Das mag sicherlich Teil der Erklärung des heutigen Konfliktes sein, ist aber keine Rechtfertigung.
Genauso kann man argumentieren, dass Israel es den Hardlinern der arabischen Welt „leicht gemacht hat“ indem es sich als Feind von außen anbot, der arabische Palästinenser wiederholt gewaltsam vertrieben hat und bis heute mit übertriebener, teils völkerrechtswidriger Härte bekämpft.
Tut mir leid, aber ich sehe es nicht als unpassend mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass Israel ein Staat ist, der sich selbst als die Antwort auf den Holocaust versteht und darstellt – ein Staat, der sich als Hüter der Holocaust-Erinnerung positioniert, der die richtigen Lehren daraus gezogen hat, und doch in eine genozidale Unternehmung verwickelt ist, um mal Omer Bartov zu paraphrasieren.
Deine Entrüstung darüber scheint sich aber in Grenzen zu halten, ganz im Gegensatz zu deiner Reaktion auf meinen Kommentar.
Ich habe auch nur von Israelis gesprochen.
Ein Vergleich oder eine Analogie ist keine Gleichsetzung.
Und ich hoffe die hier vorgetragene Entrüstung einiger Diskutierender über ein paar Zeilen in einem Internetforum, während der aktuell laufenden Kriegs- und Völkerrechts-Verletzung Israels ist nur eine fehlgeleitete Form der gerechtfertigten Empathie gegenüber den Opfern des Holocaust.
Daran trägt Israel eine Mitschuld, z.B. indem es die Vorgänger-Organisation der Hamas, das Yassin-Netzwerk in den 70er und 80er-Jahren unterstützte um die eher säkulare PLO zu schwächen (sehr ausführlicher Artikel von 2001):
Außerdem bedeutet eine radikale Hamas, das jede Hoffnung auf friedliche Koexistenz zerstört ist und genau das wollten die israelischen Rechten schon damals.
Was du damit offenbar implizierst, ist die gleiche Argumentationslinie, die Putin auch schon als Rechtfertigung des Krieges gegen die Ukraine herangezogen hat: Einfach mit Staatsgrenzen von vor ein paar hundert Jahren argumentieren.