LdN 486 Zuhören und Verstehen, statt Einordnen und verdammen

{ungeskriptet} macht das. So schön :grinning_face:

Die mit Abstand größte Gruppe innerhalb der AfD-Wählerschaft bilden die „Konservativen Hardliner“. Ihr Profil ist durch eine ausgeprägte Ablehnung von Zuwanderung und durch starke Anpassungsforderungen an Minderheiten geprägt.

Radikal-rechte Autoritäre äußern sich noch restriktiver zu Migration und Integration als die „Konservativen Hardliner“.

Beide Gruppen machen laut Studie 87,1 % aus.

Ethnisch-kulturelle Vielfalt wird also von neun Zehnteln der AfD-Wählenden massiv abgelehnt, wobei auch ähnliche Haltungen bei den so genannten „Moderaten Konservativen“ vertreten sind nur eben nicht ganz so krass.

„Moderate Konservative“ bilden die kleinste Gruppe. Im Vergleich zu den anderen AfD-Profilen weisen sie die geringste Neigung auf, Minderheiten auszugrenzen und Deutschland abzuschotten.

Wichtig ist allerdings der Vergleichsrahmen: Diese Gruppe ist moderater innerhalb der AfD-Wählerschaft, nicht im Vergleich zur bundesdeutschen Wählerschaft insgesamt.

(Quelle)

Wer abschotten und ausgrenzen will, ist m.E. klar fremdenfeindlich.

Wer zudem noch Menschen, die schon hier sind, nicht die gleiche unveräußerliche Menschenwürde (vgl. Art. 1 GG) zubilligt, ist außerdem noch verfassungsfeindlich.

Wer eine rechtsradikale Partei wie die AfD (vgl. GFF-Gutachten) wählt, nimmt - unabhängig von Einzelmaßnahmenbeurteilung - die Machtergreifung von Verfassungsfeinden in Kauf.

Das geht definitiv nur mit einem sehr hohen Level an Gewissen- und Empathielosigkeit.

Ich hab mir das tatsächlich mal von einem AfD-überzeugten Nachbarn erläutern lassen, mich ganz neugierig und unwissend gestellt, aber sehr konkret nachgebohrt.

Er kam sich mit seinen Erklärungen hinterher selbst albern vor.

Ob es was genützt hat, weiß ich aber nicht.

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Du meinst

Themenvorschlag: Björn Höcke bei „Unscripted“ – Bühne statt kritisches Interview?

Versuch macht kluch. :wink: Im Ernst denke ich, dass das einer der besten Wege ist; wenn Menschen für sich selbst ihr Handeln zu hinterfragen beginnen und auf eigene Antworten kommen.

Ich meine das Format insgesamt.

Joachim Gauck äußerst sich zufällig gerade zum Umgang mit der AfD, dem Zuhören und dem Verständnis haben. Für alle, die Markus Lanz für einen Energiewendeleugner halten sei angemerkt, es geht um den Gast, nicht um den Moderator. Der nimmt in dieser Folge seiner populären Show eher die Rolle Eines Bejamin Berndt ein.

Alle, die ‚gesprächstherapeutisch‘ auf AfD-Wählende einwirken wollen, sollen das doch einfach tun.

Dann kann man ja gucken, was dabei herauskommt.

Psychologische Forschung hat ergeben, dass Rechtswählende u.a. besonders misstrauisch, pessimistisch, verschwörungstheorieaffin, kognitiv rigide, sich eher bedroht wähnend und im Sinne der narzisstischen Rivalität („also andere abwerten, um sich selbst aufzuwerten“) selbstbezogen sind und obendrein eine geringe Offenheit für Erfahrungen (Big Five) haben.

Dies einbeziehend bin ich wiederum eher pessimistisch, dass man diese Klientel durch Gespräche erreichen kann.

Aber - warum nicht? „Versuch macht kluch.“

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Ich bin froher Hoffnung, dass viele Demokraten lieber ein Wagnis unterstützen, als eine Chance zu vertun. Und es wird sicher starrsinnige auch unter Demokraten geben, die nur ein Vorgehen allein als zweckmäßig erachten; die gab es schon immer. Es gibt aber auch solche, die Synergien zu erkennen, zu schätzen und zu nutzen wissen. There are many ways to skin a cat.

Wie gesagt, ich habe überhaupt nichts dagegen.

Wenn ich richtig zugehört habe, dann soll es im zweiten Teil schwerpunktmäßig um Psychotherapie gehen. Da erwarte ich jetzt keinen Deep Dive in den Maßnahmenkatalog.

Die Idee des Zuhörens ist ja zunächst mal, dem Gegenüber plausibel machen zu können, dass man seinen Punkt tatsächlich verstanden hat. Das ist relativ unabhängig davon, wie entschieden ich dann im Anschluss widerspreche oder in wie viel „Watte“ ich meinen Gesprächspartner packe.

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Wie so oft, nur die halbe Wahrheit, hier kommt die zweite Hälfte:

Diese Merkmale beschreiben nur Tendenzen. Nicht jeder, der diese Eigenschaften hat, wählt rechts, und nicht jeder Wähler einer solchen Partei zeigt alle diese Punkte. Die Wahlentscheidung ist immer ein Zusammenspiel von individuellen Dispositionen, sozialem Kontext und aktuellen Ereignissen.

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Da fehlt noch etwas, um das Bild abzurunden

  • 67,2% der Wähler
  • Besonderheit: Obwohl sie kulturell sehr restriktiv sind, zeigen sie deutlich schwächere autoritäre Führungspräferenzen und antisemitische Einstellungen als das radikalste Profil. Sie sind nicht einfach eine „abgeschwächte Version" der Radikalen, sondern haben ein eigenes Muster: stark migrationsfokussiert, aber weniger autoritär.
  • 19,9% der Wähler
  • Besonderheit: Sie haben die größte Distanz zu demokratischen Grundnormen.
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Was erwartest du denn? Dass es keine ‚100 zu null‘-Übereinstimmung gibt, ist in der empirischen Realität völlig normal.

Und natürlich gibt es auch Wählende aus anderen Teilen des politischen Spektrums, die mal bei einzelnen Eigenschaften hohe Werte haben, z.B. neigen auch einige Linksradikale zum Glauben an Verschwörungstheorien, während dieser auf der rechten Seite schon bei so genannten Konservativen anfängt usw. Aber von den genannten Charakteristika ist auch schon jedes einzelne geeignet, ein konstruktives Gespräch zu erschweren, wenn nicht gar unmöglich zu machen.

In der Studie ist von einer „gemeinsame[n] kultur- und
migrationspolitisch restriktive[n] Grundorientierung“ die Rede, die die drei ‚Typen‘ von AfD-Wählenden verbindet.

Wenn du dir in diesem Bereich die Werte der „Konservativen Hardliner“ und der „Radikal-rechten Autoritären“, die zusammengenommen ca. neun Zehntel der AfD-Wählenden ausmachen, anguckst, sind diese kaum voneinander unterscheidbar.

Dass es natürlich sonstige Unterschiede gibt, denn sonst wäre es ja unsinnig, überhaupt Subgruppen zu definieren, ist trivial.

Und, wie gesagt, selbst bei der Fremdenfeindlichkeit liegt die kleinste AfD-Wählenden-Subgruppe der „Moderaten Konservativen“ deutlich über dem Niveau der Bevölkerung, die nicht AfD wählt.

Statistisch ist es aber auch recht unwahrscheinlich, ausgerechnet auf eine:n Moderat-Konservative:n zu treffen, wenn man auf eine:n AfD-Wählende:n trifft.

Aber, wie gesagt, the proof is in the pudding. Macht einfach mal - und dann sehen wir ja, was dabei rauskommt.

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Erkenntnis: Wenn ein oder mehrere Bundesländer als Versuchsfelder geopfert werden müssen, dann ist es halt so. Was Wissen schafft ist Wissenschaft.

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Ich erwarte ein Mindestmaß an Ausgewogenheit, anstelle des Herauspickens von Schnipseln aus Internetfunden und Studien, die dann das gewünschte „Bild ergeben“.

Deine subjektive Einschätzung täuscht. Die Unterschiede der Gruppen sind bedeutsam. Sie unterscheiden sich in ihrer grundlegenden Haltung zur Demokratie und ihrem Ausmaß an Autoritarismus. Ein signifikanter Teil (über50 %) wählt die AfD aus Protest, ohne fest verankerte rechtsextreme oder strenge autoritäre Weltbilder zu haben. Auch ist dieses nach belieben Partei, Wähler und Sympathisanten gleichzusetzen irreführend.

Anderes triviale wurde erwähnt, wenn es nützt.

Quelle?

Die Frage ist doch, was man unter Protest versteht. Protest gegen Migrationspolitik?

Dann sind diese AfD-Wählenden trotzdem fremdenfeindlich.

Und „ohne […] strenge autoritäre Weltbilder“, wow, die sind also nur autoritär, aber nicht vollends , na, da kann man ja beruhigt sein.

Im Übrigen, die drei Typen aus der Studie mag es auch unter den Parteimitgliedern geben. Das macht die AfD aber noch lange nicht zu einer harmlosen Partei.

Alle unterstützen eine rechtsradikale Machtergreifung. Das gilt für Mitglieder und Wählende gleichermaßen.

Das ist bei diesem Thema tatsächlich das Problem. Wir haben es halt mit einem Forschungsfeld mit wenig belastbarer Evidenz zu tun. Das liegt zumindest zum Teil in der Natur der Sache. Zudem ist die Wissenschaft in ihren Erkenntnissen und Empfehlungen gespalten.

In diesem Zusammenhang hatte ich auch mit dem Interview ein Problem (das in ähnlicher Form immer mal wieder in Lage-Interviews Auftritt). Als Hörer mit wenig Hintergrundwissen zu dem Forschungsfeld kann ich nur schwer einschätzen ob hier jemand (wie z.B. in Gesprächen mit Klimawissenschaftlern) zu 90% einen wissenschaftlichen Konsens kommuniziert oder im wesentlichen seine persönliche Meinung innerhalb eines mehr oder weniger gespaltenen Forschungsfeldes bei dem ich selbst auf der Seite der Mehr- oder Minderheit stehe. Welche meiner Aussagen sind durch Evidenz gedeckt und welche ist das? Und welches sind meine persönlichen Einordnungen? Natürlich ist das hier kein Wissenschaftspodcast, aber in Ansätzen würde ich so ein Vorgehen auch bei einem Politik Podcast erwarten, wenn ich das Gespräch irgendwie einschätzen möchte jenseits meiner Sympathie für den Gesprächspartner.

Zurück zum Thema: wenn sich die Wissenschaft hier relativ einig ist, dass es Möglichkeiten gibt, AfD Wählende durch bestimmte Maßnahmen in das demokratische Spektrum zurück zu holen aber weitgehend uneinig, wie aufwendig und in welchem Ausmaß das möglich ist, dann kann daraus ja eigentlich nur eine sinnvolle Handlungsempfehlung erwachsen: nachdem man sich durch ein hoffentlich baldiges Parteiverbot (mindestens der gefährlichsten Landesverbände) etwas Luft zum Atmen verschafft hat, sollte der Bund ordentlich Geld in die Hand nehmen, um innerhalb der nächsten wenigen Jahren in zahlreichen Studien und Pilotversuchen zu erproben, welches die erfolgsversprechendsten, effizientesten Maßnahmen sind. Denn dass wir diese mittel- bis langfristig brauchen liegt doch auf der Hand.

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Tatsächlich sind es deutlich mehr.

2024: AfD-Ergebnisse bei Landtagswahlen: Überzeugung statt Protest | tagesschau.de

2026:

Die Civey-Umfrage ist jedenfalls inhaltlich unterdeterminiert und von den Items her problematisch.

„Bin mit der Bundesregierung unzufrieden“ heißt alles und nichts.

Eine seriöse Umfrage hätte jetzt nachgefragt:

'Was sind die Gründe für Ihre Unzufriedenheit mit der Bundesregierung?

Sind Sie mit deren Migrationspolitik unzufrieden?’ Etc. pp.

Bei der Dimension „Fremdenfeindlichkeit“ beispielsweise weisen insgesamt 94 Prozent aller AfD-Wähler manifest und latent fremdenfeindliche Einstellungen auf.

Das ist schon deutlich aussagekräftiger.

Zu Civey: