LdN 479 - AfD in Sachsen-Anhalt

„Grenzenlose Einwanderung nach Deutschland“ hat es auch nie gegeben, jedenfalls nicht jenseits der Masseneinwanderung aus der DDR zwischen November 1989 und Oktober 1990.

Kuba, Kanada und die USA waren ja auch nicht gerade Nachbarländer Deutschlands, als die Passagiere der St. Louis dort 1939 Zuflucht suchten. Aber ich bewundere deine Expertise bezüglich der Vorstellungskraft der Autoren des Grundgesetzes. Da hast du ja sicher entsprechende Quellen parat.

Damit meine ich Menschen, die bei anderen Themen selber durchaus liberal, humanistisch oder im Sinne von Lehren aus dem Nationalsozialismus argumentieren, das aber beim Thema Migration scheinbar schnell vergessen.

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Die Wahl des Fussballvereins ist auch nicht rational. Was hilft uns das jetzt bei der Rettung der Demokratie und Verhinderung der AfD?

Dass unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg mit seinen millionenfachen Fluchtbewegungen und der grade nicht individuellen, politischen Verfolgung, sondern der Verfolgung als Teil einer ethnischen, religiösen oder sonstwie definierten Gruppe (was bspw. in Bürgerkriegssituationen schnell der Fall sein kann), in einem Land das über 12 Millionen Vertriebene aufnehmen musste diese Vorstellung nicht vorhanden war, halte ich für eine ziemlich steile These. Viel näher dürfte doch die Vermutung liegen, dass der Artikel die Reaktion auf die (damals mit den praktisch identischen Argumenten wie heute begründeten) Abwertung und Abweisung von Verfolgten der NS-Diktatur durch andere Staaten war, quasi ein Bestandteil des „nie wieder“ im Sinne einer Garantie, dass Menschen, die vor solcher Art von Verfolgung fliehen, in jedem Fall Schutz bekommen. Kann man sich mal überlegen, ob die Niederlande bspw. vor Kriegsausbruch ein sicherer Drittstaat gewesen wären, aus denen man nach heutigen Dublin-Kriterien keine Flüchtlinge bspw. in UK hätte aufnehmen sollen.

Vielleicht ganz interessantes Interview zu diesem Nebenarm der Diskussion:

Ansonsten sind wir hier doch sehr weit vom ursprünglichen Thema abgekommen, würde ich sagen.

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Die Bedeutung von Herrenfußball hierzulande hat m. E. insgesamt so gut wie nichts Rationales. Aber was genau hat das mit Wahlentscheidungen oder der AfD zu tun?

Mehr Verständnis für die Art und Weise wie Menschen Wahlentscheidungen treffen hilft meiner Meinung nach bei der Analyse der Gründe, warum immer mehr Menschen sich etwas von Parteien wie der AfD versprechen und immer weniger Menschen Vertrauen in das bestehende politische System und die „herkömmlichen“ Parteien haben. Daher verstehe ich auch nicht, warum du so darauf beharrst, dass dieser Punkt angeblich irrelevant ist.

Das fände ich auch Mal einen sinnvollen und produktiveren Fokus für diesen Thread. Ich höre hier vor allem immer wieder wie schlimm alles wird wenn die AfD an die Macht käme und dass es klare Kante gegen Rechts braucht. Ist sicher alles richtig aber alleine bringt uns das halt bzgl. dieser Fragestellung nicht weiter.

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Zu verstehen, wie Einstellungen sich bilden und auf welcher Grundlage (Wahl-)Entscheidungen getroffen werden, hilft dabei, einzusehen, dass sich die Anhänger:innenschaft der rechtsradikalen AfD in kalkulierbaren Zeiträumen nicht nennenswert verkleinern wird.

Diese Einsicht wiederum hilft dabei, die vorhandenen Ressourcen dafür einzusetzen, die Demokratie so resilient wie möglich gegen ihr feindlich gesinnte Kräfte zu machen.

Selbst wenn die - ohne empirische Stützung - diskutierten Maßnahmen zur Schrumpfung des Wählendenzuspruchs wirksam wären, würde es mehrere Legislaturperioden dauern, bis sie griffen.

An einer umfassenden Absicherung der Demokratie führt daher kein Weg vorbei.

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Im Zweifel scheitert man in der EU:

Gut, dass es dieses Korrektiv gibt.

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Angeteasert sei noch ein Bericht, der auf eine höchst problematische Ausgangslage verweist:

Wie umgehen mit Rechtsextremen in der Polizei und anderen Behörden? Das Thema treibt Bund und Länder schon länger um. In Sachsen-Anhalt stellt sich die Frage mit der als gesichert rechtsextrem eingestuften AfD, die dort nach der Landtagswahl vielleicht sogar regieren könnte, nun besonders dringlich.

Denn dann könnte erstmals seit 1945 eine rechtsextreme Partei auch den Innenminister stellen und hätte damit Zugriff auf die Polizei. Was weitere Fragen aufwirft: Wie bereitet sich das Innenministerium von Christdemokratin Tamara Zieschang auf dieses Szenario vor? Wie demokratisch stabil reagieren die 7.000 Po­li­zei­be­am­t*in­nen in Sachsen-Anhalt selbst? Und wie viele folgen dem Beispiel von Uwe Arendt?

Zweifel daran, wie demokratisch gefestigt die Polizei Sachsen-Anhalt ist, kamen zuletzt immer wieder auf. Bis heute ungeklärt sind die Todesfälle von Oury Jalloh oder Hans-Jürgen Rose in einem Dessauer Polizeirevier. In den vergangenen fünf Jahren gab es bei der Polizei laut Innenministerium insgesamt 22 rechtsextreme Vorfälle. 12 davon führten zu Disziplinarverfahren, 9 zu Entlassungsverfahren, der weitere Beamte ging vorzeitig in den Ruhestand.

Zu den Fällen zählt etwa eine Kommissarin aus Bitterfeld, die 2021 suspendiert wurde, nachdem sie dem rechtsterroristischen Halle-Attentäter bewundernde Briefe ins Gefängnis schrieb. 2023 wurden rassistische Chats einer Polizeianwärterklasse an der Fachhochschule Aschersleben bekannt. Am 16. Juni 2025 wurde dann in Merseburg ein syrisch-stämmiger 18-Jähriger, der mit Freunden in einem Schnellrestaurant Arabisch sprach, von einem betrunkenen Mittzwanziger rassistisch beleidigt und attackiert. Der Angreifer brach ihm die Nase und schlug ihm so gegen die Schläfe und das linke Ohr, dass der Jugendliche notoperiert werden musste. Der Tatverdächtige: ein Polizeianwärter aus Sachsen, dessen Vater Polizist im Saalekreis ist.

Im September 2025 machte die Fachhochschule in Aschersleben erneut Schlagzeilen: Bei einer Feier sollen „Ausländer raus“-Rufe ertönt sein, gesungen zum Lied „L’amour toujours“ von Gigi D’Agostino. Die Ermittlungen dazu sind laut Staatsanwaltschaft Magdeburg inzwischen eingestellt. Weil Tatverdächtige nicht ermittelt werden konnten.

Und nun kommt die AfD-Frage hinzu.

In Bremen wappnet man sich unterdessen frühzeitig, indem Vorschläge zur Resilienzsteigerung unterbreitet wurden:

Resilienz der Bremischen Landesverfassung und der Geschäftsordnung der Bremischen Bürgerschaft gegen verfassungsfeindliche Bestrebungen

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Spannend auch hierzu, wozu Beamte und Beamtinnen inner- und außerdienstlich verpflichtet sind und was unter „einstehen für die FDGO“ zu verstehen ist. Schweigen nämlich nicht.

https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/themen/oeffentlicher-dienst/beamte/diziplinarrecht-konsequenzen-bei-extremistischen-bestrebungen.pdf?__blob=publicationFile&v=3

und

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Auf die Schnelle habe ich mir natürlich nicht den gesamten von dir dankenswerterweise verlinkten Bericht durchgelesen, aber ich frage mich, ob er nicht auch etwas selbstgerecht ist.

Ergebnis der Prüfung der disziplinarrechtlichen Konsequenzen im Fall von extremistischen Bestrebungen ist, dass mit den bestehenden disziplinarrechtlichen Regelungen angemessen gegen extremistische Bestrebungen im öffentlichen Dienst vorgegangen werden kann. Die bestehenden Regelungen sind geeignet und ausreichend, Verletzungen der politischen Treuepflicht aufgrund extremistischer Bestrebungen festzustellen und zu ahnden.

Die durchgeführte Bestandsaufnahme hat zudem ergeben, dass in den Behörden von Bund und Ländern eine Vielzahl von Vorkehrungen gegen eine extremistische Aushöhlung des öffentlichen Dienstes durch nicht-verfassungstreue Beamtinnen und Beamte besteht.

Mit dem bestehenden Disziplinarrecht kann angemessen gegen extremistische Bestrebungen im öffentlichen Dienst vorgegangen werden. Die bestehenden Regelungen sind geeignet und ausreichend, Verletzungen der politischen Treuepflicht aufgrund extremistischer Bestrebungen festzustellen und zu ahnden.

Die Handlungsempfehlungen enthalten eine übergreifende Zusammenfassung der „best practices“, also der Maßnahmen und Instrumente, die bereits teilweise in den Ländern und beim Bund eingesetzt werden. Die Maßnahmen stehen dabei nicht einzeln für sich, sondern können sinnvoll ineinandergreifen. Die nachfolgend dargestellten Maßnahmen haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Was dann folgt, sind weitgehend informelle, zumeist wenig konkrete, oft gleichsam auf Behördenebene verlagerte Vorschläge, die zwar überwiegend relativ sinnvoll erscheinen, aber doch in ihren Ausgestaltungsspielräumen recht diffus anmuten.

Föderalistischer Minimalismus, wenn man so will.

Auffällig ist dann noch, dass - zumindest nehme ich das so wahr - der Schwerpunkt auf die Zeit vor der Verbeamtung gelegt wird:

Anhaltspunkte für eine Verletzung der Treuepflicht sind insbesondere während der Probezeit oder des Vorbereitungsdienstes, zu gewinnen.

Da wird ein Stück weit so getan, als wäre damit schon das meiste zur Extremismusprävention getan. Das mutet ein bisschen so an, als wenn Verbände (DBB etc.) behaupteten, dass diejenigen, die den Einlasstest auf Verfassungstreue gemeistert haben, in aller Regel kein Problem wären.

Beispiele, dass diese Einlassschwelle alles andere als gut funktioniert, gibt es natürlich zuhauf.

Problematisch erscheint mir auch das favorisierte Delegationsprinzip:

Es ist insbesondere Aufgabe der jeweiligen Führungskraft, in einer ersten Einschätzung zu beurteilen, wann die Grenze zu einer möglichen Tendenz zum Extremismus überschritten ist und weitere, auch disziplinarrechtliche Schritte zu veranlassen sind.

Führungsversagen mit Blick auf Extremismus ist schließlich, wie man diversen Medienberichten immer wieder entnehmen kann, alles andere als eine Seltenheit.

Ein Zwei-Augen-Prinzip ist per se missbrauchsanfällig.

Auf strukturelle Problematiken wird gar nicht eingegangen, sofern man die reichlich vage „Etablierung von Meldewegen und eines Monitorings“ nicht dazurechnet. In der Realität ist es ja oft so, dass Leute sich gegenseitig decken, Verstöße aus fragwürdiger Kumpanei nicht gemeldet werden oder Meldungen bei Vorgesetzten, die z.T. einfach nicht noch mit sowas belastet werden wollen, versickern.

Vor der Einstellung in ein Beamtenverhältnis erfolgt eine umfangreiche schriftliche Belehrung über die Verfassungstreuepflicht. In dieser wird die Bewerberin oder der Bewerber darauf hingewiesen, dass Beamtinnen oder Beamte sich durch ihr gesamtes Verhalten zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekennen.

Begleitend hierzu eignet sich ein Merkblatt, dass das Prinzip der freiheitlichen demokratischen Grundordnung sowie die besondere politische Treuepflicht einer Beamtin oder eines Beamten gegenüber dem Staat und seiner Verfassung kompakt darstellt und erläutert.

Als ob sich Verfassungsfeind:innen davon beeindrucken ließen.

Die Themen Verfassungstreue und politischer Extremismus sind fester Bestandteil des Ausbildungs- und Fortbildungsprogramms der Behörden.

Allerdings gab es auch schon Fälle von z.B. verfassungsfeindlich gesinnten Polizeiausbildern.

Alles in allem erscheint mir die Tragweite einer möglichen Unterminierung des demokratischen Staats nicht erkannt worden zu sein.

Letztlich bleibt vieles ins Belieben vor Ort gestellt, so scheint mir. In Bezug auf ein Bundesland wie Sachsen-Anhalt mit einer Minderheit an stabilen Demokrat:innen („So befürworten nur 44 Prozent ohne Wenn und Aber die Demokratie im Sinne des Grundgesetzes.“ (Quelle s.o.)) ist das aus meiner Sicht deutlich zu wenig.

Zur Ingroup-Outgroup-Problematik (s.o.) fand ich noch folgende Diskussion ganz interessant.

Huch, da hatte ich wohl eine Antwort unabsichtlich überblättert. Daher die verspätete Reaktion.

Dass es auch jenseits der Präferenz für rechtsradikale Parteien Irrationalismen gibt, bestreite ich überhaupt nicht. Allerdings ist der unsinnige Glaube an Homöopathie dann doch in seinen Auswirkungen vergleichsweise harmlos. Dein Beispiel zeigt allerdings, dass es sich um eine grundlegende Problematik handelt, was ich auch nie bestritten habe. Nur sind manche Entscheidungsbeeinflussungen eben sehr viel gefährlicher als andere.

Zunächst würde ich mal davon ausgehen, dass die Anfälligkeit unterschiedlich groß ist. Daher bezweifle ich einen Domino- oder Flächenbrand-Effekt. Auch die NSDAP wurde ja zu Zeiten, als noch demokratische Wahlen möglich waren, nie mehrheitlich gewählt. Aber es gab eben genügend Steigbügelhalter, den Nazis doch zur Macht zu verhelfen.

Bzgl. deiner Anschlussfragen würde ich antworten, dass es primär darum gehen muss, die Autoritären im Zaum und dauerhaft von der Macht fernzuhalten. Denn verschwinden werden sie aus meiner Sicht nicht.

In Dänemark wurden jede Menge Maßnahmen beschlossen, die hierzulande zweifelsfrei verfassungswidrig wären. Eine antihumanitäre Politik ist dort längst Mainstream. Wenn man dort alle Parteien, die entsprechende Maßnahmen befürworten, zusammenzählt, wird einem schlecht. Allein die besonders radikalen Parteien Dansk Folkeparti und Danmarksdemokraterne kamen bei der Folketingwahl in diesem Jahr zusammen auf 15 Prozent. Das ist trotz der Normalisierung zentraler Positionen durch diverse konservative Parteien und die so genannten Sozialdemokraten jede Menge.

In den Niederlanden kamen die rechtsradikalen Parteien
Partij voor de Vrijheid und Forum voor Democratie 2023 zusammen auf 25,7 %, bei der Parlamentswahl 2025 auf 21,4 %. Also betrug der Verlust am rechten Rand 4,3 Prozentpunkte. Zusätzlich ist die Volkspartij voor Vrijheid en Democratie noch weiter nach rechts gedriftet. Dass man das nun als größeren Erfolg werten soll, stelle ich in Frage.

Die reine Stimmenanzahl der beiden Parteien ist übrigens um knapp ein Sechstel abgeschmolzen, was doch recht überschaubar ist.

Zum Schluss noch ein Blick auf Österreich. Dort kam die faschistoide FPÖ bei der Nationalratswahl 2017 auf 26 %. Es folgte ein temporärer Einbruch der FPÖ infolge des Ibiza-Skandals auf 16,2 % 2019, wobei die ÖVP an ihrem Rechtsrutsch festhielt und temporär 6 Prozentpunkte hinzugewinnen konnte. „FPÖ-Wähler*innen wanderten insbesondere zur Nichtwahl und zur ÖVP ab.“ Und zwar in größerem Ausmaß zur Wahlenthaltung (vgl. Quelle). 2024 stand die FPÖ dann bei 28,6 %. Dauerhaft reduziert wurde das rechtsradikale Wählendenpotenzial also keineswegs.

Die Stimmenanzahl der FPÖ ist mit einem sechsprozentigen Plus von 2024 im Vergleich zu 2017 übrigens fast gleichgeblieben.

Die Beispiele zeigen also letztlich, dass von einem Verschwinden keine Rede sein kann und eine gewisse Reduktion allenfalls um den Preis einer Normalisierung von hierzulande verfassungswidrigen Positionen zu haben sein wird.

Hierzulande werden ja jetzt schon Gerichtsentscheidungen von Innenminister Dobrindt ignoriert. Wie weit soll denn noch gegangen werden?

Kann man das wirklich so sagen? Ich bin mir da – ehrlich gesagt – nicht so sicher, erlaube mir aber kein Urteil, weil mir dazu das verfassungsrechtliche Grundwissen fehlt. Aber wenn Ihre Behauptung zutreffen würde, müssten in Dänemark ja täglich massive Verstöße gegen die Menschenwürde begangen werden. In letzter Konsequenz hieße das, dass ein Land mitten in Europa, das nach den maßgeblichen Demokratie- und Rechtsstaatsindices (Democracy Index der Economist Intelligence Unit (EIU) und der Rule of Law Index des World Justice Project (WJP) noch vor Deutschland liegt, von rechtsradikalen Politikern, die nach deutschen Standards vom Verfassungsschutz beobachtet werden müssten, regiert werden.

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Keine Einwände.

Die Strategie ist dann allerdings langfristig zum Scheitern verurteilt. Mit Maßnahmen wie z.B. einem AfD Verbot gewinnt man etwas Zeit, um zumindest an den Rändern der AfD Sympathisanten Vertrauen in bestehende politische Strukturen wieder zurück zu gewinnen. Geht man Letzteres nicht an, wird sich der Rechtspolilismus zwangsläufig seinen Weg suchen (allen rechtlichen Grenzen zum Trotz). Gegen eine Gruppe, die erstmal groß genug ist, kann auch kein Gericht langfristig effektiv etwas ausrichten.

Auf diesem Level ist das in Deutschland aber nichts anderes. Trotzdem gibt es einen gehörigen Unterschied zwischen einer offiziellen CDU und einer AfD Position. Dir sollte klar sein, dass ein realistisches Gegenangebot an rechtspopulistische Sympathisanten kaum links-grüne Politik in Reinform sein kann

Woher hast du diese Zahlen? PVV hat 6,8 und VVD 1,0% verloren. Das wäre auch für deutsche Verhältnisse als Erfolg zu verbuchen.

[1]

Das behaupte ich ja auch nicht. Wenn ich etwas zeitweise reduzieren kann, ist das aber ein guter Indikator dass es auch dauerhaft funktioniert wenn man am Ball bleibt.

Bevor wir uns aber noch tiefer in die Einzelfälle verstricken betone ich nochmal dass es fast egal ist wie schwierig die Aufgabe ist. Ich verlange auch von niemandem dass er mir zu 100% beweist, welche Kipppunkte ich beim Klimawandel reiße wenn ich x Tonnen CO2 im Jahr emittiere. Ich habe schlicht keine Alternative dazu CO2 massiv einzusparen. Und genauso habe ich langfristig keine Alternative dazu AfD Wähler zurück zu gewinnen (natürlich nicht alle) wenn mir das System nicht um die Ohren fliegen soll.

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Hier mal eine kleine Auswahl:

Dänemarks Asylsystem war schon lange sehr restriktiv, wurde aber 2019 mit dem sogenannten Paradigmenwechsel-Gesetz nochmal massiv verschärft. Geflüchtete bekommen generell nur sehr prekäre, befristete Aufenthaltstitel. Sie sollen sich nicht integrieren (können). Die Behörden dürfen ihnen Geld und Schmuck bis zu einem bestimmten Wert abnehmen – was in der Realität aber kaum umgesetzt wird. Für Ausreisepflichtige oder Geduldete gibt es Abschiebegefängnisse, die weit abseits der urbanen Zentren liegen. Das Anti-Folter-Kommittee des Europarats erklärte, die Zustände etwa im Ausreisezentrum Ellebæk seien „nicht für Menschen“ geeignet – selbst in Russland finde man bessere Bedingungen. Der sozialdemokratische Integrationsminister antwortete darauf, es solle dort eben nicht „behaglich“ sein, die Menschen sollten ja ausreisen.

Außerdem gibt es ein sogenanntes Ghetto-Gesetz: In Brennpunktstadtteilen werden Straftaten härter bestraft, Menschen können sogar zwangsumgesiedelt werden. Eins der Kriterien dafür ist pauschal der Anteil „nichtwestlicher“ Migrant*innen. Dänemark hatte außerdem den Familiennachzug für Geflüchtete erst nach drei Jahren erlaubt – was der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte 2021 für rechtswidrig erklärte. Und Dänemark führt seit 2016 wieder permanente Grenzkontrollen zu Deutschland durch – was eigentlich gegen EU-Recht verstößt.

Sorry, aber AfD-Wählende überzeugen zu wollen ist doch eher deine „Strategie“.

Worauf stützt du diese Einschätzung? Ich bin da anderer Meinung.

S.o.

Aus der von dir verlinkten Quelle. Du meinst jetzt die Gewinne und Verluste, oder?

PVV: - 6,8
FvD: + 2,3
Saldo also: 4,5 Prozentpunkte weniger (scusi, im Kopf um 0,2 verrechnet)

Aber auch 21,2 % sind für rechtsradikale Parteien keine Kleinigkeit.

Die Rechnung mit den absoluten Stimmen stimmt aber.

Wie ausgeführt, kommt der größere Teil der FPÖ-Reduktion 2019 aus der einmaligen Wahlenthaltung nach dem Ibiza-Skandal. Der andere Teil aus dem anhaltenden Rechtsrutsch der ÖVP.

Daraus lässt sich also bestenfalls ableiten, dass die AfD in Vorwahljahren regelmäßig richtig große Skandale braucht, damit sich ein Teil ihrer Wählenden bei den Wahlen in die Wahlabstinenz verabschiedet, und zusätzlich die CDU/CSU noch weiter nach rechts abdriften muss, um auch nur vorübergehend den kleineren Teil der AfD abspenstig zu machen. Denn die zwischenzeitlich ÖVP-Wählenden mit FPÖ-Affinität sind ja letztlich wieder zum Original zurückgekehrt, wie die Wahlergebnisse von 2024 zeigen.

Deine Analogie hinkt. CO2 kannst du unabhängig von der Mitwirkung anderer schon einsparen (z. B., indem du deinen Lebenswandel veränderst). AfD-Wählende zurückzugewinnen setzt deren Mitwirkung voraus. Und genau daran hapert es in den meisten Fällen.

Von mir aus sollen diejenigen, die das für ein lohnenswertes Unterfangen halten, alles Mögliche versuchen, um AfD-Wählende ins demokratische Spektrum zu holen (man sollte auch nie vergessen, dass jener Teil, der vorher zu den Nichtwählenden gehörte, dort ja womöglich noch nie war). Aber dann nicht enttäuscht sein, wenn’s - aus meiner Sicht erwartungsgemäß - schiefgeht.

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Es kommt was in Bewegung (Spiegel):

In einem gemeinsamen Appell haben sich nun die obersten deutschen Staatsanwältinnen und Staatsanwälte dafür ausgesprochen, dieses sogenannte externe Weisungsrecht gesetzlich einzuschränken und transparent zu gestalten. Dahinter steht die Sorge, wie rechtspopulistische Parteien, also insbesondere die AfD, dieses Instrument machtpolitisch missbrauchen könnten. Zudem bereitet die fehlende Unabhängigkeit der deutschen Staatsanwaltschaften europarechtliche Probleme.

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Der Investigativjournalist Dirk Laabs hat das damals vielen noch kaum Denkbare vor mehr als einem Jahr bei einem Vortrag am 8.4.2025 im Schlachthof Wiesbaden klar ausgesprochen:

Und seien wir mal mal ehrlich, die Chance, dass die AfD dort [in Sachsen-Anhalt] über vierzig Prozent bekommt, ist sehr, sehr groß.

Anstatt blind darauf zu vertrauen, dass die Institutionen stark genug sind, den Angriff auf unsere Demokratie abzuwehren, ist es dringend geboten, unsere pluralistische Gesellschaft widerstandsfähiger und wehrhafter zu machen. Dies muss geschehen, bevor die AfD so stark ist, dass sie den Aufbau eines wirksamen Demokratie-Schutzes torpedieren kann. Dirk Laabs und Michael Kraske stellen ein demokratisches Rettungspaket vor. Sie nennen hier u.a. das dringend notwendige AfD-Verbotsverfahren und die Verantwortung demokratischer Parteien, Kompromisse fernab der AfD zu finden. Sie sehen aber auch die Zivilgesellschaft und die Wirtschaft in der Pflicht, klar Stellung zu beziehen, und appellieren für mehr politische Bildung und langfristige Demokratieförderung sowie für einen kritischen und bewussten Journalismus.

Auch verschiedene weitere Vorträge im Rahmen der Reihe „defend democracy!“ sind sehenswert:

Die Machtergreifung wird vorbereitet:

Im Magdeburger Altstadthotel Ratswaage schult die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft am Donnerstag im Raum „Stendal“ Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit demokratiefeindlichen Einstellungen. „Demokratie im Klassenzimmer schützen“, heißt die Veranstaltung, vor der Tür steht ein Aufsteller mit Worten wie Solidarität, Respekt, Würde. Gleich nebenan, im Nachbarraum „Halle“ sind Plakate aufgebaut, auf denen „Abschieben ab Minute eins“, „Ein Leben ohne GEZ“ oder „Tanken ohne Tränen“ steht. Die AfD präsentiert ihre Wahlkampagne, sie trägt den Slogan „Alles ist möglich“ – und wenn man mit Gewissheit eines sagen kann über diese Wahl in drei Monaten, dann wohl das.

50 000 Plakate will die laut Verfassungsschutz gesichert rechtsextreme Partei kleben, die ersten schon in wenigen Tagen in Magdeburg. 1,5 Millionen Euro wird die AfD für ihren Wahlkampf ausgeben, Siegmund will in jedem Wahlkreis zwei volle Tage verbringen, plant Simson-Ausfahrten, ein Familienfest und Auftritte mit AfD-Chefin Alice Weidel. Wie ein Conférencier führt er durch die Veranstaltung, liest die Sprüche auf den Plakaten vor, erklärt auch sein eigenes Porträt („Das bin ich“) und sagt: „Es geht uns nicht nur um Sachsen-Anhalt, es geht uns um Deutschland“.

Ihr Programm für einen grundlegenden Umbau des Landes hat die AfD schon Mitte April beschlossen. Es sieht unter anderem die Abschaffung der Schulpflicht, eine „Abschiebe- und Remigrationsoffensive“ und erhebliche Eingriffe in Kunst und Kultur vor.

Anpassungen hat die AfD auch in aller Stille am Wahlprogramm vorgenommen. Dort verschwand Ende April der Hinweis auf ihr Vorbild Viktor Orbán, den abgewählten ungarischen Ministerpräsidenten. Im Kapitel zur Kulturpolitik, in dem unter anderem „Kein Staatsgeld für antideutsche Kunst und Kultur!“ propagiert wird, hatte sie Orbáns kulturpolitische Wende als „Vorbild und Inspiration“ gepriesen. Auf Nachfrage […] sagt Tillschneider, es sei möglich, „dass wir da redaktionell etwas bearbeitet haben“. Orbán habe eine wunderbare Kulturpolitik gemacht, er sei sicher nicht daran gescheitert. Warum ist er dann aus dem AfD-Programm verschwunden? Tillschneider: „Weil es obsolet ist, weil er historisiert wurde.“

https://archive.is/trcmk

In Thüringen, wo die faschistoide Höcke-AfD noch nicht mal das Land regiert, ist man schon einen Schritt weiter:

Insgesamt 190.000 Euro hat der Ilm-Kreis in Thüringen für das laufende Jahr aus dem Programm »Demokratie leben!« von Bund und Land erhalten. Doch der Kreistag hat entschieden, lieber auf das Geld zu verzichten. Fortan stehen daraus also keine Fördermittel mehr zur Verfügung für die Internationale Studierendenwoche in Ilmenau, das größte Treffen seiner Art in Deutschland. Kein Geld mehr für Antidiskriminierungsprojekte in Schulen. Keine Unterstützung für Projekte des Kinder- und Jugendbeirats.

Grund ist ein Antrag der AfD-Fraktion, der gegen »ideologische Steuerung« wettert und für die Streichung der Mittel aus dem Haushaltsplan 2026 plädiert. Die AfD hat im Ilm-Kreis zwar keine Mehrheit, doch Mitglieder der CDU/FDP-Fraktion und der Freien Wähler verhalfen der rechtsextremen Partei im Kreistag zum Erfolg: Keine Fördermittel mehr aus dem Bundesprogramm »Demokratie leben!« im Ilm-Kreis, der Antrag wurde angenommen.

Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Förderung der Projekte den Kreis nichts kostet. Oft bezuschussen Städte oder Landkreise die Gelder. Im Ilm-Kreis übernimmt das der Freistaat Thüringen, 50.000 Euro der Fördersumme kommen vom Land.

https://archive.is/uLqax

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Wenn es interessiert, in einem Vortrag von Hörsaal auf www.deutschlandfunknova.de beschäftigt sich Detlef Pollack mit der Frage, warum so viele Leute die AFD wählen- Kann man sich mal anhören,

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Man kann eine AfD verbieten. Falls das misslingt wäre das ein herber Rückschlag. Falls das gelingt würde das die Möglichkeit eröffnen innerhalb eines kleinen Zeitfensters (vmtl. eine Legislaturperiode) die Verfassungsorgane zu stärken. Voraussetzung wäre selbst dann, dass alle anderen demokratischen Parteien an einem Strang ziehen (was dann nochmal eine Challenge für sich wäre). Das wäre auf jeden Fall ein Gewinn. Daher bin ich für ein Verbot wenn es sehr gute Chancen auf Erfolg hat und es einen guten Plan für die Zeit danach gibt.

Der entscheidende Punkt ist aber: mit dem Verbot wird man den AfD Kern sicher vollständig verlieren (was vielleicht auch unvermeidbar ist). Sicher ist also, dass sich eine neue starke Partei gründen wird, die aus dem Verbotsverfahren gelernt haben wird und sich genau so aufstellen wird, dass man sie beim nächsten Mal nicht so leicht verbieten kann. Wenn es bis dahin keine wirklich gute Alternative für AfD Sympathisanten am Rand des Spektrums gibt, wird man diese Ruckzuck wieder an diese neue Partei verlieren.

Eine solche Partei muss sich natürlich formal an geltendes Recht halten. Wie stark das eine Regierung in rechtswidrigem Handeln einschränkt erleben wir ja aber heute schon z.B. im Bereich Migration und Klimaschutz. Ein Gericht kann zwar feststellen, dass eine Regierung rechtswidrig handelt, aber es wird sehr schwer ihr einen konkreten Pfad vorzuschreiben, wie so ein Defizit auszugleichen ist. Auch in den USA erleben wir, wie eine Demokratie mit vergleichsweise durchaus starken Institutionen vor einer rechtspopulistischen Bewegung weitgehend kapituliert.

Daher meine Überzeugung: es wird schwer bis unmöglich gegen eine sehr große Gruppe, geschweige denn eine Mehrheit effektiv Politik zu machen. Und das macht es am Ende unumgänglich diese Gruppe zumindest so weit wieder für sich zu gewinnen, dass eine stabile, handlungsfähige politische Mehrheit entsteht.

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Sollte es nicht ausreichen, das Antidiskriminierung und Demokratieförderung in der Schule vermittelt wird? Gibt es eigentlich eine Erfolgskontrolle, der zahlreichen, mit Steuernmitteln geförderten Projekte? Wenn ja, nach welcher Bemessungsgrundlage wird eine Reduzierung der Diskriminierung (vorher – nachher Vergleich) ermittelt? Besteht nicht die Gefahr, dass Antidemokraten allein den Umstand der Förderung instrumentalisieren und behaupten, dass Gelder fehlgeleitet werden und sich vermeintlich benachteiligt fühlende Menschen diesen Kräften zuwenden und sich von demokratischen Parteien lösen? Die Ergebnisse der Sonntagsfrage scheinen dies zu bestätigen.

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Entweder wahrte diese Partei dann den verfassungsrechtlichen Rahmen, denn sonst wäre sie schneller verboten als die zuvor verbotene rechtsradikale Partei (schließlich hat dann das Bundesverfassungsgericht seine Instrumente geschärft), dann wäre das gut, weil die Partei dann deutlich harmloser wäre.

Oder die neue Partei bliebe so radikal wie zuvor, was dann zügig ein erneutes Verbot zur Folge hätte.

Weder institutionell noch von den Befugnissen der Regierungsadministration her mitsamt den Möglichkeiten, die einem Präsidenten zurr Verfügung stehen, war die US-Demokratie jemals vor Machtmissbrauch geschützt. Das ist hierzulande weitaus weniger der Fall.

Es gehört zum Wesen unserer Demokratie, dass schon immer gegen große Gruppen Politik gemacht wurde, nämlich stets gegen die Minderheiten im Parlament und deren politische Vorstellungen.

Eine Mehrheit ist außer Reichweite. Wie schon belegt (s.o.), steht eine große Mehrheit gegen die rechtsradikale AfD und hält sie für eine Gefahr für die Demokratie.

Die Sonntagsfrage bestätigt gar nichts.

Und natürlich kann man Demokratieförderung wissenschaftlich evaluieren lassen. Wenn es den Rechten darum gegangen wäre, hätten sie ja eine solche Evaluation in Auftrag geben können. Das haben sie aber nicht getan, sondern die Förderung einfach eingestampft.

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