Lindner verweigert Kindergelderhöhung

Und wen bestrafst du dann indirekt, wenn die Eltern das Existenzminimum des Kindes nicht tragen können? Genau, das Kind, das dann nachweislich schlechtere Chancen im Leben hat. Genau da stößt die schöne liberale Vorstellung an ihre Grenzen. „Selbst Schuld“ kann einigermaßen „gerecht“ nur funktionieren, wenn Startbedingungen gleich sind. Sind sie aber nicht, wenn nur noch Vermögende Kindern eine Zukunft bieten können.

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Wenn man mal unser Steuersystem außen vorläßt und nicht darauf achtet, was Steuerfreibeträge bedeuten, sondern einfach nur darauf schaut, was da gerade passiert: Mit Verweis auf das Existenzminimum bekommen guverdienende Eltern mehr Geld. Aber NUR gutverdienende Eltern, nicht Mittelklasse oder Unterschicht. Also die deren Kinder am aller weitesten vom Existenzminimum entfernt sind. Und es ist ja nicht so, dass die gutverdienenden Eltern aktuell weniger bekommen als die anderen. Nein, sie bekommen schon mehr und sollen noch mehr bekommen, mit dem Verweis auf das EXISTENZMINIMUM. Da muss doch jedem auffallen, dass wir dort einen fundamentalen Fehler in unserem System haben. Da stimmt doch was vorne und hinten nicht.
Vor allem was sagen wir denn damit als Gesellschaft aus: Das Kinder von Besserverdienern ein höheres Existenzminimum haben, als Kinder von Ärmeren Eltern?

Und ausgerechnet Lindner, der sich so gerne als der rationale Politiker verkaufen und dem die Schuldenbremse und sparen ja sonst immer ach so wichtig ist, ist dafür?!

Ich meine es ist schon stark auffällig, wie „liberale“ ganz zufälligerweise NIE für Politik sind, die armen Menschen finanziell hilft, aber immer die Ersten sind, die Politik befürworten, von denen Besserverdiener profitieren.

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Exakt. Und von der oft betonten Chancengleichheit kann auch keine Rede sein.

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Wir haben Schulen und Hochschulen, die nichts kosten. Wir haben ein duales Ausbildungssystem, das jedem die besten Chancen bietet. Wir haben noch zusätzlich viele Einrichtungen, die in staatlicher oder gemeinnütziger Trägerschaft , Zugang zu Bildung ermöglichen. Das ist viel und ermöglicht gute Startchancen für alle Kinder. Es ist ein Irrglaube, dass eine zentrale finanzielle staatliche Leistung Chancengleichheit für alle herstellen kann. Dieser Staat tut viel, damit Chancengleichheit und zugleich das Vorhandensein von Chancen bestmöglich gelingt.

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Ganz ehrlich: Mir fehlen die Worte.

In Deutschland gibt es keinerlei Chancengleichheit. So überhaupt gar nicht.

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Das ist auch so, wenn man das Steuersystem nicht außen vor lässt. Das ist einfach der Mechanismus, der es derzeit ermöglicht, dass gutverdienende Eltern stärker entlasten werden.

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Nur weil wir weitgehend kostenfreie Bildungsangebote haben, haben lange nicht alle Menschen die gleichen Startchancen. Bildungserfolg ist in Deutschland immer noch maßgeblich vom sozialen und finanziellen Background des Eltern abhängig. Chancengleichheit besteht daher eben nicht.

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Belege ?

Meine sind: in Deutschland kann jedes Kind eine höhere Schule besuchen. Das bedeutet nicht, dass alle Kinder es gleich leicht oder schwer haben, dort beispielsweise das Abitur zu machen. Es ist aber möglich. Natürlich erhöht es die Chancen, wenn Eltern und das Umfeld unterstützen. Allerdings sind diese Unterschiede auch Teil des Lebens, lassen sich aber abmildern. Nur hilft ein erhöhtes Kindergeld hier wenig. Hier helfen nur bessere schulische Betreuung. Daran sollte man arbeiten.

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In einem Punkt schon. Höheres Kindergeld ermöglicht es auch Nachhilfe zu zahlen oder das Studium bis zum 25. Lebensjahr. Die Unis nehmen zwar keine Studiengebühren, für den Lebensunterhalt, der in Universitätsstädten allein wegen den Mieten hoch ist, müssen die aber aufkommen.

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Das wären mal drei Belege.

Ansonsten sind das von dir angeführte keine Belege, sondern Argumente. Das ist etwas anderes. Was sind denn deine Belege, dass wir in Deutschland weitestgehend Chancengleichheit haben. Und was ist dein Beleg dafür, dass ein höheres Kindergeld nicht zur Chancengleichheit beitragen kann?

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Ach, das ist doch schon hinreichend untersucht, belegt und bekannt…
(Ungleichheit: Studie bestätigt Einfluss von Klasse auf Bildungschancen | ZEIT ONLINE)
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/schulsystem-reiche-eltern-gute-chancen-das-deutsche-bildungsdilemma-in-zahlen-/29099222.html

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Wenn das soziale Umfeld den Besuch der höheren Schule nicht unterstützt, wird es das Kindergeld nicht in Nachhilfe investieren.

Für die Lebenshaltungskosten von Studenten aus sozial schwachen Familien gibt es Bafög.

Man hört das ja oft und keine Frage, 16% der jungen Menschen ohne Bildungsabschluss laut OECD sind schlimm. Und doch, wenn wir in den OECD Bericht schauen ist Deutschland bei den Menschen ohne Bildungsabschluss, also den wirklich abgehängten, schlimmstenfalls Mittelmaß.

Und wenn wir uns den Anteil der jungen Menschen anschauen, die weder in Ausbildung noch Beruf sind, steht Deutschland sehr gut da.

Ebenfalls muss man konstatieren, dass es nicht einmal einen großen Unterschied in der Erwerbslosenquote zwischen Akademikern und Facharbeitern gibt.

Allerdings gibt es in Deutschland tatsächlich einen sehr großen Einfluss eines Berufsabschlusses auf das Einkommen. Dieser ist schon zwischen Akademikern und Facharbeitern hoch, aber Menschen ohne Berufsabschluss sind tatsächlich sehr weit abgeschlagen.

Das ist aber eigentlich nicht so sehr verwunderlich in hochentwickelten Industriestaaten, denn in solchen Ländern gibt es eben einen viel höheren Bedarf an höherer Bildung, während der Bedarf an „ungebildeter“ Arbeit eher schrumpft.

Spannend wäre natürlich die Frage, wie Länder wie bspw. Südkorea oder Dänemark verhindern, dass die Einkommen stark spreizen. Ist das allein der Mindestlohn?

Die Grafiken stammen aus dem sehr umfangreichen OECD Bericht _Bildung auf einen Blick 2023: OECD Indikatoren.

Da hilft aber die Agentur für Arbeit gut mit, die Schulabgänger ohne Abschluss in Maßnahmen zwingt. Das finanziert dann also der Arbeitnehmer unter BBMG mit seinen Beiträgen.

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Schon ziemlich pauschal und polemisch. Das ist such Schlicht falsch.

Was ja super klappt, nicht. Während diese Studenten nämlich noch extrem viel arbeiten müssen neben dem Studium können die vermögenden entspannt ohne finanzielle Nöte studieren. Ist selbstverständlich ein enormer Vorteil.

Wir haben leider nur noch eine liberal egoistische Partei in Deutschland und keine sozial liberale mehr. Man kann nur hoffen, dass nach der nächsten Wahl die FDP samt Lindner auf nimmer Wiedersehen verschwindet.

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Daran ändert das Kindergeld aber auch mal gar nichts.
Wenn hier jetzt die Startchancen Gerechtigkeit zu Recht in Frage gestellt wird, dann sind die Maßnahmen um diese Herzustellen aber komplett andere.

Frühkindliche Bildung und Spracherziehung
Ganztagsbetreuung 8-18 Uhr
Erhöhung der Individuellen Förderung an den Schulen (Kleinere Klassen, mehr Lehrer)
Sportliche und Musische Förderung an den Schulen
Bessere Ausstattung der Schulen
Kostenfreies Essen an den Schulen

Auch hier wie bei vielen anderen Themen liegt kein Erkenntnis Mangel vor, sondern ein Umsetzungsproblem.

Das in Deutschland die Universitäten und Hochschulen keine Studiengebühren verlangen ist weltweit gesehen ein extrem hohes Gut.
Ich verstehe einfach nicht warum wir Deutsche die Vollversorgungs- und Versicherungsmentalität haben.
Fast auf der ganzen Welt müssen Studenten Kredite aufnehmen oder sich für Stipendien bewerben, um höhere Bildungsabschlüsse zu erzielen, die eine Investition in das eigene Humankapital sind, was sich nachweislich fast immer später im Leben auszahlt.

Ist es nicht viel ungerechter, dass jemand der das duale Ausbildungssystem durchlaufen und seinen Abschluss gemacht hat später im Leben oft weniger verdient und durch seine Steuern den freien Hochschulzugang noch mitfinanziert?

Und daran ändert das Kindergeld etwas???
Ich würde hier wirklich langsam Deutschland mal in den internationalen Vergleich setzen. Viel günstiger kann man nicht einen Hochschulabschluss erreichen als in Deutschland, Österreich, Schweden oder Frankreich.

Niederlande 1.951 Euro/Jahr (für Studenten unter 30 Jahren alt) plus Instellingscollegegeld (abhängig von Hochschule und Studiengang) in gleicher Höhe oder mehr.
Schweiz 460 bis 1.840 Euro/Semester (Durchschnitt liegt bei 1.380 Euro/Semester). Einige Hochschulen erheben zusätzliche Studiengebühren für Ausländer, so dass man durchaus eine Gebühr von etwa 3.700 Euro/Semester erreichen kann.
Großbritannien Hochschulabhängig im Bachelorbereich bis zu 12.200 Euro/Jahr und im Master- oder Promotionsbereich bis zu 27.200 Euro/Jahr.
USA Anhängig von Hochschule, Ausbildungsgang und angestrebtem Abschluss zwischen etwa 1.770 Euro/Jahr (Community College) und 29.170 Euro/Jahr (Graduate-Programme an Universitäten). Der Durchschnitt liegt zwischen 10.600 und 14.160 Euro/Jahr.
Spanien Abhängig von Hochschule und Studiengang zwischen 750 und 1.400 Euro/Jahr für Bachelor-Studiengänge und bis zu 4.000 Euro/Jahr für Master-Studiengänge.

Da geh ich voll mit dir. Es ist eine absolute Fehlentwicklung, dass Akademiker standardmäßig mehr verdienen. Es ist in meinen Augen auch absolut nicht gerechtfertigt.

Am Ende des Tages geht es aber auch darum, ob es in Ordnung wäre das Kindergeld zu streichen. Und nein das wäre es nicht. Ehe man an die wenigen Anreize geht Kinder überhaupt noch zu bekommen, sollte man erstmal sämtliche umweltschädlichen Subventionen angehen, Subventionen die Menschen zu gute kommen die sie nicht brauchen und Gießkannenförderungen. Danach erst könnte man über den Bereich Familie nachdenken. Und kostenfreie Kita ist übrigens Gießkannenförderung pur. Diese sollte Einkommensabhängig sein mit vernünftigen Sätzen. Ich wüsste nicht wieso jemand mit 10000 Brutto im Monat einen kostenfreien Kitaplatz braucht?

Ich bin ja eher für ein „race to the top“ und nicht „race to the bottom“…

Chancengleichheit gibt es oder es gibt sie nicht. Aktuell gibt es sie nicht. Das hat erstmal nichts mit dem Kindergeld zu tun und muss unbedingt geändert werden, wurde hier aber als Argument aufgeführt. Genauso ist Bafög zwar besser als nichts. Aber sehr wenige Studenten bekommen überhaupt Bafög (sehr strenge Maßgaben), viele fallen kurz vor Studienende raus und viele Studenten sind wegen der steigenden Zinsen mit ihrem KfW-Kredit nun ziemlich verschuldet. Bevor das „kostenlose“ Bildungs- und Studiensystem hier als Argument gegen gleich hohes Kindergeld angeführt wird, sollte man sich doch noch mal näher mit den realen Bedingungen beschäftigen @Smudo64 . Aber bitte nicht in diesem Thread.

Der Ausgangspunkt dieser Diskussion war, ob alle Kinder dasselbe Existenzminimum verdienen. Die Antwort ist ja. Da gibt es auch keine Abstufung oder Relativierung.

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