Als Kommunalpolitiker aus Bayern, der seit Jahren die Entwicklungen in ganz Deutschland mit Sorge verfolgt, möchte ich meine Gedanken zur bevorstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt teilen. Es ist für mich unvorstellbar, dieses Bundesland politisch aufzugeben – die Folgen wären nicht nur für die Menschen vor Ort verheerend, sondern hätten eine Brandwirkung, die ganz Deutschland erschüttern würde.
Die bereits in Podcasts und bei Anne Will viel besser erläuterten Argumente gegen eine stärkere Verankerung der AfD in Sachsen-Anhalt möchte ich hier ergänzen. Meine größte Hoffnung ist, dass die AfD nicht die 40-Prozent-Marke überschreitet – ein Ziel, das erreichbar erscheint, wenn es gelingt, die SPD als vierte Kraft im Landtag zu etablieren und gleichzeitig den Einzug von FDP und BSW zu verhindern. Denn ich befürchte zutiefst, dass sowohl FDP als auch BSW einer Zusammenarbeit mit der AfD offen gegenüberstehen könnten. Noch schlimmer: Die AfD könnte Wählerstimmen für die BSW aktiv fördern – eine Entwicklung, die das demokratische Gefüge weiter gefährden würde.
Wünschenswert, aber wohl eher Wunschdenken, wäre zudem ein Einzug der Grünen – doch allein der offene und entschlossene Widerstand gegen die AfD im Wahlkampf, gekoppelt mit einer Aufklärungskampagne für bisherige Nichtwähler und Unentschlossene durch Demonstrationen und den persönlichen Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern, könnte eine echte Chance bieten.
Was mir im Podcast nur kurz auffiel, möchte ich hier ganz deutlich betonen: Eine AfD-geführte Landesregierung würde Sachsen-Anhalt zum Schutzgebiet für Rechtsradikale machen. Straftaten könnten kaum noch verfolgt werden, Hetzmedien wie der Verlag „Der Schelm“ hätten viel leichteres Spiel, ihre Hassbotschaften zu verbreiten. Die fatalen Konsequenzen täten sich nicht nur in Sachsen-Anhalt auf – Mecklenburg-Vorpommern droht als nächstes, und die Gewinne der AfD in Berlin oder dem Saarland könnten sogar noch größer ausfallen. Schon ein einziges Bundesland mit dieser Ausrichtung kann in der Ministerpräsidentenkonferenz erheblichen Schaden anrichten – zwei oder mehr wären eine Katastrophe, die sich auch im Bundesrat massiv bemerkbar machen würde.
Auch auf kommunaler Ebene erleben wir die Folgen schon jetzt eindrücklich. Mein eigener Heimatort in Bayern hat kürzlich eine schwierige Kommunalwahl hinter sich – der Tonfall der AfD war widerwärtig, voll von Hass und Hetze, ohne jegliche konstruktive Lösungen. Trotz nur sechs Sitzen sind sie die zweitstärkste Kraft im Stadtrat, was Mehrheiten enorm erschwert. Besonders bitter: Zwar konnte ihr Einzug in die Stichwahl zum Oberbürgermeister verhindert werden, aber sie kooperieren mit mindestens einer Wählervereinigung im Stadtrat. Das wirkt sich spürbar negativ auf die Stimmung und die politische Arbeit aus.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt wäre nicht nur eine Katastrophe für dieses Bundesland, sondern hätte tiefe und zerstörerische Auswirkungen auf die gesamte Bundesrepublik – politisch, gesellschaftlich und menschlich. Deshalb appelliere ich an alle Demokratinnen und Demokraten: Lassen Sie uns gemeinsam für eine vielfältige und offene Gesellschaft kämpfen. Wir dürfen nicht resignieren, sondern müssen aktiv werden – für ein starkes, solidarisches Deutschland.