Recht auf HomeOffice (im Lichte von Klimawandel und Russlandimporten)

Im Zuge der Tempolimit-Diskussion kamen immer wieder die Pendler-Wege zur Sprache.

Genauso wie das Tempolimit, ist ein Recht auf HomeOffice imo ein absoluter No-Brainer:

  • Spart eine Menge fossiler Brennstoffe
  • spart den Firmen Geld (für Bürofläche)
  • weniger Co2
  • die Leute arbeiten mehr und meist effizienter
  • Bessere Work-Life-Balance
  • die Maßnahme kostet nix

Mein Vorschlag:

  • Recht auf HomeOffice oder „mobiles Arbeiten“ (wie es doch so schön heißt, damit der Arbeitgeber keine Ausgaben für die Ausstattung hat)
  • für mindestens 50% der Arbeitszeit (besser natürlich 100%)
  • Nachweispflicht dafür, dass kein HomeOffice möglich ist, liegt beim Arbeitgeber
  • Optional: Statt einer Pendlerpauschale gibt es eine HomeOffice-Pauschale für jeden Tag den man zuhause arbeitet. Als Anreiz diese Option auch wahrzunehmen
  • Optional: Auch für die Arbeitgeber gibt es Steuererleichterungen für Mitarbeiter die nicht ins Office kommen.

Sollte man imo mal näher beleuchten…

lg,
Dave

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Thematisch sind beide definitiv Low-Brainer. Doch während sich die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen sehr einfach umsetzen und durchsetzen lässt, sind beim HomeOffice weder Umsetzung noch Durchsetzung trivial.

Ich bin IT-Berater (spezialisiert auf kontinuierliche und agile Softwareentwicklungsprozesse) und arbeite selber schon seit Jahren total flexibel; es ist überwiegend meine Entscheidung, ob von Zuhause, oder beim Kunden, oder im Büro. So, wie es eben passt. Manchmal wird die Entscheidung von beruflichen Umständen, manchmal von privaten bestimmt.

Während ich dir also prinzipiell zustimme, weiß ich aus Erfahrung, dass die Ausgestaltung äußerst schwierig ist. Nicht nur juristisch, sonder viel eher innerhalb der Unternehmen. Denn, damit sowas funktioniert, muss es zuerst im Mindset der Leute funktionieren. Und das ist die große Herausforderung. Angefangen beim Management, denen zum Beispiel die Gefahr eines Kontrollverlustes nicht geheuer ist (häufig unbegründet, aber das ist nun mal einer der häufigsten Einwände) und auch bei den Mitarbeitern, die dann sehr eigenverantwortlich handeln und arbeiten müssen.

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Deswegen sprach ich ja auch von einem „Recht“ auf HomeOffice… Keiner Pflicht.
Die Mitarbeiter die lieber ins Office pilgern können das ja auch weiterhin machen.

Schon klar… Das kenne ich selber zur genüge. Aber wir haben jetzt über zwei Jahre Corona hinter uns. Wenn da JETZT das Mindset nicht da ist, wird es nie kommen.
Und das würde ich einfach ignorieren.

Sehe da auch eher technische Themen bei KUMs. Bei Großkonzernen hast Du da genügend Infrastruktur. Die Frage ist, ob man von irgendeinem Handwerksbetrieb mit 10 Mitarbeitern erwarten kann, eine VPN-Infrastruktur aufzubauen, nur damit die Sekretärin von zuhause aus arbeiten kann.

Könnte man aber mit ausreichend langen Übergangsregelungen lösen.

Da hast du natürlich völlig Recht. Wann, wenn nicht jetzt?

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Ich bin selbst größtenteils im Home-Office. Ein Großteil des Gewinns an Lebensqualität sehe ich darin, dass ich jetzt nicht in einem verwaisten Bürogebiet sitze - sondern Friseur, Einkauf, und Freunde direkt um die Ecke habe.

Klar spart Home-Office Energie, wenn man nicht pendelt. Aber wir sollten auch die Grundursache - das Pendeln an sich - angehen und lebenswertere Städte bauen. Es bringt ja (auf großer Skala) nichts, wenn einzelne Menschen zuhause arbeiten, während die Pendelwege gesamtgesellschaftlich immer weiter werden.

Aktuell:

  • wir subventionieren Pendeln: Firmen und Häuslebauer gehen aufs Land, die Allgemeinheit trägt die Infrastruktur- und Umweltkosten.
  • wir trennen „Arbeit“ und „Leben“ in unseren Städten. Es gibt Wohn- und Bürogebiete, Mischgebiete sind selten. Das führt neben dem Pendeln auch dazu, dass Infrastruktur wie Restaurants, Geschäfte, … in beiden Teilen leiden.

@Dave wenn das Büro direkt um die Ecke wäre (weil unsere Städte so gebaut wären) - würdest du weiterhin gern in den eigenen vier Wänden arbeiten? Mir ist meine Stadt-Wohnung dafür dauerhaft zu klein, ehrlich gesagt.

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Ja!
Ich hab übrigens derzeit ca. 10 Minuten Arbeitsweg und bin jede Minute die es mir mein Arbeitgeber erlaubt HomeOffice!

Die Grundursache des Pendels hat nicht das geringste mit nicht-lebenswerten Städten zu tun, sondern damit, dass es sich schlicht niemand leisten kann, dort zu wohnen.

Ich behaupte sogar, das Gegenteil: Wir müssen nicht die Städte attraktiver machen, sondern den ländlichen Bereich!
Das fängt zu allererst einmal mit einer schnellen Internetverbindung an…

Und warum Arbeit nicht mal komplett neu denken? Warum kann ich nicht in Mainz wohnen und in München arbeiten?
Dann geht es garnicht mehr darum Pendelstrecken kurz zu halten… Dann brauche ich auf dem Land auch den ÖPNV nicht so stark (und teuer) ausbauen, um in die nächste Stadt zu kommen. Dann fährt man halt auf dem Land PKW…

Aber so oder so: Städte umbauen, ländliche Bereiche attraktiver machen. Das sind langfristige Ziele, die man über die nächsten Jahrzehnte umsetzen muss.

Ein Recht auf HomeOffice ließe sich in zwei Wochen umsetzen - und alle profitieren sofort davon!
Corona hat es bewiesen dass das funktioniert. Man muss nur eben alte Denkmuster über Bord werfen.

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Sind Städte wirklich teurer? Für das Individuum in einer gehypten Stadt, klar. Aber für die Gesellschaft?

Ich empfehle dieses Video von NotJustBikes:

Wenn du auf der grünen Wiese Glasfaser, Kanalisation und eine Straße möchtest, wird das exklusiv für dich gebaut. In der Stadt ist das aufgrund der räumlichen Nähe effizienter. Ich möchte den ländlichen Raum nicht schlecht reden - aber es skaliert nicht: wenn wir plötzlich keine Städte mehr hätten, gäb es auch keinen ländlichen Raum mehr. Nur noch Vorstadt.

Man pendelt dann zwar nicht ins Büro - aber überall anders hin (Friseur, Kneipe, Supermarkt…).

Genau diese Diskussion ist aber der Punkt den ich eigentlich machen wollte: wenn wir über Home Office nachdenken, sollten wir aufpassen, dass es keine anderen Effekte gibt die uns die Vorteile zunichte machen.

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Bei uns haben sich auch wegen der Home-Office Regelung die Kosten für die Dienstwagen (Leasing, Energiekosten) um einiges reduziert.

Da hat der Arbeitgeber ja auch noch Sparpotential.

Und nein, die Dienstwagenregelung wird natürlich nicht abgeschafft, macht dafür bitte einen eigenen Thread auf.

Das ist so ziemlich das Schlimmste was wir machen könnten im Kampf gegen die Umweltzerstörung, und ich bin da voll bei @Gally. Das Video zeigt es sehr, sehr gut. Ich habe mal gehört, der Flächenverbrauch einer Person, die auf dem Land lebt, liegt bei über 1000m² im Schnitt und für Stadtbewohner bei 100m². Außerdem sind Dörfer Risse in Ökosysteme, da größere Tiere nicht durch Gärten kommen. Auch die großen, schön grün aussehenden Rasenflächen sind quasi tote Flächen und tun der Umwelt nichts Gutes. Des Weiteren reißen auch die Straßen zu den Dörfern weitere Schneisen in die Natur.

Des Weiteren sind Einfamilienhäuser häufig doch viel größer ausgelegt, als Wohnungen, dass heißt es wird mehr Energie/Material gebraucht, um sie zu Bauen und dann noch mehr Energie um sie zu Heizen. Wenn mehr Menschen aufs Land dringen würden, würde die Flächenversiedlung massiv ansteigen. Und wie @Gally richtig angemerkt hat besteht das leben ja nunmal nicht nur aus arbeiten. Von daher ist es viel effizienter in Städten zu leben, um von A nach B zu kommen. Außerdem ist es viel effizienter Waren zu zentralisierten Orten zu bringen, anstatt sie an jede noch so kleine Ecke in Deutschland zu transportieren. Auch kostet es massiv Energie in jedes noch so kleine Dorf Glasfaser und 5G zu verlegen.

Der aktuell beste Weg ist denke ich, in die Höhe zu bauen (nicht ins unermesslich, aber höher, als es aktuell ist) und die Orte attraktiver zu machen, die schon eine gute Infrastruktur haben. Damit meine ich nicht nur Städte, sondern auch Dörfer mit S-Bahn anschluss (aber auch dort mehr in die Höhe, statt in die Breite gehen).

Das Problem löst man aber nicht, indem man Dörfer attraktiver macht. Wir nutzen Flächen in Städten noch viel zu ineffizient. Und es wird noch extrem viel Platz für Parkplätze verschwendet. Außerdem, meiner Erfahrung nach leben auch viele gutverdienende Menschen auf dem Land, weil sie sich dort ein Haus mit Garten kaufen können.

Aber um zum Thema des Threads zurückzukommen, dass es aktuell sinnvoll ist, allen Homeoffice zu ermöglichen, da bin ich bei dir und das sollten wir definitiv machen. Dazu nochmal die Vorschläge der iea und der europäischen Kommision zu der aktuellen Sitiuation:
IEA (2022), Playing my part, IEA, Paris

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Vielleicht dazu noch ein paar bedenkenswerte Punkte:

  1. Im Büro habe ich einen höhenverstellbaren Schreibtisch, einen ergonomischen Stuhl, einen Laserdrucker (für unvermeidliches) im Büro, und einige zusätzliche Annehmlichkeiten. Im mobilen Arbeiten habe ich das nicht und werde es von meinem Arbeitgeber auch nicht bekommen. Also ergonomisch deutlich schlechtere Bedingungen, zudem ist das DSL auf dem Lande nicht so das beste.
  2. Meine Tochter ist Einzelhandelskauffrau in einer Filiale für Tierbedarf. Zuhause arbeiten geht bei ihr definitiv nicht. Ist sie (und andere mit vergleichbaren Berufen wie Krankenschwester oder Kellnerin) da nicht massiv benachteiligt? Sie muss pendeln. Welchen Ausgleich gibt es für diese Personen?
  3. Der Vorteil von Pendlern vom Land, die ggf 50-100 km am Tag pendeln, gegenüber Stadtmenschen, die ggf 10 min per S-Bahn ins Büro haben, ist ungleich größer rein von der Kostenseite. Typisch deutsch wäre, das jetzt auch als ungerecht anzusehen. Wie geht man damit um?

Grundsätzlich bin ich absolut für ein Recht er Arbeitnehmer auf Homeoffice. Die Ausgestaltung stelle ich mir stellenweise doch komplexer vor.

Wir sind keine Maschinen sondern Menschen, und da funktioniert die Kommunikation gerade bei heiklen Themen von Angesicht zu Angesicht generell besser. Das Gemeinschaftsgefühl ist meist stärker, wenn man sich in Realität trifft und nicht nur per Telefon oder Videokonferenz. Natürlich sollte man versuchen, die Effektivität und Effizienz von virtuellen Treffen zu maximieren, aber in vielen Fällen, gerade wenn es nicht nur um den Austausch von sachlichen Informationen geht, gelingt die Kommunikation besser, wenn man sich vor Ort trifft.
Es gibt also auch Situationen, die im Home Office teurer oder weniger effizient sind als vor Ort.
Deshalb glaube ich, dass eine Mischung von Home-Office und Präsenz besser ist.

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Ich denke, die Politik kann auch erstmal vor der eigenen Haustür kehren, bevor man mit Vorgaben am Unternehmen startet:
Beispiel:
Wesshalb wird mir eine doppelte Haushaltsführung (d.h. Zweitwohnung am Arbeitsort 400km entfernt inkl der wöchentlichen fahrten dorthin) steuerlich problemlos entlastet, aber das eigens eingerichtete Homeoffice Büro wird nicht anerkannt (da mir ja ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht).

Ansonsten denke ich, haben eigentlich Arbeitgeber den größten Mehrwert von Homeoffice. Alleine dass man (abhängig vom Beruf natürlich) ein viel größeren Einziehungsbereich für Arbeitskräfte hat.
Geschweige denn von der entfallenen Fahrtzeit zu/ins Büro, größere Kapazitäten, etc…
Es wird sich zeigen ob Arbeitgeber die dies nicht ermöglichen, weiterhin wettbewerbsfähig bleiben.

Drohnen und ContainerSchiffe werden ja heute auch schon aus der Ferne gesteuert. Ich denke der Wandel ist erst am Anfang und wir müssen noch viel lernen und uns darauf einstellen.

Gruß,
Gregor

Punkt 2 und 3 sind doch auch das Gleiche wie

  • Geringverdiener können es sich nicht leisten in Teilzeit zu gehen, weil dann zu wenig Geld am Ende des Monats ist, warum sollte also irgendwer in Teilzeit gehen dürfen?
  • es gibt Berufe die Nachtarbeit benötigen (zb Krankenpflege). Das ist ungerecht, alle Beschäftigten sollten regelmäßig Nachtschichten machen müssen.

Das sind doch … keine Gerechtigkeitspunkte, oder?

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Warum? Wenn wir den Klimawandel nicht stoppen, dann brauchen wir uns auch kein Sorge darum machen, dass irgendwelche Tiere den Lebensraum durch Straßen und Dörfer verlieren (Straßen und Dörfer die eh schon da sind). Dann werden noch ganz andere Arten aussterben

Wenn da wichtige Inhalte enthalten sind, vielleicht hier nochmal zusammenfassen…
Find’s immer etwas blöd, wenn einfach nur auf Youtube verwiesen wird, anstatt selber zu argumentieren…

Aber nicht lebenswerter… Und vor allem nicht finanzierbar.

Ich glaube trotzdem, dass weniger Pendler weitaus mehr CO2 einsparen, als auf dem Land durch irgendwelche Einkäufe, Friseurbesuche und Amazon-Lieferungen wieder verbraucht werden.

Und wie willst Du das für die Leute finanzierbar machen? Hab vor zwei Jahren eine Wohnung in Mainz gekauft, 320.000. Wert ist sie heute über 500.000. Gleiche Größe nur 1km weiter Richtung Zentrum: 1 Million.

Und ich glaube, das ist jetzt nicht nur anekdotisch.
Auf dem Land für Infrastruktur zu sorgen… Da kommen wir eh nicht drumrum. Dann kann man das ganze auch gleich so attraktiv gestalten, dass die Städte entlastet werden. Generell sind ländlichere Gegenden ja auch schon attraktiver was Lebensqualität angeht… Es fehlt nur Infrastrkutur

Es ist auf jeden Fall ein deutlich dünneres Brett zu bohren!

Du hast schon gesehen, dass ich von einem RECHT auf HomeOffice gesprochen hab, und nicht von einer PFLICHT!
Ich übrigens auch zuhause einen elektrisch höhenverstellbaren Schreibtisch und einen hochwertigen Stuhl. Kann jedem, der mehr als nur mal ein zwei Stunden zuhause arbeitet nur dringend empfehlen zuhause auch einen vernünftigen Arbeitsplatz einzurichten.

Nein. Wenn bestimmten Arbeitnehmern mehr Rechte zugesprochen werden, wird niemand benachteiligt, sondern nur andere bevorteilt. Und es gibt nunmal bestimmte Jobs mit bestimmten Eigenschaften. Ist ein Landschaftsgärtner „benachteiligt“, weil er draußen arbeiten muss und ein Bürokaufmann nicht?

Außerdem widersprichst Du Dir selbst: Du schreibst ja, dass es für Dich garkein Nachteil ist, im Office zu arbeiten, sondern ein Vorteil. Viele denken ähnlich. Und so kann es jeder selbst entscheiden

Warum? Hat doch die letzten zwei Jahre auch geklappt?

Gewohnheitssache. Ich arbeite in einem internationalem Konzern. Da sind cross-functional Teams die über den halben Erdball verteilt arbeiten, eher die Regel als die Ausnahme. Da findet Kommunikation eh fast nur noch via Teams statt…

Das glaube ich kaum… In meiner Branche ist es schon so, dass sich auf Jobmessen die Situation gedreht hat, da bewerben sich nicht mehr die Arbeitnehmer beim Unternehmen, sondern die Unternehmen beim Arbeitgeber.

Wer da keine modernen Arbeitsplatzregelungen vorweisen kann, wird Probleme bekommen.

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Ich reiße das mal bewusst aus dem Kontext: ich persönlich möchte nicht effizient leben!
Was wiederum nicht bedeutet, dass ich mir nicht um nachhaltiges Handeln Gedanken mache, aber bei dem Bild das du zeichnest kommen mir die Becken von Matrix in den Sinn, schön effizient.

Die unterschiedliche Auffassung was lebenswert ist, kommt hier im Forum ja immer wieder auf und bei allen Maßnahmen die jeder einzelne für sich tun kann um den folgenden Generationen eine lebenswertes Umfeld zu hinterlassen, finde ich es schon erschreckend, wie Stadtbewohner die negativen Aspekte ihres Lebensraums völlig ausblenden nur um auf der vermeintlich guten Seite zu stehen.
Ich kenne selbst beides und würde mich für niemals erneut für ein Leben in der Stadt entscheiden, respektiere aber das es für andere die bessere Wahl ist.
Allerdings wird es weder die eine noch die andere Stand-Alone-Lösung geben, weshalb man doch bestrebt sein sollte beide Lebensräume lebenswert zu gestalten auch weder den einen noch den anderen als Last oder Unnütz abzustempeln.
Die Polarisierung hilft keinem!

Ja es hat geklappt, mit einem aber.
Die meisten Unternehmen die ich kenne, haben keine geregeltes HomeOffice nach Arbeitsstättenverordnung, sondern umgehen das kreativ mit „mobile Working“ mittels Betriebsvereinbarung.
Das höhlt den Arbeitnehmerschutz aus und verlagert einige Risiken vom Arbeitgeber zum Arbeitnehmer

Das war während der ersten Zeit der Pandemie sicher notwendige und nützliche Ausnahmesituation, aber mittlerweile sollte der Gesetzgeber die Arbeitgeber in die Pflicht nehmen, dass sauber zu lösen.

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Ja… und? Ist trotzdem immer noch besser als was wir vorher hatten… Außerdem kann man sowas ja in einem entsprechenden Gesetz auch abfedern.

Und auch auf die Gefahr dass ich mich wiederhole: Es geht um ein RECHT nicht um eine PFLICHT!
Niemand wird gezwungen zu Hause zu arbeiten.

Ich kenne absolut KEINEN Arbeitgeber, der diese Option nicht absolut befürworten würde.

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, wenn es um den Schutz des Arbeitnehmer geht.
Laut deine Denke ist es also legitim zu Hause schlechter geschützt zu sein als im Büro, nur weil es kein Pflicht ist?

Was? Gesetzte zu seinen Gunsten zu umgehen?
Vielleicht liegt auch ein Missverständnis vor, es geht um Punkt 1. und 2., dass sind zwei verschiedene Dinge.

1. Was ist Homeoffice?

Homeoffice bedeutet, regelmäßig in den eigenen vier Wänden zu arbeiten. Ein anderer Begriff dafür ist (alternierende) Telearbeit. Alternierend bedeutet in diesem Fall, wenn ein Wechsel zwischen einem Arbeitsplatz zu Hause und einem Arbeitsplatz im Büro stattfindet. Es wird dann an vorab fest vereinbarten Tagen bzw. zu fest vereinbarten Zeiten zu Hause gearbeitet wird.

Der große Unterschied zwischen Telearbeit und Homeoffice besteht darin, dass Telearbeit der Arbeitsstättenverordnung, kurz: ArbStättV, unterliegt, die die Sicherheit und den Schutz der Gesundheit der Beschäftigten an ihren Arbeitsstätten regelt. Telearbeitsplätze sind vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Beschäftigten, für die der Arbeitgeber eine mit den Beschäftigten vereinbarte, wöchentliche Arbeitszeit und die Dauer der Einrichtung festgelegt hat (siehe dazu die Novelle der ArbStättV vom 03.12.2016).

2. Was ist mobile Arbeit?

Mobile Arbeit kann im Gegensatz zum Homeoffice an unterschiedlichen Orten erbracht werden, also außerhalb der eigentlichen ersten Arbeitsstätte. Das kann die eigene Wohnung sein (deshalb wird Homeoffice derzeit auch oft als Form mobilen Arbeitens betrachtet), das können aber auch unterschiedliche Standorte des Unternehmens sein. Auch wer in einem Café sitzt und dort an seinem Laptop dienstliche Mails beantwortet, arbeitet mobil.

Ein anderes Beispiel sind sogenannte Coworking Spaces, bei denen sich Erwerbstätige aus ganz unterschiedlichen Bereichen für bestimmte Zeiten Arbeitsplätze und Büroinfrastruktur mieten, oder ihr Arbeitgeber hat diese Plätze gemietet. Etwas anders verhält es sich mit dem Cloud Working: Prinzipiell beschreibt Cloud Working das Arbeiten in einer Cloud. In der Cloud werden Daten nicht mehr konventionell auf einem Computer gesichert, sondern für alle Mitarbeiterinnen überall zugänglich gemacht. Egal ob sie sich gerade im Büro oder an anderen Orten aufhalten (siehe Video). Und nicht zu vergessen Handwerkerinnen und Außendienstbeschäftigte: Ihre Arbeit bei den Kund*innen vor Ort fällt ebenfalls unter mobile Arbeit, genauso wie Dienstreisen.

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Das finde ich auch irgendwo einen guten und pragmatischen Umgang mit der Sache. Nicht, dass es falsch verstanden wird. Der Schutz von Arbeitnehmenden ist richtig und wichtig. Nur ist die Arbeitsstättenverordnung für Homeoffice eben in der aktuellen Form vielleicht einfach nicht mehr zeitgemäß. Das was Homeoffice ausmacht wird durch die Regelungen an sich eher verhindert. Das zeigt eigentlich schon das genannte Beispiel, dass ein Arbeitsplatz im Coworking Space nicht dem Homeoffice (Telearbeit) zugeordnet werden kann.

Ein Beispiel ist da (ich finde es wird oft genannt bei den Risiken), dass es keinen Unfallschutz gibt, wenn man in die Küche geht oder ein Paket annimmt. Das mag zwar ärgerlich sein, aber gehört irgendwie auch zum allgemeinen Risiko dazu und kann eben auch so in der eigenen Wohnung passieren. Unschön aber ist finde ich eher das Risiko, was man bei einem Recht auf Homeoffice in Kauf nimmt, um eben zuhause arbeiten zu können und die Flexibilität zu haben sein Pakte (um bei dem Beispiel zu bleiben annehmen zu können).

Bei dem Punkt der Arbeitszeit verstehe ich die Kritik noch am ehesten. Aber auch da würde ich eher sagen, dass die dauerhafte Erreichbarkeit ein Problem ist. Die Arbeitszeit an sich ließe sich regeln. Da gibt es ja auch heute schon unternehmen, die durch Stempeln und co. sehr klar dafür sorgen, dass Überstunden nicht aufgebaut werden oder irgendwann auch wieder abgebaut werden müssen. Das ließe sich technisch über gewisse Programme auch lösen, dass z.B. die Technik dann einfach nicht genutzt werden kann. Da sind aber aus meiner Sicht auch wieder die Arbeitnehmendenvertretenden und der Verweis auf Datenschutz und Überwachung ein Teil des Problems. Auch hier nicht falsch verstehen, ich weiß, dass damit genug Missbrauch betrieben werden kann. Nur wenn ich wirklich Stempeln muss im Betrieb, dann ist das auch eine recht krasse Form der Überwachung bzw. Anwesenheitskontrolle.

Zum Arbeitsplatz an sich vielleicht nur so viel: Wenn ich die Pflicht wahrnehmen will, dann mache ich mir davor Gedanken darüber und investiere das Geld was ich z.B. durch Pendeln spare in eine ordentliche Ausstattung. Ich finde, dass kann man einem Menschen schon zumuten, wenn man zuhause arbeiten will. Außerdem gibt es da genug Unternehmen, die händeringend nach Arbeitnehmenden suchen und genau so etwas vermehrt freiwillig stellen.

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Das sehe ich ja auch, deswegen habe ich ja auch explizit auf die besondere Situation während der Pandemie hingewiesen.
Zum einen ist es ein begriffliches Problem, viele reden von Home Office meine aber mobile Working, was im Alltag für beide Seiten eben zwei unterschiedliche Dinge sind.
Und ja du hast Recht, der Arbeitsstättenverordnung wird sicher in Teilen der aktuellen Arbeitswelt nicht mehr ganz gerecht.
Ich finde aber, man sollte sich hier aber nicht auf eine Art Ablasshandel einlassen, dafür das man nicht im Büro arbeiten muss.* Da wäre es nicht hinnehmbar, wenn die Gesundheit des Arbeitnehmer unter einem mangelhaften Arbeitsplatz leidet. Und das stört mich eben an dieser mobile Working-Kniff, da ziehen sich zu viele Arbeitgeber zu leicht aus der Affäre.
Zumal ja mit dem Mitarbeitern die nicht im Büro arbeiten nicht unerhebliche Einsparungen einhergehen, der finanzielle Aspekt kann es eigentlich nicht sein woran ausreichende Standards bei der Ausstattung scheitern.

*ich hab das so formuliert, weil Home Office und auch mobile Working eine sehr angenehme Sache sein kann, und ich behaupte mal, je höher die Einkommensgruppe, desto angenehmer lässt sich das gestalten.
Da ich mit Unternehmen (ist jetzt kein Hauptaufgabenfeld) aber immer mal wieder Ausstattung von Mitarbeitern mit plane, spricht man halt auch mit den Betroffene über das Thema.
Ich würde sagen das hält sich die grob die Wage mit Befürwortern und Gegner.
Die Hauptargumente dagegen zielen überwiegend auf das schlechtere Arbeitsumfeld.
Wie weit sich das auf die Volkskrankheit Rückenschmerzen auswirkt, ist wohl zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Ich vermute aber es wird keine positiven Effekt haben.

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Ich kenne den Unterschied… Hat bei uns in der Firma Jahre gebraucht bis die Betriebsvereinbarung deswegen fertig war. Die Arbeitnehmer wollten zuhause arbeiten. Der Arbeitgeber wollte nicht für 8000 Mitarbeiter ergonomische Arbeitsplätze für zuhause zahlen - verständlich…

Die Arschkarte hatten die Leute gezogen denen das egal war.

Ich - und vermutlich die meisten anderen Büroarbeiter auch - kann mit „mobiler Arbeit“ leben. Für mich ist das ein enormer Zugewinn an Lebensqualität. (Putin und dem Weltklima ist das übrigens auch egal)

Was jetzt zwei Jahre während Corona funktioniert hat, kann auch Problemlos weiter funktionieren.

Ist eigentlich das gleiche wie der Tempolimit:

  • Gut fürs Klima
  • Die Arbeitnehmer haben mehr Lebensqualität
  • Die Arbeitgeber sparen Geld für Büroflächen
  • alle profitieren!!!
  • hat defacto keine Nachteile
  • Das einzige was dagegen spricht sind Emotionen á la „Das haben wir ja schon immer so gemacht“ („ich will aber gerne schnell fahren weil es geil ist“)

Und ja, die Arbeitgeber sträuben sich sich um die Kosten und da könnte man ihnen durchaus auch etwas entgegen kommen. Klar, es muss Versicherungsschutz gewährleistet sein. Aber wo ist das Problem, wenn der Arbeitnehmer sich die Büroausstattung selber kauft (und diese dann auch voll absetzen kann)?

Und was ist jetzt anders? Gestern war Pandmie, heute Krieg…

Und warum nicht, wenn es bei weitem mehr Vorteile als Nachteile bringt?

Die meisten Arbeitgeber machen garkeine Kniffe… Da gibt es HomeOffice wenn überhaupt nur mit einem fünfseitigen Antrag mit drei Durschschlägen, den man amtlich beglaubigt vier Wochen vorher schriftlich einreichen muss.

Das stimmt zwar und finde ich auch einen wichtigen Punkt. Aber die Einsparungen sind ja erstmal eher theoretischer Natur, weil die Bürofläche ja erstmal DA ist. Entweder gekauft, oder auf lange Zeiträume gemietet (das sind dann oft 5 Jahre und mehr).
Für einen Arbeitsplatz würde ich mal schätzen, dass man da locker 2000 Tacken auf den Tisch legen muss. Die muss man erstmal über haben.