Hallo zusammen,
vielen Dank euch beiden und Herrn Müller, dass ihr dem Thema Pazifismus mal etwas Raum zur Diskussion gebt. Ich habe dieses Thema in den vielen Debatten der letzten Jahre medienübergreifend vermisst. Es wurde immer wieder darüber gesprochen, wieso bzw. ob der Pazifismus gescheitert ist, oder darüber, dass viele Militärdienstverweigerer der letzten Jahre (viele, die sich damals selbst als Pazifisten bezeichnet hätten) heute Militärdienst leisten würden. Warum habe ich nie verstanden? Sind diese Leute damals einfach davon ausgegangen, dass es nie wieder zu einer militärischen Auseinandersetzung kommen könnte?
Ich verstehe die vielen Gegenargumente bzgl. einer sozialen Verteidigung und es ist mir auch absolut klar, dass so etwas sehr schwer umzusetzen oder auszuhalten wäre. Ich kann mir aber auch nicht wirklich vorstellen, dass Waffengewalt mit weiterer Waffengewalt zu bekämpfen wirklich zur Problemlösung führen würde. Es kann nie davon die Rede sein, dass eine soziale Verteidigung perfekt funktioniert. Das anzunehmen wäre in der Tat sehr naiv. Man muss aber immer gleichermaßen fragen, wie gut/perfekt, der alternative Weg – Krieg mit Waffen – funktioniert, und beides gegenüberstellen.
Zum Punkt, dass soziale Verteidigung historisch meist nur funktioniert hat, wenn Einzelpersonen – hier Gorbatschow genannt – pazifistisch gehandelt haben: Ist das nicht genau der Punkt sozialer Verteidigung? Pazifismus appelliert immer an die Menschlichkeit. Es geht darum, die einzelne Person zu überzeugen, sich gegen Gewalt und für Menschlichkeit zu entscheiden. Sei es der Mann(die Frau) an der Spitze oder der Soldat selbst.
So wie ich das Konzept verstehe, geht es ja auch darum, erstmal so einem Fall – mit Waffengewalt in andere Länder einzufallen – präventiv entgegenzuwirken. Eine soziale Verteidigung sollte also nicht erst ab dem Moment diskutiert werden – der Russe steht im eigenen Land, was tut man jetzt – sondern all die Jahre zuvor. Natürlich muss man dann auch damit umgehen, was passiert, wenn jemand eingefallen ist. Aber auch da sollte man von dem Standpunkt aus diskutieren, dass es eine strukturierte, organisierte soziale „Verteidigungsarmee“ im Land gibt und dass sie sich nicht erst spontan bildet. Es bleibt natürlich klar auszuarbeiten, wie diese soziale „Verteidigungsarmee“ im Detail aussieht und wie sie vorgeht.
Insgesamt finde ich es aber sehr schade, dass wir als (internationale) Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten offensichtlich nicht wirklich weitergekommen sind und dass die einzige wirkliche Option, die wir haben, ist, Waffengewalt mit Waffengewalt entgegenzutreten. Deshalb freue ich mich, wenn das Thema in der Gesellschaft breit diskutiert und durchdacht wird. Nur so kann überhaupt ein Umdenken geschehen und auch nur so kann so ein Konzept wie eine soziale Verteidigung weiterentwickelt werden. Daher vielen Dank, dass ihr dem Thema Aufmerksamkeit schenkt.
Viele Grüße