Viele finden Frau Reiches Vorschlag vielleicht charmant:
„Tankstellen dürfen ihre Spritpreise nur noch einmal am Tag erhöhen“.
Klingt fair, verbraucherfreundlich, nach „endlich tut mal jemand was“.
Aber die empirische Evidenz sagt etwas ganz anderes.
Aus Österreich wissen wir:
Das Modell verändert vor allem das Muster der Preisänderungen – nicht das Preisniveau und nicht die Intra-Day-Volatilität.
Studien finden keine nachhaltige Senkung der durchschnittlichen Spritpreise.
Teilweise kommt es sogar zu stärkeren einmaligen Preissprüngen und verringerter Konsumentenwohlfahrt.
Trotzdem verkauft Wirtschaftsministerin Reiche das österreichische Modell nun als großen Wurf für Deutschland.
Das ist vor allem eins: Populismus – symbolisch, aber sachlich völlig unfundiert.
Wer es ernst meint mit fairen Spritpreisen, muss an die echten Stellschrauben:
Konsequente Durchsetzung von Wettbewerb durch die Kartellbehörden.
Änderungen im Wettbewergsrecht: Das Kartellrecht greift primär bei Verbotstatbeständen wie Kartellen (Preis‑/Mengenabsprachen) und missbrauch marktbeherrschender Stellung. Die aber lassen sich ganz schwer nachweisen. „Hohe Preise“ oder „Übergewinne“, insbesondere durch Ausnutzen von Schocks, sind nicht verboten.
Strukturen im Raffinerie- und Tankstellennetz kritisch prüfen und öffnen
Einführung einer wirksam ausgestalteten Übergewinnsteuer auf außergewöhnliche Krisenprofite der Mineralölkonzerne – zweckgebunden zur Entlastung von Verbraucher:innen und Unternehmen. M.W. gibt es die rechtliche Grundlage für schon, aber die hat seinerzeit nicht erfolgreich gegriffen. Reformbedarf?
Wo kann man denn diese “empirische Evidenz” nachlesen?
Weil ich in der Diskussion auch schon das exakte Gegenteil deiner Aussagen hier gehört habe - dass das Modell in Österreich tatsächlich als erfolgreich betrachtet würde, den Konkurrenzkampf unter den Anbietern befördere und dem Konsumenten eine verlässlichere Entscheidungsgrundlage (keine plötzliche Preiserhöhung zwischen Entscheidung “ich fahr gleich an der Tanke vorbei” und dem Tankprozess eine halbe Stunde später mehr möglich) biete.
Allerdings leider auch weitgehend ohne Angabe konkreter Quellen für die Aussagen und methodisch nachvollziehbarer Studien.
Daher stehe ich etwas auf dem Schlauch, was ich davon halten soll. Rein spieltheoretisch kann ich mir durchaus vorstellen, dass eine nur einmalige Erhöhung - idealerweise zu einem fixen Zeitpunkt am Tag und mit verzögerter Veröffentlichung, um jeder Berücksichtigung der Konkurrenzpreise gleich einen Riegel vorzuschieben - und beliebig viele Senkungen untertägig den Konkurrenzkampf fördern und implizite Preisabsprachen ohne “Hinterzimmer-Deals”, rein durch Beobachtung der Konkurrenz und algorithmisches Anpassen der Preise an diese (gegen die das Kartellamt machtlos ist, weil diese Art gegenseitiger, sich spieltheoretisch ergebender “Preisabsprachen” ohne direkte Absprache auskommt, und direkte Absprache aber das Einzige ist, was das Kartellrecht sanktionieren könnte), erschwert, weil das “Austesten” niedrigerer Preispunkte und Herausfinden, ob die Konkurrenz mit-absenkt oder ob sie höhere Preise behält (in welchem Fall man selbst natürlich sofort wieder erhöhen würde), verunmöglicht wird.
Allerdings ist Preisfindung am Spritmarkt ein ziemlich komplexes System mit vielen Variablen, konkurrierenden Motivationen und Marktteilnehmern, so dass ich mir mit dieser intuitiven Betrachtung alles andere als sicher bin.
Einzig mit einem Punkt bin ich mir sicher: der Verbraucher hat zumindest einen Planbarkeits-Vorteil, wenn er keine böse Überraschung zwischen Entscheidungsfindung und tatsächlichem Tanken mehr befürchten muss, sondern im Grunde nur noch positiv überrascht werden kann, dass der Sprit auf dem Weg zur Tanke billiger geworden ist.
Noch verbraucher- (und tankwart-?)freundlicher wäre es, wenn alle Tankstellen bereits am Vortag ein stundenscharfes Maximalpreisprofil melden müssten (z.B. um 18:00 zentral veröffentlich). Ein stundenscharfes Senken wäre untertägig möglich. „Faule“ Kunden würden aber ggf. nur am Vorabend Preise vergleichen und die Tankwarte so dazu anreizen, bereits am Vortag attraktive Preise zu melden.
Eine Variante davon wäre es, wenn die Profile sogar mit einer Woche im Voraus gemeldet werden müssten. Dabei nehme ich an, dass Mineralölkonzerne (günstig erworbenen) Treibstoff für mehr als eine Woche bevorratet haben (oder den Ölpreis für mindestens die nächste Woche gehedgt haben). Preisschocks und Übergewinnabsichten treffen dann also frühestens mit einer Woche Verzug an der Tankstelle ein – wenn die Schockursache ggf. schon wieder aus der Welt ist.
Spannend wäre die Reaktion der Mineralölkonzerne wenn die Verbraucher in Deutschland signifikant auf eAuto, ÖPNV, Rad und zu Fuß umsteigen und die Nachfrage an deutschen Tankstellen deutlich spürbar nachlässt….
Das ließe sich ja eigentlich leicht herausfinden, mit einem 9-Euro-Ticket. Das sollte als Nebeneffekt eine Senkung der Benzinpreise zur Folge haben… win-win. Aber ich rechne eher mit einem Tankrabatt 2.0 als mit einer Reduktion des DTicket-Preises.
Die Tatsache, dass sich nicht gerade massiv Fahrgemeinschaften bilden und Leute nicht von Kisten- auf Leitungswasser umsteigen, zeigt, dass die Spritpreise noch vollkommen im Rahmen sind und halt nur etwas nervig, für Leute, die Auto fahren
Was ist mit den Übergewinnen die der Staat in der ganzen Situation macht? Immerhin steigen die dabei angeführten Steuern im gleichen Maße.
Die einfachste Möglichkeit, um Bürger in der aktuellen Situation kurzfristig zu schützen, wäre es die Steuern temporär aufzuheben. Würde die Spritpteise easy um 50cent/ Liter senken
Solange die Autofahrer noch mit mehr als 120 Sachen über die Autobahn rasen, halte ich es nicht für sinnvoll unnötiges Autofahren zu subventionieren. Beim Thema unnötige Autofahrten gibt es ein riesen Einsparpotential, da muss man gar keine Preise senken.
Außerdem was für ein Blödsinn sind denn diese Subventionsforderungen? Uns wird hoch und runter gebetet, der Bürger sei ein vernünftiger Konsument, und wenn er sich für ein Verbrennerauto entschiedet, dann lass ihn halt, ist ja seine Entscheidung. Und jetzt wo die Leute mit den Konsequenzen ihrer Entscheidung konfrontiert werden, soll der Staat doch bitte was machen.
Das ist genau derselbe Grund warum der CO2 Preis wie Union und FDP ihn sich vorstellen nicht funktionieren kann…
Eine Entscheidung, die meist Gründe hat. Oft sogar nachvollziehbare.
Auch da wieder, welche Alternativen gibt es? Welche davon kann der Staat fördern? ÖPNV?
Ich bin überhaupt nicht dafür, dass der Staat irgendwas macht oder irgendwo eingreift. Aber wenn in der aktueller Situation in die Preisgestaltung zentralistisch eingegriffen werden soll, was sich ja viele wünschen und fordern, dann ist der einfachste Weg das Aussetzen der Steuern und nicht irgendwelche hoch bürokratischen Gesetze zu angeblichen „Übergewinnen“ oder Vorschriften zur Preisgestaltung. Das muss auch kontrolliert und durchgesetzt werden, was wieder Geld und sehr knappe personelle Ressourcen kostet.
Wer entscheidet in deiner Welt denn, was nötige und was notwendige Fahrten mit dem Auto sind?
und wenn Subventionen jetzt verteufelt werden, dann bitte Gleichberechtigung für alle Arten der Fortbewegung und keine Sinventionen mehr für jegliche Transportmittel.
Da würde das Kfz als Transportmittel ziemlich schlecht bei wegkommen: Dieselprivileg, Pendler-Pauschale, Dienstwagen-Privileg, keine sonstigen Quersubventionierungen mehr wie z.b. kostenfreies Parken.
Bei der Subventionierung des ÖPNV hätten wir zumindest einen gesellschaftlichen Nutzen.
Häufig ist die Alternative auch einfach nicht zu fahren. Ich rede jetzt nicht vom Weg zur Arbeit. Aber sind wir mal ehrlich, nicht 100% der Fahrten sind absolut unabdingbar. Fahrgemeinschaften gibt es heute so gut wie gar nicht mehr. Man muss auch nocht 3 Supermärkte + Getränkemarkt abgrasen, im das günstigste Angebot zu bekommen. Mam muss auch nicht mit 180 Sachen über die Autobahn rasen. Elterntaxis nehmen immer mehr zu auch wenn sich die Distanz von Wohnort zu Schulen im großen un ganzen vermutlich kaum verändert hat (klar gibt es Ausnahmen, die würden aber denke ich nicht die Zunahme erklären).
Der Geldbeutel, wenn der Sprit zu teuer wird, werden die Menschen schon freiwillig auf unnötige Fahrten verzichten.