Naivität gegenüber dem Rechtsruck der Parteien

Wohl weil die AfD von einer klaren Mehrheit bei der Wahl ausgeht. Da braucht man dann nicht reden. :wink:

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Man muss wohl berücksichtigen, dass die BRD als soziale Marktwirtschaft grundsätzlich erstmal eher rechts verortet ist. Ich glaube jetzt aber nicht, dass das politische System davon profitieren würde, wenn es mehr Parteien gäbe, die für eine Geschenkökonomie kämpfen würden…

Betrachtet man es so, passt es wieder:

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“Bestenfalls mäßiger Ökonom” musst Du bitte belegen. Nach meiner Kenntnis zutrifft das nicht zu: Erhard genoss als Wirtschaftsminister international hohes Ansehen, seine Popularität übertraf zeitweise sogar die Adenauers. Er war promovierter Volkswirt, der fach fundierte ordoliberale Konzepte entschlossen und gegen erhebliche Widerstände in die Tat umsetzte. Seine Stärken lagen vor allem in der praktischen Umsetzungsstärke, weniger in theoretischer Originalität. Ers als Kanzler versagte er, und zwar eher an politischem Führungsgeschick in der Rezession 1966/67 als an ökonomischem Sachverstand

In Bezug auf die Alliierten trifft das „nicht ernst nehmen“ gerade nicht zu: Erhard erhielt 1948 als Wirtschaftsdirektor der Bizone maßgeblichen Einfluss auf die Reform und setzte sich gegen die Amerikaner sogar mit der Abschaffung der Bezugsscheinwirtschaft durch.

Die technische Währungsumstellung 1948 war tatsächlich alliiertes Projekt – aber die entscheidende ordnungspolitische Flankierung (Aufhebung der Zwangswirtschaft) war Erhards eigenständiger, gegen Widerstand durchgesetzter Beitrag.

Du meinst vermutlich de Zahlungsbilanzkrise 1950/51 und die Rezession 1966/67, die letztlich zu Erhards Sturz als Kanzler führte, weil er als Ordoliberale staatliches Eingreifen verweigerte. Dass er damit “beinahe das Ende des Wunders” verursachte, ist aber übertrieben: Historiker sehen 1966/67 nur als kurze “Delle”, das echte Ende kam erst 1973 mit der Ölkrise.

Aber Deine Einschätzung des “Vater des Wirtschaftswunders” als Mythos teile ich: Sein tatsächlicher Beitrag ist in der Forschung ausdrücklich umstritten, da Marshallplan, Korea-Boom und der von Dir beschriebene allgemeine europäische Rekonstruktionseffekt auch entscheidend waren.

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Nein. Das spricht ausschließlich für die Person Habeck.

Man hätte mit ihnen reden könne, bevor sie es nicht mehr nötig hatten.

Danke für den Ehrenrettungsversuch der demokratischen CDU. Bin gespannt,wie das nach den Wahlen aussieht.

Auf mich wollte ja keiner hören :rofl:

Ulrike Herrmann, Deutschland , ein Wirtschaftsmärchen. Kapitel III Ludwig Erhard: Ein talentierter Selbstdarsteller.

Das will ihm auch niemand streitig machen. Erhard hatte die Preise freigegeben, obwohl Hitlers Lohnbremse noch in Kraft war. Auch dieser Unfug Erhards hatte desaströse Folgen, die einmal mehr nur durch Adenauers Druck mit Hilfe der Alliierten entschärft werden konnten. Das ist selbst in Wikipedia ersichtlich.

Ich weiß gar nicht wo die Überzeugung herkommt, man würde mit der AfD nicht reden. Die „Brandmauer“ ist ja nicht eine Anweisung, die Ohren zuzuhalten und lalalala zu rufen, wenn sie im Bundes-/Landtag sprechen. Es ist ein Versprechen, nicht mit ihnen zu kooperieren.
Eigentlich ist es eine Lachnummer. Praktisch niemals werden Gesetzesentwürfe der Opposition von den Regierungsparteien beschlossen. Warum sollte man das für die AfD anders handhaben? Wenn die AfD einen Gesetzesentwurf entwickeln will zu einem Thema, das die Regierungsparteien nicht verändern wollen, dann gibt es keinen Grund, mit ihnen daran zu arbeiten, sonst würde man es selber machen. Wenn es um ein Thema geht, an dem die Regierungsparteien selber auch arbeiten, dann nimmt man natürlich lieber seinen eigenen Entwurf und schreibt da die Sachen rein, die man selber will, nicht das, was die AfD will.

Ich finde das framing falsch und unsinnig. Niemand ist verpflichtet mit Parteien zu arbeiten, die man für ablehnt, nur die Rechtsextremen brauchen eine Sonderbehandlung.

Ich verstehe jetzt nicht, welches Framing Du meinst. Aber - bevor es hier wieder los geht - lass mich etwas sortieren:

  1. In dem verlinkten Thread ging es um Wähler und Sympathisanten,nicht um die Partei.
  2. Die AfD (Partei) bekam und bekommt ständig Sonderbehandlung
    1. Keine Begrüßung von AfD Abgeordneten im Bundestag
    2. Äußerungen von Parlamentariern am Rednerpult „Mit rechtsradikalen rede ich nicht“
    3. Verweigerung von Standards für Parteien im Bundestag
    4. Keinerlei Gespräche der demokratischen Parteien mir der AfD, bis sie groß genug waren, um die Mehrheit in Sachsen-Anhalt zu erlangen.

Wenn Du die Partei meinst, kann ich Dir das nicht beantworten. Da ist wohl etwas an Dir vorbei gegangen, aus den Medien. Wenn Du die Wähler meinst, das wird gerade begonnen. Alle demokratischen Parteien mischen sich unter Sachsens Volk.

Oder kurz: Der Wandel zur Gesprächsbereitschaft mit AfD und deren Wählern, ist jünger als der Thread.

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Vielleicht sollten wir noch einmal sauber ein paar Dinge trennen: rechtswidriges oder verfassungsfeindliches Handeln gehört sanktioniert, egal in welcher Partei. Dafür gibt es Journalisten, die dafür Bewusstsein schaffen und eine Justiz, die das abräumen sollte.

Jedes journalistsiche Format hat eigene Ansprüche an ihr eigenes Handeln, den einzigen Vorwurf, den ich Ulf und Philip machen könnte, wäre, wenn sie wie Spahn Wasser predigen und Wein trinken. Das erkenne ich nicht systematisch, eine Abweichung davon mag es punktuell geben, aber vermutlich eher aus Unachtsamkeit denn als Vorsatz.

Und schließlich der Rechtsruck in den Parteien bzw. der Gesellschaft: da gibt es zwei Wellen, die nicht unbedingt synchron laufen: die CDU war seit ihrer Gründung eine rechte Partei, rechts im konservativen Sinne aber auch rechts, weil rechts von ihr nichts Etabliertes sein durfte. Dann kam Merkel und die CDU sucht nun in einer Pendelbewegung wieder eine Neupositionierung - auch in Abgrenzung zur Ära Merkel. Die zweite Welle ist die gesamtgesellschaftliche, wo auch „früher war alles besser“ mitschwingt. Gefühlt haben wir mehr Gewalt, statistisch nicht nachweisbar. Gefühlt ging es uns (den meisten) früher besser, faktisch ist Deutschland reicher geworden, wenngleich die Verteilung der Mittel immer ungleicher, oder auch ungerechter wird. Daraus leitet sich der Gedanke ab, dass die progressiven Impulse der letzten Jahre nicht wirkten und nun das Konservative die Oberhand gewinnt, das Gute im Herkömmlichen zu bewahren und die Gesellschaft nur langsam und moderat zu verändern. Hier liegt natürlich der Trugschluss und die Gefahr für die konservativen Kräfte, dass in einer immer schnelllebigeren Gesellschaft das Konservative gar nicht wirken kann, ohne durch den technischen Fortschritt und die Krisen von außen als zu langsam zu gelten.
Den Rechtsruck der CDU hin zu einer weitestgehend konservativen Partei begrüße ich außerordentlich, einfach aus dem Grund, um den Wählern wieder eine echte Alternative außerhalb des Gedränges in der Mitte zu geben. Auch damit wird die AfD nicht automatisch halbiert, aber der Diskurs bekommt wieder einen klar zu identifizierenden politischen Kompass.

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Finde ich nur als Beschwerde, dass man nicht gegrüßt wird, wenn man einen anderen Abgeordneten irgendwo im Gebäude über den Weg läuft. Grußpflicht klingt aber tatsächlich nach einer AfD Forderung.

Und das bedeutet für mich, dass ich mit Rechtsextremisten nicht spreche, mit Rechtsextremisten nicht in einen politischen Dialog gehe.

Ja, solche Worte sind gefallen. Ich finde, das ist ein Grundsatz, den man haben darf. Es ändert aber nichts daran, dass sehr viel mit der AfD gesprochen wird. Nicht im Sinne, lasst uns mal zusammenarbeiten, welche Ideen zum Thema Migration habt ihr denn, die wir noch einbauen können. Aber klar wird gesprochen.

Ich vermute, dass sie keine Ausschussvorsitzenden aufstellen, die eine Mehrheit im Parlament finden? Sagt mehr über das Demokratieverständnis der AfD.

Keine Zusammenarbeit. Gesprochen wurde viel. Vor allem über ihre Themen.

Auch so ein Framing. Ich lasse mal diese Meinung hier: https://www.stern.de/neon/wilde-welt/politik/besorgte-buerger--warum-es-ein-fehler-war--sie-ernst-zu-nehmen-8236410.html

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Also wenn schon schicke Worte benutzen, dann die passenden. Framing ist es hier nicht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Framing_(Sozialwissenschaften)

Der Stern. Immer ein Quell der unbefleckten Erkenntnis. Das überzeugt natürlich. Der hatte ja auch gleich gar nicht verstanden, dass argumentative Annäherung in diesem Kontext schon 2018 der falsche Weg war. Schau Dir die aktuelle Anstalt an, da wird es (auch Dir noch mal) erklärt.

Das häte ich gerne von Dir belegt. Und merke: Es geht um Gespräche mit der Partei AfD und nicht um Wähler, Anhänger oder Sympathisanten

Passt in meinen Augen:

Framing (engl. für Rahmung) ist der meist bewusst gesteuerte Prozess einer Einbettung von Ereignissen und Themen in Deutungsraster und Narrative bzw. Erzählmuster. Komplexe Informationen werden dadurch selektiert und strukturiert aufbereitet, sodass eine bestimmte Problemdefinition, Ursachenzuschreibung, moralische Bewertung und/oder Handlungsempfehlung im Sinne des Framing-Erstellers in der jeweiligen Thematik betont wird.

Man würde erst jetzt zaghaft damit anfangen, mit (potentiellen) AfD-Wählern ins Gespräch zu kommen, ist Framing: ein bewusst gesteuerter Prozess der Einbettung von Narrativen. Komplexe Informationen (wer alles schon mit wem gesprochen hat und welche Probleme es bei solchen Gesprächen geben kann) werden selektiert, so dass am Ende behauptet werden kann, man hätte ja nie mit AfD Wählern gesprochen.

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was du mir damit sagen willst. Der Stern hat was gleich auch gar nicht verstanden? Was meinst du mit argumentativer Annäherung?

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Habe ich nicht gelesen. Gerade Ulrike Herrmann ist für mich keine vertrauenswürdige Quelle. Nicht, weil sie taz-Journalistin ist. Mein Problem ist ihre Marketingstrategie als Autorin: Maximal vom Mainstream abweichende und dadurch provokante Thesen (oft aus Fachbereichen, in denen sie höchstens angelesene Expertise hat), die dann über maximal viele Talkshows in die Welt posaunt werden.

Ich halte mich lieber an die Historiker, v.a. die Wirtschaftshistoriker.

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Was Du Dir so alles einfallen lässt, herrlich. :grinning_face:

Na schön, ein Beispiel aus einer Budestagsdebatte. Wenn Bundestagsdebatten, die größtenteils abgelesen werden, als „Miteinander sprechen“ bezeichnest, dann passt auch Framing.

Das wurde ausgiebig hier diskutiert:

In Deinem Beispiel gibt es weder Deutungsmuster noch deren EInbettung in irgend etwas. Man kann, wenn Du Recht haben solltest mit Deiner Behauptung, von ein einer Falschdarstellung oder einer Lüge sprechen. Framing ist etwas anderes.

Worum geht es Dir hier eigentlich? Du kannst das doch finden wie Du möchtest. Keine Einwände :grinning_face:

Wie Ulrike Herrmann, da habt ihr was gemeinsam. Sie zitiert und bezieht sich auf Historiker, u.v.a. die Wirtschaftshistoriker. Werner Adelshauser, Anat Amati, Stefan Bach (leider nur Steruexperte), etc.. Die sind aber womöglich alle nicht gut.

Ich muss zugeben: nach konkreter Recherche, was denn die Wirtschaftshistoriker zu seiner Wirtschaftspolitischen Kompetenz sagen, ist das Ergebnis deutlich gespalten.

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Ich sags mal so: Wenn eine Seite des politischen Spektrums den antifaschistischen Konsens Salamischeibe für Salamischeibe abhobelt, auf dem unsere Gemeinschaft gebaut wurde, hat man im demokratischen Spektrum völlig zutreffend den Eindruck, dass unser System so nicht weiter funktionieren kann. Das Problem: Anders als in einer Ehe kann man sich im Nationalstaat schlecht von einem Partner trennen, der sich entschließt, zukünftig als Arschloch leben zu wollen.

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