Ich habe mich über die Diskussion zu Wärmepumpen in der LdN 284 einigermassen geärgert, weil die kritische Frage „was bringt es für das Klima“ nicht korrekt dargestellt wurde. Dazu also:
Der deutsche Strommix hat aktuell einen CO2-Footprint von ca. 400g/kWh. Bei einer Jahresarbeitszahl von 3, was einer Luft-Wärmepumpe entspricht, bedeutet dies ca. 133g CO2 pro kWh Heizleistung. Andererseits erzeugt eine Heizung mit Erdgas auch nur ca. 185g CO2 pro kWh, bezogen auf den Brennwert. Damit ist die Wärmepumpe hinsichtlich des CO2-Austoßes ca 25% günstiger als die Heizung mit einem modernen Gas-Brennwertkessel. Bei einer Heizung mit Öl liegt der CO2-Ausstoss bei ca. 260g pro kWh. Hier erzielt die Wärmepumpe also eine Einsparung von 50% des CO2s. Die Wärmepumpe hat somit natürlich Vorteile. Aber die Darstellung in der LdN 284, dass man mit Wärmepumpen kaum noch CO2 erzeugen würde, stimmt einfach nicht. Nimmt man zB an, dass eine Wärmepumpe nur mit einer Arbeitszahl von 2 arbeiten würde (der Fall hoher Vorlauftemperaturen im schlecht sanierten Altbau), dann wäre sie hinsichtlich des CO2 sogar ungünstiger als eine moderne Gasheizung.
In der Kalkulation wirken sich zwei Faktoren noch zusätzlich negativ für Luftwärmepumpen aus. Erstens, braucht man um so mehr Heizleistung je kälter es ist. Dann ist die Vorlauftemperatur besonders hoch und die Umgebungsluft besonders kalt ist, was den Wirkungsgrad der Wärmepumpe verschlechtert. Gleichzeitig ist gerade dann aber of wenig CO2-neutraler Strom verfügbar, so dass die CO2-Verschmutzung des Stroms gerade dann besonders hoch ist, wenn besonders viel davon zum Heizen benötigt wird.
Zweitens wird der Strommix in Deutschland schlechter werden. Das liegt daran, dass große CO2-neutrale Stromlieferenten abgeschaltet werden, die Kernkraftwerke nämlich und dies durch den Ausbau erneuerbarer Energien zunächst nicht kompensiert wird. Und ganz aktuell müssen wir versuchen vom russischen Gas loszukommen. Die Lücke in der Energieversorgung können wir mittelfristig nur durch Kohlekraftwerke ausgleichen, also der CO2-schmutzigsten Alternative bei der Stromerzeugung.
Es wäre schön, wenn diese Aspekte (vielleicht in einer Ausgabe der Lage) mit genauen Zahlen aufgearbeitet werden könnten - und wenn dabei nicht auf einen Lobbyisten der Umweltverbände sondern einen kompetenten Ingenieur mit Schwerpunkt Thermodynamik zurückgegriffen würde.
Eis ist mir absolut klar, dass einige Foristen jetzt argumentieren werden, dass sie ja Ökostrom kaufen (wollen) und damit formell CO2-neutralen Strom. Hier muss man aber wiederum mit einem Argument hinein grätschen: Denn die Klimaneutralität des Ökostroms ist Augenwischerei. Alle mir bekannten Ökostromanbieter garantieren nur, dass sie insgesamt die an Endkunden gelieferte Strommenge von Anbietern regenerativen Stroms einkaufen. Das bedeutet aber, dass die Ökostromkunden in windstillen dunklen Zeiten genau den gleichen schmutzigen Strommix bekommen, wie konventionelle Kunden auch. Denn die Anbieter kaufen die regenerative Strommenge erst dann ein, wenn sie wirklich verfügbar ist. Das ist dann zu Zeiten wo viel Sonne oder Wind verfügbar sind. Aber damit wird der Ökostrom effektiv zu Zeiten produziert, wenn die Wärmepumpe diesen Strom gar nicht nutzen kann. Mit anderen Worten: Ein Ökostromvertrag bedeutet nicht, dass die Wärmepumpe mit CO2-neutralem Strom betrieben wird. Der Ökostrom ist an einem dunklen windstillen Tag genau so schmutzig wie herkömmlicher Strom. Das ist leider die Physik.
Wenn man das berücksichtigt, dann dürften Wärmepumpen in den kommenden Jahren eine eher enttäuschende Bilanz bezüglich der nationalen CO2-Minderung haben. In der Lage (wie vielen anderen Veröffentlichungen der Klimawendelobbyisten) wird all dies schön gerechnet. Für einen stärker positiven Effekt von Wärmepumpen bräuchten wir auch an den kalten, dunklen Tagen des Winterhalbjahres wesentlich mehr CO2-neutralen Strom. In ein paar Jahren wird sich die Bilanz hoffentlich entsprechend verschieben. Bis dahin muss man überlegen ob der hohe Kapitaleinsatz für Wärmepumpen wirklich sinnvoll ist, oder ob man nicht an anderer Stelle einen besseren Klimanutzen erzielen könnte.
Auch hier gäbe es für die „Lage“ journalistische Arbeit zu tun. Denn hinter den gängigen Ökostromverträgen steht in dem obigen Sinne eine Irreführung der Kunden, die in der Öffentlichkeit kaum hinterfragt wird. Dies ist auch ein Problem, das Juristen angeht: Denn wie müssten Ökostromverträge denn aussehen, damit sie wirklich Ökostrom garantieren? Dazu müssten die Verträge erzwingen, dass der verkaufte Ökostrom genau zum Zeitpunkt des Verbrauchs auch klimaneutral erzeugt wird, und nicht, dass er zu einer zu ganz anderer Zeit ins Netz gespeist werden darf. Dieser „echte“ Ökostrom müsste dann vermutlich wesentlich teurer sein.