LDN495 Vergesellschaftung von Wohnungsunternehmen

In der Nachlese zu dem Interview mit Erif Eralp rechnet ihr vor, dass man entweder 40.000 neue Wohnungen bauen kann oder die Wohnungsunternehmen vergesellschaften kann.
Was ihr dabei völlig außer acht lasst ist, dass hier im besten Fall kein entweder/oder vorliegt: Nach dem Plan der Linken finanziert sich die Vergesellschaftung ja aus den hinzugekommenen Wohnungen selbst und man kann völlig unabhängig davon den Neubau gestalten und fördern. Außerdem hat ein Neubau von 40.000 Wohnungen auch organisatorische Hürden. Aktuell baut Berlin ca 10.000 Wohnungen im Jahr - und ich glaube nicht, dass sich das auf die Schnelle deutlich steigern lässt - wir reden also von einer Bauphase von 4 Jahren und die Planungsphase dürfte auch Zeit in Anspruch nehmen. 5-10 Jahre ist eine lange Zeit für Mieten, die sich viele nicht leisten können.

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Exakt, in den meisten Medien bekomme ich das Gefühl vermittelt das wenn Berlin diese Wohnungen vergesellschaften will, die Stadt sofort zur Bank rennen müsse und 40 Milliarden an die aktuellen Eigentümer überweisen muss, den eigentlichen Plan bekomme ich aber nur mit wenn ich mir wirklich mal das vorläufige Gesetz oder Texte von den Linken oder der Initiative durchlesen. Ich halte die Vergesellschaftung nicht mal für das allerbeste Mittel, ich bin ein Freund von Mietendeckeln und anderen Maßnahmen aber als letzte Möglichkeit, als Schwert das man zur Not einsetzen kann um nicht ganz wehrlos zu sein, finde ich es optimal. Jedenfalls sind da die meisten Medien doch sehr oberflächlich wenn immer nur zwei Dinge gefragt werden die so nie zur Debatte standen: „Wie wollen sie das jetzt bezahlen?“ Und „Wie entsteht dadurch neuer Wohnraum?“ (auch etwas was nie von den Befürwortern in den Raum gestellt wurde, dass es so ist).

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Zustimmung zum Kommentar von alterengo.

Insgesamt fand ich Euren Podcast zur Forderung der Linken in Berlin relativ gut, auch wenn Ihr Euch zu der Grundsatzfrage, ob es eigentlich gesellschaftlich wünschenswert ist, die Befriedigung von Grundbedürfnissen des Lebens zu einem börsennotierten und damit automatisch auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Geschäft zu machen, nicht tiefergehend einlasst. Da habe ich jedenfalls eine klare Meinung.

Ein Aspekt in der Problematik ist von Euch nicht betrachtet worden, der meines Erachtens einer gründlichen Befassung bedürfte. Ihr sagt, mit leiser Kritik an der Position der Linken, durch Enteignung würde ja keine neue Wohnung gebaut.Und ohne massiven Zubau von Wohnungen sei keine Lösung der bedrückenden Wohnungsnot möglich. Zunächst einmal muss man dazu sagen, und das hat Elif Eralp richtig angedeutet, dass frei finanzierter Wohnungsbau sich auf Eigentumswohnungen ausrichtet oder zu so hohen Einstiegsmieten führt, dass damit die besonders bedürftigen Wohnungssuchenden kaum etwas anfangen können. Wenn überhaupt, müsste der soziale oder genossenschaftliche Wohnungsbau massiv ausgebaut werden.

Ich möchte aber noch auf einen anderen Punkt hinaus: Quantitativ ist ein absoluter Großteil der Wohnungsknappheit darauf zurückzuführen, dass der Wohnflächenkonsum pro Kopf in den letzten Jahrzehnten massiv angewachsen ist, und zwar im Bundesschnitt von 15 Quadratmetern pro Kopf im Jahr 1950 auf aktuell um die 50 Quadratmeter. Nun sei jedem eine größere Wohnung im Prinzip gegönnt, aber der Zuwachs an Wohnfläche pro Kopf verteilt sich je nach Einkommens- und insbesondere Vermögenssituation sehr unterschiedlich. Vereinfacht gesagt: Je wohlhabender jemand ist, desto mehr Wohnfläche kann er sich leisten. Spitzenverdiener oder vermögende Personen werden kein Problem haben, jederzeit Wohnungen zu finden. Mit wachsender Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen können die wohlhabendsten Schichten den Markt schlicht leerkaufen.

Nun kann man sagen: Deswegen müssen wir halt mehr Sozialwohnungen bauen. Ich will da nicht grundsätzlich gegen argumentieren, aber der Flächenverbrauch für Wohnungsbau und der Ressourcenverbrauch für Baumaterialien wie Stahl und Zement hat einen gigantischen ökologischen Fußabdruck. Wir müssten, um den Klimawandel noch begrenzen und den Biodiversitätsverlust aufhalten zu können, Bodenversiegelung und Neubau eigentlich dringend massiv zurückfahren. Das wird man aber, wenn man ein Minimum sozialer Verantwortung anlegt, nur erreichen können, wenn diejenigen, die sich bislang dank hohen Einkommens oder Vermögens große Häuser und Wohnungen ohne Einschränkung leisten können, als erstes zurückstecken müssten, und nicht diejenigen, die mit Mindesteinkommen und ohne Vermögen keine Chance haben, auch nur eine kleine Wohnung zu ergattern.

Klar ist, dass für eine derartige Umorientierung neue Instrumente erforderlich wären, wie z.B. eine progressive Besteuerung von Wohnflächenkonsum pro Kopf, der über einen Grundfreibetrag hinausgeht. Und es liegt auch auf der Hand, dass derartige Instrumente nicht sofort wirken. Aber wenn wir uns nur darauf beschränken, entweder aus ökologischen Gründen den Neubau stark zu begrenzen, oder umgekehrt aus sozialen Gründen jede Menge neue Wohnungen zu errichten, verschärfen wir ungewollt entweder die ohnehin schon wachsende soziale Spaltung oder heizen die Umwelt- und Klimakrise noch mächtig an. Soziale und ökologische Frage dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, und wenn man beides gleichermaßen in den Blick nimmt, wird man um tiefgreifende Eingriffe zur Minderung der Einkommens- und Vermögensungleichheit nicht herum kommen.

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Du hast recht, dass sich die Vergesellschaftungen laut den Linken selbstfinanziert, allerdings wird dabei davon ausgegangen, dass man am ganz unteren Ende des Verkehrswertes kaufen kann. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Wohnungen für 20 Milliarden Euro gekauft werden könnten was ca 50% des Verkehrswert ist, entsteht eine Finanzierungslücke von mehren hundert Millionen bis zu einer Milliarde PRO JAHR. Dies wurde mehrfach von unabhängigen Stellen durchgerechnet und man kann es auch relativ einfach selber nachrechnen, indem man die erwarteten Mieteinnahmen der aktuellen Zinsbelastung gegenüberstellt. Diese Lücke müsste dann die Stadt Berlin finanzieren, die Frage ist mit welchem Geld.

Außerdem möchte die Linke die Mieterhöhung auf 1% pro Jahr beschränken, wodurch die Finanzierungslücke jedes Jahr größer wird, da Nebenkosten und Instandhaltungskosten jährlich deutlich stärker steigen als 1%.

Der letzte Punkt ist, dass mehrere Berliner Banken, unter anderem die Investitionsbank Berlin, bereits gesagt haben, dass die massiven Kredit dafür sorgen werden, dass die Kreditwürdigkeit Berlins so stark sinkt, dass weitere Investitionen, beispielsweise in Neubau, kaum mehr finanzierbar werden, da die Zinsen für Berlin massiv steigen werden.

Ich bin natürlich auch für bezahlbares wohnen und sehe, dass es ein massives Problem in Berlin ist. Man muss leider aber einfach sagen, dass die Pläne der Linken vollkommen realitätsfern sind und mittlerweile auch nicht mehr mit der Meinung der Mehrheit der Berliner übereinstimmen.

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Es kann sich unmöglich kurzfristig selbst finanzieren. Hier stehen trotzdem erst einmal hohe Ausgaben an die entsprechende Garantien benötigen und die Schuldenkapazität des Landes beeinträchtigen. Die auch eine Auswirkung auf die Baukapazität haben.

Dass die Stadt sich selbst beim Erschließen von Baugrund im Weg steht halte ich ebenfalls nicht für ein sinnvolles Argument.

Vor allem in Anbetracht, dass sich Wohnungslosigkeit in den letzten 5-6 Jahren verdoppelt hat und eine weitere Verdopplung bis 2030 erwartet wird. Auf dann um die 80.000 - 100.000 Wohnungslose.

Wie entspannt man sich Wohnungen leisten kann, gerade bei den alten Bestandswohnungen um die es geht die kaum 50% der heutigen Angebotsmieten kosten, halte ich für weniger wichtig als die enorme Wohnungsnot anzugehen und gerade jüngere Familien, Azubis und Studenten zu entlasten. Die von diesem Wohnungsmarkt gerade richtig übel fertig gemacht werden.

Es ist doch absurd den einen Altersgruppen zu sagen, dass 18€/qm normal sind und sich gleichzeitig energisch für Mieten von 6-9€/qm zu helfen und mit extrem viel staatlichem Geld nochmal ein paar Euro zusätzlich raus zu holen.

Von der Tatsache abgesehen, dass eine Entschädigung zu Marktpreis für die Bewohner zu deutlich höheren Mieten führen müsste. Um die heutigen Preise plus Kapitalkosten zu tilgen.

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Eine größere Menge an Wohnungen, deren Miete nur mäßig steigt, würde sich ja auch dämpfend auf den Mietspiegel und somit die Mietpreisbremse auswirken? Die marktübliche Vergleichsmiete müsste langsamer steigen. Ob die Menge der Wohnungen, die übernommen werden sollen für so einen theoretischen Effekt ausreichend sind, kann ich allerdings nicht bewerten.

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Ich bin auch nicht 100% davon überzeugt, dass das geplante Vorgehen der Linken klappt (juristisch, rechnerisch und im Ergebnis), aber ihrer Überzeugung, das „Es sich unmöglich“ selbst finanzieren kann würde ich entgegnen:
Die Idee ist ja nicht, die Summe direkt zu bezahlen, sondern (wie bei LDN495 erwähnt) über eine lange Zeit (100 Jahre?!) abzuzahlen. Und wenn Vonovia eine Milliarde an Dividenden ausschüttet, scheint da eine Menge Luft zu sein, um Mieten zu senken und gleichzeitig die Entschädigung anteilig zu tilgen.

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Mir fehlte in der Folge unter Anderem eine Analyse der realpolitischen Abläufe und ihrer Konsequenzen:

Der Bundesgesetzgeber wird wahrscheinlich ein Gesetz beschließen, dass die Vergesellschaftung auf Landesebene hemmt. Die Bundes-SPD hat durchaus einen Anreiz dafür, denn ein solches Gesetz belastet die Berliner SPD nicht (wie ihr meint), sondern entlastet sie in den Koalitionsverhandlungen (oder in einer dann bestehenden Koalition): Die Linken können sich dann mit der Berliner SPD als Kompromiss auf andere Maßnahmen einigen, ohne ihren Wählerinnen gegenüber wortbrüchig zu werden.

Dieses Gesetz landet dann sicher vor dem BVerfG. Wie lange dauert es, bis das entschieden ist? Ich schätze mal mindestens ein Jahr. Angenommen, die Berliner Landesregierung gewinnt und beschließt ein Landesgesetz zur Vergesellschaftung. Das geht durch alle Instanzen. Bis das rechtskräftig vom BVerfG oder sogar dem EuGH entschieden ist, sind in Berlin wieder Wahlen und eine neue Regierung könnte das Gesetz wieder kippen. Lohnt es sich, den Fokus auf eine solchen Pfad zu legen, der so viele Hindernisse beinhaltet, so lange dauert, und dabei so viele Ressourcen bindet? Ressourcen sind hier nicht nur die Aufmerksamkeit der Berliner Landesregierung, sondern auch das Kapital der Leute, die in Berlin Wohnungen bauen könnten und sich in der Zwischenzeit wohl zurückhalten werden.

Die Differenzierung von Frau Eralp zwischen „bösen“ und „guten“ Investoren macht ökonomisch gesehen keinen Sinn - und ich habe das Gefühl, ihr seid ihr da ein bisschen auf den Leim gegangen. Sie tut so, als hätten nicht-börsennotierte Unternehmen keine Renditeerwartung. Das ist natürlich falsch. Die Frage, die sich zukünftige Bauträger stellen müssten ist: Welche Rendite wird denn noch als gerecht empfunden? Die Antwort darauf ist ziemlich willkürlich und kann jedenfalls nicht vorhergesagt werden. Woher weiß denn die Investorin, die Häuser bauen will, dass sie mit ihrer Renditeerwartung nicht „mitgemeint“ ist? Wer Wohnungsbau als Anlagestrategie betrachtet (und das ist jeder, der Wohnungen nicht zum Eigengebrauch baut), wird (grob gesprochen) dann investieren, wenn das Rendite-Risiko-Profil besser ist als in anderen Anlagen. Indem dieses verschlechtert wird, werden mit der Vergesellschaftung vorhersagbar weniger Wohnungen gebaut werden, als im Alternativszenario. Diese Abwägung zu treffen, ist die Verantwortung der Politik. So zu tun, als gäbe es diese Abwägung nicht, ist in meinen Augen populistisch. Ich fand, ihr habt Frau Eralp damit zu leicht davon kommen lassen.

Ein Problem aller Debatten über die Mietsituation in Berlin ist (schon seit Jahren, und auf allen Seiten des politischen Spektrums), dass alle über Maßnahmen reden, aber niemand über die Problemdefinition. Es gibt nämlich zwei Probleme: Einen wachsenden Bedarf an Wohnungen (mehr Leute wollen nach Berlin), und das Problem steigender Mieten, die bisherige Mieterinnen verdrängen inklusive der negativen gesellschaftlichen Folgen der Gentrifizierung. (Das zweite hängt nur bedingt von dem ersten ab, weil steigende Preise nicht nur auf das angespannte Verhältnis von Angebot und Nachfrage zurückgehen, sondern auch auf einer Verdrängung von Leuten mit niedrigeren Einkommen beruhen.)

Es gibt also einen Interessengegensatz zwischen denen, die bereits in Berlin wohnen und denen, die sich in Berlin ansiedeln wollen. Die Linke fokussiert sich mit der Frage nach der Bezahlbarkeit ausschließlich auf die bisher Ansässigen. Es ist enorm schwer, in Berlin überhaupt eine Wohnung zu finden. Das betrifft natürlich die Leute, die schon eine haben, viel weniger - denn die haben lange Zeit, um was zu suchen. Dass Berlin so attraktiv ist, ist eigentlich ein Potential für eine Stadt, und dieses Potential zu ignorieren ist in meinen Augen ein Fehler.

Die Frage, wie Demokratien Entscheidungen legitimieren, die auch die betreffen, die nicht stimmberechtigt sind, ist ein grundlegendes demokratietheoretisches Problem. Die demokratische Herausforderung ist, hier einen Interessenausgleich zu finden, der zu einer Win-Win-Situation führt, der also die negativen persönlichen und gesellschaftlichen Effekte der Gentrifizierung und Verdrängung minimiert, aber auch das Potential hebt, das darin besteht, dass so viele Leute nach Berlin wollen. Und das ist eine heterogene Gruppe, und umfasst neben Gutverdienerinnen, die im Amazon-Tower arbeiten, auch queere Leute, die aus dem ländlichen Sachsen-Anhalt in eine Stadt ziehen wollen, in der sie ein offeneres Klima vorfinden, oder auch Leute, die sich aussuchen können, ob sie in London, Vilnius oder Berlin eine Firma gründen wollen, und natürlich noch viele andere mehr.

Ich finde, da könntet ihr viel tiefer gehen, als es in dieser Folge beleuchtet wurde. In meinen Augen ist das Thema so komplex, und berührt so viele grundsätzliche Fragen, dass sich dafür eine Sonder-Folge lohnen würde.

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Irgendwie erinnert mich die Rechnung der Linken bei der Verstaatlichung der Wohnungen an viele Autofahrer. Sie sehen bei den Fahrkosten nur die Benzinpreise und lassen die anderen Kosten außer acht.

Angenommen sie bekommen die Wohnungen für 40 Prozent. Dann hätten sie bei den aktuellen Zinsen genau die Kosten, die aktuell Venovia an Zinskosten plus Dividendenauszahlung hat.

Aber dann haben sie noch keine Verwaltung mir Mitarbeiter, Bürogebäude und IT. Diese Kosten werden höher sein, als das, was Venovia derzeit dafür aufwendet.

Die Verschuldung von Berlin wird wegen des Kaufs der Wohnungen steigen. Wie wird der Kapitalmarkt reagieren? Die Zinsen werden für Berlin steigen. Für alle Berliner Schulden. Diese Kosten werden natürlich nicht auf die verursachungsgerecht auf die Wohnungsmiete umgelegt. Es zahlt jeder einzelne Berliner.

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Aus stadtplanerischer Sicht ist es fraglich, ob der Verzicht auf eine Vergesellschaftung zugunsten von Investitionen in den Wohnungsneubau die richtige Entscheidung ist. In dieser Größenordnung würden neue Wohnprojekte vor allem im äußeren Speckgürtel entstehen oder bestehende Viertel erweitern. Das würde nicht nur hohe infrastrukturelle Folgekosten nach sich ziehen, sondern auch die bestehende soziale und räumliche Spaltung der Stadt vertiefen.
Gleichzeitig bliebe der Kern der Innenstadt weiterhin in den Händen großer Wohnungsunternehmen wie Deutsche Wohnen oder Vonovia. Dies könnte die Segregation weiter beschleunigen mit der Folge dass Viertel wie Kreuzberg oder Friedrichshain preislich immer stärker an ein zukünftiges Manhattan erinnern. Am Ende profitieren davon vor allem diejenigen, die es sich ohnehin schon leisten können.

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Nein, diese Wohnungen werden im Prinzip vom Markt genommen, da niemand mehr dort ausziehen wird (außer durch Tod oder fernen Wegzug). Es gäbe eine dampfende Wirkung, wenn regelmäßig sbventionierte Wohnungen verfügbar und für Wohnungssuchende eine tatsächliche Option am Markt wären, da diese Wohnungen dann in Konkurrenz zu „normalen“ Wohnungen treten würden. Wenn die Wohnungen aber im Prinzip voll belegt bleiben, ändert das absolut gar nichts am Wohnungsmangel.

Wohnraummangel beseitigt man mit Neubau (oder z.B. auch Teilungen einzelner Einheiten in mehrere). Die Änderung der Eigentümerstruktur geht völlig am Problem vorbei.

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Wenn die Wohnungen aber den Mietspiegel in der Gegend massiv drücken werden ja alle Wohnungen günstiger, nicht nur die subventionierten. Zumindest habe ich die linke so verstanden. Außerdem wird neben der Vergesellschaftung ja auch der Neubau weiter angestrebt. Ich höre nirgends das die stattdessen erfolgen soll :thinking:

Warum private immer billiger sein sollen, als wenn etwas von öffentlichenr Hand durchgeführt wird, hat sich mir auch nie erschlossen. Ja es gibt Beispiele, aber liegt es nicht viel mehr daran das die Unternehmen in öffentlicher Hand fair bezahlen im Vergleich zu ausbeuterischen, marktkapitalistischen Systemen? Heißt das im Umkehrschluss nicht das die Gesellschaft dann die Kostensenkung und „Optimierung“ über Sozialsysteme mit finanziert? Wohnen, Essen, Gesundheit sind in einer sozialen Marktwirtschaft Sonderfälle die nicht den normalen Marktmechanismen unterliegen dürfen.

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Den Aspekt (wo entsteht eigentlich der neue Wohnraum) finde ich wichtig und dieser hat mir in der Diskussion in der Folge gefehlt.

Was zudem auch außer Acht gelassen wurde aus meiner Sicht, ist, dass die landeseigenen Wohnungsunternehmen (degewo, Howoge etc.) bereits heute privatwirtschaftlich organisiert sind, aber der Gesellschafter 100% das Land Berlin ist. Also genau die Form, die Ulf angesprochen hat. Für diese Unternehmen gibt es bereits vom Senat über die sogenannte Kooperationsvereinbarung Vorgaben zu Miethöhen, - steigerung etc. sowie auch eine Selbstverpflichtung zur Erreichung von Neubauzielen. Diese zu erfüllen wird immer schwieriger (Finden geeigneter Grundstücke, Lage dieser (also nicht nur Randlagen siehe oben) sowie Finanzierbarkeit für die Unternehmen (man kann sich ja gern mal die Mietpreise für nicht geförderte Wohnungen im Neubau bei den landeseigenen anschauen, da liegt man dann auch bei hohen Mieten selbst in Randgebieten). Also einfach mal so 80000 Wohnungen neu zu bauen ist leider gar nicht so einfach, wie beschrieben. Insbesondere weil man ja schon 6 Unternehmen hat, denen solche Ziele gesetzt wurden durch den Senat.

Der Artikel der taz fasst das auch nochmal ganz gut zusammen: 400.000 landeseigene Wohnungen in Berlin: Plan erfüllt, und nun? | taz.de

Roadmap 2.0 für die weitere Verpflichtung neue Wohnung zu schaffen: https://wohnungswirtschaft-heute.de/wp-content/uploads/2026/06/Roadmap_2.0.pdf

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Kann es auch sein, das in Berlin einfach der Platz ausgeht?
Irgendwann ist mal voll

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Wenn man den Wohnraummangel via Mietspiegel auflösen könnte, ist eine Milliardenausgabe dafür wohl die absurdeste aller möglichen Optionen. Man könnte stattdessen auch die Regeln zum Mietspiegel vollkommen kostenlos ändern (z.B. maximale Erhöhungen und Überschreitung oder Katgeorisierungen).

Nunja…

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Voll ist noch lange nicht. Da haben wir Beispiele aus der späten Kaiserzeit was so passieren kann.

Die Frage ist nicht ob man Menschen daran hindern kann in eine Stadt zu ziehen. Das funktioniert nicht innerhalb des Grundgesetzes.

Die Frage ist unter welchen Bedingungen sie dort leben.

Wo hier ein klarer Jung vs Alt Konflikt aufgemacht wird. Altmieter mit Steuergeld subventionieren und suchende sowie Neumieter dafür opfern.

Was sie ja sogar relativ klar sagt. Dass es ein explizites Ziel ist privatwirtschaftlichen Bau los zu werden. Während die eigenen Pläne kaum einen Bruchteil davon ersetzen. Das einzige Resultat wird mehr Mangel und mehr Leid sein.

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Gute Frage.

Wie dicht zusammen leben Menschen noch friedlich zusammen?

Jedenfalls deutlich dichter als Berlin, wenn man sich so manche andere Stadt anschaut …

Hier eine schicke Karte zur Einwohnerdichte:

Auch wenn man die Grünflächen nicht opfert (was man meiner Meinung nach nicht tun sollte – Das Tempelhofer Feld und andere Flächen sind für eine Stadt wie Berlin in jeder Hinsicht deutlich wertvoller als ein paar zusätzliche Wohnungen) gibt es eine sehr offensichtliche Lösung:

Die Bebauungspläne für die weniger dicht besiedelten Gebiete werden im großen Maßstab geändert und überall wird eine sehr hohe Wohnbebauung zugelassen. Im Idealfall wird sowas natürlich durch entsprechende Infrastrukturmaßnahmen (ÖPNV, Radwege, weg vom Individualverkehr, gemeinschaftliche Grün- und Freizeitflächen, etc.) und Quartierskonzepte (15-Minuten-Stadt, etc.) begleitet.

Praktisch alle Weltstädte durchlaufen im Laufe ihrer Entwicklung eine (oder mehrere) fundamentale Transformationen. Vielleicht wird’s mal Zeit für Berlin. Dann gibt es ein paar schicke Villenviertel weniger, dafür aber ordentlich viel Wohnraum, der auch nachhaltig durch die Kommunen mit Infrastruktur zu versorgen ist.

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Wenn die Pläne der Linken komplett aufgehen, werden sich die Bewohner dieser Wohnungen sicherlich ein Pikkolöchen aufmachen - und sich den Rest ihres Lebens über günstige Mieten freuen. Folge: Da werden auf Jahrzehnte kaum Wohnungen frei. Die Bewohner können von dem gesparten Geld noch ne Wohnung kaufen und dann vermieten :slight_smile:

Was machen alle anderen? Haben nichts davon, außer dass sie den Bums bezahlen dürfen.

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Was mir bei der Diskussion im Podcast etwas gefehlt hat, sind andere finanzielle Aspekte, wie z.B. Wohngeld, welches man mit Sozialwohnungen bzw. Berlins eigenen Wohnungen nicht mehr so stark aufbringen muss. Denn Vonovia und Co profitieren u.a. auch von diesen Geldern.
Was auch anklang: Vergesellschaftung von privat erbautem Wohnraum. Da sollte man nochmal gegenprüfen, inwieweit die hier betroffenen Wohnungen komplett von den privaten Unternehmen finanziert wurden bzw. wie hoch der Anteil der ehemals Sozialwohnungen ist - diese wurden zumindest zum Teil durch Berlin schon mitfinanziert.

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