LdN 480 Pflegeversicherung

Dass es keine Voll-Versicherung ist, ist doch eine politische Entscheidung. Bei einem Wechsel zu einer Mindeststandard-Vollversicherung wird niemanden was geschenkt, weil natürlich die Beiträge und/oder die staatliche Zuzahlung das entsprechend gegenfinanzieren.

Zudem Menschen würde der Mittelstand ja trotzdem wesentlich mehr zur Finanzierung der Pflege allgemein und auch der persönlichen Pflege im Konkreten beitragen. Denn wenn man vernünftig verdient hat zahlt man auch

  1. mehr Beitrag zur Pflegeversicherung und
  2. man hat auch mehr Rente, die natürlich ebenfalls komplett vereinnahmt wird.

Statt zu fragen, warum „schenkt man den Erben was“ könnte man auch fragen, warum will man dem Mittelstand alles wegnehmen.

Ich würde mir ja wünschen, dass mehr Menschen haben ein wenig Vermögen aufbauen können. Statt dass wir immer weiter Richtung „Superreich oder Bitterarm“ gehen.

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Weil das nur eine vorgeschobene Lüge ist, um Superreiche zu schützen. Völlig kongruente Forderungen, wenn man Vermögensungleichheit als Ziel hat.

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Die Erzählung von eigentlich könnte es uns allen fantastisch gehen, wir können alles machen wie wir es immer schon gemacht haben, niemand muss leider bis auf wenige 10.000 Superreiche denen wir einfach das Geld abknüpfen und damit easy unseren gesamten Sozialstaat finanzieren können halte ich für großen Selbstbetrug. Man muss immer Mittel aus der Mitte der Gesellschaft holen. Es gib einfach viel, viel zu wenige Superreiche dafür.

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Kein Widerspruch aber bitte fair. Aktuelle Praxis ist doch die Mittelschicht zu belasten um die Überreichen weiter schonen zu können.

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Was du in deiner Analyse allerdings ignorierst ist, dass man es bei Superreichen gar nicht erst versucht, sondern man direkt auf die Mittelschicht durchgreift.

Wie ich oben schon geschrieben habe, würden die Leute solche Pläne sicherlich eher akzeptieren, wenn gleichzeitig endlich eine faire Erbschaftssteuer eingeführt werden würde. Aber das Thema ist bereits tot und jetzt will die CDU eben durch die Hintertür an das von ihr so geliebte Häuschen von Oma.

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Liebes Lage-Team,
liebe Lage-Forum Teilnehmende,

die in der aktuellen LdN-Folge gemachten Aussagen in Bezug auf die Leistungen der Sozialen Pflegeversicherung muss ich korrigieren:

*In der Folge wird davon gesprochen, dass nach einem Spiegel-Artikel ein Heimplatz im Durchschnitt rund 3.542 Euro im Monat kostet. Diese Angabe ist jedoch nur die halbe Wahrheit.

Ein Heimplatz kostet - ganz unabhängig von Leistungsansprüchen - bis zu mehr als 5.000 Euro im Monat. Die Pflegekasse beteiligt sich mit Zuschüssen nach § 43 SGB XI bereits an diesen Kosten, in Abhängigkeit des Pflegegrades. Allerdings beteiligt sich die Pflegekasse dabei lediglich an den „pflegebedingten Aufwendungen“, also einem Teil der 5.000 Euro (der mit Abstand größte Teil der einzelnen Kostenbestandteile). Diese Zahlungen liegen zwischen 805 und 2.005 Euro monatlich und werden direkt mit dem Heim abgerechnet.

Der übrige Teil der pflegebedingten Aufwendungen, also der Eigenanteil, wird dann nochmal gemäß § 43c SGB XI bezuschusst. Dabei handelt es sich um die Zuschüsse, die in Abhängigkeit der Aufenthaltsdauer gezahlt werden, von denen weiter die Rede ist.

Weiterhin wird dann im Podcast festgestellt, dass der Teil (dieser Teilversicherung) extrem klein sei und im ersten Jahr nicht mal 10 % der Pflegekosten decke.

Diese Aussage ist somit dann nicht korrekt, denn dabei wird der Leistungsanteil nach § 43 SGB XI vollkommen außer Acht gelassen.*

Ich bin ein ausgesprochen treuer Hörer der Lage der Nation und mag die beiden Hosts sehr, aber diese Aussagen sind mir wirklich sauer aufgestoßen!

Liebe Grüße aus Hessen.

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Du forderst nichts anderes, als dass der Staat für b) und c) die Kosten übernimmt, also für alle, außer die Reichen. Dann nehmen wir die doch mit rein, besteuern sie gerecht und übernehmen die Kosten für alle?

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Klar gibts das nicht gratis.

P.S.: Mich hat die Diskussion dazu gebracht, über eine private Pflegeversicherung nachzudenken. Für einen heute 40jährigen kosten 2400€ Zuschuss bei Pflege im Heim laut Check24 nur 25€ im Monat…

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Du hast recht, ich denke auf jeden Fall, dass eine Erbschaftssteuer kommen muss die richtig reiche Leute voll betrifft. Das ist gerade echt ungerecht. 300 Wohnungen kostenlos vererben…

Hallo,

ich fand diesen Teil der Darstellung in der Sendung ebenfalls sehr oberflächlich und unvollständig. Ich halte es für wichtig, dies zu korrigieren bzw. differenzierter darzustellen.

Zum einen sollte deutlich gemacht werden, dass in dem genannten Betrag von ca. 3.500 € für einen Heimplatz auch Unterkunft, Verpflegung und Instandhaltungskosten enthalten sind. Das sind Ausgaben, die jeder von uns auch im eigenen Haushalt trägt und von denen eine Person im Pflegeheim grundsätzlich nicht entlastet werden soll. Zum anderen sollten die eigentlichen Pflegekosten, die von der Pflegeversicherung zumindest teilweise übernommen werden, klarer herausgearbeitet werden.

Natürlich ist es so, dass bei einer Person, die in einem Heim untergebracht ist und nicht über ausreichende finanzielle Mittel verfügt, der gesamte Betrag aufgebracht werden muss. Allerdings machen die Pflegekosten nur einen Teil dieser Gesamtkosten aus. Wäre die Person kein Pflegefall, würden Unterbringung und Verpflegung in der Regel anderweitig, etwa im familiären Umfeld, organisiert werden, ohne dass dadurch zusätzliche Kosten für die Allgemeinheit entstünden. Insofern erscheint es mir sinnvoll und gerechtfertigt, Angehörige – einschließlich der Kinder – an diesen Kosten zu beteiligen.

Anders bewerte ich jedoch die Kosten, die unmittelbar durch die Pflege entstehen. Aus meiner Sicht stellen Pflegeleistungen eine Form der Behandlung beziehungsweise Therapie der Erkrankung dar, die den Pflegebedarf verursacht. Ziel der Pflege ist es schließlich, den Verlauf einer Erkrankung abzumildern, die Lebensqualität zu erhalten und das Auftreten von Folge- oder Sekundärerkrankungen zu verhindern. Deshalb sollte hier keine grundsätzliche Unterscheidung zwischen Pflege und Krankheit vorgenommen werden – ebenso wenig bei der Frage, welche Kosten von den Sozial- und Versicherungssystemen zu tragen sind.

Warum sollte die Solidargemeinschaft die Behandlungskosten einer Person übernehmen, die beispielsweise über Jahrzehnte hinweg trotz bekannter Risiken stark geraucht hat, nicht aber die Pflegekosten einer Person, die unverschuldet an einer Demenz erkrankt ist?

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Ich kann das nur unterstützen. Gerade wenn man sich mit viel Mühe ein paar Tausender angespart hat, die man gern an seine Kinder und vor allem Enkelkinder weitergeben würde, ist dieser Kontrast zwischen Reich und zwischen mit einem kleinen Vermögen versehen einfach unerträglich. Schonvermögenbedarfsprüfung geht da nicht!

Sehe ich kritisch. Aus individueller Sicht ist es natürlich schön, den Kindern und Enkelkindern etwas zu hinterlassen. Gesamtgesellschaftlich schafft es aber die sozialen Spaltungen, die wir jetzt haben. Denn nicht alle haben dann die gleichen Voraussetzungen, haben aber individuell keinen Einfluss darauf. So ein System fördert also die mit den richtigen Eltern, nicht die mit den richtigen Veranlagungen.

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Das ist ein Argument für 100% Erbschaftssteuer, nicht dafür, dass man den Mittelstand im Pflegefall zur Armut verdammen sollte.

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Ich weise nur darauf hin, dass dieses Interesse nicht gesamtgesellschaftlich gedeckt ist im Gegensatz dazu, dass jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten zu den Pflegekosten beiträgt. Wir haben also zwei divergierende Interessen, wovon aber nur eines gesamtgesellschaftlich relevant ist - das andere gesamtgesellschaftlich sogar schädlich.

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Ich kann dir nicht folgen. Welche zwei Interessen gibt es? Warum ist nur eins davon gesamtgesellschaftlich relevant?

Wenn du mit „sozialer Spaltung“ die Kluft zwischen Arm und Reich meinst, dann ist der Status Quo spalterisch, denn er radiert den Mittelstand aus: im Pflegefall ist man am Ende entweder immer noch sehr reich oder man ist arm. Wie hilft es den Armen Menschen, wenn andere Arme nichts mehr erben können? (Oder wenn wir die Erben rauslassen, denn erstmal geht es ja um den zu Pflegenden: Wie hilft es gegen soziale Spaltung, wenn jemand aus der Mitte der Gesellschaft unverschuldet alles verliert?)

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Das immer wiederkehrende Paradigma der reinen Bedarfsgerechtigkeit stößt mir zunehmend sauer auf. Es wirkt, als sei es ein Naturgesetz, dass derjenige Unterstützung erhält, der nichts hat, während derjenige, der vorgesorgt hat, leer ausgeht. Das zeigt sich nicht nur in der Pflege, sondern genauso bei der Arbeitslosigkeit und vielen anderen sozialpolitischen Fragen.

Das Problem dabei ist ein handfestes Gerechtigkeitsproblem: Wer seinen Lebensstandard nicht im Blick hatte, sein Vermögen aufgebraucht oder schlicht nie gespart hat, steht am Ende genauso da wie der schwäbische Sparer, der jahrzehntelang verzichtet hat. Das erzeugt zu Recht ein massives Ungerechtigkeitsempfinden — und es untergräbt die gesellschaftliche Akzeptanz des Sozialsystems insgesamt.

Dabei ginge es auch anders. Statt Leistungen daran zu knüpfen, wie wenig jemand hat, könnte man sie universell gestalten: ein bedingungsloses Grundeinkommen, eine Grundpflege, eine Grundgesundheitsversorgung — Leistungen, die alle gleichermaßen erhalten, unabhängig von Vermögen oder Vorgeschichte. Die Finanzierung dafür müsste dann zwangsläufig aus anderen Quellen kommen, vor allem aus einer stärkeren Besteuerung von Vermögen und Kapital, anstatt Leistungsbezug und Bedürftigkeit immer weiter aneinanderzukoppeln.

Den Goldrand — also alles, was über die solide Grundversorgung hinausgeht — kann man dann gerne dem individuellen Ermessen überlassen. Wer mehr will, zahlt mehr. Aber die Basis gehört allen, ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne den beschämenden Mechanismus, erst alles verloren haben zu müssen, bevor man Hilfe bekommt.

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Bei der ganzen Diskussion hier sind mir weitere Gedanken aufgekommen, weil es ja doch sehr im kleinen diskutiert wird - ähnlich wie die Reförmchen, welche unsere Politik in den letzten Jahrzehnten vorgenommen hat:

Die Pflegekrise in Deutschland ist kein isoliertes Finanzierungsproblem, sondern das Symptom einer tiefgreifenden strukturellen Schieflage, die sich über Jahrzehnte aufgebaut hat.

Die Boomergeneration hat unter außergewöhnlich günstigen Bedingungen gelebt: stabiler Frieden, günstige Demografie, ein noch intaktes Klima und ein wachsender Wohlfahrtsstaat. Das sind keine persönlichen Verdienste, sondern historische Dividenden. Das Problem ist nicht die Generation an sich, sondern dass die politischen Mehrheiten, die sie über Jahrzehnte gebildet hat, konsequent darauf verzichtet haben, die nötigen Investitionen in Infrastruktur, Pflege und Vorsorgesysteme zu tätigen. Stattdessen wurde Konsum über Investition gestellt, und der Staat hat sich dabei ebenso verschuldet wie viele Unternehmen. Das Kapital, das in dieser Zeit angehäuft wurde, sitzt heute konzentriert bei wenigen Privaten.

Jetzt, da die Rechnung fällig wird, soll sie von denen bezahlt werden, die von diesem System am wenigsten profitiert haben. Leistungskürzungen in der Pflegeversicherung, höhere Beiträge, größere Eigenanteile — das alles trifft strukturell die ärmeren 80 Prozent der Bevölkerung. Die Vermögenden hingegen, also genau jene, die von den Jahrzehnten des politischen Stillstands am meisten profitiert haben, werden weitgehend verschont. Das ist keine zufällige Verteilungswirkung, sondern das vorhersehbare Ergebnis einer Politik, die Vermögen systematisch schützt, während sie Umverteilungslasten auf Beiträge und Steuern abwälzt, die breit in der Bevölkerung getragen werden.

Dazu kommt eine Ebene, die in der üblichen Finanzierungsdebatte kaum beachtet wird: Das eigentliche Problem ist kein Geldproblem, sondern ein Angebotsproblem. Selbst wenn man die Finanzierungsfrage morgen löste, bliebe die Frage, wer tatsächlich pflegt. Pflegekräfte, Ärzte, Therapeuten — all das sind reale Menschen mit begrenzter Arbeitszeit. Eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung muss eine wachsende Zahl pflegebedürftiger Menschen physisch versorgen. Geld kann diese Relation nicht verändern, es kann nur steuern, wer Zugang zu den knappen Kapazitäten bekommt. Eine echte Antwort auf dieses Angebotsproblem wäre massive Investition in Automatisierung und Robotik, also technologische Produktivitätssteigerung dort, wo sie demografischen Druck direkt abfedern kann. Das erfordert aber genau die Art von vorausschauender öffentlicher Investition, die politisch über Jahrzehnte verweigert wurde.

Die Pflegedebatte, wie sie geführt wird, dreht sich fast ausschließlich darum, wie man die Kosten verteilt, die entstehen, weil zu lange nicht investiert wurde. Wer dabei den Fokus ausschließlich auf Beitragszahler und Erben legt, ohne Vermögenskonzentration, Automatisierungspotenzial bzw. Produktivität und jahrzehntelangen Investitionsstau anzusprechen, löst das Problem nicht.

Und nein, Herr Merz, eine schwächelnde Nachfragekrise löst man nicht dadurch, dass Menschen mehr oder länger arbeiten sollen.

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Genau, dann würde das Thema Sterbehilfe wieder sehr real werden — will man das?

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Das Thema ist ja jetzt schon sehr real. Einige Erben besuchen ihre Eltern und Großeltern nur sehr unwillig aber pflichtbewusst, motzen die Pflegekraft an, wenn sie das zukünftige Erbe mit einem neuen Paar Hausschuhe geschmälert hat und sehnen den Tag herbei, wenn das alles endlich vorbei und die Testamenteröffnung in Reichweite ist.

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