Stimmt, denn das würde dazu führen, dass, sobald es im Monat die erste Erhöhung der Weltmarktpreise gibt, die groß genug ist, dass sie mehr als einen Cent Anpassung verlangen würde, schlagartig die Tanken in Deutschland den Verkauf von Kraftstoff einstellen würden. Und zwar so lange bis entweder Monatsanfang ist und der Preis wieder auf den dann deutlich höheren EU-Schnitt springen darf oder der Weltmarktpreis wieder nachgibt. An geschlossenen Tanken könnte dann niemand überhöhte Preise zahlen.
Warum? Weil keiner den Sprit mit Verlust verkaufen wird, wenn er in allen Ländern um Deutschland herum Gewinn machen kann. Ganz konkret hätte mit der Regelung Deutschland seit dem 5. oder 6.3. bis gestern auf dem Trockenen gelegen - wegen des deutlichen Sprungs durch den Krieg, der sich leider nicht an deinen Monatsplan gehalten hat.
Mach doch einfach direkt explizite täglich angepasste staatliche Preisvorgaben auf den Cent genau, wenn du schon so weit eingreifen willst. Mit denen würde man sich wenigstens nicht bei der erstbesten Gelegenheit peinlichst in den Fuß schießen. Wahrscheinlich aber bei der zweitbesten.
Da an den Tankstellen das Benzin nur einen sehr geringen Teil des Gewinnes ist, sehe ich das nicht unbedingt so. Gewinn wird hauptsächlich mit Getränken, Tabak und Lebensmitteln gemacht.
Und trotzdem könnten sie Benzin nicht mit Verlust verkaufen wenn der Preis höher ist als der erlaubte Preis.
Vor allem bekommt die Tankstelle selbst ja eh nur Provision und der Mineralölkonzern wird sicher nicht mit Verlust verkaufen sondern zur Not abwarten bis man den Preis aufrufen darf der zumindest kostendeckend ist.
Vor allem würde so ein verbot von Erhöhungen ja auch dazu führen, dass es kaum Motivation gäbe den Preis auch wieder zu senken.
Irgendwann sind halt die Bahnen voll und dann passen keine weiteren Autofahrer mehr rein. Dann muss man den ÖPNV ausbauen, um mehr Kapazitäten zu schaffen.
Ich bin für “Wahlfreiheit” es muss unser Anspruch sein ohne Diskriminierung die Menschen zu überzeugen. Ich halte Wärmepumpen für überteuert habe aber meinen Eltern von der neuen Gastherme abgeraten. Ich finde E-Autos zu teuer aber meine nächstes Auto wird ein EV. Ich denke etwas übers knie brechen macht es unnötig teuer. Ich würde die Abgaben soweit senken, dass der Dieselpreis nicht über 2 Euro steigt, der Preis ist hoch genug dass die Leute nachdenken aber, aber die Menschen sehen der Staat tut was. Ich habe dass grob überschlagen die Steuereinnahmen wären auf dem Niveau verbleiben wie sie vor dem Irak krieg waren also aufkommensneutral ohne Verlust aber auch ohne Gewinn.
Naja, die Vorgaben zur Preisgestaltung sind ein typisches Beispiel für einen Markteingriff. Daran ist überhaupt nichts liberal oder neoliberal, schließlich wird die Preisfindung gestört.
Das gilt erstens nur für den Pächter direkt, der die Tanke führt - für den Ölkonzern hinter der Tanke ist das ein großer Gewinnbringer. Ansonsten würdest du dir ja selbst widersprechen - wenn die da wenig Gewinn mit dem Benzin machen, warum dann die Empörung über die Preise?
Und zweitens ist Sprit ein extrem umsatzstarkes Geschäft für Pächter und Ölkonzern. Heißt: jeder Cent Verlust auf den Liter haut echt übel rein, weil du ihn mit zigtausenden Litern multiplizieren musst. Das kannst du nicht mit Kaugummis und Kaffee wieder rausreißen, wenn dein Primärprodukt mit 95% Umsatzanteil Verlust abwirft.
Das ist ein statistischer Fehler, den leider viele begehen. Man kann aber nicht daraus schließen, dass die Ticketzahlen bei spottgünstigem Ticket hochgehen, dass damit Fahrten vermieden wurden. Vielmehr fanden zusätzlich zu den normalen Fahrten viele Gelegenheitsfahrten statt, die ohne das 9-€-Ticket nie stattgefunden hätten. Ich erinnere bspw. an die sympathischen Jungs und Mädels, die mit Kasten Sterni zur Hochzeit von Christian L. nach Sylt gereist sind.
Letztlich fand durch das 9 € Ticket viel mehr Mobilität statt und keine nennenswerte Verlagerung von der Straße. Das lag auch am Zeitpunkt der Einführung zur Ferienzeit. Die Leute hatten Zeit für Ausflüge, die sie sonst nicht gemacht hätten. Dazu gab es einige wissenschaftliche Untersuchungen. Wir sollten das nicht wieder aufrollen.
Hier noch einmal Quellen:
Wir sind uns sicher einig, dass das ein Fehler war und korrigiert gehört. Das braucht aber Zeit. Die Bahn rechnet mit Jahrzehnten. Daher wäre ein neues 9€-Ticket heute zwar sicher ein tolles politisches Signal, aber letztlich trotzdem ein Fehler.
Das Auto wird dauernd schon allein dadurch bevorzugt, dass externe Kosten, die Autofahrer verursachen, in großem Umfang von der Gesellschaft übernommen werden. Dem gegenüber werden externe Nutzen durch andere Fortbewegungsformen nicht an die Verursacher weitergereicht. Das führt zu dauernder Fehlallokation im Markt und müsste staatlich reguliert werden, indem verursachte Kosten in den Preis internalisiert würden. Verursacherprinzip halt.
Steuern, die noch nie kostendeckend waren, jetzt noch weiter zu senken, ist ja eine Unverschämtheit gegenüber denen, die schon bisher die Kosten, die Autofahrer verursachen, mitbezahlen mussten.
Aber klar: Junkies denken halt nur bis zum nächsten Schuss, deswegen kommen wir weder bei der Verkehswende, noch bei der Antriebswende voran.
Aktuell wird ja vorausgesetzt, das der Arbeitnehmer bis zu einer Stunde einfache Strecke zu Arbeit auf sich nimmt. Das mit den zur Verfügung stehenden Verkehrsmitteln. Die sind nicht überall gleich (was ja wieder ungerecht ist).
Ein Arbeitsplatz am Wohnort? Ist nicht für jeden Beruf oder jede Tätigkeit möglich, auch der Verdienst ist da relevant.
Zum Arbeitsplatz ziehen?
Zum einen muss man bezahlbaren Wohnraum finden. Zudem wechselt man heute öfter den Arbeitsplatz als früher, was wieder eher gegen Wohneigentum, hat eher was von Arbeitsnomaden im Extremfall.
Vielleicht müssen wir unsere Art zu Arbeiten und die Ansprüche und Anforderungen die wir rund um Arbeit stellen, neu denken.
Da bieten sich neue Möglichkeiten auch für die Mobilitätswende
Menschen sind auf Grundbedürfnisse wie bezahlbare Mobilität angewiesen sind und diese Grundbedürfnisse unterliegen hier einem Oligopol, das eindeutig zu Lasten dieser Menschen agiert.
Findest du einen Markteingriff durch die Politik hier unangebracht?
Ich möchte das jetzt auch nicht alles wieder aufrollen, deine Aussage ist aber stark zugespitzt.
Es gibt mittlerweile sehr wohl eine sehr positive Auswirkung des Deutschlandticket auf berufliche Fahrten und CO2-Ausstoß:
Es gab 2022 einen Anstieg von ca. 30% bei zusätzlichen Fahrten. Wie du schon schreibst, haben viele das Ticket für Freizeitfahrten genutzt, auch weil der Start des 9€-Tickets in den Ferien lag.
Man könnte daraus ableiten, dass sich auch endlich Menschen mit kleinem Budget mal ein wenig Freizeit und Urlaub leisten konnten. Diese jetzt sofort als unnötige Fahrten zu framen, halte ich für falsch.
Gleichzeitig haben sich knapp 15% des Verkehrs auf öffentliche Verkehrsmittel verlagert, und das ist ein Erfolg.
Schlussendlich gibt es bei dem Thema zwei Lager:
Stellt man die CO2-Einsparungen als Hauptziel, so hat die Maßnahme damals wenig, mittlerweile wenigstens etwas gebracht.
Möchte man die Öffis attraktiver machen, so war es ein voller Erfolg.
Schlussendlich würde es im jetzigen Fall wahrscheinlich auch nicht dazu führen, dass Autofahrer weniger fahren. Erst gestern sah ich einen Autofahrer, der vor dem Bäcker sein Auto laufen liess und einkaufen ging. Aber es würde Menschen mit wenig Einkommen eine Alternative bieten und ein Zeichen setzen.
In deinen Quellen geht es um das später eingeführte Deutschlandticket. Durch den höheren Preis hat sich die Lage in den Öffis beruhigt, und sie wurden wieder nutzbar. Freizeitfahrten wurden geringer. Das ist eine andere Diskussion als beim 9-€-Ticket. Das Deutschlandticket finde ich sehr gut und bin selbst Abonnent.
Auch hier wäre ich kritisch. Übervolle Züge, die einen am Bahnsteig stehen lassen müssen, haben den ÖPNV sicher nicht attraktiver gemacht. Das Deutschlandticket hat da vermutlich mehr gebracht. Und das gibt es ja weiterhin.
Das Wort „nötig“ bedeutet, dass etwas gemacht werden muss. Dass finanziell weniger begüterten Menschen mehr Mobilität ermöglicht wird, ist sicher wünschenswert, aber dennoch handelte es sich hier um vermeidbare Fahrten.
Es handelt sich beim 9€-Ticket also eher um ein sozialpolitisches Projekt, kein primär umweltpolitisches Projekt. Und daher ist es wenig geeignet, um jetzt akut fossile Mobilität zu vermeiden, was jetzt eigentlich notwendig wäre. Die Ziele müssen schon sauber getrennt benannt und bewertet werden.
Edit: Grüße aus dem völlig überfüllten RE7. Es fühlt sich an wie zu Zeiten des 9 € Tickets. An jedem zweiten Bahnhof stehen wir 5 Minuten weil erst ausgeknobelt werden muss wer rein darf und wer stehen bleiben muss.
Gibt es dieses Diagramm auch in der detailreichen Ansicht für mehrere Tage seit dem 31. März? Finde ich leider nicht.
Es sieht ja so aus, als würden die Mineralölkonzerne von Tag zu Tag ein bisschen mehr ausprobieren und die Preise nicht auf das vorherige Niveau wieder absenken. Vielleicht macht man es den Mineralölkonzerne in DE durch so eine Regelung sogar einfacher, die Preise hoch zu treiben, ohne dabei das Kartellrecht zu brechen.
Ein Faktor beim 9-€ Ticket war aber auch, dass es von vornherein zeitlich limitiert war. Deshalb haben viele Leute das genutzt um kostengünstig in wenigen Wochen möglichst viel zu reisen.
Wäre das dauerhaft angelegt gewesen hätte es sicher weniger zusätzliche Fahrten verursacht und diese wären über die Zeit auch deutlich weniger geworden.