Kaufen statt Vergesellschaften?

Wie gehen Regulierungen des Glückspielmarktes mit der Vertragsfreiheit einher?
Wie geht es mit der Vertragsfreiheit einher, dass es im Bereich der existenziellen Dienstleistungen einen Kontrahierungszwang gibt?
Wie gehen Restriktionen der Waffenhersteller mit der Vertragsfreiheit zusammen?
Wie geht der Mindestlohn mit der Vertragsfreiheit zusammen?
Wie geht der Zwang, den Jobcenter auf Arbeitslose ausüben, jeden Job annehmen zu müssen, mit der Vertragsfreiheit zusammen?

Ich könnte noch eine Million weiterer Beispiele nennen. Die Antwort in all diesen Fällen ist genau dein Fehler bei der Argumentation mit der Vertragsfreiheit: Die Vertragsfreiheit ist kein absolut gewährleistetes Recht, sondern ein Grundrecht, das lediglich aus Art. 2 Abs. 1 GG (der allgemeinen Handlungsfreiheit) abgeleitet wird und wie jeder Aspekt der allgemeinen Handlungsfreiheit dem Gesetzesvorbehalt unterliegt. Und davon macht jede Demokratie ausgiebigen Gebrauch, denn würde man die allgemeine Handlungsfreiheit maximalistisch auslegen wären wir im Albtraum des Turbo-Kapitalismus.

Das geht völlig am Argument vorbei - in all diesen Städten explodieren die Mieten. Baust du mehr Wohnungen, ziehen mehr Menschen in die Stadt, die Stadt wird noch attraktiver für Firmen, um dort ihre Firmensitze und Standorte hin zu verlegen, es entstehen somit dort neue Arbeitsplätze, die wiederum neuen Zuzug notwendig machen - und diese Spirale wiederholt sich, bis wir eine nächste Mega-Metropole haben.

Dass es auch bei den Mega-Metropolen deutliche unterschiede gibt, ist klar, aber alle diese Mega-Metropolen haben gemeinsam, dass die Mieten dort gigantisch sind, was zu einem erheblichen Stadt-Land-Gefälle führt (dh. in der Stadt sind die Lebenskosten gigantisch viel höher und für die Landbevölkerung ist die Stadt quasi unerschwinglich). Wir wollen aber in Deutschland gleiche Lebensverhältnisse - das hat sogar Verfassungsrang (z.B. dadurch, dass bei der konkurrierenden Gesetzgebung der Bund u.a. dann eingreifen darf, wenn er das Ziel verfolgt, die Lebensverhältnisse anzugleichen). Die Forderung, einfach mehr zu bauen, führt zum Gegenteil.

Absolut, ich sage nicht, dass es keine Nachteile hat. Ich sage nur, dass man darüber mal ernsthaft diskutieren sollte, statt derartige Vorschläge direkt mit neoliberaler Argumentation („Die Stadt braucht nur Wachstum, also bauen, bauen, bauen…“) wegzuwischen, wie es leider teilweise selbst von progressiv denkenden Menschen getan wird, weil diese Miskonzeption der einfachen Logik („Zu wenig Wohnungen? Da müssen wir bauen!“ oder eben „DaS ScHaFfT AbEr kEiNe eInZiGe nEuE WoHnUnG!1!“) einfach zu verbreitet ist.

Das ist wirklich das Problem: Das Argument, dass wir einfach mehr Wohnungen brauchen, ist auf dem ersten Blick zu einleuchtend und verfängt daher selbst bei sehr cleveren Menschen.

2 „Gefällt mir“

Da sind wir uns einig.

Da bin ich skeptisch. Solche Regeln freuen zwar Menschen, die bereits in Berlin wohnen. Niedrige Preise machen die Großstadt aber auch wieder attraktiver. Am Ende führt deine Idee vor allem dazu, dass Menschen, die eine Wohnung haben, besser gestellt werden, Menschen, die eine Wohnung suchen (bspw. weil sie 1-2 Kinderzimmer brauchen), aber die großen Verlierer sind.

Nachhaltig helfen würde nur die Attraktivität der Stadt senken und das Umland steigern. Hohe Mieten, so unsozial sie sind, sorgen sehr effektiv dafür, die Attraktivität zu reduzieren.

Natürlich kann man auch den Zuzug kontrollieren wie du vorschlägst:

Das habe ich vor einiger Zeit hier auch vorgeschlagen und habe dafür viel Widerspruch kassiert.

Ein Einstieg wäre hier:

Die Idee wurde sogar mit Nordkorea verglichen. Die freie Wohnortwahl für jedermann war den Mitdiskutanten wichtiger als bezahlbarer Wohnraum für die 4köpfige Mittelstandsfamilie.

Was macht dich glauben, dass sich die Positionen hier zu dem Thema geändert haben?

Nichts, aber ich gehöre nicht zu den Leuten, die eine Idee abschreiben, weil sie Gegenwind erfährt. Jede progressive Idee hat erst massiven Gegenwind erfahren, bis irgendwann die Mehrheit erkannt hat, dass es nicht so schlimm ist, wie sie es sich vorgestellt haben (Ich sag nur „Mindestlohn“ - schönstes Beispiel dafür…)

1 „Gefällt mir“
Hamburg
München
Lissabon
Madrid
Barcelona
London
Paris
Milan
Rom
Kopenhagen
Stockholm
Moskau
Istanbul
Seoul
Peking
Tokyo
Melbourne
Sydney
Vancouver
Toronto
San Francisco
Seattle
Los Angeles
New York
Mexiko Stadt
Sao Paulo
Rio de Janeiro
Buenos Aires
Kapstadt
Kairo
…

Es ist absurd so zu tun als sei das ein rein Berliner oder rein deutsches Problem.

Es gäbe aber tatsächlich eine mittelfristige Lösung, für Berlin, die nicht bei allen anderen Städten möglich ist. Und zwar den Regierungssitz von Berlin nach zum Beispiel Hannover verschieben. Das würde den Druck von Berlin etwas lösen. Halte das aber für nicht umsetzbar, da aus emotionalen Gründen sich zu viele dagegen stellen würden.

Das Spannende ist doch: wenn die Großstadt für Investoren nicht mehr interessant ist gehen sie

a) ins Ausland

b) suchen sich eine andere Investitionsbranche

c) bauen ihre Häuser woanders

Gerade bei c) wird es dann interessant. Denn tatsächlich ließe sich da richtig viel Geld verdienen mit entsprechender Anschubinvestition. Die Rechten haben das längst entdeckt und kaufen im Osten ganze Dörfer auf.

1 „Gefällt mir“

Keines dieser Beispiele ist annähernd damit vergleichbar, Menschen Wohnraum und Vermietern Mieter zuzuweisen. Dass man darauf überhaupt hinweisen muss

Du argumentierst, dass das Stadt-Landgefälle das Resultat des Zuzugs vom Land in die Stadt ist. Daher müsse man den Zuzug stoppen, im Notfall durch eine staatliche Zuteilung von Wohnraum.

Aber ist nicht das Stadt-Landgefälle das Resultat geometrisch-mathematischer Faktoren, die einfach nicht zu ändern sind?

Man kann schlussendlich auf den Land nicht die gleiche Dichte an Infrastruktur, Dienstleistungen, kulturellen Angeboten und Jobs haben, wie in der Stadt. Sonst wäre es kein Land mehr. Daher wird es immer Anreize geben, vom Land in die Stadt zu ziehen. Daher gibt es Landflucht, wie du richtig bemerkst, global in allen Gesellschaften, seid Jahrhunderten.

Leben in der Stadt ist ökonomischen effizienter, sie brauchen weniger Infrastrukturausgaben pro Einwohner und ermöglichen ein größeres Maß an Spezialisierung.

Ausserdem ist deine Argumentation etwas widersprüchlich:

Du sagst auf der einen Seite:

Als wäre es etwas schlechtes. Auf der anderen Seite argumentierst du, wir sollten Menschen über Wartelisten oder Lotterien daran hindern, vom Land in Städte zu ziehen. Aber warum sollte es besser sein, wenn ich nicht in die Stadt ziehen darf, weil ich die Lotterie verloren habe, als wenn ich es mir halt nicht leisen kann?

Mit deinem System, gibt es es dann eine Zweiklassengesellschaft. Auf der einen Seite die, die bereits eine Wohnung in der Stadt haben und damit Zugang zu den besten Jobs und Infrastruktur, und auf der anderen Seite die die auf dem Land leben und sich über Lotterien oder Wartelisten auf einen Zugang zur Stadt bewerben müssen.

Ich bin mir nicht sicher inwieweit das eine Verbesserung der Lage wäre.

1 „Gefällt mir“

Das klingt zwischen den Zeilen so als wäre das Landleben was schlechtes, was sich niemand freiwillig antun würde??

1 „Gefällt mir“

Natürlich nicht. Natürlich gibt es Menschen, die den Zugang zu Natur und Platz höher bewerten, als den Zugang zu Infrastruktur, Jobs und Kultur.

Das ist völlig legitim und schön!

Aber im Schnitt ist es offensichtlich die Minderheit, sonst gäbe es ja nicht weltweit, seit Jahrzehnten die Landflucht.

Diese Entwicklung jetzt über einen Wohnungsbaustopp in den Städten und staatliche Wohnungszuteilungen aufhalten zu wollen, ist zumindest eine doch sehr radikale Lösung.

3 „Gefällt mir“

@Daniel_K geht es doch nicht darum, dass Menschen auf dem Dorf wohnen müssen. Es geht ihm darum den Zuzug in die Großstadt zu begrenzen und ich teile das.

Viele Städte >50.000 sind wenig attraktiv, obwohl sie alles Wichtige (und vieles mehr) haben. Trotzdem wollen die Leute dort nicht hin weil Hamburg, Köln, Berlin oder München und andere einfach ein anderes Image haben.

Ich hatte bspw. mehrfach Besuch aus Berlin, Köln, Leipzig und anderen in Brandenburg an der Havel. Tatsächlich waren alle total begeistert, wie schön die Stadt ist, wie die Ausflugsmöglichkeiten sind und wie reichhaltig die kulturelle Szene ist, wenn man nur die Augen aufmacht.

Trotzdem nehmen sich die Menschen in Potsdam die Wohnungen weg, statt Brandenburg Havel eine Chance zu geben.

Man sollte dabei nicht ignorieren, dass der Neoliberalismus der letzten 30 Jahre das Leben in den kleinen Städten und Dörfern aktiv verschlechtert hat. Früher gab es bspw hier noch in allen wichtigen Kommunen des Landkreises eine Polizeiwache. Heute gibt es außerhalb der Kreisstadt nur noch eine und selbst die ist nur an drei Halbtagen pro Woche besetzt.

Zusätzlich haben auch wir Bewohner einiges kaputt gemacht. Wer lieber Lieferando aus der benachbarten (größeren) Stadt liefern lässt, als in die örtliche Gastwirtschaft zu gehen, oder lieber zu Kaufland fährt, statt in den kleinen örtlichen Discounter, muss sich nicht wundern, wenn lokal alles schließt.

6 „Gefällt mir“

Absolut.Ich muss als Vermieter doch die Freiheit behalten, potentielle Mieter zu selektieren. Und hier sind Liquidität und Zahlungssicherheit nunmal die entscheidenden Kriterien. Dabei ist es auch egal, ob ich einer Luxusimmobilie vermiete oder eher in unteren Sehment anbiete.

2 „Gefällt mir“

Ist das Teil der Diskussion? Wenn nun der Sprit auf 2,30 gedeckelt wird, fragt Ihr Euch da dann auch, wer den bekommt, falls die Mineralölkonzerne dann in Deutschland nicht mehr verkaufen wollen?
Das zeigt doch nur, warum kommunale Wohnungen wichtig sind: damit diese Frage nicht der private Vermieter sondern die öffentliche Hand beantworten muss.

1 „Gefällt mir“

Aus welcher Aussage von @Daniel_K schließt ihr denn, dass er die Vertragsfreiheit bezüglich der Auswahl des Mieters einschränken oder übergehen will?

Das ist tatsächlich eine Fragestellung, die ich im Kontext von Benzinpreisdeckelungen schon gehört habe. Warum in Deutschland für 2,30 verkaufen, wenn Frankreich 2,90 zahlt. Die Verteilung der Mangelware erfolgt natürlich rationiert und über Schlangenbildung…

Stimmt nicht:

2 „Gefällt mir“

Es reicht ja zum Teil schon ein Erhalt des Status Quo. Bei mir und meiner Frau wäre z.B. das Thema Haus auch in meiner Heimatstadt interessant gewesen. Wären wir sicher, dass es die dortige Infrastruktur auch noch in 10 Jahren gibt, wäre die Entscheidung ziemlich knapp geworden. Die Tatsache aber, dass die Kommune viele Angebote in Frage stellt hat den Ausschlag gegeben, dass wir doch bei ihr in der Großsstadt gekauft haben.

Gleiches bei den Arbeitsplätzen. Wenn in einem Ort die Schließung von Infrastruktur wie dem Hallenbad droht, wird die Firma die am Ort eine Niederlassung hat bei Ausbauplänen eher Standorte bevorzugen wo die Lebensqualität gesichert ist.

Dabei ist es gar nicht so, dass diese Kleinstädte akut unter massiven Wegzug leiden, sondern hauptsächlich schränken steigende Kosten (auch durch Gesetze von Bund und Land) bei stagnierenden Einnahmen die Handlungsspielräume massiv ein. Ein Problem, welches bei der Lage ja auch schon mehrfach angesprochen wurde und welches teils sogar größere Städte massiv betrifft.

Aber auch dein Vorschlag hat einen ähnlichen Effekt. Nicht unbedingt so deutlich wenn man die Zahl der Wohnungen als Maßstab nimmt, aber klarer wenn man die Zahl der möglichen Bewohner ansieht.

Günstiger Wohnraum bei gleichzeitig schwierigem Zugang zu diesem sorgt z.B. im erweiterten Bekanntenkreis in Wien dazu, dass

  • Paare ihre Wohnungen über Jahre behalten, weil sie es sich leisten können und bei Trennung sonst Jahre auf eine günstige Wohnung warten müssten
  • Leute die bereits woanders arbeiten ihre Wohnung behalten und zum Wochenendpendler werden, nur um das Recht auf die Wohnung zu behalten, nicht weil sie unbedingt die Wochenenden in der Großsstadt verbringen würden
  • In viel zu großen Wohnungen wohnen bleiben, weil sie es sich leisten können und lieber mehr zahlen als dann ggf. Jahre auf eine größere Wohnung warten zu müssen wenn man sie wieder braucht.
  • Man das Budget welches man hat ausreizt und dann eben in der 80qm 3,5 Zimmer Wohnung lebt statt in der 50qm 2-Zimmer Wohnung.

Am Ende wird dann der Wohnraum so verteilt, dass wo bei heutiger Verteilung nach Marktpreisen 100 Leute wohnen könnten, dann effektiv nur mehr 80 oder 90 Leute wohnen. Gleichzeitig erhöht aber ja auch der niedrigere Preis die Nachfrage. Statt also aus um bei deinem Beispiel zu bleiben heute 120 Nachfragern bei 100 Wohnplätzen 120 Wohnplätze und 150 Nachfrager zu machen. macht man mittels Preis daraus 90 Wohnplätze und 140 Nachfrager.

Das Delta zwischen Angebot und Nachfrage wird auch hier höher.

7 „Gefällt mir“

Ich würde eh bereits jetzt nur eine Stelle in Berlin annehmen wenn ich vertraglich zugesichert bekomme ein Hotel/Unterkunft bezahlt zu bekommen bis ich eine ansprechende Wohnung gefunden habe oder mir der Arbeitgeber eine Werkswohnung überlässt, welche nicht an das Arbeitsverhältnis gebunden ist. Ich denke gerade Städte wie München oder Berlin werden über kurz oder lang massive Probleme mit Arbeitskräften bekommen. Als Arbeitgeber in Berlin würde ich schonmal nach Wohnungen Ausschau halten die nahe an meiner Betriebsstelle liegen.

Das gleiche Problem gibt es mit Kindertagesstätten. Arbeitgeber haben es schwierig, AN für den eigenen Standort zu gewinnen, wenn die Kinderbetreuung oder insgesamt die Infrastruktur vor Ort einfach unzureichend ist. Allein deswegen ist eine massive öffentliche Investition notwendig, die ja auch wirtschaftlichen Aufschwung bedeutet.

Es gibt auch den Effekt, das man in der größeren Wohnung bleibt, weil eine deutlich kleinere Wohnung teurer wäre. :wink:

1 „Gefällt mir“

Die Diskussion dreht sich die ganze Zeit nur um Wohnraum, der bereits bewirtschaftet wird.
Was ist mit Wohnungen die bewusst im Leerstand bleiben?
Es gibt in den Großen Metropolen Investoren die nur auf den Steigenden Immobilienwert spekulieren und an einer Vermietung kein Interesse haben. (Da die Mieter nur ärger machen)
Mein Bruder war vor wenigen Jahren in Berlin in solchen Häuserblöcken unterwegs.
Wenn die Politik gegen den Bewussten Leerstand vorgehen würde, schafft sie ein Anreiz zur Vermietung. ( Von Wohnraum der schon da ist!)

Wer einen Vorgeschmack auf die Bausubstanz, in ca. 10- 20 Jahre nach der Übernahme durch den Staat haben möchte, ist dazu eingeladen sich mal die öffentlichen Schulen in seiner ecke etwas genauer anzuschauen.

Wenn die Politische Diskussion dazu führt, dass Investoren lieber in einer Anderen Stadt bauen. ( wo sie nicht mit Enteignung rechnen müssen), entstehen in Berlin keine neuen Wohnungen mehr.

Wer jetzt noch günstigen Wohnraum möchte, der sollte die Regulierungen für Bauprojekte etwas zurückschrauben. Durch die unzähligen Vorschriften und Regularien wird das Bauen immer Komplizierter und damit teurer.
Hab es selbst ausprobiert;)

1 „Gefällt mir“

Solche Regelungen gibt es längst. Zumindest auf kommunaler Ebene wird so ein Leerstand mit Geldbuße oder Geldstrafe sanktioniert. Ich weiß nicht, ob das flächendeckend gilt und auch nicht, wie sowas effektiv durchgesetzt werden soll. Für mich klingt das nach präventiver Gesetzgebung und man hofft einfach, dass die Eigentümer sich daran halten. AIRbnb sorgt ebenfalls für Leerstand meine ich.

Und was glaubst du sind die Gründe dafür, dass der Staat seiner Aufgabe bei Erhaltung oder Ausbau der Infrastruktur nicht nachkommt?