Zum einen: ist davon auszugehen das mehr verweigern als zur Bundeswehr gehen würden?
Zum anderen: was wäre die Schlussfolgerung wenn wir die Bundeswehr nicht „Kriegstüchtig“ bekommen und auch keinen „Zwangsdienst“ wollen?
Oder zuende gedacht: wenn wir einem potentiellen Agressor sagen, die Menschen in Deutschland sind nicht bereit, dieses Land zu verteidigen, weil sie es für nicht lebenswert genug halten, was folgt dann daraus?
Das sind gute Fragen.Ich denke aber, dass wir uns viel mehr um die Alternativen zum Kriegsfall Gedanken machen müssen. Damit meine ich vor allem, ob wir endlich ernstzunehmende und wirkungsvolle Sanktionen erarbeiten und verhängen wollen. Und damit zusammenhängend ob und wie weit wir dafür Wohlstandseinbußen akzeptieren. Das könnte viel weniger schmerzhaft sein, als das Leben unserer Kinder zu riskieren.
Niemand hier ist gegen wirksame Sanktionen. Ich bin ja sogar gegen eine Wehrpflicht, wie schon so oft ausgeführt, weil ich auch denke, dass es bessere Modelle gibt. Aber gerade wenn wir gegen Russland (oder gar die USA, wenn sie in Grönland ernst machen…) mit Sanktionen arbeiten wollen müssen wir auch die Verteidigungsfähigkeit haben, den dadurch möglicherweise entstehenden Backleash auszuhalten. Denn wir wenn Russland voll sanktionieren und diese Verteidigungsfähigkeit nicht haben kann das auch ganz schnell in die Hose gehen, denn Kriegsdrohungen werden resultieren.
Daher: Why not both? Ja, ich bin auch für stärkere Sanktionen gegen Russland, aber ich bin ebenso dafür, dass wir verteidigungspolitisch endlich den Arsch hochbekommen und aus dem langen Schatten der USA hinaustreten und verteidigungspolitisch autark werden.
Die meisten dieser älteren haben bereits Wehrdienst oder Wehrersatzdienst geleistet. Also finde ich es völlig ok dass wir wieder zurück zur Norm gehen. Außerdem werden vermutlich ältere Reservisten zuerst an die Front gehen, sollte es zum schlimmsten kommen. Ich bitte darum die echten Fakten zu bewerten.
Außerdem gibt es eben nicht nur Rechte in einem Staat, sondern auch Pflichten.
Ich würde im Zweifel lieber selbst gehen, als meine Söhne oder Enkel schicken. Das mag nicht für alle gelten, vermutlich sind solche kaputte, alte Säcke wie ich auch nicht die richtigen um eine große Gegenoffensive zu starten, aber irgendwo im Schützenloch rumliegen und ggf. in die Richtung schießen, in die alle anderen schießen, oder halt die Kugel oder Granate fangen, die sonst jemanden oder etwas mit höherem Kampfwert getroffen hätten, dafür wirds schon noch reichen.
Ich glaube, auf der sachlichen Ebene gibt es an dieser Stelle weniger Anlass für eine “alt gegen jung”-Diskussion. Es sind gute 10 Jahrgänge die heute so um die 30 Jahre alt sind, die von der Aussetzung profitiert haben. Im Verhältnis zu unserer Demogaphie fast noch junge Wilde.
Was mir in dieser Wehrpflicht-Debatte auffällt: Es wird so getan, als ginge es um die Verteidigung von Freiheit oder „unserer Werte“. Tatsächlich geht es um die Selbsterhaltung des Staates. Staaten verteidigen keine abstrakten Ideale, sie verteidigen ihre Souveränität, und dafür sollen Bürger bluten.
Krieg ist nicht heroisch, sondern das Schlimmste, was einem Land passieren kann. Am Ende sind junge Menschen tot oder traumatisiert, Städte zerstört, Infrastruktur ruiniert, ganze Generationen geschädigt. Das ist kein Kollateralschaden, das ist der Kern des Krieges.
Wer Wehrpflicht fordert, sollte ehrlich sein: Er fordert nicht Zusammenhalt, sondern staatlich organisierten Zwang, mit dem Risiko des Todes. Dass das dann moralisch mit „Freiheit“ aufgeladen wird, ist bequem, vor allem für diejenigen, die selbst nicht im Schützengraben liegen werden.
Skepsis gegenüber Wehrpflicht ist kein Egoismus und keine Illoyalität. Sie ist die nüchterne Erkenntnis, dass der Staat im Ernstfall sich selbst rettet, und der Preis dafür von denen gezahlt wird, die am wenigsten Macht haben.
Und da dreht sich die Diskussion wieder von vorne…
Staaten - zumindest Demokratien - sind auch die Verkörperung der Werte ihrer Bevölkerungen.
Exakt, und genau deshalb wollen wir wehrhaft sein, damit uns niemand diesen Krieg aufzwingt. Du machst - wie etliche vor dir (bitte lies dir doch ein paar der bisherigen Threads durch…) - den gleichen Fehler: Du gehst davon aus, dass eine Wehrpflicht oder generell eine höhere Verteidigungsfähigkeit einen Krieg wahrscheinlicher macht. Das Gegenteil ist aber der Fall. Die Ukrainer kämpfen gerade nicht um ihr leben, weil sie wehrhaft sind, sondern weil Putin dachte, er könne der Ukraine seinen Krieg aufzwingen und das Land in wenigen Tagen erobern.
Again, das ist absolut falsch. Die Wehrpflicht erhöht kein Risiko des Todes für irgendwen. Diese Argumentation ist logisch einfach nur invalide.
Ich bin wie gesagt selbst gegen eine Wehrpflicht, aber deine Begründung ist einfach Murks. „Der Staat“ in dieser Form existiert nicht. Andere argumentieren wenigstens mit konkreten Gruppen, die davon profitieren (Immobilienbesitzer, „die Gewinner des Systems“, whatever…), aber die plumpe Argumentation mit „der Staat“, als sei „der Staat“ ein denkendes, fühlendes Wesen ist Unsinn. Der Staat sind wir - und ja, einige Gruppen haben leider mehr Einfluss auf die Lenkung dieses Staates als andere, aber das ändert nichts daran, dass der Staat in diesem Sinne „das Volk“ einschließt, und damit jeden Bürger (und sogar jene, die keine Bürger sind, aber ihre Lebensgrundlage auf dem Staatsgebiet haben, z.B. EU-Ausländer oder geduldete Zuwanderer).
Dieses plumpe „Der Staat ist böse, für den kämpfe ich nicht“ ist in meinen Augen nichts anderes als der klägliche Versuch, eine Rechtfertigung dafür zu finden, zwar alle Vorteile des Staates zu Friedenszeiten mitzunehmen, aber dann abzuhauen, wenn es darum geht, diese Vorteile für nachfolgende Generationen (oder diejenigen, die nicht fliehen können oder wollen) zu erhalten.
Ich bin immer für Kritik an den Verhältnissen zu haben - ich bin selbst definitiv mit vielem unzufrieden, würde mir viel mehr Umverteilung (nicht nur von Geld, sondern auch Macht) wünschen. Aber wie an anderer Stelle schon so oft gesagt: Ich vergleiche Deutschland nicht mit Utopia, sondern mit den realen Alternativen. Und die wenigen Länder, die möglicherweise noch lebenswerter als Deutschland sind (z.B. Schweden, Finnland), sind deutlich wehrhafter als wir. Bei aller berechtigter Kritik an Deutschland ist und bleibt Deutschland ein Land, das es sich gegen Diktatoren wie Putin zu verteidigen lohnt. Wer nur auf die Schwächen zeigt und damit rechtfertigen will, das Land nicht zu verteidigen, kann das gerne tun - aber ich sehe das ganz klar als „Rechtfertigung des eigenen Egoismus“, wie gesagt nach dem Motto „Die absolute Utopie würde ich natürlich verteidigen - gut, dass ich weiß, dass diese nie existieren will, also werde ich nie einen Staat verteidigen müssen. Easy Peasy!“. Diese Einstellung macht es sich zu leicht - und diese Einstellung bei weiten Teilen der Bevölkerung ist es, die Diktatoren wie Putin irgendwann dazu bringen könnte, tatsächlich zu denken, uns erfolgreich angreifen zu können. Denn diese Einstellung offenbart die Schwäche der Demokratien: Dass ihre Bürger nicht bereit sind, sie freiwillig zu verteidigen - und Demokratie i.d.R. ihre Bürger nicht dazu zwingen wollen.