Miete oder Eigenheim?

Allerdings

Genauso kann ich behaupten, dass Wohnungen ja nicht teuer seien, wenn ich auf den Durchschnitt schaue.

Die meisten scheitern heutzutage am Eigenkapital. Bringt wenig, mein Leben lang zu sparen und mir dann mit 45, wenn die Kinder aus dem Haus sind, den Traum vom Eigenheim zu erfüllen, nachdem wir zu fünft in der 3-Zimmer-Wohnung gelebt haben und nie in Urlaub gefahren sind, weil Mama und Papa sich ein schönes Depot aufbauen wollten.

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Okay, es stimmt - ich habe das als generelle Aussage gelesen, mit einem Fokus auf Berlin, Frankfurt und München. Man kann es allerdings auch so lesen, dass das Problem nur in Berlin, Frankfurt und München wirklich existiert. Wenn Margarete das so meint, ziehe ich meine Kritik zurück.

Wobei der Unterschied laut diesen Daten jetzt nicht soo riesig ist:

In Deutschland halten demnach gewerbliche Großvermieter wie Vonovia, Deutsche Wohnen und Co. 14% aller Wohnungen, in Berlin hingegen 20%.

In beiden Fällen wird von öffentlichen, genossenschaftlichen und Kleinstvermietern 50 % der Wohnungen am deutschen Wohnmarkt gehalten. Es scheint nicht so als würden sich deutscher Durchschnittsmarkt und Berliner Wohnungsmarkt stark unterscheiden.

Aber für die Altersvorsorge gibt es doch mehr Optionen als nur das Eigenheim. Es gibt auch nicht nur die Wahl zwischen (extrem dargestellt) Sparen bis Anschlag vs. Jedes Wochenende Goldsteak in Dubai.

Mir ging es darum, dass es ein Störgefühl auslöst, wenn man alles verkonsumiert und sich bei den Kosten des Alters von der Gesellschaft tragen lässt. Dann müssten wir die Pflegeversicherung deutlich teurer machen, damit sie tatsächlich alle Kosten trägt und nicht nur von denen, die ihr Vermögen rechtzeitig an Verwandte gegeben oder verjubelt haben.

Wird nicht genau dieses Verhalten, Risiken durch die Gemeinschaft tragen zu lassen, aber die Gewinne zu Individualisieren sonst von uns allen zurecht scharf kritisiert?

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Nein, sorry, aber das sind falsche Schlussfolgerungen

  1. Die Mieten steigen, weil das Angebot an Wohnraum knapp ist. Dabei ist es egal wer der Eigentümer des Wohnraumes ist. Hier wirkt eindeutig Angebot und Nachfrage
  2. Nicht gut instand gehaltene Wohneinheiten haben oft ein anderes Problem. Die „normale“ Instandhaltung (tropfender Wasserhahn, Dusche defekt usw.) funktioniert oftmals. Was nicht funktioniert ist die generelle Instandhaltung, wie Heizung, Fenster, Elektro usw. geht. Das liegt höchst wahrscheinlich daran, dass es oft keinen wirtschaftlichen Sinn macht diese Maßnahmen unter Instandhaltung laufen zu lassen. Da ist es wirtschaftlich attraktiver eine komplett Sanierung durchzuführen, was der Vermieter in die Lage versetzt, eine höhere Miete zu verlangen. (Umgangssprachlich die Luxussanierung).
  3. Unternehmen müssen Profit machen, sonst würde erst gar nicht investiert werden. Im Bereich Wohnraum ist der Profit schon sehr tief im Vergleich zu anderen Investments.
    „Der Profit beim Vermieten einer Immobilie in Deutschland wird primär über die Mietrendite berechnet, wobei eine Nettomietrendite von über 4 % oft als attraktiv gilt. Als Faustregel für ein solides Investment wird eine Nettorendite zwischen 3,5 % und 6 % pro Jahr angestrebt. Die Bruttomietrendite in deutschen Großstädten lag Ende Juli 2024 im Durchschnitt bei etwa 3,79 %“ Wir liegen weit unter der attraktiven Rendite.
  4. Das Bürogebäude leerstehen und nicht genutzt werden ist sehr oft ein Baurechtliches Problem. Ich weiß, dass mehrere Investoren in Hamburg Büroflächen gerne in Wohnraum umgestalten wollen. Dieses wird oft durch die hohen Auflagen unwirtschaftlich.
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Ich komme aus eher einfachen Verhältnissen und unsere Urlaube als 4-köpfige Familie damals kann ich an 2 Händen abzählen und selbst da sind noch welche dabei die wir bei Verwandtschaft verbracht haben. Dafür sind wir ins eigene Haus gezogen als ich Teenager war - entspricht also recht gut deiner Geschichte. Meine Perspektive als “Opfer”, das nicht jedes Jahr mit dem Flieger in die Sonne und um Weihnachten/Ostern in den Skiurlaub fahren durfte, ist: ich finde die Prioritäten gut so wie sie sie gesetzt haben.

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Für mich fehlt in dem Tagesschau-Podcast noch die Betrachtung der Abwicklung eines Mietverhältnisses. Ich kenne alles, war jahrelang Mieter, wohne seit 25 Jahren im Eigenheim und bin seit 10 Jahren auch Vermieter einer geerbten Wohnung in einer WEG. Das Leben im Eigenheim bringt enormen Komfortgewinn, wenn Reparaturen anfallen. Man bestellt einen Handwerker oder macht es selbst, und das war’s. Der Mieter muss es erst dem Vermieter melden, mit dem muss er sich auseinandersetzen, ob es zu den Nebenkosten gehört oder vom Vermieter zu zahlen ist, und der Vermieter muss einen Handwerker beauftragen. Das gibt er dann weiter an den Mieter, der einen Termin mit dem Handwerker ausmachen muss. Der Vermieter muss dann wieder dahinterhersein, dass die Arbeit so erledigt wird, wie er sich das vorstellt. Selbst reparieren kommt meist nicht in Frage, denn damit könnte der Mieter unzufrieden sein. Wenn es das Gemeinschaftseigentum der WEG betrifft, muss erstmal deren Einverständnis eingeholt werden, unter Umständen muss auch die WEG den Auftrag erteilen. Es kommt eben immer noch eine Ecke hinzu, über die die Entscheidungen und Mitteilungen laufen müssen, und das macht die Angelegenheit zäh.

Wer Mieter bei der Vonovia ist, wird auch schon die Erfahrung gemacht haben, dass deren Kapazitäten, um Handwerker zu beauftragen, nicht ausreichend sind. Man wartet als Mieter sehr lange, bis Warmwasser oder Heizung wieder funktionieren. Bis dahin läuft der Stromzähler sehr schnell (und teuer). Und wenn die Wohnung genug heruntergewohnt ist, ohne dass die V. je etwas renoviert hat, wandelt sie das Mietshaus in Eigentumswohnungen um und will die Wohnungen an die Bewohner zu einem Preis verkaufen, der dem Neupreis entspräche. Wer das Angebot nicht annimmt, muss damit rechnen, dass jemand anders die Wohnung kauft, und dann Eigenbedarf geltend macht.

Auch als Eigenheimbesitzer können sehr überraschend Kosten auf einen zukommen, mit denen man nicht gerechnet hat. In vielen Bundesländern oder Kommunen gibt es Straßenausbau-Beitragssatzungen, wo jeder Anlieger zehntausende Euro zahlen muss, wenn die Anliegerstraße saniert wird. Das gleiche kann mit der Wasserversorgung passieren. Wir mussten mal innerhalb von 3 Jahren 5000 Euro bezahlen, weil die im Ort vor 50 Jahren billig verlegten Asbestzement-Rohre brüchig wurden, und alle ausgetauscht werden sollten.

Was daraus vielleicht deutlich wird: Man kann das Leben nicht 30 Jahre im Voraus planen. Natürlich ist ein Eigenheim ein Klumpenrisiko, das gilt aber genauso für den Wohnraumbedarf, also im Laufe des Lebens erforderliche Mietzahlungen. Es geht nur darum, wie man dieses Klumpenrisiko behandelt.

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Letztlich eine Entscheidung die von vielen Faktoren abhängt.

Zuerst finanziell: ein Eigenheim muss man sich leisten können, vom Haushaltseinkommen und Eigenanteil, den man einbringen muss.
Dazu muss das Haushaltseinkomnen zumindest relativ langfristig planbar sein.
Jobwechsel mit neuem Arbeitsort ist auch schwierig.
Arbeitslosigkeit und Krankheit ist immer ein Risiko, auch bei Mietern.
Handwerker- und Renovierungskosten muss man einplanen und zurücklegen können.
Man ist an sehr langfristige Kredite gebunden.

Aber: man hat, ist das Eigenheim bezahlt, einen Vermögenswert. Der nach 30 Jahren ggf wieder Kosten verursachen kann.
Man kann frei entscheiden wie man das Eigenheim verändert.
Man kann es auch verkaufen, wenn man das Geld braucht, zum Beispiel bei Krankheit, Pflegebedürftigkeit oder Scheidung.

Als Mieter muss man erstmal eine passende bezahlbare Wohnung finden. Bei Änderung der Lebensverhältnisse droht ggf. ein Umzug (Kinder, Job, Arbeitslosigkeit, etc).
Bauliche Veränderungen sind nur bedingt möglich.
Die Gefahr einer Kündigung kann drohen, Mieterhöhung, Renovierungsstau.

Aber: weniger langfristige Bindung, mehr Flexibilität bei Veränderung, bei Renovierung oder Schäden ist erstmal der Vermieter in der Verantwortung.
(Kann auch schnell gehen, zumindest bei privaten Vermietern. Zumindest auf dem Dorf oft innerhalb von Stunden oder Tagen).

Zudem: was ist meine persönliche Präferenz?
Heimwerke ich gern und wühle im Garten, ist ein Eigenheim mit Grundstück passend.
Hab ich da zwei linke Hände oder andere Präferenzen, dann eher nicht.

Zudem sagt der Artikel ja auch, das es wie beim Mieten auch beim Eigenheimkauf positive und negative Beispiele gibt.

Daher: keine pauschale Empfehlung möglich.

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Das war allerdigs (vermutlich) eine andere Zeit und ist nicht mit heute vergleichbar.

Finde ich jetzt auch überraschend.

Ja, aber das Haus ist da kein Garant. Wie oben von jemand geschrieben, kann man das recht locker vor dem Zugriff schützen. Auch darf der Staat nicht darauf zugreifen, wenn der zweite Ehepartner noch drin wohnt. In der Zwischenzeit darf auch hier der Staat einspringen.

Vor allem müssten wir alle in die Versicherung zwingen. Kenne so Fälle von Ärzten oder Steuerberatern, die im Ruhestand plötzlich auf Sozialhilfe angewiesen waren.

Volle Zustimmung.
Die finanzielle Vorteilhaftigkeit ist nur ein Entscheidungskriterium - ganz viel geht auch nach subjektiver Einstellung und persönlichen Gefühlen. Der Mensch ist kein homo ökonomikus - gut so!

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Bei diesem Thema gibt es offensichtlich einen deutlichen Bias in vielen Medien, was bei vielen Menschen einen falschen Eindruck vermittelt. Es ist schlicht bequemer, mit dem Finger auf angeblich geldgierige Unternehmer zu zeigen, als anzuerkennen, dass Städte wie Berlin, München und andere Boomregionen vor allem ein massives Nachfrageproblem haben.

Trotzdem ziehen immer mehr Menschen dorthin, selbst in Berlin, wo die Arbeitslosigkeit bereits hoch ist und die Stadt aus allen Nähten platzt. Die strukturellen Ursachen werden dabei gern ausgeblendet, weil das Narrativ vom gierigen Vermieter oder Investor einfacher zu erzählen ist und mehr Einschaltquote verschafft.

Daher wird lieber auf den geldgierigen Einzelfall gezeigt als auf das Problem, bei dem wir uns selbst an die Nase packen müssten.

Das ist zwar zu begrüßen, wird das grundlegende Problem aber nicht lösen. Wir können nicht akzeptieren, dass Menschen zwar vorsorgen, dann aber kurz vor Eintritt des Bedarfs ihre Rücklagen verprassen oder verschenken. Eine Vorsorge, die im entscheidenden Moment nicht mehr vorhanden ist, verfehlt ihren Zweck.

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Da gibt es sicherlich einen Punkt, wenn man es trotz eigenem Vermögen (u.a. Eigenheim) darauf anlegt, sich später weitgehend von der Gemeinschaft versorgen zu lassen.
Der Grad zwischen Eigenverantwortung und Sozialstaat in der Verantwortung ist alkerdings sehr diffus.

Andererseits kann ja auch nicht das Ziel sein (überspitzt formuliert), sein Leben lang zu arbeiten und sich nichts (!) zu gönnen, damit man später eine mögliche Pflegebedürftigkeit voll selbst finanzieren kann.

Da liegt das Problem eher an teils zu geringen Gehältern, wenig verlässliche Rente, zu ineffizientem Pflegeversicherungssystem und anderen Baustellen.

Ein Eigenheim als Altersvorsorge ist ein wichtiger Baustein, aber ein optionaler.

Zudem ist nicht jeder Vermieter automatisch ein Abzocker.

Aber Vermietung ist ein gewinnorientiertes Geschäft auf Basis von Angebot und Nachfrage. Maximaler Output bei minimalem Input ist da marktwirtschaftlich das legitime Ziel.
Also gibt es da auch negative Auswüchse wie in jedem anderen Geschäftsfeld auch.

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Ganz so ist es auch nicht. Unter den 28% sind ja auch bereits professionelle Vermieter mit großen Portfolios. Auch muss man die Lage berücksichtigen. Es sind wohl eher die Randbezirke, teilweise gefühlt mehr Brandenburg als Berlin, wo sich vor allem die privaten Vermieter tummeln werden. Eine Statistik alleine trifft keine Aussage. Die Situation zu beheben ist staatliche Aufgabe. Und da sind wir wieder beim Vermieter (bzw. dessen Lobbyisten). Der will das nämlich gar nicht, da es ja für ihn Einbußen bedeuten würde.

München/Berlin/Deutschland:
6%/20%/14% börsennotiert
32%/28%/33% gewerbliche Vermieter
39%/19%/30% Kleinvermieter
11%/13%/12% Genossenschaft
12%/19%/11% Staat

Nicht enthalten Selbstnutzer:
26%/15%/42%

München | Wem gehört die Stadt?

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München hat offensichtlich einen deutlich überdurchschnittlichen Anteil an Kleinvermietern und liegt bei gewerblichen oder börsennotierten Wohnungsunternehmen eher im unteren Bereich. Trotzdem gilt München als teuerste Stadt Deutschlands. Dabei ist die Gruppe der Kleinvermieter eigentlich nicht dafür bekannt, Preise künstlich in die Höhe zu treiben.

Spricht das nicht doch eher für ein klassisches Angebots‑/Nachfrageproblem? Es wollen schlicht weit mehr Menschen in München leben, als neuer Wohnraum entsteht.

Natürlich betreiben große Vermieter Lobbyarbeit. Aber ist die aktuelle Lage wirklich ein Erfolg dieser Lobbyisten? Die Baukosten sind so hoch, dass sich Neubau zu marktüblichen Mieten kaum kostendeckend realisieren lässt. Wären die großen Verbände tatsächlich so einflussreich, hätten sie längst durchgesetzt, dass schneller günstiges Bauland bereitgestellt oder wirksame Reformen zur Senkung der Baukosten umgesetzt werden. Erste Ansätze wie der Gebäudetyp E existieren zwar, doch die bisherigen Effekte sind überschaubar. Aus Sicht eines Verbands müsste man die eigenen Lobbyisten, so sie für die aktuelle Lage verantwortlich wären, eher feuern.

Warum fällt es so schwer, die aktuelle Situation als das zu sehen, was sie im Kern ist: das Ergebnis einer jahrelang verschlafenen Baupolitik kombiniert mit starkem unkontrollierten Zuzug?

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Was haben die Vermieter davon, wenn neues Bauland ausgewiesen wird? Hat Haus&Grund und seine Mitglieder hier das Vorschlagsrecht?
Vor allem wird staatlicher Wohnungsbau verhindert und dass Städte Häuser zurückkaufen (wie es in Berlin ja im Rahmen der Möglichkeiten passiert).

Trifft es. Aber bis heute wird emsig darauf verwiesen, dass nicht der Staat, sondern nur die Wirtschaft mit staatlichen Zuschüssen dieses Problem lösen kann. Ist falsch und kann man an der derzeitigen Situation sehen, in der der Staat sich großteils aus dem Sozialbau zurückgezogen hat und stattdessen Bauunternehmern Geld gegeben hat, damit die das übernehmen. Dass er überhaupt auf diese Idee kam, lag natürlich an genau diesen Lobbyisten. Auch eben, dass völlig versäumt wurde, andere Städte jenseits der Großstädte attraktiv zu machen. Schwimmbäder, Theaterbühnen, Parks und Bibliotheken verfallen und werden geschlossen, weil Zuschüsse gekürzt wurden. Alles Versäumnisse, die für die jetzige Lage mit verantwortlich sind.

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Genauso könntest du fragen, was Tesla davon hat, dass es in Grünheide bauen durfte, oder Rheinmetall in Unterlüß. Mehr ausgewiesenes Bauland heißt mehr Chancen, Wohnungen zu bauen, mehr Verträge und damit mehr Einnahmen. Irgendwoher müssen die stetig steigenden Gewinne, die gewerbliche Anbieter (und im übrigen auch kommunale Unternehmen wie mein AG) generieren müssen, ja kommen.

Das klappt natürlich aber nicht, wenn die Baukosten so hoch gehalten werden, dass die daraus resultierenden kostendeckenden Mieten bestenfalls im Luxussegment bezahlbar wären.

Stimmt bedingt, aber vor allem hat das hier niemand behauptet. Warum führst du es dann als Gegenargument an? Geht es dir nur darum, auf den negativen Einfluss von Lobbyismus hinzuweisen? Da wären wir schnell beieinander. Nur haben die aktuell sehr hohen Mieten in einigen Großstädten damit eben nur am Rande zu tun. Der Verkauf kommunaler Wohnungsbestände war damals ein breiter gesellschaftlicher Konsens, nicht das Werk einzelner Lobbygruppen. Und mit einer vernünftigen Steuerung des Zuzugs, auch von Unternehmen oder mit bezahlbarem Neubau hätte man die Entwicklung längst korrigieren können. Das hat man versäumt und zeigt nun lieber auf eine angebliche finanzstarke „Kapitalistenverschwörung“. Ich dachte, solche Narrative hätten wir hinter uns gelassen, aber offenbar funktionieren sie immer noch.

Warum reden wir ständig über Fehler, die zweifellos vor 20 Jahren gemacht wurden, aber kaum darüber, welche Stöcke wir uns als Staat heute selbst zwischen die Beine werfen?

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Die Frage wäre eher, was BMW und Mercedes davon hatten, dass Tesla in Grünheide bauen durfte.

Das verstehe ich unter

schon. Höhere Mieten bedeuten mehr Einnahmen, höhere Bodenpreise bedeuten mehr Verkaufserlöse. Egal wie teuer die Grundstücke erworben werden, der Ertrag ist in den Großstädten höher. Und keiner vermietet günstiger, weil ja plötzlich der Erwerb so günstig war. Bauunternehmen sind auch weiterhin voll ausgelastet. Also selbst wenn mehr grüne erschlossen würde, könnte der gar nicht bebaut werden.

Was sind das denn so für Stöcke? Warum geht man nicht einfach die damaligen Fehler an und behebt sie?

Wenn ich mir die 1-2 Generationen vor mir anschaue, sind die alle Stein reich wenn sie Eigentum hatten, insb. Grund. Egal wie der Zins damals war.

Jetzt schwankt das schon etwas. Mein Zins (wir haben bei 0,9% zugeschlagen) war damals 1/4 von vergleichbaren Netto Kaltmieten. Heute, die Mieten sind explodiert, könnte ich nen Haus für 3-3,5 im Monat vermieten, und müsste wohl auch so viel bezahlen.. mein Zins ist ein Bruchteil…

Also angenommen, meine Tilgung geht 1:1 in Wert über, es gibt keine Inflation oder Wert Steigerung im Markt, ist das ein guter Deal..

Heute, mit 4% Zins, würde es nicht aufgehen und wir würden das Risiko wohl nicht tragen.. die Preise sind ja nicht ansatzweise genug gefallen…

Zudem ist die Frage nach der lebens Situation. Wir haben 3 Kinder, viel Spaß bei der Wohnungssuche. Selbst Haus mieten ist selten 3 Kinderzimmer plus 1 Zimmer Homeoffice…

Wenn ich den theoretischen wertgewinn der letzten 5 Jahre nehme, in Form des Anstiegs des bodenwert etc., ist das jetzt im absoluten mehr als Nebenkosten+rücklagen+zinskosten… Aber heute würde ich nix kaufen, blanker Wahnsinn. Auch bauen, die herstellkosten sind brutal gestiegen… Aber eine Korrektur kommt, (weil immer irgendwann eine Korrektur kommt) da kann man dann zuschlagen.. zudem wird es viele geben, die in 5-10 Jahren ihre Rate nicht mehr zahlen können, weil sie alle bei 1,5% Zins nur 1% Tilgung gemacht haben und dann eine Schock in der Anschluss Finanzierung bekommen… das wird ein Gemetzel, außer der Zins geht wieder runter, aber danach sieht nichts aus…

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Wenn das Angebot durch einen anderen Faktor wie die Kapazität der Bauunternehmen begrenzt ist, stimmt das (solange diese Kapazität nicht steigt, und das könnte sie, wenn durch niedrigere Grundstückspreise Bereitschaft besteht, für das Bauen mehr zu zahlen). Aber wenn ein niedrigerer Grundstückpreis dazu führt, dass mehr Investoren Wohngebäude bauen, steigt das Angebot. Und damit sinkt die Miete.

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Warum soll die Miete sinken? Das Angebot in der Großstadt aus immer kleiner sein als für Nachfrage, weil jeder dort hin möchte: mehr Kultur, besser bezahle Jobs, alles fußläufig ereichbar oder mit ÖPNV, der auch sonntags und nachts fährt.
Es gibt eigentlich nur eine Lösung: der Staat muss sich für Grundstücke zurückholen und er darf sie nicht mehr hergeben indem er sie entweder bebaut in eigenen Genossenschaften vermietet und damit bezahlbares wohnen ermöglicht unter dem Marktpreis oder indem er sie im Erbpacht bebauen lässt und damit alle fünfzig Jahre wieder zurückholen kann, wenn er in der Nutzung ein Problem für den sozialen Frieden steht oder sie lieber anderweitig nutzen möchte.

Dazu noch:

Verkauf landeseigener Wohnungen - Mietenpolitischer Super-GAU in München
Kirchen auf dem Immobilienmarkt - Gottes Haus hat viele Wohnungen

Würde ich nicht voll unterschreiben, gibt sicher genausoviele Argumente dagegen. :wink:

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Dennoch verschiebt sich durch mehr Angebot das Verhältnis was bei der Preisbildung durchaus eine Rolle spielt. Preise entstehen ja nicht stufig sondern Preise können solange erhöht werden bis die Nachfrage unter das Angebot fällt, also mal ganz vereinfacht gesprochen. Bei Wohnungen ist es etwas komplexer, da letztlich für jede einzelne ein Preis gebildet werden kann und Faktoren wie Lage, Ausstattung, Zustand, Nebenkosten, etc. dazukommen.

Das ist mir zu pauschal. Ich habe knapp 30 Jahre in der Kleinstadt gelebt und lebe jetzt gut 10 Jahre in der Großstadt und kann das so nicht stehen lassen.

Fangen wir an bei “alles fußläufig erreichbar”. Das ist für mich kein Argument für die Großstadt, sondern für die Kleinstadt. Ich konnte selbst an die am weitest entlegenen Ecken innerhalb von 30 Minuten zu Fuß kommen. Wer an einer dieser Ecken wohnte konnte innerhalb von 45 Minuten jeden anderen Ort der Stadt erreichen. Dazu konnte ich mehrere Dörfer innerhalb dieser 30-45 Minuten zu Fuß erreichen. Wenn ich heute in der Großstadt als Bewohner der Randlage loslaufe, dann bin ich in 45 Minuten noch nicht mal ansatzweise in der Innenstadt.

Insbesondere sowas wie Fachärzte, spezielle Geschäfte etc. habe ich auch bei mir nicht um die Ecke.

Effektiv hatte ich in der Kleinstadt für den täglichen Bedarf sogar weniger weite Wege zurücklegen müssen.

Mehr Kultur stimmt natürlich. Aber gerade weil das Angebot so umfangreich ist nehme ich nur wenig davon wahr. Man hat ja immer die Gelegenheit und kann dadurch gut aufschieben. Wenn ich mir aber in den mir bekannten Kleinstädten das Kulturangebot ansehe, dann ist da auch für jeden was dabei und wenn man wo hin geht, dann trifft man auch meist wen den man kennt. Da das Angebot aber limitiert ist wertschätzt man es auch anders.

Ich möchte hier keineswegs behaupten das Angebot in der Kleinstadt sei besser als in der Großstadt, aber wenn man ehrlich ist nutzen die wenigsten der Großstadtbewohner dieses Angebot ernsthaft. Und wenn die Kleinstadt halbwegs per Bahn an die Großstadt angebunden ist, dann ist der Weg oft nur unwesentlich Zeitintensiver als der Weg von der Randlage in die Innenstadt, was für den gelegentlichen Besuch meist wenig relevant ist.

Letztlich bietet natürlich eine Großstadt eine Vielzahl an Dingen die eine Kleinstadt nicht bieten kann, umgekehrt bieten aber auch die meisten Kleinstädte letztlich viele Dinge die eine Großstadt so nicht bietet. Wie so oft ist die Abwägung individuell und oft auch Sache des Zeitgeistes.

Dass insbesondere das kulturelle Angebot vieler Kleinstädte und die Kompaktheit mit der Möglichkeit vieles in kurzer Distanz zu erreichen oft eher gegenteilig kommuniziert wird ist für mich aber auch einer der Gründe, warum aktuell so viel Konzentration in den Großstädten stattfindet. Während ich viele aus der Kleinstadt kenne die dorthin wieder zurück gehen oder gehen wollen, stellen sich viele aus der Großstadt das leben in der Kleinstadt wohl weniger attraktiv vor als es tatsächlich ist.

Das hat zwar nur am Rande mit dem Thema Miete vs. Eigentum zu tun, da der Zuzug in den großen Städten Eigentum und Miete gleichermaßen betrifft, aber es könnte für viele Eigentum ermöglichen, wenn es zum eigenen Leben passt. Während man in der Großstadt auch für Sanierungsbedürftes Eigentum Unsummen ausgeben muss lassen sich mit Eigenleistung in Kleinstädten durchaus oft noch Schnäppchen machen.

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