Danke, dass ihr das Thema hier ausgebreitet habt. Mir selbst war das komplett neu (habe kein Haustier), es hat ja schon gesellschaftliche Relevanz.
Gerne auch immer mal wieder andere „Randthemen“ erörtern!
Danke, dass ihr das Thema hier ausgebreitet habt. Mir selbst war das komplett neu (habe kein Haustier), es hat ja schon gesellschaftliche Relevanz.
Gerne auch immer mal wieder andere „Randthemen“ erörtern!
Ich fand das Thema durchaus relevant, würde mich aber über einen weniger skandalisierenden Tonfall freuen. Es gibt verschiedene Bereiche zu bedenken: Haustiere, die wichtig für die Menschen sind und Nutztiere, die wirtschaftlich wichtig für den Unternehmer sind.
Bei den Haustieren könnte man sich auf den Standpunkt stellen, dass verzüchtete missbrauchte Tiere (z.B. Dressurpferde, oder Rassehunde und -katzen) das Problem der Halter und Züchter sind. Vom Tier aus gesehen kann man sie auch einfach sterben lassen, weil ihr Leben sowieso eine einzige Qual ist. Wenn ihre Halter den Tod noch unbedingt etwas hinauszögern wollen, dann können sie das machen, wenn sie es sich leisten können. Dafür muss kein schlecht bezahlter Tierarzt seine Freizeit opfern.
Nicht-verzüchtete Tiere haben auch nur eine begrenzte Lebenserwartung. Deren Sterben kann man als natürlichen Prozess akzeptieren, ohne dass man großartige Interventionen durch einen Tierarzt braucht.
Heikel ist es bei den Nutztieren. Hier gibt es wirtschaftliche Interessen, und gleichzeitig haben die Halter eigentlich eine Verpflichtung gegenüber den Tieren, sie wenigstens in der Lebenszeit, die man ihnen zugesteht, gut zu halten. Dafür muss auch genug tierärztliche Kapazität vorhanden sein.
Ob die Entwicklung hin zu großen Tierarztpraxisketten hier mehr hilft oder schadet, ist schwer zu beurteilen. Vielleicht reicht es, die Grenzen in der Honorarordnung etwas enger zu ziehen, vielleicht muss man das Kartellrecht bemühen, um monopolartige Strukturen zu verhindern.
Insgesamt fand ich es interessant, die Recherche anzuhören. Von mir aus hätte sie etwas kürzer sein können. Manches hat sich doch mehrmals wiederholt, oder wurde durch die nachfolgenden Erklärungen irrelevant. Ihr habt schon eine bemerkenswerte Fähigkeit, Euer eigenes Eindringen in eine neue Materie nachvollziehbar darzustellen, aber das zieht den Beitrag ganz schön in die Länge. Dass der Vertreter der Tierärzte mit seinen 25 Seiten Rechnung ein bisschen rumpolemisiert, habe ich gleich gedacht, bei Euch wurde das erst 5 min später festgestellt.
Jau
Aber dann sachlicher und objektiver.
Liebe Grüße
Rolf
Danke für dieses „Randthema“, auch mal interessant! Gerne öfter! Hatte von der geänderten GOT schon gehört, das Ausmaß war mir allerdings neu. Sehr frustrierend, dass die Humanmediziner immer noch mit der Gebührenordnung von 1996 !!! abrechnen müssen, dort liegt der normale Steigerungssatz bei 2,3 für ärztliche Leistungen, der Höchststeigerungssatz , der von vielen Kassen trotz Begründung oft beanstandet wird, bei 3,5. Haben die Veterinäre wohl eine bessere Vertretung.
Ich habe selber ein Hund und ein Pferd und kenne daher sehr viele Tierhalter und viele Tierärzte. Die Lage ist in der Tat differenzierter, als im Beitrag dargestellt. Ich würde es mal so zusammenfassen: wer sich auf die Suche macht und vorher fragt, was Behandlungen kosten kommt immer noch ganz gut durch. Man muss aber auch mal bereit sein den Tierarzt zu wechseln.
Ich habe nach langer Suche eine Praxis gefunden, die nimmt für eine Impfung (Hund) 60 Euro (nur Arbeit, Medikamente u. USt. kommt noch dazu). Das finde ich in Ordnung, auch wenn Humanmediziner von diesen Stundensätzen wohl nur träumen dürfen (Behandlungszeit ca. 3 Min.). Auch bei Pferden gibt es noch die Idealisten, die im Ein-Person Betrieb die Praxis wuppen und sich viel mehr Zeit nehmen, als am Ende abgerechnet wird.
Es gibt aber auch die andere Seite, insbesondere dort wo das Angebot knapp ist. Der eine Tierarzt nimmt für dieselbe Impfung 150 Euro (selbst ausprobiert), fährt ein sehr schönes Auto und baut gerade eine neue moderne Praxis. Andere Tierärzte setzen 14-15 jährige Hunde in Vollnarkose um nochmal Zahnstein oder Parodontose zu behandeln. Bei Pferden bequatschen Tierärzte die Besitzer regelmäßig dazu den Status „Zum Menschlichen Verzehr geeignet“ aus dem Pferdepass entfernen zu lassen. Viele machen das mittlerweile, da sie sich wahrscheinlich damit unwohl fühlen, das ihr Liebling ein Schlachttier ist.
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Viele Menschen hängen emotional an ihren Haustieren. Natürlich gibt es irgendwann einen Punkt, wo medizinische Versorgung keinen Sinn mehr macht. Aber dein Beitrag liest sich so, als würdest du Behandlungen auch dann ablehnen, wenn das Tier noch viele schöne+gesunde Jahre vor sich hätte.
Die Kollegen bequatschen nicht die Besitzer ohne Grund. Solange ein Pferd ein lebensmittellieferndes Tier ist, ist die medikamentelle Behandlung eingeschränkt. Immerhin sind die Pferde die einzigen Tiere im Arzneimittelrecht, bei denen eine solche Änderung überhaupt erlaubt ist. Einen direkten Vorteil hat aber kein Tierarzt davon, denn die Abrechnung ändert sich dadurch überhaupt nicht.
Grüße
Rolf (ehemaliger Pferdetierarzt).
Dass ich solche Behandlungen ablehnen würde, trifft nicht zu. Ein Dilemma ist es sicher, wenn ein junges Tier einen Unfall hatte, und eine teure Operation ihm noch viele gesunde Jahre bescheren kann. Dem gegenüber muss auch die Situation der Tierärzte berücksichtigt werden, von denen man nicht erwarten kann, aus reiner Tierliebe sich zu Tode zu arbeiten. Wer Angst vor diesem Dilemma hat und sich die Behandlung nicht leisten kann, muss dann konsequenterweise auf ein Tier verzichten. Sicher traurig für jemanden, dem ein Haustier ein guter Kamerad wäre. Ich persönlich hätte weniger Probleme damit, dem natürlichen Gang der Dinge seinen Lauf zu lassen, aber das ist sicher nicht jedermanns Sache. Ich sähe meine Verpflichtung gegenüber einem Tier vor allem darin, ihm ein ihm gemäßes Leben zu ermöglichen, und dass es, solange es lebt, ein gutes Leben hat. Mich in untragbare Unkosten zu stürzen, sähe ich nicht als Verpflichtung, genausowenig wie eine Selbstausbeutung eines Tierarztes seiner Tierliebe zuliebe.
Ich habe es schon erlebt, dass ein Tierheim, das im wohlhabendsten Landkreis Deutschlands liegt, dank guter finanzieller Ausstattung ältere Tiere mit Krebserkrankung zur mehrere tausend Euro teuren Strahlentherapie einlieferte. So etwas finde ich nicht gut. Das Geld könnte man sinnvoller einsetzen.
Ich vermute eher, es liegt daran, dass dem Besitzer dann der Weg zum Schlachter verbaut ist. Mir wurde das schon 2x grundlos (von zwei unterschiedlichen Praxen wohlgemerkt) angeboten, 1x bei einer Impfung und dann nochmal bei einer Wurmkur. „Sie wollen doch nicht, dass Ihr Pferd geschlachtet wird, oder?“
Und das ist zumindest für mich neu. Vor 10 Jahren war das überhaupt kein Thema (außer es war halt medizinisch wirklich notwendig).
Was ich wahrnehme: die Haltung zu Tieren hat sich geändert. Früher hatten Tiere einen Zweck. Noch heute würde in der Nutztierhaltung niemand mehr für die Behandlung zahlen, als das Tier wert ist. Bei Haustieren schließen hingegen überraschend viele Leute Krankenversicherungen ab. Darauf haben sich die Praxen natürlich auch eingestellt. Bei einem gut versicherten Tier kann man ja mittlerweile fast alles behandeln. Die GOT bildet das meiner Meinung nach ebenfalls ab. Spitzenmedizin mit CT und was weiß ich hat natürlich seinen Preis.
Dieses Vorgehen ist seit der letzten Nivelle des TAMG nicht mehr erlaubt. Nur, wenn es eine Indikation gibt, darf es geändert werden.
Grüße
Rolf
Was mich beim internationalen Vergleich gewundert hat: wenn in UK Tierhalter sich üblicherweise versichern, und es zwei Ketten von Behandlern gibt, dann hätte ich erwartet, dass die Versicherer wie in den USA für Humanmedizin mit den Ketten verhandeln und einen Haustarif abschließen, und dann dem Versicherungsnehmer sagen, unsere Versicherung deckt Behandlung bei Kette X voll (modulo Selbstbehalt und was sonst noch alles an Vertragsbedingungen zur Anwendung kommt), bei anderen nur bis zu der Summe die es uns dort gekostet hätte.
Wenn der Marktmacht des Oligopols auch eine Marktmacht des Versicherers gegenüber steht, kann ein Markt auch funktionieren.
Ansonsten kenne ich das von der GOÄ so, dass manche Ärzte sich unterschreiben lassen „bei mir gilt immer der 3,5fache Satz, weil ich so toll bin“, alternativ werden nur einzelne Behandlungspositionen mit Begründung über den Standardsatz von 2,3 erhöht (es ist wohl auch gerade eine GOÄ Novelle im Anrollen, die nach vielen Jahrzehnten u.a. die Basissätze anhebt, und dann wird sich auch der Faktor wieder neu einpendeln müssen, ich schreibe hier vom bisherigen Stand). Es käme mir naheliegend und praktikabel vor, das bei Tierärzten auch so zu handhaben. Das sollte das Überraschungspotential immerhin vermindern.
Moin
Liebe Grüße
Rolf
Danke für diesen Blick auf ein eher ungewöhnliches Thema für diesen Podcast. Überraschungen finde ich gut, mir persönlich war es aber zu lang. Welches Thema auch sehr viele Hörende betrifft, ist zB Neues aus dem Arbeitsalltag:
Änderung des AGG und offene Fragen hierzu (Diskriminierung u.a. durch staatliche Stellen? Schutz vor KI, dh durch automatisierte Entscheidungssysteme? Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland?) und die
EU-EntgelttransparenzRL (Was regelt sie? Und das bestehende EntgTranspG?).
Vielleicht beim nächsten Mal.
Beste Grüße!
Erfahrung als Hundehalterin und Spanienüberwinterin: wenn möglich werden Impfungen, Zahnstein und andere nicht akute Sachen in Spanien beim Tierarzt (oft deutsch, meist englisch sprechend) gemacht. In Berlin war der Tipp im Park bei Hundegassigängen (HundehalterInnen tauschen sich sehr gerne über Tierarztpaxen aus) für größere Behandlungen nach Polen zu fahren. Früher gings in den Hundebesitzergesprächen um: wie gut kann die Tierärztin mit dem Tier umgehen, bietet die Praxis Notdienst an … Heute geht’s um die bezahlten Gebühren und niemand kann nachvollziehen warum es sooooo hochgeschossen ist. Tierarztbesuche werden rausgezögert, erstmal schauen, ob sich das Problem von alleine gibt. Eigentlich schade.
Das Thema Haustiere treibt mich schon eine ganze Weile um. Aktuell ist die Zahl der Haustiere nach einem Corona-bedingten Hoch wieder rückläufig, was ich persönlich sehr begrüße.
Meiner Meinung nach ist die Hürde der Anschaffung eines Haustiers viel zu gering.
Zum aktuellen Thema wäre es eventuell sinnvoll eine Pflichtkrankenversicherung für Haustiere einzuführen. Hierdurch wäre sichergestellt, dass weniger Tiere aufgrund der finanziellen Lage ihrer Halter leiden müssen. Ein Tierarzt entscheidet dann über das Tierwohl und nicht der Geldbeutel des Halters. Zusätzlich bräuchte es vielleicht eine Art Steuer für alle Arten von Haustieren, nicht nur für Hunde, sinnvoll um Verwaltungskosten zu decken. Schwarze Schafe unter den Züchtern und illegale Importe könnte man durch eine lückenlose Dokumentation vielleicht auch minimieren. Ich stelle mir eine Art Ausweis für jedes Haustier vor.
Ich finde es absolut krass, dass in Deutschland in jedem zweiten Haushalt ein Haustier lebt, für das Kosten in der beschriebenen Höhe anfallen und bezahlt werden, und gleichzeitig Tiere ein massenweises Verwertungsgut für die Ernährung sind, ohne dass hier das Tierwohl als besonders relevant angesehen wird. Billiges Fleisch ist offenkundig wichtiger. Der darin liegende Widerspruch sticht so sehr ins Auge, und dennoch ändert sich nichts. Tierliebe nehme ich so einfach niemandem ab. Es ist reiner Egoismus, letztlich auch, wenn Tiere für soziale Funktionen herangezogen werden. Alles in allem sind es arme Geschöpfe. Der Widerspruch wird für mich eine ungelöste Frage sein, die ich sicherlich werde mit ins Grab nehmen müssen.
Ich finde das Thema nicht wichtig genug, um es in der Lage zu erörtern.
Mich würden (ernst gemeint, nicht gehässig) die Gehälter der Tierärzt*innen und TFAs in den genannten Praxen in Spanien und Polen im Vergleich zu deren Lebenshaltungskosten interessieren. Sind die Behandlungen dort vllt. billiger, weil die Angestellten ebenfalls so schlecht bezahlt werden?
Es haben hier im Forum ja schon genug Tierärztinnen ihre Einschätzung gegeben, warum eine Erhöhung so unbedingt nötig war. Darauf gehe ich jetzt nicht mehr im einzelnen ein, aber die bisher sehr schlechten Arbeitsbedingungen und die daraus entstandene Personalnot sind ein Grund.
Eine kleine Anekdote: mit mir hat eine Frau studiert, bei der ich mir sicher war, dass sie einmal eine ganz tolle, engagierte, praktische Tierärztin wird. Sie hat für das Studium gebrannt, war auch menschlich wirklich toll und wäre eine große Bereicherung für alle Beteiligten gewesen. Sie hat letztendlich schweren Herzens die Praxis verlassen, da es in der Industrie DEUTLICH bessere Arbeitsbedingungen gibt (ich rede von höheren Bruttogehältern - eine Differenz von 1000€ und teilweise noch deutlich mehr - bei besseren Arbeitszeiten und mehr Urlaub)…Es gibt unzählige solcher Geschichten.
Es ist auch euer Verlust als Tierhalter, wenn diese Menschen der Praxis den Rücken zukehren.
Wir haben kürzlich auch die Reißleine gezogen und sind mit unserem Hund zu einem Tierarzt in den Niederlanden gewechselt, was glücklicherweise kein Problem war, da wir in Grenznähe wohnen. Mittlerweile haben viele Tierärzte in Grenznähe inzwischen einen Aufnahmestop verhängt, weil es doch anscheinend sehr viele deutsche Tierhalter gibt, die jetzt wohl auf die selbe Idee gekommen sind.
Der Preisunterschied ist auf jeden Fall deutlich spürbar, gerade auch im Hinblick auf die jüngsten Erhöhungen. Es ist (gerade für Routineeingriffe) deutlich günstiger und die Quailtität ist genauso gut wie hierzulande.