Es ist schon erstaunlich, wie stark immer noch auf Gas gesetzt wird. Unser eigentliches Problem ist doch gar nicht, dass wir zu wenig Energie haben – sondern dass wir unabhängig werden müssen.
Euren Punkt mit den Großspeichern finde ich interessant. Aber ich frage mich: Warum reden wir immer nur über neue Speicher, wenn wir die größten längst schon haben? Sie stehen überall auf der Straße. Elektroautos sind nichts anderes als mobile Batteriespeicher – und sie stehen rund 90 % der Zeit ungenutzt herum.
Wenn man nur einen Teil dieser Kapazität netzdienlich nutzen würde, könnte man – wie es teilweise schon in Ländern wie Frankreich oder den Niederlanden angedacht wird – E-Auto-Besitzern zum Beispiel 15.000 Kilometer Strom im Jahr zur Verfügung stellen. Gleichzeitig hätten wir innerhalb kürzester Zeit gigantische Speicherkapazitäten im System. Der Aufbau von Großspeichern würde dagegen Jahre dauern.
Dass dieser Weg so wenig verfolgt wird, ist zumindest schwer nachvollziehbar. Stattdessen wird immer wieder mit Begriffen wie „Energieoffenheit“ argumentiert – was am Ende oft bedeutet, ineffiziente und teure Lösungen künstlich am Leben zu halten.
Ich würde die Förderung komplett anders aufziehen: Jeder Haushalt mit Smart Meter bekommt pro Person im Haushalt einen kleinen, AC-ladbaren Stromspeicher mit etwa 2 kWh Kapazität. Im aktuellen Markt sprechen wir von etwa 1.000 Euro pro Einheit. Damit würde man sehr schnell eine enorme netzdienliche Wirkung erzielen.
Rechnet man das hoch, käme man zusammen mit bereits installierten privaten Speichern auf etwa 180 GWh Kapazität. Und das Entscheidende: Jeder hätte direkt einen Vorteil davon. Man kauft Strom günstig ein, wenn viel da ist, und nutzt ihn später, wenn er teuer wäre. Das ist echte Entlastung – und gleichzeitig gut für das Netz.
Man könnte das auch ganz einfach über Gutscheine lösen: pro Person im Haushalt ein Förderbetrag, einlösbar für entsprechende Systeme. Viele würden das direkt mit einem kleinen Balkonkraftwerk kombinieren – und so noch mehr beitragen.
Technisch ist das alles heute schon möglich, zum Beispiel mit dynamischen Stromtarifen.
Genauso sollte man den Einbau bidirektionaler Wallboxen viel stärker fördern. Und zwar nicht nur für Hausbesitzer, sondern auch für Stellplätze in Mehrfamilienhäusern oder im öffentlichen Raum. Warum gibt es nicht längst an jeder Laterne eine einfache Lademöglichkeit? Es muss nicht alles ultraschnell laden – wenn wir dezentral denken, reicht langsames, intelligentes Laden völlig aus.
Und hier kommt ein Punkt dazu, der oft komplett ausgeblendet wird: Energiesicherheit ist nicht nur ein wirtschaftliches Thema, sondern auch ein sicherheitspolitisches. Wer bei Energie abhängig ist, ist erpressbar. Ein dezentrales, resilientes Energiesystem mit Millionen kleinen Speichern ist deutlich robuster als wenige zentrale Strukturen.
Genau deshalb gehört dieses Thema auch auf den Tisch von Boris Pistorius. Energieversorgung ist Teil der nationalen Sicherheit. Es geht nicht nur darum, ob Strom günstig ist – sondern ob er im Ernstfall überhaupt noch verfügbar ist.
Herr Pistorius, was ist mit Ihnen? Können wir mit Ihnen rechnen, wenn es darum geht, Deutschland auch energetisch widerstandsfähiger zu machen?
Denn am Ende geht es nicht nur um Wirtschaft oder Klimapolitik. Es geht darum, wie unabhängig und stabil unser Land in Zukunft wirklich ist.