Hallo zusammen.
Mich hat das Thema Pazifismus im letzten Jahr sehr beschäftigt und ich habe viele Recherchen dazu durchgeführt. Ich habe auch Überlebende von kriegerischen Handlungen selber befragt, ob Krieg so schlimm ist, dass jede Form der Besatzung besser wäre.
Das Ergebnis meiner Überlegungen ist die, dass die Frage sich auf diesem Niveau schlicht nicht beantworten lässt und das auch die Meinung von Überlebenden genauso variabel ist wie die generelle Diskussion.
Die Positionen des Professors finde ich allesamt nicht haltbar, allerdings kann ich seinem Vorschlag etwas abgewinnen, eine Alternative zum Wehrdienst zu schaffen, die zivile Resilienz und Widerstand übt. Das hat auf jeden Fall den Vorteil, dass die Bevölkerung mehr mit einbezogen wird und dass man sich eine Handlungsoptionen mehr schafft.
Auch und gerade das Argument, dass der Fall der Sowjetunion ja ein Beispiel für erfolgreichen Pazifismus sei, negiert ja die vielen Millionen Toten, die es unter der Besatzung gegeben hat, bevor irgendwann die Sowjetunion kollabiert ist. Nichts auf der Welt hat ewig Bestand hat und dies gilt auch für menschenverachtende Diktaturen. Das kann kein Argument für Passivität sein und man nimmt folgenden Generationen die Entscheidungsmacht, selber über ihr Schicksal zu entscheiden.
Absolut berechtigt hingegen finde ich die Forderung, Strukturen präventiv zu verhindern, unter denen Menschen wissenschaftlich erwiesenermaßen zu Gewalt neigen. Und das erfordert tatsächlich ein Umdenken der politischen Macher und auch der Bevölkerung ganz grundsätzliche Art, indem wir viel stärker Armut bekämpfen, Demokratie fördern, Vorsorge treiben, dass Menschen mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, das Patriarchat abschaffen, die demokratischen Prozesse verändern, Bürgerräte strukturell einführen, Migration im Ursprungsland bekämpfen und das Klima konsequent und mit allen Mitteln schützen.
Solange wir diese Dinge nicht umsetzen, werden wir immer wieder zur Situation kommen, wo wir unmöglich eine gute Entscheidung treffen können und im Grunde genommen nur noch in einer schlechten Situation reagieren können.
Wer noch tiefere Ursache dafür betrachten will, warum Gewalt strukturell über Jahrtausende in unserer evolutionären Menschheitsgeschichte eingebaut ist, es aber Anzeichen dafür gibt, dass diese Situation nicht noch weitere 1000 Jahre bestehen wird, dem sei Ken Wilber‘s Abhandlung über Trump ans Herz gelegt.