Sind "linke" Ideen weniger überzeugend?

Bis vor einigen Jahren war die linke Regierung in Bolivien sehr erfolgreich. Unter Evo Morales hatte das ärmste Land Südamerikas viele Jahre wirtschaftlichen Aufstieg und gleichzeitig ist die Ungleichheit zwischen Stadt und Land und insbesondere zwischen indigener Bevölkerung und nicht-indigenen zurückgegangen.

Am Ende ist das Projekt daran gescheitert, dass Morales nicht loslassen kann. Das Einschreiten des Militärs nach den Wahlen 2019 hat dann Fakten geschaffen und seitdem sind sowohl Morales als auch seine ehemalige Partei stark geschwächt.

Wäre er 2019 nicht erneut angetreten, sondern hätte sich zurückgezogen, wäre seine Regierung definitiv ein Positivbeispiel.

Das ist ein wichtiger Punkt.

Hab gar nicht geschrieben, dass man die gar nicht braucht. Ich sehe eher den Zusammenhang, dass ausgerechnet und nur die konservativ und ohne linke Einstellung sind, die so gut wie keinen Anteil an der Schaffung von Werten haben. Geld richtig anzulegen zähle ich da nicht dazu. Im übrigen sehe ich die auch eher falsch platziert bei Prozessoptimierung oder Vertrieb.

Wieso sollte ich auf Rolemodels hinweisen? Meine Intention war aufzuzeigen, weshalb es die südamerikanischen Länder schwer haben, egal ob sie links- oder rechtsregiert werden.

Wenn du gerne linkere Regierungen haben möchtest, die Rolemodels sein können, dann würde ich Skandinavien empfehlen oder Spanien. Was Investitionen und Weitsichtigkeit angeht, sollte auch China genannt werden.

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Ich sehe nicht, wie solche rhetorischen Fragen die Diskussion weiterbringen. Was genau willst du aussagen?

Ohne Kontext kann man solche Phrasen problemlos auch auf rechts ummünzen:

„Rechts an der Realität vorbei?“ - wenn zum Beispiel Migration zum alles zugrundeliegendem Sündenbock gemacht wird und rechtlich grenzwertige Grenzkontrollen und Verfahren angeregt werden, obwohl Deutschland Migration braucht und an EU- und EGMR-Recht gebunden ist.

„Zu viel Wunschdenken?“ - wenn die Union wirklich davon ausgeht, mit ihrer althergebrachten Politik die die Reichen nur noch reicher macht + eine Prise Rassismus der AfD etwas entgegensetzen zu können und sie damit nicht auch noch stark zu machen.

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Kann man den sagen, das es in China nun allen (!) Chinesen besser geht?

Oder gibt es auch da wie im konservativem Kapitalismus arme und reiche Chinesen? Also wie klappt eine Vermögensgleichheit in China?

(Gek. Mod.) Die Frage war, wofür Betriebswirte da sind, nicht ob man Priester braucht.

Ich kenne mich damit nur am Rand aus. Was meinst du mit „nicht loslassen können“? Wollte er sich vielleicht undemokratisch als Diktator an der Macht halten und es gab Massenproteste der Bevölkerung gegen ihn?
Was für ein Positivbeispiel soll das bitte sein.

Das sind doch alles Beispiele bei denen konservative gezielt zum Schaden des Landes manipuliert haben nur um dem politischen Gegner zu schaden. Die Aufzählung könnte man fortsetzen.

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Hast du dazu irgendeinen Beleg? Ingenieure, Techniker und Handwerker sind nicht gerade für ihre besonders linke Einstellung bekannt.
Industriearbeiter mit starken Gewerkschaften gehen noch als Mitte-links durch. Nur weil sie nicht AfD wählen, sind sie doch nicht links.

Ein anderer Gedanke (wegen der historischen Beispiele):

Historisch betrachtet sind die „großen“ linken Staatsmodelle ja quasi alle gescheitert.
Sei es der Kommunismus der Sowjetunion, der Sozialismus der DDR oder vergleichbarer Staaten.
Meist daran, das Menschen die Idee umgesetzt haben, und es letztlich an Machtsstreben und diktatorischem Duktus gescheitert ist.
Sind diese negativen Beispiele ggf auch ein Grund, das allzu linke Ideen oder Reformen per se kritisch gesehen werden?
Also quasi mangels positiver und gelungener Beispiele?

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Er ist erneut zur Wahl angetreten, obwohl es eigentlich eine Limitierung der Amtszeiten gab. In der Wahl wurde er trotzdem gewählt, dann gab es den Verdacht von Manipulation (der sich hinterher nicht bestätigen ließ) und das Militär hat ihn abgesetzt. Nach einer Zwischenphase gab es Neuwahlen, bei der seine Partei erneut gewonnen hat, aber ohne ihn.

Er ist nach zwischenzeitlichem Exil mittlerweile wieder ins Land zurückgekehrt und wieder politisch aktiv, hat es sich aber mit seiner alten Partei sehr verkracht.

Ich habe ja gesagt, es wäre ein Positivbeispiel, wäre er 2019 einfach nicht erneut angetreten.
Davor war sein track-record nämlich sehr positiv. Wie gesagt, unter anderem wirtschaftlicher Aufschwung, eine deutliche Verringerung von Armut und Ungleichheit und das Einbeziehen der indigenen Bevölkerungsteile, die bis davor nicht gleichberechtigt am System partizipieren konnten. Der oben verlinkte Artikel beschreibt das ganz gut.

Moving the goalpoast. Etwas kann auch ein Positivbeispiel in bestimmten Aspekten oder Bereichen sein. Die Forderung, ein Positivbeispiel müsste ausnahmslos in allen Bereichen besser sein um zu gelten, ist unrealistisch. Damit will ich China konkret gar nicht verteidigen, aber die Diskussion führt so zu nichts.

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Das kannst du sicher so sehen. Ich sehe darin aber eher Ideen, bei denen vorher absehbar war, dass sie vermutlich so nicht kommen wie sie gedacht waren.

Ich hatte vorher schon erwartet, dass man das Geld nicht zurückgeben wird weil wir genug Baustellen mit Finanzbedarf haben, in denen dringend Gelder benötigt werden. Demgegenüber waren die in Aussicht stehenden Einnahmen so gering, dass sie im Portemonnaie der Bürger wie Hohn wirken. So hat später auch Klimaminister Habeck erklärt, dass er das fürs Klimageld eingeplante Geld vorerst anders verplant.

Verantwortungsvolle progressive Politiker hätten erkannt, dass ihre ursprüngliche Idee Begehrlichkeiten wecken wird und so nicht in Koalitionen funktionieren wird. Sie hätten nichts versprochen, dass letztlich nicht kommen wird.

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Theoretisch kann das sein. Dann ist aber zumindest fraglich, warum das bei rechten Ideen nicht auch so ist. Da sind die “großen“ Beispiele in der Geschichte ja auch alle gescheitert (Nazi-Deutschland, Mussolini-Italien etc.).

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Insoweit richtig.

Wie beschreiben wir die im wesentlichen für Deutschland doch eher positive Entwicklung?
In der demokratischen Mitte inkl. gewissen Spielraum zu beiden Seiten?
Nachteilig wäre also immer ein Abdriften in eine extremere Richtung, also egal ob rechts oder links.
Wäre also eine Mischung aus progressiven und konservativen Ideen und Konzepten mehrheitsfähig?
Also bleiben wir letztlich immer auf dem „bewahrenden“ Kurs auf dem wir schon seit 1949 waren?

An dieser Stelle der Hinweis, das Nebendiskussionen der Lesbarkeit und inhaltlichen Verfolgbarkeit wegen abgelehnt werden.

Wenn ihr da weiterdiskutieren wollt, gerne eigener Thread oder PN.

Keine Zensur, aber es bringt ein Thema nicht weiter.

Danke für das Verständnis.

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Obwohl ich von rein soziologischen Analysen nicht so sonderlich viel halte, könnte folgende Open-Access-Publikation, die kostenlos heruntergeladen werden kann, ganz interessant sein:

Man kann sich dann gleich zum Kapitel „5.3 Die zehn Mentalitätstypen im Einzelnen“ (S. 91 ff.) durchklicken.

Da sieht man schon, dass das Potenzial für progressive/linksliberale Politik recht begrenzt ist.

Es sei auch noch mal in Erinnerung gerufen, dass es nur wenige Seitenwechsler gibt.

Hier noch zwei wichtige Abbildungen:

Es ist ja nicht nur dieser eine Anschlag, der die linksextreme Szene außerhalb der Gesellschaft stellt. Ganz frisch gerade ausgestrahlt:

Die genauen Ziele und die Wege dorthin unterscheiden sich dabei je nach Strömung: von einer klassenlosen kommunistischen Gesellschaft (MLPD und DKP) über ein völlig selbstbestimmtes Leben ohne staatliche Strukturen (Linksautonome) bis hin zur Rückkehr in einen voragrarischen Zustand ohne industriell-technologische Gesellschaft („Kommando Angry Birds“). Aber eines haben alle Gruppen gemeinsam: „Alle Linksextremisten streben nach einer radikalen Gleichheit und radikalen Herrschaftsfreiheit in der Gesellschaft, und zwar in einer Weise, die mit der verfassungsmäßigen Ordnung in unserem Land nicht vereinbar ist“, sagt Professor Hendrik Hansen, Extremismusforscher an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung.

Es ist niemandem vermittelbar, wie aus diesen Taten für die Gesellschaft etwas Gutes entstehen soll. Gleichzeitig tun sich linke Akteure schwer, die Täter strikt zu verurteilen, weil die Ziele oft konvergieren.

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„Es war ein Fehler, dass man in der Vergangenheit sehr einseitig von politischer Seite aus auf den Rechtsextremismus geschaut hat, und dann auch mal den Islamismus und Linksextremismus vernachlässigt hat“, sagte Hansen im Gespräch mit dem Fernsehsender WELT TV.
Stromausfall in Berlin: „Wenn man eine Gesellschaft destabilisieren möchte, dann geht man auf die Stromversorgung“ - WELT

Vermutlich auch ein Punkt, warum mehr rechts als links gewählt wurde. Wir haben die linken Extremisten einfach zu sehr vernachlässigt. Dann wird ja jetzt alles anders. Wirft aber in Bezug auf den Threadtitel Fragen auf, ob solche Taten der Linken dann nicht mehr nutzen als schaden?

Das ist doch Blödsinn, die Behörden haben jahrzentelang bei den rechten Gewalttaten weggeschaut. Und nun werden Taten, die völlig unbewiesen linken Gruppen zugeordnet werden, schon als Fakt hingestellt. Vielleicht sollte man erst einmal die Ermittler ihre Arbeit tun lassen und weiterhin die Statistiken der extremistischen Straftaten als Basis nehmen, und da stehen rechtsextreme Straftaten eben deutlich vor linksextremen.

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Wem nutzt es, das wäre natürlich die Frage.
Natürlich nutzen Rechte oder Konservative Kreise eine linksextreme Tat für ihre Zwecke aus, während eher liberale oder linke Kreise auch rechtsextreme Taten zu nutzen wissen.
Sowas generell für das eigene Narrativ zu nutzen ist wohl Teil von Politik.

Aber es geht ja weniger um extreme Gewalt, sondern warum ja auch durchaus sinnvolle Ideen aus dem progressiv-linken Spektrum reflexartig auf Widerstand stoßen.
Ich denke wir haben dazu schon viele gute Argumente gehört.
Würde hier mal in Kürze schließen, es driftet sonst schnell ab

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