Ich finde, dass beim Thema Pflege immer deutlich zu kurz gedacht wird.
Es ist ein bedeutender Unterschied, ob ich alt und pflegebedürftig bin und vorher mein Leben lang Zeit hatte für diesen sehr wahrscheinlichen Fall vorzusorgen,
oder ob ich unverschuldet evtl schon von Kindesbeinen an, mit dem Umstand leben muss, dass ich auf Hilfe angewiesen bin und nie die Möglichkeit hatte für den Fall vorzusorgen pflegebedürftig zu werden.
Gleiches gilt für die Angehörigen, die die Pflege übernehmen. Sie haben sich die Situation in vielen Fällen nicht ausgesucht, reduzieren Stunden oder geben ihren Beruf gezwungenermaßen komplett auf um ihre Kinder, Eltern oder andere Angehörige zu pflegen. Sie haben dadurch nicht die Möglichkeit in dem Maße für ihre eigene Pflegebedürftigkeit im Alter vorzusorgen, wie andere das tun können, die diese pflegerischen Aufgaben nicht übernehmen. Als Dank dafür sollen sie dann im Alter ihr geerbtes Eigenheim aufgeben, dürfen es nicht an ihre Kinder vererben? Die Kinder die jahrzehntelang gepflegt wurden und die ebenfalls nie eine Chance hatten ein eigenes Vermögen zu erarbeiten?
Tut mir leid. Aber da muss ganz genau geschaut werden. Denn auch DAS ist Inklusion. Dass jeder Mensch die gleichen Chancen bekommt. Und wer eben bspw. durch eine Behinderung oder durch die Pflege eines pflegebedürftigen Menschen nicht in der Lage ist sich selbst ein Vermögen durch Erwerbsarbeit zu erarbeiten, dem sollte man nicht auch noch das nehmen, was er hat (bspw das geerbte Eigenheim).
Und was wären wir denn ohne all die angehörigen Pflegenden? Dann wären all die Menschen, die aktuell zuhause gepflegt werden auf Heimplätze angewiesen. Heimplätze, die es vielerorts ohnehin schon viel zu wenig gibt. Und anstatt es den Angehörigen zu danken, dass sie ihre Liebe zuhause pflegen (im Übrigen für die Hälfte des Pflegegeldes, dass das Pflegeheim bekommen würde), macht man ihnen das Leben noch schwerer. Pflegende Angehörige sind spätestens im Alter massiv von Armut bedroht. Ein Pflegebedürftiger mit einem Pflegegrad 3 und Demenz bspw. braucht unter Umständen 24/7 Betreuung / Beaufsichtigung / Pflege / Unterstützung, bekommt dafür aktuell von der Pflegekasse aber nur knapp 600€ monatlich aus der gesetzlichen Pflegekasse.
Die Mutter eines pflegebedürftigen autistischen Kindes, das nicht beschulbar ist, sich im autistischen Burnout befindet, bekommt bei PG 3 ebenfalls 600€ bei 24/7 Pflege. 600€ als Einkommensersatz. So gut wie alles was sie sich bis dahin angespart hat (bspw. ETFs als private Altersvorsorge) muss sie auf den Kopf hauen, bevor sie Anspruch auf Leistungen vom Amt hat. Das ist in meinen Augen ein absolutes Unding. Die Leistungen der Pflegekasse sollten für pflegende Angehörige deutlich erhöht werden, da sie den Job machen, den sonst ein Pflegeheim übernehmen müsste.