Propaganda

Moin :slight_smile:

Mich würde Propaganda interessieren.

West vs Ost. Mittel, Techniken, Gründe… aktuelle Beispiele, Aufklärung. Kulturelle Unterschiede. Psychologische Hintergründe, Erklärungen der Auswirkungen mit konkreten Effekten wie beispielsweise kognitive Verzerrung oder Verschiebung des „Sagbaren / Machbaren“, gezielter Informationsvorbehalt.

Einfach alles, was eine Bevölkerung zu diesem Thema wissen sollte.

Was meint ihr dazu?

1 „Gefällt mir“

Eine Sonderfolge (Sommerinterview) zu dem Thema fände ich an sich nicht schlecht.

Dem Historiker Adrian Hänni zufolge handelt es sich [bei Propaganda] um einen „Sammelbegriff für sehr viele unterschiedliche Formen der politischen Kommunikation“. Zu ihren Werkzeugen zählen Verzerrungen und Ablenkungsmanöver, gewisse Techniken des Framings bis hin zu Desinformation und Fälschungen.

Vielleicht sollte man sich auf bestimmte Techniken irreführender politischer Kommunikation beschränken.

Die Listen der Scheinargumente und Biases sind lang. Auch hier müsste man also m.M.n. eine Auswahl der wesentlichen treffen.

Mir erscheint es sinnvoll, den Schwerpunkt auf die durchaus unterschiedliche psychische Verarbeitung von Information zu legen.

Und dann noch den Fokus auf ein paar beispielhafte Reizthemen zu beschränken.

Sonst wird das Ganze m.E. uferlos.

Grundsätzlich wirken bei allen Menschen kognitive Verzerrungen, niemand ist davon frei.

Auch wirken so simple Mechanismen wie die andauernde Wiederholung von Falschbehauptungen:

Wiederholung stärkt sogar den Glauben an Behauptungen, die unplausibel sind oder im Widerspruch zu Vorwissen stehen.

(Übersetzt unter Nutzung von DeepL)

Auch das betrifft sicher alle Menschen in gewissem Maße.

Allerdings gibt es auch Unterschiede, so z.B.:

Wir haben einen einzigartigen Längsschnittdatensatz erstellt, der Daten zur Nutzung sozialer Medien mit einer 12-Wellen-Panelstudie zum politischen Wissen der Amerikaner über wichtige Nachrichten über einen Zeitraum von sechs Monaten kombiniert. Die Ergebnisse bestätigen, dass Konservative eine geringere Sensitivität aufweisen als Linksliberale und bei der Unterscheidung zwischen Wahrheit und Falschheit schlechter abschneiden. Dies lässt sich teilweise dadurch erklären, dass die am häufigsten geteilten Falschmeldungen tendenziell konservative Positionen fördern, während die entsprechenden Wahrheiten in der Regel den Linksliberalen zugutekommen. Das Problem wird durch die Tendenz der Linksliberalen verschärft, mit steigendem Anteil parteiischer Nachrichten größere Verbesserungen in ihrer Sensitivität zu verzeichnen als Konservative. Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, das Angebot an rechtsgerichteten Falschinformationen zu reduzieren.

(Übersetzt unter Nutzung von DeepL)

https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.abf1234

Finde ich genau so toll, wie Deinen Vorschlag zur Werbung. :smiling_face_with_three_hearts: Ist ja das selbe Prinzip, die selben Methoden. Versteht man man sich selbst und wie Manipulation funktioniert, ist das die beste Impfung gegen Missbrauch.

Einen kleinen Teil deckt das hier schon ab:

"Wie populistische Politiker uns verarschen"

2 „Gefällt mir“

Es sind beides auch Themen, die komplett unterschiedliche Betrachtungsweisen erlauben.

Für die LdN sehe ich Potential in vielen davon!

Aber was ich ja bereits erwähnte, primär fände ich aufklärend und bildend wichtig.

Es ist letztendlich echt wenigen Menschen bewusst, wie solche Mechanismen sich einschleichen und welche Methoden quasi unwiderstehlich sind.

Eigentlich sollte das doch Basiswissen sein. Schulbildung. Wie funktioniere eigentlich Denken und wie wird das ausgenutzt?

Ausserdem nervt mich auch der arrogante Aspekt, den die Unwissenheit in „das Volk“ bringt.

Propaganda? Pfff, bei uns doch nicht… hust

1 „Gefällt mir“

Die Frage bleibt allerdings, ob bzw. wie gut Wissen schon davor schützt, Dubiosem auf den Leim zu gehen.

Was das angeht, scheint mir eine gewisse Skepsis geboten.

Dazu noch eine Kolumne:

Ein gewisser Albert Anthony, 41, aus dem US-Staat Louisiana, lieferte diese Woche ein perfektes Beispiel für eine in diesen Tagen weitverbreitete Haltung: aggressive Ignoranz. Eigentlich braucht man längst ein eigenes Wort dafür: Man könnte sie »Aggnoranz« nennen – nicht nur einfache Unwissenheit, sondern die wütende Verteidigung erkennbar falscher Positionen.

»Schauen Sie sich das Wasser doch einfach an«, sagte Anthony, es sei »nicht grün«. Die für alle sichtbare Farbe, das seien »Fake News« und Donald Trump »der beste Präsident, den wir jemals hatten«.

In Deutschland und insbesondere in den sozialen Medien kann man derzeit ein ähnliches Phänomen beobachten: Die Reaktionen auf die extreme, ständig Rekorde brechende Hitzewelle dieser Woche sind ideale Forschungsobjekte zum Thema Aggnoranz.

In Thüringen, wo die Klimawandelleugnerpartei AfD in Umfragen auf Werte kommt, die in etwa den aktuellen Spitzentemperaturen entsprechen, wurde probeweise ein Winterdienstfahrzeug eingesetzt , um die Straßen anzufeuchten, damit der Asphalt nicht schmilzt. All das ficht Deutschlands Aggnorante nicht an. Jeder neue Hitzerekord steigert ihre Wut auf Leute, die die Realität als solche akzeptieren.

Deshalb wird konsonante Information aufgewertet: »Früher war es auch schon heiß«. Dissonante Information wird abgewertet: »Auf der Wetterkarte ist alles rot, früher war das nicht so!« Auch Überbringer dissonanter Information werden abgewertet: »Hysteriker«, »Klimapanik«, »Klimaspinner«. Dieses ganze Auf- und Abwerten ist aber anstrengend.

Das Wissen über Hitzewellen hilft hier freilich nicht. Oft ist es sogar so: Je mehr man über eine Bedrohung weiß, desto stärker kann der psychologische Abwehrmechanismus greifen.

Das „richtige“ oder geeignete Wissen, um das es hier im Thread ja geht, hilft aber sehr wohl.

Die Konfrontation mit existenziellen Bedrohungen (wie Hitzewellen, Krieg oder persönlichen Fehlern) kann überwältigende Angst auslösen. Das Unterbewusstsein schaltet dann auf Verleugnung, um eine psychische Überlastung zu verhindern. Ein Überlebensmechanismus: „Wenn ich es nicht sehe, ist es nicht da.“

Wer gelernt hat, mit seinen Ängsten umzugehen, weiß, dass diese Strategie letztlich keine realen Vorteile bringt sondern im Gegenteil gefährdend wirkt, wird diese Strategie aufgeben.

Auch Kognitive Dissonanz kann wohl nie ganz verhindert werden, aber wenn ich weiß dass es so etwas gibt und wie es funktioniert, erhöht es die Chance es zu an sich selbst zu erkennen. Denn dafür gibt es Methoden, die aber auch erlernt werden müssen.

Wenn sich Fakten zu hartnäckig aufdrängen, um sie noch zu ignorieren, reagieren manche Menschen nicht mit Einsicht, sondern mit Wut. Dieser altbekannte Umstand hat nun ein neues Kunstwort „Aggnoranz“.

Wissen über diese psychologischen Zusammenhänge kann ein sehr wirksames Werkzeug sein, aber es ist kein „Sofort-Heilmittel".

Und genau um dieses Meta-Wissen, dass Wissen über das eigene Denken, geht es beim Schutz vor Propaganda.

Genau. Das macht das Thema ja so wichtig.

  • Ja, die Begriffe sollten erst einmal vorgestellt werden. Kurz woher sie kommen, ob z.B. die Abgrenzung zu PR genau genug ist, oder vielleicht, um ganz korrekt zu sein das, Thema und Problem „populistische Propaganda“ oder wie auch immer benannt werden sollte. Dieser Tage sind ja einige Begriffe sinnentstellt in Begrauch. Das trägt stark zur Verwirrung und Desinformation bei.

  • Kurzer Blick in die Histstorie und Herkunft.

  • Man könnte einen Gast für so einen Cast gewinnen. Der aufgrund seiner Forschung und/oder Erfahrung die wichtigsten / gefährlichsten /wirksamsten Methoden kennt (und damit die Auswahl sinnvoll begrenzt), sie beschreiben, den Wirkmechanismus dahinter erklären und Methoden, die davor schützen aufzeigen kann.

  • Gerne durch Beispiele mit Überraschungseffekt verdeutlich. Bei denen die Hörer erst später aufgeklärt werden, welcher Methode sie gerade auf den Leim gegangen sind. So etwas wird gut verinnerlicht.

    • Begleitetes Manipuliertwerden, sozusagen,
  • Welche Wirkung hat der Eigengebrauch solcher Methoden" könnte ein weiter Aspekt sein

    • Macht das Propaganda Salonfähig?
    • Führt es dazu, dass Propaganda schlechter erkannt wird, wenn man selbst manipuliert? Oder schärft es die Antennen?
  • Es ist ja nicht so, das „wir“ nur manipuliert werden. „Wir“ fangen selbst schon früh an zu manipulieren.

    • Ist das ein ganz natürlicher Vorgang? Kann der Mensch gar nicht ohne Manipulation?

Gibt es vertretbare, erwünschte, gut geheißene Propaganda oder darf der Zweck niemals die Mittel heiligen?

Weiterer Vorschlag wäre aufzuzeigen, wo man diesen Methoden noch begegnen kann.

  • Manches wird, gerne ohne es zu erkennen, im normalen auch privaten Sprachgebrauch angewendet. Um sich durchzusetzen, eine Debatte zu gewinnen.

  • Welche Methoden sind also keineswegs nur bei den „erwartbaren“ Gruppen anzutreffen, welche wende ich selbst an. evtl. ohne es zu wissen?

  • Sich selbst und seine Umwelt kennen zu lernen und zu verstehen ist ein ganz natürlicher und äußerst sinnvoller. lebensnotwendiger Drang. Warum wird der nicht genutzt, um bereits im entsprechenden Alter, im Rahmen der Schulischen Bildung entsprechendes Wissen hinreichend zu vermitteln?

  • Gibt es Risiken?

    • Führte es zu noch mehr Verzerrung und Propaganda, wenn jeder wüsste. wie es funktioniert und jeder sie anwenden könnte, dieses Wissen aber weniger schützte als ermächtigte?
      • Unter Umständen entpuppt sich dass Ansinnen der Aufklärung als ein zweischneidiges Schwert?

Einem Einwand, es gäbe ja Schulfächer, die sich damit befassten und die Lehrpläne seien ja schon voll sei entgegen gehalten, dass diese Fächer, weder in der hinreichenden Tiefe noch in der notwendigen Weise lehren.

1 „Gefällt mir“

Letztlich hängt das ja von der Definition von Manipulation ab. Zwischenmenschliche Kommunikation ist ja zumeist auf Beeinflussung angelegt.

Na ja. Das intendierte Ziel und die erzielbare Wirkung sind ja - selbst bei optimal eingesetzten Mitteln - zweierlei.

Was man sagen kann, ist, dass ein längerer Schulbesuch sich hemmend auf die Zustimmung zu rechtsradikaler Propaganda auswirkt.

Da könnte man jetzt entweder draus schließen, mehr hilft besser. Oder - das wäre die Alternativhypothese - kognitiv Fittere, die ohnehin solcher Propaganda seltener auf den Leim gehen, besuchen einfach länger die Schule.

Mir erscheint die zweite Hypothese plausibler.

Ein schönes Beispiel. Hier wird, wie oft im Sprachgebrauch, Manipulation und Beeinflussung synonym verwendet oder miteinander verwechselt. Obgleich der Unterschied zwischen Manipulation und Beeinflussung grundsätzlich klar definiert ist. Der Kernunterschied liegt in der Absicht, der Transparenz und der Freiheit der Entscheidung.

Das ist daher u.U. auch zu erwähnen und zu erklären, wie letztlich viele Begriffe,die so im Umlauf sind, aber nur selten gefragt wird, was bedeuten sie eigentlich genau.

Beutet das, dass das nie für die Propaganda aus anderen „Ecken“ untersucht wurde, oder dass Du nirgends sonnst Propaganda vermutest? Oder dass dass sich dieses Thema nur unter dem Blickwinkel rechter Propaganda behandelt werden sollte?

Wichtige Inhalte hinreichend zu lehren, muss ja nicht nicht zwangsweise längere Schulzeiten zur Folge haben. Da muss man schauen, wer welche Prioritäten in Sachen Bildung setzt. Und die Frage ob sich ändernde Zeiten nicht auch veränderte Lehrpläne erfordern, darf ja gestellt werden. Das wäre dann aber wohl ein anderes Thema,

Wie hat man sich das vorzustellen?

Die psychischen Mechanismen sind dieselben.

Und auch ein:e Manipulierte:r würde ja von sich behaupten, eine freie Entscheidung getroffen zu haben.

Und wie sollen sich die Absichten voneinander unterscheiden?

Das Ziel ist ja immer, jemanden von etwas zu überzeugen oder zu etwas zu bringen.

Der Begriff Transparenz ist mir in diesem Zusammenhang ebenso rätselhaft.

Sagen wir so, bei rechter Propaganda ist der Fall eindeutig. Höher Gebildete wählen weit unterdurchschnittlich Rechtsradikale.

Du kannst ja davon ausgehen, dass Schulleistung mit kognitiver Leistungsfähigkeit zusammenhängt - natürlich gruppen- und nicht einzelfallbezogen.

Kognitiv Leistungsfähigere denken als Gruppe im Schnitt differenzierter. Differenzierteres Denken ist wiederum ein Mittel, um Propaganda weniger auf den Leim zu gehen.

Meine These wäre daher, dass bildungsbezogene Unterschiede diesbezüglich gar nicht so sehr mit dem Schulunterricht zu tun haben.

Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet, leider etwas ältere und auf Kriegspropaganda abzielende, Erklärungen

Deutlich aktueller wird sich hier damit befasst

Das genau ist das Problem.

Wenn der Beeinflusste bewusst im Unklaren darüber gelassen wird, dass er absichtlich mit, sagen wir mal mit unlauteren Mitteln, beeinflusst wird. Dann fehlt die Transparenz, für den Beeinflussten.

Über die genaue Abgrenzung zur Beeinflussung ist viel diskutiert.

Für den IST-Zustand trifft das ja auch zu und wird von Sozialforschung und Politologie weitgehend gestützt. Soziale Milieus und Homophilie, Ökonomische Sicherheit und Statusangst haben da stärkeren Einfluss.

Die Schule kann zukünftig aber sehr wohl äußerst Wichtiges beitragen. Sie kann Werkzeuge zur Selbstverteidigung in einer zunehmend manipulierten Welt liefern. Schule kann nicht verhindern, dass Menschen mit Vorurteilen aufwachsen oder in Echokammern geraten. Aber man kann ihnen Werkzeuge geben, um zu erkennen, wenn sie manipuliert werden. Bildung in dieser Richtung ist also dringend nötig, auch wenn sie die Welte nicht perfekt machen wird. Und je früher im Leben eines Kindes das beginnt, desto wirkungsvoller ist es.

Ein Unterricht, der nicht belehrt, sondern Werkzeuge zur Selbstreflexion und kritische Denkfähigkeiten vermittelt, ist eine der Möglichkeiten, die Demokratie gegen die modernen Bedrohungen zu wappnen - die tieferen sozialen Probleme kann sie freilich kaum lösen.

Ja, sicher: Kognitiv leistungsfähigere denken im Schnitt differenzierter, und dieses differenzierte Denken ist ein wirksames Immunsystem gegen die vereinfachenden Techniken der Propaganda. Allerdings ist das kein Automatismus. Intelligenz erst einmal nur ein Potential. Das kann auch für die Vertiefung von Vorurteilen missbraucht werden.

Darum wäre der wichtigste Auftrag der Schule, wie oft gesagt, nicht die bloße Vermittlung von Fakten, sondern die Förderung kognitiver Komplexität.

Jetzt sind wir aber schon ziemlich weit vom Kernthema weg, oder?

Erstmal danke fürs Suchen der Quellen.

In der zweiten findet man dieses:

Da würde ich mal aus dem Grundgesetz Art. 21 Abs. 1 zitieren:

Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.

Das oben Genannte schon als Propaganda zu definieren, finde ich schwierig.

In deiner dritten Quelle heißt es:

Von Manipulation kann insbesondere gesprochen werden, wenn (vgl. v. Rosenstiel und Neumann, 2002):

  • Der Beeinflusste durchschaut die Technik nicht oder nur teilweise
  • Der Beeinflussende übt das entsprechende Verhalten bewusst aus.
  • Der Beeinflussende versucht einen eigenen Vorteil zu erreichen.
  • Nachteile des Beeinflussten interessieren den Beeinflussenden nicht.

Drei Mal ‚böse Absicht‘ (Punkte 2-4) und einmal relative Ahnungslosigkeit/Unwissenheit (Punkt 1).

Immerhin wird konzediert:

Die Abgrenzung normaler Beeinflussung zur Manipulation ist nicht immer einfach.

Der Einsatz einer tiefen Stimme wird noch als Beispiel für Manipulation genannt und das Weglassen des Doktorgrades bei Politiker:innen.

D.h., wenn ich beides zur Wählendenbeeinflussung einsetze, die Beeinflussten aber nicht wissen, dass das ja manipulative Techniken sind, habe ich schon Kriterium 1 der Manipulation erfüllt, wenn ich mir dessen bewusst bin, auch Kriterium 2. Da meine Wahl mein Vorteil wäre, Kriterium 3.

Am vierten Kriterium entscheidet sich dann also, ob es sich um Manipulation handelt.

Politiker:innen - auch von rechtsradikalen Parteien werden natürlich in aller Regel immer denken, dass die Wahl von sich auch Vorteile für die sie Wählenden bringt.

Dann wäre also nie Manipulation gegeben.

Und zu Kriterium 1 sei noch angemerkt, dass ein Mittel auch dann wirken kann, wenn sich Betroffene der Wirksamkeit bewusst sind.

ist natürlich wünschenswert, wird aber m.E. auch praktiziert.

An der manche aber, weil sie kognitiv schlichter gestrickt sind, dann eben zwangsläufig scheitern werden.

Wird es ja auch nicht. Du hast da einen Schnipsel aus dem Zusammenhang gerissen und den dann bewerte. Hier werden lediglich Beispiele für die Anwendungsbereiche angeführt. Also für „Wo lässt sich Propaganda antreffen“. Dass das alles bereits Propaganda wäre, behauptet außer Dir niemand.

Und das sollten sie tunlichst unter Verzicht auf Propaganda tun.

Von relativer „Ahnungslosigkeit/Unwissenheit“ kann man wohl kaum sprechen. Manipulation attackiert ganz bewusst und gerade, die bei allen Menschen vorhandenen Schwachstellen und „blinde Flecken“ und verschweigt absichtlich Fakten und Zusammenhänge die über das, was man als Allgemeinbildung oder Alltagswissen voraussetzen darf hinausgehen.

Ganz einfache Beispiele woran erkennbar wird, dass dieser Punkt nicht erfüllt sein soll wären:

  • Im Gespräch rückfragen, ob alles verstanden wurde, oder es z.B. Unklarheiten über verwendete Begriffe und Zusammenhänge gibt.
  • Zielgruppenspezifische Sprache, die zum Verständnis weder über Schulbildung hinausgehendes Spezialisten erfordert noch Metaphern, Wortwendungen oder vieldeutige Begriffe verwendet und auf Fachjargon verzichtet, dessen Verständnis in der Zielgruppe nicht vorausgesetzt werden kann.

Es geht ausdrücklich um Nachteile, also um Schaden, den der Beeinflusste erleiden würde. Das in „auch Vorteile“ umzudeuten entstellt den Sinn vollkommen. Damit wird die Definition der Grenze zwischen legitimer Überzeugung und unethischer Manipulation wertlos gemacht. Manipulation darf man als eine asymmetrische, unethische Machtbeziehung verstehen. Da spielen Vorteile für den anderen nur insofern eine Rolle, dass man die „Vorteile“ als Köder nutzen, um das manipulative Vorgehen zu stützen.

Das ist wie bei Werbung. Es wird versprochen und bestenfalls vorgeblich angestrebt aber weder konsequent noch flächendecken praktiziert. Idealerweise würde ein moderner Unterricht genau diese Werkzeuge zur Selbstreflexion und zum kritischen Denken vermitteln, in der Praxis ist das aber noch längst kein flächendeckender Standard. Die Mehrheit der Schulen fokussiert sich aufgrund von Zeitdruck und Prüfungsorientierung weiterhin primär auf die Vermittlung von Faktenwissen statt auf das Trainieren von Denkprozessen. Zwar gibt es einzelne engagierte Lehrer und erste Projekte in diese Richtung, aber eine systematische, durchgängige Umsetzung des „Werkzeug-Ansatzes" fehlt. Aktuell hängt die Förderung dieser Fähigkeiten also stark vom einzelnen Lehrer ab, während das Bildungssystem insgesamt noch hinkt.

Ein weiteres, bestens bekanntes Problem ist die Lehrerbildung. Viele Lehrkräfte wurden selbst im alten System ausgebildet und haben weniger Übung in der Moderation offener, kontroverser Debatten. Das Thema „Manipulation" kann schnell emotional werden (besonders bei politischen Themen).

Diese Annahme basiert allein auf dem Irrglauben, eine höhere Intelligenz hätte etwas an sich, dass nicht kompensiert werden könnte. Ehrlich, ich kann es bald nicht mehr hören. Intelligenz ist erst einmal lediglich ein ungerichtetes Potential. Intelligente lernen schneller, aber nicht unbedingt tiefer, aus Gründen: Jung & Haier (2007): "The Parietal-Frontal Integration Theory (P-FIT) of intelligence, Jensen, A. R. (1998): The g Factor: The Science of Mental Ability.,Sternberg, R. J. (1985): Beyond IQ: A Triarchic Theory of Human Intelligence.

Grundsätzlich können intelligente nichts lernen, was anderen unmöglich zu verstehen wäre. Weniger kognitiv leistungsfähige, brauchen einfach länger, lernen dafür aber oft tiefer, weil sie sich zum Aneignen von Wissen intensiv damit auseinandersetzen müssen.

Kognitive Komplexität ist weder eine angeboren Superkraft noch ist sie kognitiv leistungsfähigeren vorbehalten. (Watzlawick, P. (1974): Die reale Wirklichkeit. Die soziale Konstruktion der Wirklichkeit, Stanovich, K. E. (2018): Rationality and the Reflective Mind.). Stanovich beweist in seiner Forschung, dass man hochintelligent sein und eine niedrige kognitive Komplexität haben kann. Umgekehrt ist die Fähigkeit zur Selbstkorrektur durch Training (z. B. „Cognitive Bias Mitigation“) verbesserbar.

Kognitive Komplexität ist eine erlernbare Denkweise und eine Haltung, die jeder trainieren kann.

Fazit: Kognitive Komplexität ist kein Privileg einer Elite. Es ist eine demokratische Fähigkeit, die durch das richtige Training, eine offene Haltung und ein unterstützendes Umfeld für jeden Menschen erreichbar ist. Die Gefahr liegt in einem System, das einfache Antworten belohnt und komplexes Nachdenken nicht fördert und nicht in mangelnder Intelligenz.

1 „Gefällt mir“

Ich denke es ist Zeit hier etwas mehr Klarheit herzustellen:

Differenziertes Denken ist nicht mir kognitiver Komplexität gleichzusetzen. Bei kognitiver Komplexität geht es um die Struktur des Denkens: Wie viele Unterscheidungen (Dimensionen) kann eine Person treffen und wie gut kann sie diese miteinander verknüpfen, um ein ganzheitliches Bild zu erzeugen. Differenziertes Denken ist eher eine Fähigkeit oder ein spezifischer Prozess innerhalb dieser Struktur.

Für diesen Diskurs sehe ich vor allem die kognitiver Komplexität relevant, da es hier um Propaganda geht.

In vielen Beiträgen funktioniert die „Beweiskette“ dann (vereinfacht) in etwa so:

Höher gebildete, häufig auch als Akademiker bezeichnet, sind kognitiv Leistungsfähiger, denken daher differenzierter und wählen darum eher Links.

Das ist so und ähnlich, schlicht unzutreffend.

Es besteht zwar eine starke positive Korrelation zwischen dem allgemeinen Intelligenzfaktor und dem Abschluss eines Studiums. Und sicher gibt es eine Wechselwirkung aus höher Bildung und differenziertem Denken sowie kognitiver Komplexität. Die Forschung zeigt aber klar, dass der universitäre Prozess selbst einen massiven, eigenständigen Beitrag leistet.

Studien zur Erwachsenenentwicklung (z. B. von William Perry oder Robert Kegan) zeigen nämlich, dass das Universitätsstudium die kognitive Komplexität signifikant steigert, unabhängig vom Startniveau. Universitäten zwingen dazu, von zweigliedrigem Denken (richtig/falsch) zu multiperspektivischem Denken überzugehen. Man lernt, Unsicherheit zu tolerieren, widersprüchliche Theorien gleichzeitig zu betrachten und Probleme kontextbezogen zu lösen.
Die Art der Aufgabenstellung (Forschungsarbeiten, kritische Analyse, Abwägung von Evidenz) trainiert spezifische neuronale Netzwerke für komplexes Denken.

Ein Vergleich von Studierenden über die Zeit zeigt oft eine Zunahme dieser Fähigkeiten, die über das hinausgeht, was allein durch die ursprüngliche Intelligenz erklärbar wäre.

Man könnte zusammenfassen: Die Intelligenz ist das genetische Potenzial (die Grundausstattung des Muskels), Das Studium ist das intensive Krafttraining.
Jemand mit enormem Potenzial, der nie trainiert (kein Studium), erreicht oft weniger komplexe Denkniveaus als jemand mit durchschnittlicher Intelligenz, der jahrelang in einem anspruchsvollen akademischen Umfeld „trainiert" hat. Die kognitive Komplexität von Akademikern ist also zu einem großen Teil das Produkt der akademischen Sozialisation und Ausbildung, nicht nur ein Abbild ihrer ursprünglichen Intelligenz.

Der Pool der Akademiker ist auf ca. 24% bis 27% der erwerbsfähigen Bevölkerung (Altersgruppe 25–64 Jahre), begrenzt. Damit also immer weniger Rechtsradikal gewählt wird, muss das Training auch außerhalb von Hochschulen und so früh wie möglich statt finden.

1 „Gefällt mir“

Ich deute nicht um, sondern ordne realistisch ein. Alle Politiker:innen nehmen für sich in Anspruch, ‚dem Volk‘ Vorteile zu bringen.

Wer soll denn bewerten, ob es jemandem Nachteile bringt? Eine Stiftung Politiktest?

Außerdem heißt das Kriterium ja, Zitat:

Nachteile des Beeinflussten interessieren den Beeinflussenden nicht.

Ob es Nachteile bringt, ist also gar nicht bedeutsam, sondern nur das Desinteresse daran durch „den Beeinflussenden“. Hier wird also auf eine arglistige Täuschung angespielt. Der Beeinflussende weiß, dass seine Politik Nachteile fürs ‚Volk‘ bringt, demgegenüber ist er aber gleichgültig.

Ich behaupte lediglich, dass die aller meisten Politiker:innen Überzeugungstäter:innen sind und im guten Glauben handeln, dass die eigene Politik dem ‚Volk‘ Vorteile bringt. Ob dieser Glaube gerechtfertigt ist, spielt fürs Anlegen des vierten Manipulationskriteriums ja gar keine Rolle.

Folglich kann etwas an diesem Kriterienkatalog nicht stimmen.

Dieses zweite Kriterium in Verbindung mit dem vierten lässt auf eine Schädigungsabsicht schließen.

Zum Unterricht an hiesigen Schulen (KI):

Kritische Medienreflexion und die Analyse von Propaganda sind als Querschnittsaufgabe in allen deutschen Lehrplänen verankert. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat diese Kompetenzen verbindlich in ihrer Strategie zur Bildung in der digitalen Welt festgeschrieben. Sie werden primär fächerübergreifend in den Gesellschaftswissenschaften (Geschichte, Gemeinschaftskunde) sowie im Deutschunterricht unterrichtet. [1, 2, 3, 4, 5]

Länderübergreifende Vorgaben der KMK

  • Fokus auf Desinformation: Ergänzend zur digitalen Infrastruktur forciert die KMK Maßnahmen zur Abwehr von Desinformation, Fake News und digitalem Manipulationsdruck. [1]
  • Demokratiebildung: Das Erkennen von Propaganda ist eng mit Werten wie Meinungsfreiheit und der Stärkung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung verknüpft. [1, 2]

Didaktische Schwerpunkte im Unterricht

  • Quellenkritik und Fact-Checking: Die Bewertung von Texten, Bildern und Videos auf ihren Wahrheitsgehalt und ihre Intention.
  • Erkennung von Framing: Wie Sprache und Bilder genutzt werden, um politische Meinungen zu manipulieren.
  • Algorithmen und Social Media: Die Funktionsweise von Plattformen, die gezielt Filterblasen erzeugen und der Radikalisierung Vorschub leisten

Entweder passiert das an den allgemeinbildenden Schulen, dann kann man allenfalls fragen, ob das ausreicht. Oder die Schulen verstoßen ganz überwiegend gegen die Vorgaben. Letzteres halte ich für unwahrscheinlich.

Nenn mir doch mal ein konkretes Beispiel dafür. Mir ist auch nicht klar, wie sich diese Komplexität vom differenzierten Denken unterscheiden soll.

Würde ich jetzt nicht sagen.

Intelligenz ist korreliert mit einer Reihe linker und linksliberaler politischer Überzeugungen.

Wir stellten fest, dass sowohl der IQ als auch die polygenen Scores alle sechs unserer politischen Skalen signifikant vorhersagten. Die polygenen Scores sagten innerhalb der Familien sozialen Liberalismus und geringeren Autoritarismus voraus. Intelligenz konnte innerhalb der Familien sozialen Liberalismus und geringeren Autoritarismus signifikant vorhersagen, selbst nach Kontrolle sozioökonomischer Variablen. Unsere Ergebnisse liefern möglicherweise den bislang stärksten kausalen Hinweis darauf, dass Intelligenz politische Überzeugungen direkt beeinflusst.

(Übersetzt unter Nutzung von DeepL)

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0160289624000254

Dass höher Gebildete - um dich zu zitieren - „eher“ links(liberal) wählen, zeigte sich z.B. bei der letzten Bundestagswahl:

Sehr gerne. Das Finden der Quellen trägt womöglich mehr bei.

Das hat auch bei Wiederholung nichts mit dem - vereinfacht dargestellten - Kennzeichen „Nachteile des Beeinflussten interessieren den Beeinflussenden nicht.“ zu tun.

„Nachteile des Beeinflussten interessieren den Beeinflussenden nicht.“ impliziert klar, dass dem Beeinflussenden Nachteile für den zu beeinflussenden bekannt sind, sie bewusst in Kauf genommen werden und das dem zu beeinflussenden verschweigt.

Das der manipulierende auch Vorteile für den manipulierten in Kauf nimmt, tut da überhaupt nichts zur Sache und ist auch keine bloße „Einordnung“.

Diese Behauptung und vor allem in Bezug „die aller meisten“ müsste zunächst einmal gründlichst untersucht werden, um Relevanz zu erlangen.

„dass die eigene Politik dem ‚Volk‘ Vorteile bringt“ schließt Nachteile, die dieselbe Politik dem „Volk“ bringt nicht aus. Um hier ohne Manipulation auszukommen, müssen die „Nachteile des Beeinflussten“, also hier „Volk“ die Politiker interessieren. Und dazu gehört wohl auch eine entsprechende Kommunikation hinsichtlich möglicher Nachteil für das „Volk“.

Ich sehe da eher Schwächen (siehe u.a. oben) in der Argumentationskette, die diese Folgerung produziert hat.

Diese Folgerung kann ich nicht nachvollziehen. Es geht zwar darum, den eigenen Vorteil auch unter Inkaufnahme von Nachteilen für den beeinflussten zu erlangen. Das Anrichten von Schaden steht bei Manipulation aber nicht per se im Vordergrund.

Da würde ich empfehlen Deinen Prompt nachzuschärfen. Denn

Es passiert nicht. Alles was Dein Prompt zu Tage gefördert hat sind Absichtserklärungen oder Konzepte.

Ist ein Konzeptpapier.

Die kognitive Aktivierung wird in deutschen Schulen nicht flächendeckend und nicht konsequent in der Praxis angewendet. TIMSS 2015/2019/2023, Lipowsky, F. (2015), Fauth, B., & Leuders, T. (2018).

Schulinspektionen dokumentieren regelmäßig den Nachbesserungsbedarf in diesem Bereich.