Das müsstest Du erklären. Da komme ich nicht mit.
Marx geht von einem grundsätzlichen Konfliktz zwischen Kapital und Arbeit aus, man könnte auch sagen, von einem Machtverhältnis zwischen den beiden Klassen. Damit ist aus seiner Sicht jeder Versuch einer Klasse, dieses Verhältnis zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen, Klassenkampf - also nicht nur die Forderung nach Umverteilung von oben nach unten, also das was Bürgerliche meist als „Klassenkampf“ bezeichnen, sondern auch die Umverteilung von unten nach oben, wie sie etwa im Zeichen des Neoliberalismus weitreichend und nachhaltig praktiziert wurde und wird - oft auch als „Klassenkampf von oben“ bezeichnet.
Klar. Nur muss man sich bewusst sein, dass es hier um die Rente geht, nicht um Mieten, Bahnprivatisierung oder den „Kapitalismus“ an sich und dass die Anlagerichtlinien - zumindest im Detail - nicht im Gesetz stehen werden und stehen sollten. Es wäre aber gut, sinnvolle Leitplanken einzuziehen. Aber bitte primär im Interesse der Rendite der versicherten, nicht um heimische Handwerker zu fördern oder ähnliche feelgood-Projekte.
Wenn Rentenfonds in Bahn, Mietwohnungen, Fossil Fuels und Pflege investieren, mit dem Ziel, für das investierte Geld möglichst hohe Wertzuwächse zu generieren, dann geht es um beides, denn die spekulierenden Rentenfonds verschärfen mit großer Wahrscheinlichkeit Krisen in anderen Bereichen.
Was bringt es dir, wenn die Renten stabilisiert werden, und Du gleichzeitig Öl in zahlreiche andere gesellschaftliche Feuer gießt?
Damit sollte man sich JETZT außeinandersetzen, und nicht erst wieder in 15-20 Jahren, wenn die Konsequenzen nicht mehr ignoriert werden können und das ganze System derart verwachsen ist, dass jede Änderung ein Mammutunterfangen ist.
Die besten vorliegenden Informationen belegen, dass spekulative Rentenfonds an den steigenden Kosten und sinkenden Standards in Wohnraum und Pflege beteiligt sind.
Macht unsere Kasse da mit, dann holst Du dir die Stabilisierung der Rente auf Kosten z.B. höherer Lebenshaltungs- und Pflegekosten. Linke Tasche, rechte Tasche.
Ich finde einen Anteil kapitalgedeckter Rente u.U. gut und richtig - aber die genaue Ausgestaltung ist wichtig.
Auf faktisch begründete Bedenken vornehmlich mit Finger in den Ohren und verbosen Varianten von „Lalala, alles Kommies!“ zu reagieren zeugt nicht von großem Ehrgeiz, eine gute Lösung zu finden, sondern vor allem eine einfache.
Gleicht das nicht einem modernen Kolonialismus durch die Hintertür?
Mich erinnert das sehr an die aktuelle Geas-Reform. Rassismus, geschlossene Grenzen, schlechte Arbeitsbedingungen und ausbeuterische Arbeitsverhältnisse sind schlimm, aber solange es mich nicht betrifft, sofern ich im Alltag von dem Leid nichts mitbekomme, stört es mich nicht.
Ne, es geht mir vor allem darum, überhaupt eine Lösung zu finden und nicht alles von Antikapitalisten zerreden zu lassen, denen man es eh nicht recht machen kann.
Dabei muss man m.E. Prioritäten setzen und meine Priorität wäre ganz klar, die Rente zu stabilisieren, nicht jede Ungerechtigkeit der Welt zu heilen.
Und absolut bin ich dann dafür, dass die Investments so nachhaltig wie möglich sind. Das mache ich privat auch so.
die das Geld wieder in Deutschland ausgeben und am Ende die Rentner von der Rendite. Das wäre also doppeltes profitieren.
Welche Rendite? Wenn ich dich richtig verstehe, wird hier keine Rendite erzielt - zumindest nicht für den Rentner. Meinst du die Rendite, die durch die Investition in den Wohnungsbau gesamtgesellschaftlich erzielt wird? Wenn ja, dann würde erst mal nicht bei den Rentnern ankommen. Bei deinem Modell würden wir als Arbeitnehmer ja nur mehr zahlen, ohne dass dies in irgendeiner Weise mittelbar unsere Rente erhöht. Es sei denn du würdest davon ausgehen, dass aufgrund der Investitionen in Zukunft die Steuereinnahmen steigen und jeder Rentner grundsätzlich einen Betrag X aus dem Haushalt erhält - oder?
Das aktuelle System kommt an seine Grenzen, da es zu viele Rentner gibt auf arbeitende Leute. Hätten wir genug arbeitende Leute, würde es das Problem nicht geben. Aktienrente löst dieses Problem nicht, da es jetzt Auftritt und nicht erst in 30 Jahren. Das heißt es ist mMn falsch, die Aktienrente als Lösung des aktuellen Problems darzustellen. (Wie es von einigen getan wird, nicht von dir)
Definitiv. Aber ganz ehrlich: Die Aktienrente ist ja nur eine Komponente von insgesamt 33 Vorschlägen. Die anderen befassen sich mehr mit den akuten Problemen. Die Aktienrente ist eher langfristig ausgelegt, aber deswegen nicht falsch. (Wenn man sich bewusst ist, dass sie die akuten Probleme nicht lösen kann, aber ehrlich gesagt habe ich aktuell in den Debatten hier und anderswo nicht den Eindruck bekommen, dass das jemand denkt.)
Es ist in der Tat egoistisch, wenn du anderen Menschen eine höhere Rente nicht gönnst (aka. die Kapitalrente ablehnst), weil du selbst kein Freund der Kapitalrente bist. Oder wie würdest du das nennen?
Das kann schon möglich sein - ich nehme für mich allerdings in Anspruch keine*n der so genannten „anderen“ in der genannten Weise attribuiert zu haben.
Diskussionen werden nach meinem Dafürhalten dadurch interessant, dass vielfältige Meinungen geäussert werden dürfen, ohne dabei persönlich zu werden. (Bei letzterem würde ich in Bezug auf Politerker*innen eine Ausnahme machen - *duck*)
Keine Dissens hier. Deswegen befürworte ich, wie bereits zuvor angedeutet, die Wiedervergesellschaftung der WBGs (und auch der Bundesbahn)
Gleicht das nicht einem modernen Kolonialismus durch die Hintertür?
Kannst du deine Gedanken dahinter erklären?
Dann habe ich dich vielleicht falsch verstanden. Worauf bezog sich denn deine Rede von „klassenkämpferisch anmutende[m] Furor in Bezug auf Eigentum und Vermietung“?
Zugegeben etwas polemisch formuliert, aber wenn ein deutscher Staatsfonds seine Rendite vor allem im Ausland erzielt, frage ich mich, wo diese Rendite eigentlich herkommt.
- Der Aktienmarkt selbst schafft kein neues Geld. Er verteilt Eigentumsrechte an Unternehmen. Die Rendite muss letztlich aus den Gewinnen der Unternehmen stammen.
- Unternehmensgewinne entstehen unter anderem durch Produktivitätssteigerungen, aber eben auch durch niedrige Löhne, schwache Arbeitsstandards, geringe Umweltauflagen oder Marktmacht gegenüber Kunden und Lieferanten.
- Wenn hohe Renditen vor allem in Ländern mit niedrigeren Sozial- und Umweltstandards erzielt werden, profitieren Anleger in reichen Ländern von Wertschöpfung, deren Kosten teilweise von der Bevölkerung vor Ort getragen werden.
[Edit: Für mich ist die Kapitalrente ein gutes Beispiel für eine Politik der hohen Schornsteine (Wikipedia)]
Das Argument ist also, dass jeder Mensch „egoistisch“ ist, der eine Politik ablehnt, weil er selbst sie für falsch hält. Das finde ich fast so interessant wie die These, dass „egoistisch“ ist, wer nicht nur das Wohl derjenigen im Sinn hat, die Erträge aus Kapitalanlagen beziehen.
Dass du auf meine Begründung nicht inhaltlich eingehst - geschenkt. Aber das mit dem „Gönnen“ ist einfach ein hanbüchener Vorwurf. Es steht ja jedem Menschen frei, sich Anteile an jedem beliebigen Unternehmen zu kaufen (ob nun direkt oder über einen Fond) - egal was dessen Geschäftsmodell ist und wie das politisch, ökonomisch, ökologisch, ethisch etc. zu bewerten ist, vorausgesetzt natürlich, dieser Mensch hat auch die entsprechenden Ressourcen dazu. Aber die Frage, ob genau das staatlich gefördert werden soll, ist eben eine immanent politische.
Zumal es ja nicht darum geht „die Reichen immer reicher“ zu machen. Im Gegenteil; über eine kapitalgedeckte Rente würden erstmals breite Schichten der Bevölkerung auch als Eigentümer an der Wirtschaft partizipieren.
Eine teilweise Aufhebung der Marx‘schen Kritik, dass der Arbeiter nur seine Arbeitskraft einbringen könne und nie als Eigentümer auch den „Mehrwert“ seiner Arbeit.
Man sollte eher fragen: ist die kapitalgedeckte Rente der Einstieg in den Kommunismus?
Das erinnert schon sehr an die Parolen zu Zeiten der „Volksaktien“ von Telekom und VW. Aber ich bin mir ganz sicher, diesmal wird es allen nur Glück und Segen bringen.
Okay, dabei stellt sich mir dann aber die Frage, welche Rolle BlackRock und andere Vermögensverwalter haben. Meines Wissens nach verwaltet BlackRock 25 mal so viel Vermögen, wie Deutschland jährlich im Haushalt zur Verfügung hat. Verzerrt das nicht den Wettbewerb?
Zudem dominiert BlackRock zum Teil ganze Branchen, wettet gegen Unternehmen, an denen sie selbst beteiligt sind und steigt neuerdings auch vermehrt in die öffentliche Infrastruktur ein, was m.E. Aufgabe öffentlicher Institutionen sein sollte:
Aber die Frage nach dem Einstieg in den Kommunismus haben sich auch schon andere gestellt:
Mitte Oktober 2021, als BlackRock seine Ergebnisse für das dritte Quartal bekanntgab, verkündete der Vermögensverwaltungsriese, dass sein verwaltetes Vermögen knapp unter 10 Billionen US-Dollar lag. Das ist eine gewaltige Summe, „die in etwa dem Gesamtvolumen der weltweiten Hedgefonds-, Private-Equity- und Risikokapitalbranche entspricht“, und bedeutet für ein Unternehmen, das erst 2009 erstmals die 1-Billionen-Dollar-Marke überschritten hatte, eine fast zehnfache Steigerung innerhalb von nur wenigen Jahren. Seit der Finanzkrise von 2008 haben wir bei BlackRock den Aufstieg einer unangefochtenen Supermacht unter den Anteilseignern miterlebt, doch das Unternehmen ist zwar außergewöhnlich, steht aber nicht allein da. Zusammen mit seinem engsten Konkurrenten Vanguard kontrollieren diese beiden Unternehmen ein Vermögen von fast 20 Billionen US-Dollar und halten einen gemeinsamen Marktanteil von mehr als 50 Prozent auf dem boomenden Markt für börsengehandelte Fonds (ETFs). Und sie sind nicht nur groß – sie sind „universell“ und halten bedeutende Beteiligungen an jedem Unternehmen, jeder Anlageklasse, jeder Branche und jeder Region der Weltwirtschaft. Es handelt sich um eine beispiellose Konstellation aus Konzentration und Verteilung, die eine heftige Debatte darüber ausgelöst hat, was diese neue Ära des gemeinsamen, universellen und zunehmend passiv zugewiesenen Eigentums bedeutet. Für manche birgt das neue System den Keim einer sozialistisch-utopischen Wirtschaftsvision; für andere ist es ein wettbewerbsfeindlicher Albtraum, der „schlimmer als der Marxismus“ ist.
Quelle:
Äpfel und Birnen? Was hat die Privatisierung von einzelnen Staatsbetrieben mit dem wissenschaftlich gestützten Investieren in den Gesamtmarkt zutun?
Das ist so, als würde man nach dem ersten Sturz nie wieder Fahrradfahren.
Ist dir klar, was der Unterschied zwischen einer Einzelaktie und einem diversifiziertem Portfolio ist?
Dass du auf meine Begründung nicht inhaltlich eingehst - geschenkt.
Auf welche? Dass da keine Aktien von Immobilienkonzern haben willst? Ist doch okay, was soll ich dazu sagen?
Es steht ja jedem Menschen frei, sich Anteile an jedem beliebigen Unternehmen zu kaufen (ob nun direkt oder über einen Fond) - egal was dessen Geschäftsmodell ist und wie das politisch, ökonomisch, ökologisch, ethisch etc. zu bewerten ist, vorausgesetzt natürlich, dieser Mensch hat auch die entsprechenden Ressourcen dazu. Aber die Frage, ob genau das staatlich gefördert werden soll, ist eben eine immanent politische.
Genau das ist ja das Problem in Deutschland. Die Deutschen investieren kaum in Aktien. Daher wäre eine staatliche Aktienrente auch so sinnvoll. Manche Menschen müssen eben zu ihrem Glück gezwungen werden.