Kaufen statt Vergesellschaften?

Fortsetzung der Diskussion von LDN495 Vergesellschatung von Wohnungsunternehmen:

Generell erscheint die Idee der Vergesellschaftung von Wohnungen, besonders in Ballungsgebieten, attraktiv, um den Mietenlevel in einem erschwinglichen Rahmen zu halten. Das zeigt z.B. auch das Beispiel Wien, wo wohl ca. 40% der Wohnungen in öffentlichem Besitz sind und das Mietniveau generell sehr moderat ist.

Die Vergesellschaftung von Wohnungen ist auch in Deutschland rechtlich möglich (s. GG), dauert aber voraussichtlich viele Jahre, da mit Widersprüchen und Klagen zu rechnen ist. Zudem wäre zunächst ein Gesetz zu verabschieden. Insgesamt ein zeitaufwändiger Prozess und kurzfristig ist dadurch niemandem geholfen.

Als Alternative zur Vergesellschaftung bietet sich der Kauf von Immobilienfirmen an. Insbesondere die großen in Berlin aktiven Gesellschaften (wie z.B. Vonovia) sind börsennotierte Aktienunternehmen, die ohne rechtliche Prozeduren und Unsicherheiten gekauft werden könnten. Dies wurde im Detail von Mathias Günther (Pestel Institut) im Interview im Podcast „Der Tag“ des DLF vom 22.09.26 ausführlich erläutert. ( Enteignen für mehr Wohnraum )

Die Übernahme (bzw. Mehrheitsbeteiligung) durch Aktienkauf erscheint mir ein schneller und juristisch einfacher, da sicherer, Weg, um große Wohnungsgesellschaften mit vielen Wohnungen in öffentliche Hand zu bekommen. Aktienkauf oder Entschädigung nach Vergesellschaftung dürfte ähnlich teuer werden.

Das ist theoretisch korrekt, aber passt nicht zur Phantasie der Linken. Der Vonovia Börsenwert liegt aktuell bei ca. 14,5 Milliarden Euro. Bei Übernahmeverdacht wäre der Wert vermutlich eher bei bis zu 20 Milliarden Euro.

Der entscheidende Unterschied zur Vergesellschaftungsidee ist aber der, dass man bei der echten Übernahme auch die Schulden (Passiva) übernimmt. Die Linke möchte aber zum gleichen oder niedrigeren Preis einfach nur die Immobilien (Akitva) übernehmen und die Schulden bei Vonovia belassen.

(Am Rande: Vonovia wäre mit den aktuell bekannten Plänen vermutlich sofortig überschuldet und insolvent, d.h. man kann auch den finanzierenden Banken viel Glück wünschen im Falle einer Vergesellschaftung)

Sicher? Bei 83 Mrd Vermögenswerten, davon 23 Mrd in Immobilien in Berlin, würden 10 Mrd weniger m.E. noch nicht die Firma gefährden. Das was da „vergesellschaftet“ wird, werden eher die minderwertigen Wohnungen und Lagen sein. Ein Schnitt von 2.900 Euro/qm Wert klingt nach einer Menge Sanierungsbedarf.

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Die Idee die Gesellschaften, z.B. Vonovia, an der Börse zu kaufen erscheint interessant. Wir sind die Zahlen mal durchgegangen: Die Immobilienwert der Vonovia wird immer mit ca. 90 Milliarden € (Verkehrswert der Immobilien)angegeben. An der Börse wird das Untermehmen jedoch im Moment mit 15 Milliarden bewertet. Laut Bilanz gibt es 30 Milliarden Schulden. Ist immer noch die Hälfte der besagten 90 Milliarden. Zu den Wohnungen der Vonovia gehören jedoch noch viel mehr Wohnungen, die Berliner Wohnungen machen nur 1/3 der Vonovia Bestände aus. Würde Berlin die Gesellschaft übernehmen könnte Berlin die restlichen 2/3 an die Kommunen in z.B. NRW weiterreichen. An welchem Wert sich die Entschädigung dann orientieren müßte, wäre zu klären. Der Weg die Gesellschaft an der Börse aufzukaufen, wäre auf jeden Fall rechtsicherer und schneller möglich. Und gegen dieses Instrument könnte nicht einmal die CDU etwas haben.

Im Podcast wird von privaten Wohngen, die privat gebaut wurden, geredet. Das ist falsch. Die meisten Bestände der Vonovia sind Wohnungen, die von öffentlichen Gesellschaften gebaut wurden. Diese Wohnungen der Kommunen und auch z.B. Eisenbahnwohnungen wurden in Berlin durch den Senator Sarrazin und den Bürgermeister Wowereit privatisiert. Daher ist es im Moment mehr als kurios, dass Hr. Wowereit sich jetzt hinstellt und gegen die Vergesellschaftung wettert. Hier wird ein Problem repariert, dass Wowereit und Sarrazin geschaffen haben. Ehrlicherweise muß man sagen, dass die Linken sich damals am Verkauf beteiligt haben.

Hier kommen einfach öffentliche Wohnungen in die öffentliche Hand zurück! Hier wird einfach ein Fehler der Politik korrigiert!

Und warum wählen so viele im Osten die Linke? Gerade weil die Bürger im Osten vom billigem Erwerb der Mietwohnungen damals ausgeschlossen waren. Sie waren nach der Wende nicht kreditwürdig und 2. wurde der gesetzlich vorgeschriebene Weg, dass bei einer Privatisierung die Wohnungen zuerst dem Mieter angeboten werden müssen, von der städtischen Gesellschaften im großen Stil ignoriert. Ich weiß von Mietern, die erst nach Jahren vom neuen Vermieter hörten und teilweise heute massiv mit Eigenbedarfskündigungen zur besseren Verwertung(über Mietspiegel) der Wohnungen zu kämpfen haben.

Zu den Sozialwohnungen: Es wird immer betont, dass man Sozialwohnungen bauen müsse. Dass stimmt aus meiner Sicht nicht. Sozialwohnungen müssen vor allem preiswert sein, dann muss die Gesellschaft auch die Mieter nicht so stark unterstützen. Eine kinderreiche Familie braucht eine preiswerte Wohnung und nicht unbedingt 2 Bäder. Diese Wohngen wären in den Beständen aus den 20er Jahren z.B. vorhanden und deren Miete ist auch eher 7,00 €/qm also weit entfernt von z.B. 20€/qm im Neubau, die man runter subventionieren müßte. Daher sollte man statt über Sozialwohngen im Neubau lieber alte Wohnungen, die auch im Kiez verwurzelt sind, zu Sozialwohngen erklären.

So naiv ist auch die LINKE nicht, auch wenn du das scheinbar glaubst.

Die Höhe der Entschädigung hängt vom Wert der Immobilien ab. Die Immobilien hat Vonovia aber eben „auf Kredit“ gekauft. Man kann davon ausgehen, dass das BVerfG daher bei der Frage nach einem gerechten Preis für die Enteignung die Grenze mindestens dort ziehen wird, wo die Schuldenlast der Immobilien liegt. Mit anderen Worten: Man wird Vonovia mindestens so viel für die Wohnungen zahlen müssen, wie Vonovia den Banken noch für die Wohnungen schuldet. Der „worst case“ für Vonovia (und der Best Case für die Befürworter der Vergemeinschaftung) wäre somit, dass Vonovia die Immobilien verliert und dafür genug Geld bekommt, die noch offenen Kredite zu begleichen. Realistisch wird die Entschädigungssumme aber etwas höher liegen müssen, daher sie wird auch den Verlust des bereits abbezahlten Wertes der Immobilien ein Stück weit ausgleichen müssen.

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Das „elegante“ hierbei wäre, dass es genügt, wenn der Staat die Hälfte des Gesamtwertes aufbringt, um dann als Mehrheitseigner die restliche Hälfte schleichend zu „entwerten“ (durch eine dividendensenkende Unternehmensstrategie).

Die Alternative wäre der direkte Kauf der Wohnungen bzw. eines Teils der Wohnungen. Insbesondere wenn es sich erstmal nur um einen (ggf. beträchtlichen) Teil der Wohnungen handelt, hätte das mindestens 3 Vorteile:

  1. Die Streitparteien könnten sich halbwegs gütlich einigen, indem die Wohnungsgesellschaften erstmal die renditeschwachen Immobilien abgeben und hierfür im Gegenzug „faire“, relativ niedrige Preise verlangen.
  2. Der Staat müsste nicht auf einen Schlag große Schulden machen.
  3. Der Staat könnte sein Immobilienmanagement erstmal im Kleinen aufbauen, statt direkt ein verwaltungstechnisches Megaprojekt zu planen.

Ferner würde ich erwarten, dass die erste Frage des Richters in einem Klageverfahren wäre: „Warum die Ultima Ratio der Vergesellschaftung? Weigert sich die Wohnungsgesellschaft prinzipiell zu verkaufen?“

Das könnte schwierig werden, Mehrheitseigner hin oder her, der Vorstand ist allen Aktionären gegenüber verpflichtet.

Verständnisfrage dazu. Die Wohnungen sind ja noch bewohnt. Vor allem von älteren Menschen die damals billige Verträge abschließen konnten.

Bist du wirklich der Meinung, dass die Menschen durch die Verstaatluchung zu einem Umzug in Neubau gezwungen werden sollten?

Persönlich fände ich das Konsequenter als die Pläne der Linken um zumindest etwas Generationengerechtigkeit zu ermöglichen. Hört sich aber von der Argumentation fast nach dem Gegenteil vom Rest des Kommentars an.

Das wurde auch im Politikpodcast vorgeschlagen. Ich bin skeptisch.

Der Markt könnte die Preise ins Unermessliche hochtreiben und die Politik wäre in einer Zwickmühle.
Art15 ist da auf jeden Fall die sicherere Variante. Und vor allem ist es gut, wenn da ein Präzedenzfall geschaffen wird an dem sich andere Städte dann orientieren können.

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Sehe ich ähnlich.

Das Problem ist, dass die Marktlogik eine Situation schafft, die nicht mit den Zielen der Politik und den Wünschen der Bevölkerung in Einklang steht - nämlich die Situation, dass durch die hohe Nachfrage bei begrenztem Angebot die Preise in einer Weise steigen, dass nur noch Wohlhabende sich die Wohnungen in Berlin leisten können. Politik und Gesellschaft wollen aber, dass jeder sich diese Wohnungen leisten kann. Das ist ein klassischer Fall, in dem ein marktfeindliches Agieren (eben die Vergesellschaftung) sinnvoller ist, als ein marktfreundliches agieren im Rahmen der Regeln der Märkte. Denn sonst treibt der Staat selbst durch das Kaufinteresse den Preis in die Höhe und beteiligt sich an eben jener Spirale, die die Grundstückspreise weiter nach oben treibt (und damit die Mieten).

Ich denke weiterhin, dass es sinnvoller wäre, bei den Grundstückspreisen anzusetzen und die Marktlogik dort auszuschalten, indem man den Wert eines Grundstückes nicht dem Markt überlässt, sondern ihn gesetzlich festlegt. Das würde vor allem nur diejenigen direkt negativ beeinflussen, die mit Grundstückspreisen spekulieren wollen (und die will man ja auch treffen), während der Vermieter, der sein Grundstück bzw. die Wohnungen weiter vermietet, nur indirekt betroffen wäre, indem der Buchwert seines Grundstücks eben massiv sinkt. Er kann aber in einer Übergangszeit weiterhin die Mieten verlangen, die nötig sind, um die Kredite für den alten Grundstückswert zu bedienen. Langfristig würden die Mieten dann aber signifikant sinken. Inwiefern das eine faktische Enteignung wäre und Entschädigungsansprüche auslösen würde, wäre übrigens eine interessante Frage. Denn die wirtschaftliche Verwertbarkeit des Grundstücks wird ja nur teilweise (eben für den Verkauf) eingeschränkt, während sie im eigentlichen, gewünschten Zweck (Vermietung) gerade nicht beeinträchtigt wäre.

Insofern denke ich, die besten Lösungen für das Problem sind in dieser Reihenfolge:

  1. Grundstückspreisdeckel (Nachteil: Verzögerte Wirkung, Vorteil: Günstiger und setzt an der Wurzel des Problems an)
  2. Vergesellschaftung (Nachteil: Große Risiken im Hinblick auf die Entschädigungssumme, Vorteil: Wirkt sehr schnell)
  3. Kaufen (Nachteil: Wird sehr teuer und das zu Grunde liegende Problem des Marktversagens (in dem Sinne, dass der Markt nicht die Wirkung entfaltet, die wir uns wünschen) wird nicht gelöst, Vorteil: Wirkt schnell und ist rechtssicher)
  4. Mehr selbst bauen (Nachteil: Dauert sehr lange und löst das zu Grunde liegende Problem nicht. Außerdem ist noch mehr Flächenversiegelung auch ein Problem. Vorteil: Absolut Rechtssicher)

Ich fände es wichtig, das zu Grunde liegende Problem zu lösen, und das ist m.M.n. weiterhin die Tatsache, dass die Grundstückspreise wegen der absoluten Begrenztheit in Ballungszentren explodieren. Hier macht der staatliche Eingriff am meisten Sinn, weil das die Wurzel des Problems der hohen Mieten ist.

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In einem Nachrichtenpodcast wurde auch auf die AI-Firmen und die Bitte um staatlichen Eingriff geschildert. Im Endeffekt war die Aussage: wir Unternehmen können nicht anders, als die Spirale immer weiter zu treiben, da der Markt uns dazu zwingt - wenn wir es nicht machen, macht es jemand anderes.

Das ist die Kapitulation vor den Marktmechanismen durch die Unternehmen und lässt sich auch auf Mieten übertragen: Investoren müssen Mieten hoch und Investitionen heruntertreiben, denn das ist ihr Job in der Marktwirtschaft. Der Staat (und private Vermieter) sind die einzigen Akteure, die das nicht müssen. Aber in einem überhitzten Markt kommen private Vermieter immer mehr unter die Räder.

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Ich verstehe nicht, wieso der Grundstückspreisdeckel die Mietpreise senken sollte. Baugrund ist doch trotzdem rar. Es wird also nicht viel mehr gebaut, als ohnehin gebaut wird.

Klar kann das Projekt dann weniger teuer sein. Aber da die Wohnungsnot groß ist, orientiert sich der Preis nicht an den Baukosten, sondern an der Zahlungsbereitschaft der Mieter.

Was habe ich nicht verstanden?

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Die Idee mit dem Grundstückspreisdeckel ist interessant. Aber die Priorisierung halte ich doch für stark fragwürdig. Natürlich will niemand eine Preiserhöhung. Aber realen Mangel kann man nicht weg regulieren. Höhere Preise zwingen mehr Menschen in eine Wohnung und ermöglichen mehr Menschen überhaupt eine Unterkunft. Während selbst Neubau in aktueller Geschwindigkeit jedes Jahr zu niedrig fünfstellig mehr Wohnungslosen führt.

Wie Die Linke aktiv gegen private Bauvorhaben und Verwaltung vorzugehen bedeutet niedrigere Mieten aber deutlich schneller steigende Wohnungslosigkeit.

Während Neubau exakt das Mittel ist, dass die Probleme löst. Wohnungsmangel behebt man nur und ausschließlich durch genug verfügbaren Wohnraum. Wenn man erzwungene Verkleinerung durch den Preismechanismus ablehnt bleibt nur Neubau als Option um das grundlegende Problem zu beheben.

Nicht Grundstücke sondern die Anzahl der freien Wohnungen ist das zentrale Problem. Die Grundstückspreise, Wohnungspreise und Mietpreise sind nur ein Ausdruck dieses Mangels. Keine natürliche und zwangsläufig notwendige Erscheinung die in Großstädten immer stattfindet. Es gibt einen Grund warum Altmieten gerade in Berlin so extrem billig sind. Es gab beim letzten Zensus sogar noch 2,3% die unter 4€/qm gezahlt haben. Fast 70% zahlen unter 8€. Heutige Angebotsmieten treffen fast ausschließlich jüngere Generationen. Wer 15€+ zahlt, dem aktuellen Durchschnitt der Angebotsmieten, ist in den Top 4% der Mietpreise. Sozialwohnungen werden heute für Top 30% der Mieten angeboten. Der Bestandsschutz und Fokus auf Altverträge hat dazu geführt, dass der Großteil weniger zahlt als Bedürftige heute die einen WBS 100 halten.

Ganz ohne, dass es irgendwas mit Grundstückspreisen zu tun hat. Nur mal so fürs Verhältnis. Worüber wir überhaupt sprechen. Wer überhaupt davon profitieren soll.

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In Großbritannien gab es die Möglichkeit für langjährige Mieter, die Wohnungen zu übernehmen. Viele, die in zu großen Wohnungen gewohnt haben, haben einen Kredit aufgenommen, sie dann verkauft und sich etwas kleineres gekauft. Mit dem restlichen Geld haben sie die Kinder unterstützt, damit sie sich auch etwas kaufen konnten. Jahrzehntelang gab es dann ein funktionierendes System, das nicht über Miete, sondern Fluktuation im Eigenheim lief. Das geht natürlich leichter, wenn der Staat beim Verkauf nicht zu viel über Bürokratie und Steuern abgreift und laxe Bauvorschriften Häuser billig machen. Dann fliegt schon mal ne Sicherung, wenn man den Herd einschaltet oder der Regen ein ungeschütztes Kabel kurzschließt. Beim Bohren in die Wand, weiß man nicht, ob da ne Leitung drunter ist usw. Mittlerweile haben aber auch dort geldige Investoren alles kaputt gemacht. Sicher mit ein Grund, warum es zum Brexit kam. Aber Oligarchen und Superstars sind nicht auf EU-Mitgliedschaft angewiesen, um Wohnungen zu kaufen und Preise kaputt zu machen.

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Wie gesagt, ich denke absolut nicht, dass „mehr bauen“ die Preise senken wird. Jeder Blick in jede Metropole dieser Welt gibt mir da Recht. Mehr Wohnungen heißt, die Stadt wird noch attraktiver - der Bedarf wird immer schneller steigen als das Angebot. Die Leute müssen sich diese Idee von „Wir müssen einfach nur genug bauen“ aus dem Kopf schlagen. Das löst das Problem definitiv nicht. Das ist die gleiche verheerende Wachstums-Logik wie überall anders im neoliberalen Denken: Ein System, dass darauf aufbaut, dass es „endloses Wachstum“ gibt, den es bei der Frage nach Wohnungen in Ballungszentren per Definition nicht geben kann.

Das kann man dann über Regeln zur Wuchermiete regulieren. Aktuell ist es so, dass die Mieten für neue Wohnungen bei 20 Euro und mehr pro Quadratmeter liegen müssen, wenn die marktübliche Rendite erreicht werden soll. Und wir können glaube ich alle zustimmen, dass es wichtig ist, dass die marktübliche Rendite erreicht werden kann. Vor allem wären Städte dann in der Lage, Grundstücke sinnvoll zurück zu kaufen, was aktuell bei den Grundstückspreisen einfach viel zu teuer wäre.

Wie gesagt, da unterscheiden sich unsere Ansichten massiv.

Wer meint, das Problem mit „Neubau“ lösen zu können, verfolgt - ob er es realisiert oder nicht - ein unrealisierbares Ziel in der Logik der neoliberalen Marktlogik des endlosen Wachstums. Am Ende werden immer und in jedem Fall Mega-Metropolen wie London, New York, Hong Kong und co. stehen, wo immer und in jedem Fall Mega-Mieten anfallen werden.

Es geht mir darum, den immer begrenzten Platz den Marktlogiken zu entziehen, um ihn fair verteilen zu können. Dabei muss der Staat natürlich darauf achten, dass der vorhandene Platz so effektiv wie möglich genutzt wird, entsprechend sind die Bebauungspläne und Flächenpläne auszugestalten. Wenn du daher sagst…

… sage ich, dass das der Grundfehler des Systems ist. Höhere Preise sind der marktliberale Weg, eine effiziente Raumnutzung herzustellen. Aber eben zu dem Preis, dass die Mieten extrem steigen und nur noch priviligierte Menschen sich diese Mieten leisten können (oder massive staatliche Unterstützung dafür brauchen, was eine massive Umverteilung von Unten nach Oben ist). Es geht mir gerade darum, eine effiziente Raumnutzung herzustellen, OHNE den Preis der hohen Mieten und entsprechender sozialpolitischer Probleme zu erzeugen. Und ja, dafür muss man dem Staat natürlich zutrauen, über Bebauungs- und Flächennutzungspläne diese effiziente Raumnutzung herstellen zu können. Da sehe ich aber kein Problem.

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Erklär bitte mal deine Logik. Sagen wir es gibt 100 Wohnungen, aber 120 Nachfrager. Wie löst eine Preisobergrenze nun das Problem der 20 Nachfrager, die keine Wohnung erhalten?

Und nehmen wir jetzt an, dass der Preis so festgelegt ist, dass jeder der 120 Nachfrager es sich leisten kann. Es gibt 20 Mindestlöhner, 30 Geringverdiener, 60 Normalverdiener und 10 Gutverdiener. Welche dieser 120 Nachfrager werden die 100 verfügbaren Wohnungen wohl erhalten?

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Nochmal:
Das ist kein lösbares Problem.
Baust du 20 Wohnungen, hast du plötzlich 150 Nachfrager. Das ändert nichts. Deine Lösung für das Problem ist endloses Wachstum, ich sage: Das kann es wegen der begrenzten Natur des Gutes „Grundstücke“ nicht geben.

Es ist absurd, dass diejenigen, die mit „einfach mehr bauen“ argumentieren, damit immer wieder durchkommen. Nochmal: Das ist keine Lösung, das sehen wir literally in JEDER METROPOLE AUF DER GANZEN WELT.

Es geht daher nicht darum, dass jeder, der in der Großstadt wohnen will, dort auch leben kann. Das wird man nie hinbekommen. Es geht darum, dass nicht das Einkommen entscheidet, wer in der Großstadt leben darf und wer die zwei Stunden Anreiseweg aus dem Umland auf sich nehmen muss und darum, staatliche Subventionen zu Gunsten der Vermieter (z.B. Wohngeld bei extrem hohen Mieten) zu reduzieren.

Du verstehst meine Logik nicht, weil du von einem völlig anderen Ziel ausgehst, als ich. Weil du von der Logik des permanenten Wachstums ausgehst, die offensichtlich nicht gegeben ist, weshalb „mehr bauen“ das Problem, wenn überhaupt, nur in die Zukunft verlegt, es aber nicht löst. Das kannst du akzeptieren oder nicht, aber unterstell meinem Argument keine „fehlende Logik“, weil sie nicht deiner Zielsetzung entspricht, sondern eine andere Zielsetzung verfolgt.

Im Zweifel wie bei anderen beschränkten Gütern, über die nicht das Einkommen/Vermögen bestimmen soll, auch. Es gibt dazu viele Möglichkeiten und Vorbilder:

  • Entweder werden Kriterien definiert wie bei es bei der Zulassung zu begrenzen Studienplätzen passiert.
  • Oder es wird schlicht ein „First come, first serve“-Verfahren angewandt. Jeder, der nach Berlin ziehen will, trägt sich in eine Liste ein und die wird abgearbeitet. Das würde auch die Diskriminierung von Bürgern mit nicht-deutschen Namen reduzieren.
  • Oder es wird schlicht ausgelost.

Es geht mir explizit darum, den Status Quo (der Vielverdiener bekommt die Wohnung, der Wenigverdiener kann sich das Leben in der Stadt nur mit staatlichen Unterstützung z.B. in Form von Wohngeld leisten) zu brechen, du argumentierst hingegen auf Basis dieses Status Quo.

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Genau hier wird die Definition von „fair“ allerdings sehr relevant.

Die Frage die du hier beantworten musst ist, wer darf gerechterweise in der Großstadt wohnen und was sollen die Kinder der Bewohner, die jüngeren auf dem Land tun? Wo die Wirtschaft gerade aufgrund der Renteneintritte ausstirbt und es kaum eine wirtschaftliche Perspektive gibt.

Denn was der Staat aktuell tut ist vor allem jüngere Generationen zu opfern und Leid aufzuzwingen um älteren Generationen ein stark unterdurchschnittlich billiges Leben zu ermöglichen. Was ich persönlich als extrem unfair bezeichnen würde.

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Wie geht diese Logik mit Vertragsfreiheit einher? Darf der Kleinvermieter dann auch nur noch an zugewiesene Mieter vermieten oder wie stellst du dir das vor? Hilft ein Parteibuch von Die Linke dann zukünftig bei der Zuweisung von Wohnraum?

Es gibt überall auf der Welt Millionenstädte, gegen die Berlin aussieht wie ein Witz. In zweien dieser Städte habe ich länger gelebt und die Lebensqualität dort war jeweils besser als in Berlin und zugleich haben mehrere Millionen Menschen dort ordentlich leben können. Natürlich ändert es etwas.

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Kann man alles machen, hat aber auch alles ziemlich eindeutige Nachteile.

-Kriterien: wie definiert man „gerechte“ Kriterien, um zu entscheiden wer in einer Stadt leben darf? Wie will man verschiedene Faktoren abwiegen? Wem sollte nach dieser Logik eher eine Wohnung zugeteilt werden? Der Studentin die einen Studienplatz für einen Studiengang hat den es nur an der Berliner Uni gibt, aber aus Baden-Würtemberg kommt? Oder dem Bäckerreifachverkäufer, der theoretisch seinem Handwerk überall nachgehen könnte, der aber in Berlin aufgewachsen ist? Der Rentnerin, die überhaupt keinen Arbeitsplatz mehr hat und überall ihre Rente ausleben könnte, aber halt 30 Jahre in Berlin gelebt hat, oder der Chirurg der einen Jobangebot an der Charité hat?

Klar ist „Preis“ auch ein Kriterium, das sollte man im Kopf behalten aber es ist ein sehr „unpersönliches“ Kriterium. Was zumindest bedeutet, dass es nicht einen Sachbearbeiter gibt, der mir sagt „es tut mir sehr leid, wir haben ihren Antrag auf eine Wohnung in Berlin geprüft, aber nach unseren Kriterien steht ihnen leider keine Wohnung zu“.

First-komm-first-serve: Ich freue mich schon auf die Stellenausschreibungen in denen steht „Da diese Stelle Präsenzsarbeit beinhaltet, können sich nur Personen, die Bereits eine Wohnberechtigung in Berlin haben, auf diese Stelle bewerben“. Aber mal im ernst, ein solches System hätte massive soziale und wirtschaftliche Folgen, weil es defacto, auswärtige vom lokalen Arbeitsmarkt ausschließen würde (wer stellt schon jemand ein der erstmal 5 Jahre auf eine Wohnung warten muss).

  • Losen- da ist es dann reiner Zufall, wer eine Wohnung bekommt. Ist zwar in dem Sinn fair, kann aber auch ziemlich unangenehme Konsequenzen haben. Ich stelle mir die Schlagzeilen schon vor „Vom Lospech verfolgt: Ehepaar verliert zum 15 Mal Wohnungslotterie. Eigentlich wollte das Ehepaar Meier schon vor 15 Jahren zusammenziehen. Herr Meier stammt aus Berlin und hat auch dort seinen hochspezialisierten Job. Seine Frau kommt aus Brandenburg und eigentlich wollten die beiden schon seit Jahren zusammenziehen. Aber mit den beiden Kindern (12 und 8) ist die derzeitige 20qm ein-Zimmer Wohnung einfach zu klein. Daher bewerben sich die beiden schon seit Jahren über die Berliner Wohnungslotterie auf eine größere Wohnung, sind aber bisher vom Pech verfolgt. Besonders grausam: dieses Jahr ist eine Single-Person in ihre Traumwohnung gelost worden, die sich eigentlich nur zum Spaß auf die Liste setzen ließ. Weil die Mieten in Berlin gesetzlich festgeschrieben und deutlich unter dem Bundesschnitt sind, melden sich oft Personen mit remote Jobs aus ganz Deutschland für die Lotterie an, um von den günstigen Mieten in Berlin zu profitieren“.

All das soll nicht heißen, dass ein solches System unmöglich wäre oder zwangsläufig schlechter als das aktuelle System. Aber man sollte sich diese Fragen zumindest ehrlich stellen.

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