gruppierung für den Anschlag verantwortlich, war es für den Klinaschutz ein Bärendienst, auch für eher linke Ideen.
Danke für die Vorlage.
BWL würde ich da jedenfalls nicht dazu zählen. Viele andere Berufsgruppen schaffen Werte.
BWL mag z.B. Investitionen bewerten können, was einen mittelbaren Mehrwert darstellt. Was noch?
Hast du schon mal in einem Unternehmen gearbeitet?
Investitionsrechnung hast du selbst erkannt.
Budgetplanung, Finanzierung, Prozessoptimierung, Einkauf, Vertrieb… es sind jeweils sehr große Felder und der Übergang zwischen verschiedenen Berufsfeldern und Ausbildungen ist oft fließend.
Wenn man keine Betriebswirte bräuchte, gäbe es sie nicht, da jedes Unternehmen ohne einen Wettbewerbsvorteil hätte. Je kleiner ein Unternehmen und je weniger Regulierung, desto weniger braucht man Betriebswirte.
Das gilt hoffentlich für jeden Studiengang. BWLer wären jedenfalls alleine nicht lebensfähig. Das stellt sich bei Maschinenbauern, Priestern oder Journalisten ganz anders dar.