LdN 480 Tierarztkosten

Ich finde die Korrelation von Investoren zu Preisen ja ganz interessant. Das scheint ja maßgeblich zu sein und im Endeffekt hat weder das Tier, noch der Halter, noch der angestellte Tierarzt etwas davon, sondern im Wesentlichen der Investor. Und da sehe ich den Aufhänger, wo es nicht nur Tierhalter betrifft, weil diesen Wandel sehen wir ja nicht nur da: Das Marktversagen, wenn Investoren auf breiter Front aufmerksam werden und sich engagieren.

Und wo es uns dann noch doppelt betrifft, wenn noch viele Milliarden zu den Investoren getragen werden, weil wir unsere Rentenversicherung privat aufstocken müssen. Die mit Geld, die sich die private Altersvorsorge leisten können, helfen dem Markt zu kollabieren auf Kosten derer, die von diesem Markt abhängig sind. Ich finde, das mit der Investment-Rente sollten wir uns noch einmal gut überlegen, irgendwer muss die Renditen erwirtschaften und ich tippe mal, es werden wieder nicht die Besserverdienenden sein.

Von daher auch für mich als Aquarianer, der nicht oft eine Herz-OP seiner Neons bezahlen muss, ein interessanter Aspekt, wenn man das ins große Ganze einordnet.

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Grundsätzlich schätze ich es an der Lage der Nation, wenn ab und an auch nieschige Themen vertieft werden. Der Block zu den Tierarztkosten war für meinen Geschmack aber unnötig tief (Details zu den genauen Regelungen in den konkreten Verordnungen hätte man auch kürzer darstellen können) und gleiczeitig zu unreflektiert, was die moralphilosophische Einordnung angeht:

Ja, die Mainstream-Meinung in Deutschland ist, dass es legitim ist, Tiere zu domestizieren und für menschliche Zwecke (z.B. zur Bekämpfung von Einsamkeit) zu nutzen. Der Beitrag hätte aber von einer kritischen Reflektion dieser Meinung profitiert. Ist es nicht (gerade aus Perspektive des Tierwohls) vielleicht in Ordnung oder sogar wünschenswert, wenn das Halten von Haustieren ein Luxus ist, den sich immer weniger Leute leisten können? Wollen wir nicht am liebsten in einer Gesellschaft leben, in der Menschen sich weniger einsam fühlen, weil sie miteinander auf befriedigende Weise sozial interagieren, anstatt sich Lebewesen zu kaufen, die sie bei sich leben lassen in einer i.a.R. biologisch relativ perversen Umgebung (aka in Gefangenschaft)?

Dem zugrunde liegt schon eine sehr anthropozentrische Moral und das in der Folge vertretene Argument „günstige Tierarztkosten = besseres Tierwohl“ scheint mir zu kurz gedacht. Auch der Vergleich von Tierarztkosten und Artzkosten bei der Behandlung von Menschen ist nicht haltbar. Tiere sind in unserer Gesellschaft nun mal eine Ware, die Leute sich kaufen und besitzen und wenn sie das tun, um damit eigene psychische Bedürfnisse befriedigen, können sie das genauso tun wie andere, die sich einen Sportwagen kaufen oder ein Abo für einen KI-Conpanion abschließen, um psychische Bedürfnisse zu befriedigen. Es ist aber keine gesellschaftliche Aufgabe, Leute bei diesen aus psychologischer Sicht eher fragwürdigen Strategien strukturell zu unterstüzen. Zumindest nicht mehr, als es aus wirtschaftspolitischer Sicht auch bei Kartellfragen in anderen Branchen der Fall ist. Stattdessen sollten gesellschaftliche Bemühung eher darauf abzielen, Begegnungsorte und -gelegenheit zwischen Mensch untereinander zu schaffen.

Liebe Grüße (von einem Psychologen)

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Tiere sind in unserer Gesellschaft nun mal eine Ware, die Leute sich kaufen und besitzen und wenn sie das tun, um damit eigene psychische Bedürfnisse befriedigen, können sie das genauso tun wie andere, die sich einen Sportwagen kaufen oder ein Abo für einen KI-Conpanion abschließen, um psychische Bedürfnisse zu befriedigen.

Komisch rationale und ökonomische Sichtweise für einen Psychologen. Gesetzliche mögen Tiere als Waren gelten. Für die Menschen, die ein Haustier besitzen, sind sie es in der Regel aber eben nicht. Es sind (besonders bei Hunden, Katzen, Pferde etc. erfahrbar) sehr soziale und intelligente Lebewesen mit eigenem Charakter.

Mich als Hundebesitzer und Veganer beschäftigen die ethischen Aspekte der Tierhaltung sehr und bringen mich auch immer wieder zu den Fragen ob es vertretbar ist, Haustiere zu halten und ob es nur zur Befriedigung meiner egoistischen Bedürfnisse dient.

Vielleicht ist es aber gerade in der heutigen Zeit, in der die Verbundenheit zur Natur und ihren Lebewesen nicht mehr so eng ist und Fleisch nur noch gekauft werden muss, umso wichtiger, dass wir mit Tieren leben und sie erfahren.

Insofern sollte man das Halten von Haustiere auch nicht als Ersatzbefriedigung für fehlende soziale Kontakte und Kinder darstellen. Tiere haben meiner Meinung nach auch in Familien eine wichtige Rolle, gerade für die Entwicklung der Kinder.

Natürlich, je mehr wir ein Haustier als wertvolles Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen und Lebenswillen begreifen und je besser die medizinischen Möglichkeiten werden, umso schwieriger wird es zu entscheiden, was das Richtige für das Tier ist (und ob man es überhaupt halten sollte). Auch der Kontrast zur ungleichen und völlig inakzeptablen Behandlung von Nutztieren in industrieller Haltung wird dadurch verstärkt.

Aber nur weil das so ist, sollten wir Haustiere nicht einfach als Ware betrachten und die emotionale Bindung unterdrücken.

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Das ist übrigens ein häufiges Missverständnis.
Tiere sind im deutschen Rechtssystem keine Waren oder „Sachen“. Lesen wir uns doch mal § 90a BGB durch:

Tiere sind explizit keine Sachen. Und genau deshalb gibt es Strafgesetze, die z.B. eine sinnlose Tötung eines Wirbeltieres oder auch nur das Zufügen von Schmerzen verbieten (§ 17 Tierschutzgesetz), während es völlig erlaubt ist, Sachen im eigenen Eigentum zu zerstören oder zu beschädigen.

Dass § 90a BGB die Anwendung des Sachenrechts auf Tiere - so weit sinnvoll - zulässt, macht aber natürlich Sinn. Dahinter steckt nicht der Gedanke, Tiere zu Sachen herabzuwürdigen, sondern eben der Gedanke, dass Tiere regelmäßig - wie Sachen - Gegenstand rechtlicher Auseinandersetzungen werden (Beispiel: Kauf und Übereignung von Tieren, Herausgabeanspruch des Eigentümers bei z.B. entlaufenden Tieren usw.). Da Menschen Tiere rechtlich besitzen können (ob wir das gut finden kann man natürlich diskutieren!) braucht es diese gesetzlichen Regelungen - und wenn die Vorschriften des Sachenrechts nicht auf Tiere anwendbar wären, müsste man die exakt gleichen Vorschriften nochmal für Tiere ins Gesetz schreiben, was doch nun wirklich niemand wollen kann.

Daher ganz klar: Nein, Tiere sind rechtlich keine Sachen und auch keine bloßen „Waren“. Natürlich sind sie gewissermaßen „Waren“, weil sie handelbar sind, aber das trifft auf alles außer auf Menschen (und verbotene Gegenstände) zu.

Ich glaube, das will auch niemand.

Interessant finde ich an der Diskussion das Argument, dass der medizinische Fortschritt in der Tiermedizin dazu führt, dass die Behandlungen teurer werden, weil man heute dann eben standardmäßig - wie beim Menschen - die state-of-the-art-Behandlung wählt. Fraglich ist für mich da, inwiefern das verpflichtend sein sollte, daher ähnlich wie beim Menschen: Wie lange sollte man noch das künstliche Hüftgelenk bezahlen? Ab wann gibt’s statt der hyper-modernen Beinprotese nur noch das bessere Holzbein? Oder im Bereich Tiermedizin eben: Ist der Halter verpflichtet, die 2000 Euro teure, etwas sicherere Behandlungsmethode (z.B. Erfolgswahrscheinlichkeit 95%) zu nehmen, oder darf er auch die 500 Euro teure, altmodische, etwas unsicherere Behandlungsmethode (Erfolgswahrscheinlichkeit z.B. 85%) wählen?

Wenn Tierärzte nur noch die Behandlung auf dem technologischen Stand der Humanmedizin anbieten müssen wir uns eben damit abfinden, dass die Preise massiv steigen.

In einer idealen Welt würden natürlich alle Tierbesitzer ihre Tiere auf dem Stand der Humanmedizin behandeln lassen - gar keine Frage, dass das das gewünschte Ideal ist. In der Realität bedeutet ein zwangsweiser technologischer Stand der Humanmedizin angewandt auf Tiere jedoch, dass viele Tiere wegen hoher Behandlungskosten gar nicht behandelt werden oder im schlimmsten Fall ausgesetzt werden. Ich habe mir da noch keine abschließende Meinung gebildet, was ich bevorzugen würde. Wäre eine Krankenversicherungspflicht halbwegs durchsetztbar, wäre das jedenfalls der beste Weg.

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Einen Aspekt habe ich noch nicht verstanden. Es wurde gesagt immer mehr Privatpraxen schließen. Gleichzeitig wird gesagt die Einnahmen sind stark gestiegen. Das passt doch irgendwie nicht zusammen. Also müsste das nicht auch „der Markt regeln“?
Unter Haustierbesitzern spricht sich doch rum, die Ketten-Klinik ist teuer und jene Privatpraxis nicht. Wie kommt es das die günstigeren (sonst würden sie ja nicht zu wenig verdienen und müssten nicht schließen) Privaten schließen müssen und gleichzeitig die Ketten boomen?

Liebes Lage-Team,

obwohl ich selbst keine Haustiere besitze, fand ich euren Beitrag zu Tierarztkosten wirklich interessant und gelungen. Besonders spannend fand ich die kurze Passage zur Rolle großer Konzerne und Investoren (Ihr hattet unter anderem Nestlé und Mars erwähnt) sowie den Begriff der „versicherungsoptimierten Abrechnung“.

Gerade dieser Punkt ist bei mir hängengeblieben, weil er über das eigentliche Haustier-Thema hinausweist. Anhand der Tierarztkosten habt ihr ein sehr alltagsnahes, emotionales und anschauliches Beispiel für eine größere Entwicklung gefunden: Immer mehr Lebensbereiche, in denen Menschen kaum ausweichen können, werden für Kapitalmärkte interessant.

Die Diskussion bleibt oft bei den einzelnen Tierhaltern oder Tierärzten stehen. Dann geht es schnell um Punkte wie: Wer sich ein Tier nicht leisten kann, sollte keines haben. Oder: Tierärzt müssen endlich angemessen bezahlt werden. Beides sind nachvollziehbare Punkte. Aber wenn die Debatte dort endet, fehlt aus meiner Sicht die dritte Ebene: Wem gehören eigentlich die Strukturen im Hintergrund und nach welcher Logik werden sie organisiert?

Das Muster kennen wir aus anderen Bereichen längst: Zahnarztpraxen werden Teil investorengetragener Medizinischer Versorgungszentren (iMVZ), Augenarztpraxen werden zu Standortnetzen, Pflegeheime zu Immobilien- und Renditemodellen, Wohnungen zu Portfolios. Überall geht es um Bereiche, in denen Menschen nicht einfach ausweichen können. Niemand braucht „aus Spaß“ eine Wurzelbehandlung, eine Augen-OP, einen Pflegeplatz oder eine bezahlbare Wohnung. Und wer mit einem kranken Tier in der Notaufnahme steht, ist ebenfalls kein normaler Kunde mit voller Verhandlungsmacht. Genau das macht diese Bereiche für Investoren interessant.

Die Investorenfrage erklärt nicht jede einzelne Rechnung. Bei Tierarztkosten spielt die neue Gebührenordnung natürlich eine wichtige Rolle. Aber sie erklärt nicht die längerfristige Entwicklung, dass tiermedizinische Versorgung zunehmend Teil größerer Unternehmensstrukturen wird.

Das heißt nicht, dass jeder Investor automatisch schlechte Versorgung macht. Aber es verschiebt den Maßstab. Nicht mehr nur Versorgung, Berufsethos und lokale Verantwortung zählen, sondern auch Wachstum, Skalierung, Auslastung, Verkaufspreise und Rendite. Aus der Praxis um die Ecke wird ein Standort. Aus Versorgung wird ein Geschäftsmodell. Aus Patient, Bewohner, Mieter oder Tierhalter werden Kundengruppen mit Zahlungsbereitschaft.

An dieser Stelle fände ich auch die SuperReturn-Konferenz kommende Woche in Berlin einen spannenden journalistischen Aufhänger (Thema im Forum). Das ist nicht irgendein Branchentreffen, sondern einer der großen Treffpunkte der internationalen Private-Equity- und Private-Capital-Welt. Dort treffen Fonds, Investoren, Berater und Finanzdienstleister aufeinander, die Kapital in genau solche Bereiche lenken: Immobilien, Gesundheit, Pflege, Infrastruktur, Dienstleistungen.

Natürlich wird dort nicht beschlossen: „Wir erhöhen jetzt Tierarztpreise.“ So simpel ist es nicht. Aber dort versammelt sich das Ökosystem, das aus Alltagsbereichen investierbare Märkte macht. Aus Wohnungen werden Portfolios. Aus Pflegeheimen werden Plattformen. Aus Arzt- oder Tierarztpraxen werden Ketten. Aus Versorgung wird ein Asset.

Gerade deshalb wundert mich, dass diese Konferenz medial vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit bekommt. Sie betrifft die meisten Menschen nicht direkt sichtbar, aber sehr wohl indirekt: über Mieten, Pflegekosten, Gesundheitsversorgung, Tierarztkosten oder andere Dienstleistungen, bei denen man im Ernstfall eben nicht einfach „den Markt wechseln“ kann.

Ich fände es sehr spannend, wenn ihr dieses Thema noch einmal größer aufgreifen würdet: nicht als Spezialfolge über Private Equity im engeren Sinn, sondern als Folge darüber, wie Kapitalmärkte zunehmend in Bereiche unseres Alltags vordringen, die früher stärker lokal, berufsständisch, gemeinnützig oder öffentlich geprägt waren.

Die Frage wäre dann nicht nur: „Warum ist der Tierarzt so teuer geworden?“
Sondern auch: „Wer verdient eigentlich an Versorgung — und nach welcher Logik wird sie organisiert?“

Aus meiner Sicht liegt darin eine größere Lage-Geschichte: Die Tierarztkosten sind vielleicht nur das sichtbarste, emotionalste Beispiel. Dahinter steht aber die viel breitere Frage, wem zentrale Lebensbereiche gehören — und was passiert, wenn sie nach Rendite-, Wachstums- und Exit-Logiken organisiert werden.

Vielleicht würde Friedrich Merz dann auch verstehen, warum er keinen Zahnarzttermin bekommt.

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Sehr interessanter Beitrag. Eine Sache die sich für mich in den letzten Jahren rauskristallisiert hat, ist, dass Tierhalter ihre Tiere immer mehr als Individuen ansehen und bereit sind, mehr als den „Wert“ für ihre Tiere auszugeben.

Ein anderer Zusammenhang, der mMn ein wenig kurz kam, ist der Fakt, dass viele Tierärzt*innen ihre Energie und Ausbildung in der Nutztierhaltung verschwenden, einer Industrie die unnötig quasi unendliches Tierleid erzeugt. Wenn Menschen also weniger Fleisch, Milch und Eier essen würden, würden Tierärztinnen mehr Kapazitäten für Haustiere haben. Ich würde mir wünschen, dass ihr beim Thema Tierarztkosten zumindest grob das Thema Tierwohl in Deutschland umreißt, darum geht es ja im Endeffekt.

In der Praxis ist es noch so, dass die Behandlungsmethode meist von der Compliance des Tierhalters abhängt - also welche Behandlung möchte er und was kann und will er dafür bezahlen. Natürlich alles in enger Abstimmung mit den Tierärzten und viel Aufklärungsarbeit. Die meisten Tierärzte, die ich kenne, machen das Beste fürs Tier - und häufig noch mehr - möglich.

Dass Tierärzte eine Behandlung komplett ablehnen, weil sie finanziell nicht „freie Hand“ haben, wäre mir persönlich noch nicht untergekommen.

Da kommt man aber dann zu einem weiteren Punkt: ist es denn okay von uns Tierärzten zu verlangen, dass wir unter unseren eigenen Ansprüchen arbeiten?

Bei vielen Fragestellungen kann ich als Tierärztin „einfache“ Behandlungsmethoden vertreten. Ein klassisches Beispiel wäre z. B. bei Tumoren. Niemand kann einen Tierbesitzer dazu zwingen, eine teure Chemotherapie oder Strahlentherapie bei einem alten Tier durchführen zu lassen. Hier versuchen wir dem Tier ein möglichst langes, beschwerde- und schmerzfreies Leben zu verschaffen.

Aber wie sieht es z. B. bei OPs aus, bei denen eine gute Narkose inkl. Überwachung einen großen Teil der Rechnung ausmacht? Was, wenn der Tierbesitzer die Kosten für die gute Narkose nicht bezahlen kann? Sollte ich dann als Tierärztin trotzdem operieren, obwohl ich nicht mal einen Venenkatheter legen darf? Vor 30 Jahren war das ja Gang und Gäbe. Ich muss ehrlich sagen: ich kann es nicht. Denn wenn das Tier am Ende deswegen verstirbt, trage ich als Tierärztin die Verantwortung dafür und eine riesige emotionale Last davon.

Ich finde die Einstellung, dass Haustierhaltung ethisch kaum vertretbar sei, zu hart. Man muss es akzeptieren, dass jede Art (in diesem Fall der Mensch) andere Arten als zu ihren Zwecken nutzbar betrachtet. Deshalb kann ich auch einer Mücke keinen Vorwurf machen, wenn sie mich sticht - erschlagen tu ich sie trotzdem, wenn ich sie erwische.

Wir machen uns Tiere nutzbar zur Ernährung, als Zugtiere, als Quelle für alles mögliche (Medikamente, Leder, Horn, Federn, Wolle, Purpur, …) und das ist von einem großen Teil der Gesellschaft akzeptiert. Da ist die Haltung als Kamerad zur Befriedigung emotionaler Bedürfnisse noch sehr harmlos. Ethisch-moralisch sind wir inzwischen so weit fortgeschritten, dass Tiere nicht mehr als Sache gelten, mit der man machen kann, was man will, sondern dass die Haltung artgerecht erfolgen muss. Je weniger lebenswichtig, desto höher sind die Ansprüche, und dazu würde ich mindestens die Haltung von Reitpferden für die Freizeitgestaltung, aber auch von Katzen und Hunden als Lebensgefährten zählen.

Nach meiner Erfahrung ist die Haltung eines Hundes in einem Haushalt, in dem er als Rudelmitglied gilt, durchaus artgerecht, genauso wie die einer Katze, die man nach draußen läßt, wenn sie das will. Die sind nicht mehr gefangen als wir alle, oder unsere Kinder. Und Verantwortung haben sie keine. Man kann an diesen Tieren Gefühle wahrnehmen, die von Freude zu Angst reichen. Solange das so ist, kann man erwarten, dass ihre Besitzer dafür sorgen, dass sie sich wohl fühlen.

Es wäre nicht gut, wenn diejenigen, die moralische Bauchschmerzen bei der Nutzung von Tieren haben (wofür auch immer), dieses eigene Vorstellung anderen aufdrängen, die eine andere Einstellung dazu haben. Dann wäre es ein weiteres Thema, das zur Spaltung der Gesellschaft führt. Man kann ja für sich die Entscheidung treffen, Tierhaltung nicht mitzumachen, das sollte aber genügen, wenn man an einem Zusammenhalt der Gesellschaft interessiert ist.

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Das ist tatsächlich ein wichtiger Punkt. Natürlich darf kein Tierarzt gezwungen werden, Behandlungen durchzuführen, die er für zu riskant hält, vor allem, wenn es andere, teurere Behandlunhsmethoden mit niedrigeren Risiko gibt. Da sind wir uns einig, aber das Problem bleibt eben die Realität, dass das dann im schlimmsten Fall in der Nicht-Behandlung des Tieres endet und der Besitzer das Tier verenden lässt, weil er sich die teure Behandlung, die der Tierarzt machen möchte, nicht leisten kann (oder will).

Das soll kein Vorwurf an die Tierärzte sein - aber letztlich sind wird dann in der moralischen Diskussion, was besser ist: Dem Tier mit der „vor 30 Jahren üblichen“ Billig-Narkose eine vielleicht 60%tige Überlebenschance zu geben - oder auf die teure Narkose zu beharren, die eine 90%tige Überlebenschance hätte, aber bei Nichtbehandlung, weil der Besitzer es ablehnt, zum sicheren Tod des Tieres führt. Das ist letztlich ein Dilemma, es gibt daher keine wirklich zufriedenstellende Lösung für die Situation. Wir können den Tierarzt nicht zwingen, eine Behandlung durchzuführen, in deren Verlauf das Tier auf seinem OP-Tisch mit hoher Wahrscheinlichkeit sterben wird, wir können aber auch vom Tierbesitzer nicht verlangen, im Zweifel tausende Euro für eine Tierbehandlung zu zahlen. Oder doch? Wo ist dann die Grenze? Sowohl im Hinblick auf die Höhe (also darf’s auch fünfstellig werden?) als auch auf die Tierart (muss die 2000 Euro-Chemotherapie auch für den Goldhamster bezahlt werden? Oder gar für die Albino-Ratte?).

Das sind Fragen, die wir glaube ich gesellschaftlich ungern diskutieren. Ebenso, wie wir dem Menschenleben keinen konkreten Wert zuordnen wollen, haben wir natürlich auch Hemmungen, das bei spezifischen Tierarten zu tun (nach dem Motto: „Ratte bis 10 Euro, Hamster bis 100, Katze/Hund bis 1000 und Pferd bis 10.000 Euro, danach ist’s ein Totalschaden…“). Letztlich müssten diese Fragen aber auch beantwortet werden, auch, wenn wir z.B. eine Krankenversicherungspflicht für Haustiere einführen würden. Denn auch da müsste man eben festlegen, welche Behandlungen bei welchen Tieren mit welchen Krankheiten von der Versicherungsgemeinschaft übernommen werden müssen.

Egal, in einem ersten Schritt wäre ich für eine Versicherungspflicht für Hunde und Pferde, weil hier eine Versicherungspflicht sinnvoll überprüft werden kann. In einem zweiten Schritt vielleicht auch für Katzen, wobei es da mit der Überprüfung schon sehr, sehr schwer wird. Vor allem, wenn Tierärzte verpflichtet wären, fehlenden Versicherungsschutz zu melden, würde das wohl dazu führen, dass viele Katzen mit Kleinigkeiten nicht behandelt würden und verelenden.

Hat irgendwer eine Idee, wie man eine Krankenversicherungspflicht für Haustiere sinnvoll kontrollieren könnte?

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Moin, ich bin selbst angestellter Tierarzt , allerdings schon immer im Nutztiersektor. Der Haustiermarkt war mir schon seit jeher fremd, aber vielleicht kann ich etwas Perspektive beisteuern.

In Deutschland ist der tierärztliche Beruf als Freiberuf organisiert, der föderal organisiert und äußerst streng reguliert wird. So ist es zB auch in vielen Bundesländern Tierärzten nur sehr bedingt erlaubt Werbung zu betreiben, was auch die Preis-Werbung verbietet.

Das tiermedizinische Studium ist einer der längsten Studiengänge in Deutschland, was nur an 5 Universitäten gelehrt wird. Die Kurrikula sind dsbei breit gefächert, von der Chemie über Botanik bis zur Lebensmittelhygiene. Was dabei allerdings absolut stiefmütterlich behandelt wird sind Betriebswirtschaft oder Praxismanagement. Aus diesem Grund sind die meisten ausgebildeten Tiermediziner/-innen fachlich durchaus fundiert, zeichnen sich jedoch nicht unbedingt durch Kompetenz im Bereich Chef-sein aus. Mein erster Chef hat z.B. immer nötige Medikamente dann erst bestellt wenn das Lager leer war. :face_with_peeking_eye:

Unsere Berufs- und Standesvertretung findet durch die Landes- und BundestierärzteKAMMERN statt, in denen Approbierte Zwangsmitglied ist. Der Plural deutet hierbei auf einen bürokratischen Apparat hin, der unzählige Mehrfachstrukturen aufweist und gegenüber einer Berufsgruppendimension von ca. 42.000 zugehörigen in absolut keinem Verhältnis steht. Veränderung ist kaum abzusehen, denn die Tierärzteschaft zeichnet sich durch konservative Meinungsdominanz aus.

Kommen wir zum Jahrhundertwerk der GOT, denn die ist eine weitere deutsche Eigenheit. Nur wenige wissen dass diese Machwerk im Rahmen der „Blut und Boden Kampagne“ 1938 eingeführt wurde, um zu verhindern dass die Tierärzte die Landwirte ausnehmen. Demnach stellt die GOT immer Höchst- und Mindestsätze dar um der Tierärzteschaft einen Preiskorridor zu setzen.

Vorgespult in die 2000er Jahre, gepaart mit kaum vorhandenem kaufmännischem Wissen stellte in Inhabergeführten Praxen die GOT auch viele Tierärzte eine einfache kalkulatorische Grundlage dar. Wozu muss man sich überlegen was man kalkulatorisch verdienen muss, wenn man auch einfach in der Tabelle nachschlagen kann? Einfacher Satz genommen und zack war das Röntgenbild für 40€ gemacht und die Hündin für 160 € kastriert. - Was da verdiente man nix dran? Dann wurde auch mal „Corners gecuttet“, an der Hygiene gespart und vor allem Raubbau an der eigenen Arbeitszeit und der der Angestellten betrieben. Arbeitsschutz, Zeiterfassung, Not- und Bereitschaftsdienst, gesplitteter Tag Dank 3 Std Mittagspause, Freizeitausgleich - alles Fehlanzeige. Sowohl bei Inhabern wie Angestellten. Angestellte bekamen einen All in Vertrag, ca 2000-2400€ brutto und die Arbeit ist fertig wenn die Arbeit fertig ist. Häufig gab es noch nicht mal schriftliche Arbeitsverträge. Bis dann so um 2020 der Zoll die ersten Kliniken hochgenommen hat.

Parallel waren in Nachbarländern wie NL, DK, SE, UK oder FR schon lange die Preise deutlich mehr gestiegen. Es gab dort ja keinen Preisdeckel durch die GOT. Und nachdem die letzte Wirtschaftskrise und der Griechenland-Schock verdaut war, nahmen das Investmentfonds zum Anlass nach dem neuen sicheren Hafen für die Petrodollars zu suchen. Dort schlug vor allem die deutsche Tiermedizin in den Analysen auf- und zwar wichtig: Nur der Hobbytierbereich. Hier wartete eine Struktur von hohem Dienstleistungsstandard (z.B. Rafiologie heute ohne Wartezeit) bei kompletter Unterbewertung auf. Auf diesen Markt sind Private Equities seit 2015 aufgesprungen und heute haben sie kritische Masse und dominieren den Markt.

Gleichzeitig ist auch die Pharmaindustrie nicht ganz unschuldig. Der Veterinärpharma Markt wurde massiv konsolidiert, viele Unternehmen sind gemerged oder verkauft worden. Auch dort wird die Hobbytierbranche als Markt der Zukunft gesehen wo man sich die Margen sichern kann. Nächster Preistreiber.

So, ich hoffe ich hab nix vergessen, ein kleiner Einblick in unsere kleine Nische. Wie gesagt 42.000 Tierärzte/-innen gibt es ca.Deurschlandweit - keine große Zielgruppe und keine große Lobby.

Grüßle.

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Ich fand das Thema sehr interessant, gut aufbereitet, anschaulich und nachvollziehbar geschildert und in einer angemessenen Länge besprochen. Gerne mehr von diesen „Randthemen“ in dieser Länge.
Wir sind im Übrigen mit unserer Tierärztin (für unsere Katze) zufrieden und halten die in Rechnung gestellten Kosten auch für angemessen.

Moin, die Gründe dafür sind mannigfaltig.

  1. das Konzept inhabergeführte Dorfpraxis stirbt aus. Die Tiermedizin spezialisiert sich seit Jahren auf Tierarten und der Trend geht zur größeren Struktur, damit sich Lasten wie Bereitschaftsdienst und Arbeitszeiten auf mehr Schultern verteilen.

  2. Existierende Großpraxem und Kliniken sind immer noch Inhabergeführt. Dabei gibt es aber immer weniger Nachwuchs der Liquidität und Willen aufbringt sich einen solchen Apparat ans Bein zu binden.

Die Folge sind Investoren die für eine Generation von Inhabern eine valide Exit Strategie bieten.

Hier scheint es ein Misverständnis zu geben. Mein Beitrag hat auf der einen Seite einen IST-Zustand beschrieben (Tiere sind de facto in unserer Gesellschaft „besitzbar“ und haben damit eine zentrale Gemeinsamkeit mit einer Ware) und auf der anderen Seite ein Werturteil ausgedrdrückt (SOLL-Zustand): Tiere sollten nicht domestiziert, besessen und für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse genutzt werden. Dieses Werturteil scheint mir alles andere als „komisch rational und öknomisch“.

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Interessanter Beitrag! Mir kam aber die Kritik an den Tierhaltern zu kurz. Ich fürchte, es wurde einfach lang nicht drüber nachgedacht, was es heißt, ein Tier zu halten. Ich schließe mich da selbst mit ein, als Jugendliche hatte ich Hamster, später Farbratten, im Studium Katzen bis heute, zusätzlich haben wir jetzt noch 2 Meerschweinchen, die zwar unserer Tochter „gehören“, für die wir Erwachsenen aber natürlich die Verantwortung tragen. Erst im Laufe der Jahre hab ich angefangen mich mit Tierwohl und guten Haltungsbedingungen zu beschäftigen. Meine ersten Hamster waren noch in Mini-kleinen Käfigen untergebracht und haben 10 Mark im „Tierladen“ gekostet (gibts das heute noch?). Die Debatte darüber läuft zwar in Foren und auf social media ab- aber sollte darüber nicht größer diskutiert werden? Sollte man nicht das „Verticken“ von Tieren auf Kleinanzeigen verbieten und stattdessen nicht nur einen „Hundeführerschein“ sondern einen „Halterführerschein“ für alle Tiere verpflichtend machen? Und nur mit dem dann bei kontrollierten Stellen eine Weiter- oder Abgabe von Tieren erlauben? Tierheime stehen schon hoch in der Kritik, weil sie die Auflagen extrem anziehen, unter denen sie ein Tier abgeben- sie bleiben dann natürlich auch auf den Tieren sitzen.

Das sind alles nur Fragen, Antworten habe ich auch nicht.

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Ich fand den Beitrag sehr interessant, u.a. auch weil er viele gesellschaftliche Themen berührt (hätte ich erst gar nicht gedacht).
Jedoch war die Prämisse, die Tierhaltung an sich überhaupt nicht in Frage zu stellen bzw. wurden nur die Vorteile besprochen. Ich würde gerne noch ein paar Nachteile erwähnen:

  • Fleischfressende Haustiere verursachen eine nicht zu unterschätzende Menge an CO2
  • Unkontrollierte Katzen töten Millionen von Vögeln
  • Anscheinend bilden sich bei der Vermittlung von Hunden schon teilweise betrügerische Methoden
  • Qualzuchten
  • Kaum Regulation bei Anschaffung von Tieren, vgl. Corona-Peak
    Von daher hätte ich überhaupt kein Problem damit wenn es immer weniger Haustiere gäbe. Auf der anderen Seite fände ich es aber auch schlimm, wenn Haustiere ein Luxusgut werden würden, die sich nur noch Reiche leisten könnten, und die Ärmsten mal wieder auf etwas emotional bereicherndes verzichten müssten.
    Wie bei so vielem liegt die Lösung meiner Meinung nach im sozialen Ausgleich, und zugleich Aufklärung und Regulation.

Ein Punkt hat mir noch gefehlt: Bei den Gehältern ging es nur um die der Tierarzt:innen. Es wäre auch interessant gewesen zu erfahren, was das Pflegepersonal und die assistierenden Angestellten und Tierkliniken und Praxen verdienen.

Dem würde ich kaum widersprechen. Selbstverständlich darf und soll es Teil einer freiheitlichen Gesellschaft sein, dass Leute unterschiedliche Ansichten und Praktiken zur Haustierhaltung haben. Was mich aber stört ist die Anspruchshaltung, die viele Haustierhaltende zu haben scheinen und die sich die Lage der Nation für meinen Begriff auch zu eigen gemacht hat. Nach dem Motto „wenn das jetzt SO teuer wird, dann war mein jetziges Haustier mein letztes“ (und was dann nicht gesagt, aber insinuiert wurde: „…und DAS kann ja wohl auch niemand wollen, da muss doch bitte das gesellschaftliche Kollektiv irgendeine Lösung für finden“.

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Danke für diese doch sehr differenzierte und gute Darstellung! Ich bin selber Angestellter Tierarzt in einer großen Kleintierpraxis (Hunde und Katzen) wo z. T. Auxh Heimtiere (Kanninchen, Meerschweinchen, etc.) behandelt werden.

Was vielleicht auch noch ein interessanter Aspekt ist für Laien ist der Grundsatz der Personalkosten. So gibt es drei verschiedene Gehaltstabellen, an denen sich die Arbeitgeber orientieren können. Die des Bundes für Angestellte Tierärze (BAT), des Bundes für praktizierende Tierärzte (BPT) und der Vorschlag der Bundestierärztekammer (BTK).

Die BAT Tabelle stellt meiner Meinung nach die angemessenste aber auch zeitgleich höchste Vergütungsmöglichkeit dar. Die BPT die tatsächlich niedrigste und die BTK Tabelle sortiert sich etwa in der Mitte ein.

Ich habe Glück und meine Chefinnen zahlen nach BAT, da sie der Meinung sind das gute Arbeit auch entsprechend vergütet werden sollte. Demnach verdiene ich nach 4 Jahren Berufserfahrung knapp 29€ die Stunde. Insgesamt hat unsere Praxis mit 8 Tierärzten und etwa 20 TFAs (Tiermedizinischen Fachangestellt*innen) Personalkosten von rund 120.000€ im Monat. Damit sind aber die Diagnostikgeräte (oftmals finanziert), Unterhaltungskosten der Praxis (Miete, Strom, etc.) oder Kosten der Waren (Medis, Verbandsmaterialien u.ä.) noch nicht bezahlt. Das die TFAs damit weiterhin deutlich unterbezahlt sind, davon will ich gar nicht erst anfangen.

Hinzukommt, dass wir als Tierärzt*innen eine Fortbildungspflicht haben. Wir müssen also Fortbilsungen besuchen die i.d.R. Kostenpflichtig sind. Nur als Beispiel: meine Fortbildung zum Ultraschall hat ohne Unterbringung und Verpflegung, für 3 Tage, knapp 1.300€ gekostet.

Ich denke im Nutztierbereich wird es ähnlich sein.

Alles in allem ist der tierärztliche Beruf mit vielen Versteckten Kosten behaftet, die für den Halter nicht sofort ersichtlich sind.Daher halte ich die GOT so für sinnvoll wenn auch Verbesserungsbedürftig

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Da sind wir dann tief in der philosophischen Diskussion zu Tierrechten.

Sollten Tiere vom Menschen „besessen“ werden können? Sollten Tiere einen „Bürger-Status“ („citizen“) oder zumindest einen „Bewohner“-Status („denizen“) haben. Mit beidem gehen Rechte, aber auch Pflichten einher. Beides kann in der Praxis aber wieder nur stellvertretend von Menschen durchgesetzt werden.

Es ergeben sich letztlich ganz praktische Beispiele. Ein Fall aus dem Bekanntenkreis: Eine Nachbarskatze kommt durch die eigene Katzenklappe in’s eigene Haus, futtert das Essen der eigenen Katze, verträgt sich scheinbar auch mit der eigenen Katze und wird vom Bewohner des Hauses auch geduldet. Letztlich schläft sie auch dort und verlagert ihren Wohnsitz quasi dort hin und kehrt nicht mehr zu ihrem Besitzer zurück.

Sollte der ursprüngliche Besitzer sie zurückfordern können? Sollte er fordern können, dass der Nachbar Maßnahmen trifft, dass die Katze nicht in sein Haus kann (RFID-gesteuerte Katzenklappe?), sollte er verpflichtet sein, die zugelaufene Katze zu verscheuchen und am futtern zu hindern? Oder hat die Katze schlicht das Recht, sich einen neuen „Besitzer“ zu suchen?

Halte ich für ganz schwierige Fragen, wobei ich da der Katze grundsätzlich das Recht einräume, den Besitzer zu wählen. Aber was, wenn der Nachbar das Tier anlockt und gezielt anfüttert? Da wird’s dann schon echt schwierig.

Also tendenziell bin ich da bei dir, dass ich Tierhaltung in der absoluten Mehrzahl aller Fälle für nicht artgerecht halte, würde aber sagen, dass Tiere aber zumindest, wenn sie schon gehalten werden, auch ein Recht auf eine optimale medizinische Behandlung haben. Das nun der armen Rentnerin oder der geringverdienenden Familie mit ihren Katzen zu erklären dürfte aber schwierig sein, wenn die vierstellige Rechnung kommt…

Liebes Lage Team,

mit welchem Recht wird in Ihrer Reportage vorausgesetzt, dass Tierärztinnen ihren Beruf in Selbstaufgabe und vollkommen altruistisch ausüben, dass Gebührenordnungen nicht einem Inflationsausgleich unterliegen oder für Erschwernisse im Behandlungsprozess keine Zuschläge berechnet werden dürfen. Diese Frauen (etwa 4/5 der Veterinärmedizinerinnen sind Frauen) haben ein komplexes und langes Hochschulstudium absolviert und eine i.d.R. unbezahlte Promotion, häufig im Umfeld des Tierschutzes abgelegt. Ihnen das Recht auf eine auskömmliche Gebührenordnung abzusprechen ist anmaßend!

Zuschläge für nächtliche Notdienste oder Wochenendeinsätze sind in allen anderen davon betroffenen Berufsgruppen gängige Praxis und finden als angemessener Ausgleich für zusätzliche Belastungen eine breite Akzeptanz. Was bewegt Sie, eine gesamte Berufsgruppe, die in der großen Mehrheit mit sehr viel Empatie und hohem persönlichen Einsatz, positiv das soziale Gefüge in unserem Lande am Laufen hält, auf eine derart populistische Art zu desavouieren.

Die medizinische Behandlungsqualität hat sich, auch durch technischen Fortschritt, massiv verbessert aber eben auch verteuert, das gilt für die Veterinärmedizin ebenso wie für die Humanmedizin. Es gebietet der Anstandim Sinne des Tierwohls und der Wertschätzung gegenüber der Tierärztin, für die hohe Behandlungsqualität angemessen zu bezahlen und nicht zu erwarten, dass Tierärztinnen die Ausstattung ihrer Praxis zum Nulltarif zur Verfügung stellen

In den von mir aufgesuchten Praxen treffe ich auf sehr viel Empathie, Sachverstand und vor allem nehme ich einen ganzheitlichen Behandlungsansatz wahr, den man in den meisten humanmedizinischen Praxen vergeblich sucht. Maßlose Geldgier ist mir noch in keiner Tierarztpraxis begegnet! Durch derartige Polemik wird die Akzeptanz für Inhaberinnen geführte Praxen schwinden und es werden sich die dann alternativlosen Übernahmen durch Ketten beschleunigen.

Viele Grüße, Michael