Ich oute mich jetzt mal als Bewohner eines sehr ländlichen Gebiets in Ostsachsen. Zu meiner Scham und Schande sind hier die Ergebnisse der AFD in der Europa- wie auch in der Kommunalwahl bekanntlich besonders erschreckend hoch. Politische Gespräche zu führen ist hier verdammt schwer und auch wenn ich es immer wieder versuche - man bekommt die Meinung der Leute nicht in eine vernünftigere Richtung gelenkt. Es ist ein Kampf gegen eine Wand aus verfestigten Meinungen und simplen Unwissen sowie falscher Interpretation.
Wenn ich mich hier umhöre steht eben das Ausländerthema an erster Stelle - obwohl wir hier so gut wie nie Flüchtlinge zu Gesicht bekommen muss man dazu sagen! Medien spielen allerdings eine große Rolle und ganz aktuell war das Thema vor einigen Wochen bezüglich der gestiegenen Kriminalität (Kriminalitätsstatistik). Hier sahen sich viele in ihren Vorbehalten bestätigt.
Was ich dann in diesem Zusammenhang immer wieder höre und was viele aufregt ist der Punkt, dass je nach konsumierten Medium die Zahlen entweder relativiert oder aber als extrem dargestellt werden. Schon allein diese unterschiedliche Berichterstattung reicht einigen, hier eine Art „Verschleierung“ zu erkennen bzw. eben das klassische „Wir werden alle verarscht“ Schema, was man hier sehr oft hört.
In der aktuellen Folge der Lage (386) heißt es ja gerade auch wieder, die Kriminalität hätte gar nicht zugenommen. Wenn ich das hier jemanden erkläre, dann wird Google angeworfen, die Suchbegriffe „Kriminalität Deutschland 2023“ eingetippt und mir der erste Treffer präsentiert:
Insgesamt wurden laut Bericht 2023 über 5,94 Millionen Straftaten durch die Polizei erfasst. Im Vergleich zum Jahr 2022 ist die Zahl um 5,5 Prozent gestiegen. Auch die Gewaltkriminalität hat zugenommen – im Vergleich zum Vorjahr ist sie um 8,6 Prozent gestiegen.
Wie soll ich den Leuten jetzt diese Widersprüche erklären? Objektiv gesehen ist es so, dass die gestiegenen Zahlen damit zusammenhängen, dass einfach mehr Menschen nach Deutschland gekommen sind. Man muss daher die Fälle in Relation zu den Einwohnern sehen. Dann wird mir aber entgegnet, dass das ja genau der Aufreger wäre: WEIL eben neue Menschen ins Land kommen STEIGEN die Zahlen - der Umkehrschluss ist dann eben wieder, dass Einwanderung schlecht ist - denn ohne diese hätte es auch nicht mehr Gewaltverbrechen gegeben.
So in etwa laufen hier die Gespräche ab und man hat es so verdammt schwer, dagegen anzukommen mit einer sachlichen Diskussion.
Dann gibt es da meine Nachbarin, dessen Tochter nach Leipzig gezogen ist zum studieren. Nun berichtet diese wohl regelmäßig davon, dass sie in der Innenstadt von Jugendlichen augenscheinlich arabischer Herkunft „angemacht“ wird, welche sich in Gruppen an den belebten Plätzen aufhalten. Ich entgegne dann, dass es das in meiner Jugend auch von biodeutschen Jugendlichen in Gruppen immer schon gab. Auch das zählt dann wieder nicht als Argument, weil die Art und Weise wohl „nicht so aggressiv“ gewesen wäre wie es bei den beschriebenen Gruppierungen heute der Fall ist.
Hinzukommen diverse Telegramgruppen, Stammtische, „Übern-Zaun-Gespräche“, usw usw. Wenn dann noch so etwas wie in Mannheim passiert, sehen sich dann alle bestätigt.
Mich nervt es langsam extrem, sodass ich und meine Familie tatsächlich darüber nachdenken, von hier wegzuziehen. Es ist ermüdend und raubt so viel Energie. Ich weiß nicht, wie man die Menschen hier noch „zurückholen“ soll.