LDN407 - Frauen in Vollzeit bringen

Ausnahmen bestätigen die Regel.

Es mag sein, dass der wirtschaftliche Nutzen davon immer mehr Frauen in Vollzeitbeschäftigung zu bringen, groß wäre.

Geht es nur noch um wirtschaftlichen Nutzen im Leben? Die Lebensqualität bleibt doch auf der Strecke.
Moderne Modelle sollten doch irgendwie dafür sorgen, dass die Lebensqualität aller Beteiligten in einer Familie gesteigert wird. Sowohl für den Vater als auch für die Mutter sollte sich doch Zeit mit den Kindern ergeben. Zeit für einander und auch mal nur Zeit für sich alleine.
Wenn der Job „Mutter“ zu sein Bedeutet, dass ich Vollzeit arbeiten muss, meine Kinder immer irgendwie unterbringen muss, alles drumherum zusätzlich organisieren muss (mental-load / Geburtstage, Einkaufen, Sport der Kinder, Hausaufgaben uvm.) und mich dann noch um den Haushalt kümmern muss, will ich den Job als „Mutter“ nicht. Gleiches gilt für einen Vollzeit arbeitenden Vater andersherum.
Da sind doch psychische Krankheiten und Überlastung vorprogrammiert. Wenn in diesem Bereich immer mehr Druck aufgebaut wird, was man noch alles erledigen muss, dann wird man diesem Druck irgendwann nicht mehr standhalten können. Wie soll es dann noch erstrebenswert sein, überhaupt eine Familie zu gründen? Wofür, was sollte der Anreiz sein, dies zu tun? Um in einem Hamsterrad zu funktionieren, aus dem man nicht entkommen kann.

Zum einen lohnt es sich für einige Frauen nicht mehr zu arbeiten als im Minijob. Denn sobald sie dies tun, sind die Kosten für die Kinderbetreuung folglich höher. In unserer Kommune sind die Beiträge für die Kindertagesstätte unfassbar hoch, hinzu kommt das Geld für das Mittagessen usw. Hier fehlt auf jeden Fall der Anreiz, dass sich die Mehrarbeit auch lohnt. Ich rede nicht von Vollzeitarbeit, sondern von mehr Arbeit als „nur“ Minijob.

Was zwei Elternteile in Vollzeitbeschäftigung bedeuten, sollte vielleicht mal genauer betrachtet werden. Soll sich denn jeder Haushalt noch eine Haushaltshilfe leisten, damit diese Arbeit (s.o. Inkl. Mental load) dann auch noch erledigt wird ?
Gerade die Care-Arbeit im Rahmen einer Familie hat doch einen so hohen Wert und macht eine Familie erst aus.

Das eine Frau (oder Mann) mit Kindern nicht gänzlich zu Hause bleibt, finde ich ja grundsätzlich richtig. Denn um die Sozialsysteme am laufen zu halten, sind nun mal Beiträge von jedem nötig und nur fair. Mich stört lediglich der Gedanke oder die Forderung nach Vollzeitarbeit durch beide Elternteile. Wie? Wie wäre es, wenn beide Elternteile weniger arbeiten würden? Zudem würde man auch eine große Last von den Schultern des Hauptverdieners nehmen.

Die Forderung nach Vollzeitarbeit für beide Elternteile ist aus meiner Sicht nicht umsetzbar ohne sehr hohe Opportunitätskosten.

In eigener Sache:
Vielleicht wäre es auch mal ganz sinnvoll, ein paar Hürden für selbstständige Frauen zu entfernen bzgl. Kinder in die Welt zu setzen. Hier gibt es diverse Petitionen, die bisher keine Ergebnisse geliefert haben. Bekommt eine selbstständige Frau ein Kind, geht sie quasi in die Pleite. Die Unterstützung in diesem Bereich ist wirklich sehr mangelhaft. Ich weiß, dass die Anzahl selbstständiger Frauen sehr gering ist.
Aber in einem Land, indem man sein Geschlecht frei werden darf, seine Heizung nicht und in dem ständig über Randgruppen und Diskriminierung diskutiert wird, sollte doch auch diese kleine Gruppe einen Platz bekommen und angehört werden.

3 „Gefällt mir“

Das kommt noch hinzu. Ich kenne sehr viele junge Menschen, ohne Kinder, die, für Singles, ein sehr gutes Gehalt haben und sich daher leisten können ihre Stunden zu reduzieren.

Es geht auch um die Finanzierung unserer Sozialsysteme.

Wenn die Gesellschaft das nicht mehr will, wird man sich gezwungenermaßen mit der Frage beschäftigen müssen welche Leistungen reduziert werden, oder ob Arbeit noch viel stärker belastet wird.

Eine Vermögens- und nennenswerte Erbschaftsteuer, sofern sie jemals kommen, wird hoffentlich nicht in Konsum, sonder Investitionen gelenkt.

Oder wie die wirtschaftlichen Vorteile der Automatisierung und Rationalisierung sinnvoll umgelenkt werden können. Vor 20 Jahren war die größte Sorge noch, dass „uns die Arbeit ausgeht“… ein großer Teil des Arbeitskräftemangels kann auch schlicht durch technologische Lösungen ersetzt werden. Ernsthaft, ich brauche keine Kellner, Essen per elekronischem Gerät bestellen und nach Meldung am Tresen abholen (wie in Fast Food Restaurants schon teilweise üblich) ist für mich kein Weltuntergang. Lokführer-Mangel? Größtenteils rationalisierbar, wenn man die Erwartungen etwas senken würde, statt „absolute Perfektion“ zur Voraussetzung zu machen… Supermärkte automatisieren jetzt schon zusehens die Kassiervorgänge. Und das gilt für so viele Bereiche, selbst teilweise für die Pflege.

Ich sage nicht, dass das zwangsläufig die Lösung für alles sein muss, aber dieses Gerede von „Entweder alle arbeiten 40 Stunden die Woche oder die Sozialsysteme sind nicht finanzierbar“ halte ich schlicht für zu kurz gegriffen. Es gibt noch wesentlich mehr Lösungen als dieses Entweder-Oder, sei es Automatisierung/Rationalisierung mit Vergesellschaftung der Profite oder eben die Aquise wesentlich mehr neuer Arbeitskraftpotenziale (Frauen, Zuwanderer, Langzeitarbeitslose, Menschen mit Behinderung). Alle drei Lösungsansätze (Sozialkosten reduzieren, Automatisierung, Aquise) haben ihre Tücken. In der Realität werden alle Faktoren zur Lösung beitragen, ich hoffe nur, dass wir nicht weltweit weiter in die Thatcher/Mileil/Trump-Richtung rutschen und Kahlschlag an den Sozialsystemen praktizieren - das hat in den 80ern zu einer Katastrophe geführt und wird auch heute wieder langfristig in die Katastrophe führen. Dummerweise bemerken die Menschen erst 20 Jahre später, dass Kahlschlag an den Sozialsystemen auch ihren Lebensstandard deutlich senkt (allgegenwärtige Armut = mehr Kriminalität usw.).

1 „Gefällt mir“

Ich glaube man sollte nicht so sehr den Fokus auf Vollzeit haben sondern auf Erhöhung der Arbeitszeit im Durchschnitt.

Und es ist eben so, dass es aktuell eher eine Abwärtsspirale gibt. Personalmangel führt zu schwierigen Schichtplänen und hoher Belastung und viel kurzfristigen Änderungen und das sorgt dafür, dass Eltern um mehr Luft zu haben die Arbeitszeit weiter erhöhen, was wiederum die Situation weiter verschärft und dafür sorgt, dass die Arbeitszeit weiter reduziert wird usw.

Ich glaube hier braucht es schon Lösungen diese Spirale wieder umzukehren.

Edit:
Und dann bleibt es ja nicht bei der verschlechterten Arbeit, sondern das gleiche hat man auch noch bei der Betreuung. Immer mehr Tage wo die Zeit eingeschränkt wird oder gar keine Betreuung stattfindet.

Und die zahlen trotzdem nicht mehr für die Rente als Familien. Klarer Systemwechsel .

2 „Gefällt mir“

Bemerkung vorweg: Seht ihr, wie die Überschrift lautet und wie wenig Frauen hier gleichzeitig mitdiskutieren?

Ich bin sehr dafür, für gute, möglichst kostengünstige Kinderbetreuung zu sorgen. Zum einen natürlich aus bildungspolitischen Gründen (Kinder sind unser höchstes Gut), zum anderen aber auch, um Frauen (oder dem Kinder betreuenden Elternteil) die Möglichkeit zu geben, sich auch selbst beruflich weiterzuentwickeln und eine gewisse Sicherheit zu erarbeiten (Viele Frauen stehen bei einer Scheidung vor einer großen finanziellen Katastrophe), und Alleinerziehenden überhaupt zu ermöglichen, berufstätig zu sein.
So möchte ich die Vorschläge verstanden wissen: als Potenzial.

Jeglichen Druck (durch Bürgergeldkürzungen, Streichung von Unterhaltsvorschüssen, gesellschaftliche Erwartungen…) lehne ich entschieden ab, weil ich weiß, wie aufzehrend die Care-Arbeit sein kann, wie sehr sich viele Eltern zerreißen müssen zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit - immer mit dem Gefühl, keinen Anspruch richtig zu erfüllen.

Um darauf zurückzukommen: Warum diskutieren hier im Forum so wenige Frauen mit? Ich denke, sie sind nicht weniger politisch interessiert. Könnte einer der Gründe vielleicht sein, dass sie keine Zeit haben? Ich bin nur deshalb hier so aktiv, da meine Kinder schon erwachsen sind und bisher keine Enkelkinder in Sicht + meinw Mutter noch nicht pflegebedürftig…

4 „Gefällt mir“

Dann sollte man Care Arbeit endlich monetär staatlich bewerten und die Betreuungszeiten mit Sozialversicherungsbeiträge speisen. Außerdem sind die unsolidarischen PKVler, Versorgungswerke und Pensionäre da die größere Gefahr.

2 „Gefällt mir“

Könnte sein aber ist auch nur Spekulation :thinking: wie ist denn bei der Lage die proportionale Verteilung bei den Hörern?

Außerdem in meinem Freundes/Bekanntenkreis, kann ich zumindest sagen, dass der Anteil an Frauen, die aktiv in Foren schreiben, komplett unabhängig von Kindern oder nicht… Null ist :person_shrugging: Zumindest soweit ich das mitbekomme.

4 „Gefällt mir“

Ja, nur ein Gedankenspiel.
Ist nur meine Reaktion darauf, dass hauptsächlich Männer über Frauen sprechen.
Ganz schlimmes Beispiel ist insofern, wie Merz gerade über die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen spricht. Er soll doch einfach still sein.

Dafür hätte ich tatsächlich gerne Belege. In meiner Bubble sind die Rollenverteilungen sehr paritätisch. Da haben die Frauen schlicht oft sehr wenig Interesse an politischen Diskussionen. Gibt Ausnahmen aber die halten sich in Grenzen. Da ist es definitiv kein Zeitproblem.

1 „Gefällt mir“

Wie gesagt: Das ist keine Tatsachenbehauptung. Nur ein Gedanke.
Deine Frau scheint aber auch nicht hier zu sein…
Keine Ahnung.
Vielleicht beurteile ich das falsch, weil ich älter bin.
Bleibt trotzdem mein schlechtes Bauchgefühl, dass Männer diese Diskussion führen. Junge Väter, die Arbeitszeit und Carearbeit mit ihrer Partnerin teilen, nehme ich hier mal ausdrücklich raus. Du hast die Einblicke, die für die Diskussion nötig sind, und bist auch betroffen. Das ist etwas anderes. Ich persönlich kenne nur Frauen, die durch den Auslandsaufenthalt erheblich in ihrer beruflichen Entwicklung eingeschränkt sind oder die bis zu 100 % arbeiten und sich trotzdem um die vollständige „Kinder-Logistik“ kümmern.

Insgesamt krankt der Diskurs oft daran, dass betroffene Menschen nicht oder wenig gehört werden (Bürgergeldempfänger, Geringverdiener, Alleinerziehende, Migranten…) Man redet über sie, aber nicht mit ihnen.

1 „Gefällt mir“

Das stimmt leider oft, allerdings sind viele auch null interessiert sich ernsthaft zu beteiligen. Dafür führe ich mit zu vielen Menschen zu oft fruchtlose Gespräche. Und meine Frau ist nicht hier weil sie an sowas eben kein Interesse hat. Und ich verstehe es auch, da Politik wirklich sehr oft sehr enttäuschend ist wenn es um normalverdienende Familien geht. Über die wird nämlich fast nie geredet.

2 „Gefällt mir“

Ich finde hier sprechen in diesem Thread Menschen über familiäre Situationen. Hier wurde sehr früh von Frauen auf Familien geschwenkt und ist auch Tenor gerade.

3 „Gefällt mir“

So wurde es aber nicht benannt und so lautet auch nicht die Überschrift.
Trotzdem: na klar
Lindner hat jedoch vor vielen Monaten auf Alleinerziehende abgestellt und um die geht es ja hier auch vor allem.
Alleinerziehende sind überwiegend Frauen.

1 „Gefällt mir“

Ja, ist sehr Männerlastig, aber doch durchaus pro Frauen formuliert, da offenbar viele Männer hier auch Ehemänner sind, die da zumindest einen gewissen Einblick haben sollten.

Und aus eigenem Erleben: nicht jede Frau will Karriere machen, trotz Förderung und Unterstützung durch den Mann. Gibt es tatsächlich :wink:

5 „Gefällt mir“

Ja klar. Deshalb Möglichkeit, aber kein Erwartungsdruck.
Allerdings wäre ich sehr dafür, Frauen verstärkt auf die Abhängigkeit aufmerksam zu machen, in die sie sich so begeben.

1 „Gefällt mir“

Kindererziehung ist auch eine Karriere und hat meiner Meinung nach oft mehr Wert als für irgendwen Gewinne zu erwirtschaften. Würde es bei uns finanziell gehen würde ich Arbeit noch mehr den Kindern unterordnen. Die Arbeit kümmert sich nämlich nicht um dich wenn es dir schlecht geht.

4 „Gefällt mir“

2 Merksätze im Wirtschaftsunterricht Klasse 10: Eine Ehe ist keine Altersvorsorge. Kinder nur mit Ehevertrag. Wie viele das dann umsetzen🤷‍♂️

1 „Gefällt mir“