LDN 474 - Wir haben genug Batteriespeicher, nämlich in E-Autos – und reden trotzdem über Gas?

Es ist schon erstaunlich, wie stark immer noch auf Gas gesetzt wird. Unser eigentliches Problem ist doch gar nicht, dass wir zu wenig Energie haben – sondern dass wir unabhängig werden müssen.

Euren Punkt mit den Großspeichern finde ich interessant. Aber ich frage mich: Warum reden wir immer nur über neue Speicher, wenn wir die größten längst schon haben? Sie stehen überall auf der Straße. Elektroautos sind nichts anderes als mobile Batteriespeicher – und sie stehen rund 90 % der Zeit ungenutzt herum.

Wenn man nur einen Teil dieser Kapazität netzdienlich nutzen würde, könnte man – wie es teilweise schon in Ländern wie Frankreich oder den Niederlanden angedacht wird – E-Auto-Besitzern zum Beispiel 15.000 Kilometer Strom im Jahr zur Verfügung stellen. Gleichzeitig hätten wir innerhalb kürzester Zeit gigantische Speicherkapazitäten im System. Der Aufbau von Großspeichern würde dagegen Jahre dauern.

Dass dieser Weg so wenig verfolgt wird, ist zumindest schwer nachvollziehbar. Stattdessen wird immer wieder mit Begriffen wie „Energieoffenheit“ argumentiert – was am Ende oft bedeutet, ineffiziente und teure Lösungen künstlich am Leben zu halten.

Ich würde die Förderung komplett anders aufziehen: Jeder Haushalt mit Smart Meter bekommt pro Person im Haushalt einen kleinen, AC-ladbaren Stromspeicher mit etwa 2 kWh Kapazität. Im aktuellen Markt sprechen wir von etwa 1.000 Euro pro Einheit. Damit würde man sehr schnell eine enorme netzdienliche Wirkung erzielen.

Rechnet man das hoch, käme man zusammen mit bereits installierten privaten Speichern auf etwa 180 GWh Kapazität. Und das Entscheidende: Jeder hätte direkt einen Vorteil davon. Man kauft Strom günstig ein, wenn viel da ist, und nutzt ihn später, wenn er teuer wäre. Das ist echte Entlastung – und gleichzeitig gut für das Netz.

Man könnte das auch ganz einfach über Gutscheine lösen: pro Person im Haushalt ein Förderbetrag, einlösbar für entsprechende Systeme. Viele würden das direkt mit einem kleinen Balkonkraftwerk kombinieren – und so noch mehr beitragen.

Technisch ist das alles heute schon möglich, zum Beispiel mit dynamischen Stromtarifen.

Genauso sollte man den Einbau bidirektionaler Wallboxen viel stärker fördern. Und zwar nicht nur für Hausbesitzer, sondern auch für Stellplätze in Mehrfamilienhäusern oder im öffentlichen Raum. Warum gibt es nicht längst an jeder Laterne eine einfache Lademöglichkeit? Es muss nicht alles ultraschnell laden – wenn wir dezentral denken, reicht langsames, intelligentes Laden völlig aus.

Und hier kommt ein Punkt dazu, der oft komplett ausgeblendet wird: Energiesicherheit ist nicht nur ein wirtschaftliches Thema, sondern auch ein sicherheitspolitisches. Wer bei Energie abhängig ist, ist erpressbar. Ein dezentrales, resilientes Energiesystem mit Millionen kleinen Speichern ist deutlich robuster als wenige zentrale Strukturen.

Genau deshalb gehört dieses Thema auch auf den Tisch von Boris Pistorius. Energieversorgung ist Teil der nationalen Sicherheit. Es geht nicht nur darum, ob Strom günstig ist – sondern ob er im Ernstfall überhaupt noch verfügbar ist.

Herr Pistorius, was ist mit Ihnen? Können wir mit Ihnen rechnen, wenn es darum geht, Deutschland auch energetisch widerstandsfähiger zu machen?

Denn am Ende geht es nicht nur um Wirtschaft oder Klimapolitik. Es geht darum, wie unabhängig und stabil unser Land in Zukunft wirklich ist.

Das ist ein sehr interessanter Vorschlag. Dazu braucht es aber einen schnellen Ausbau der Smartmeter (leidiges Thema). Die Gutscheine finde ich da auch sinnvoll, sofern man dann freiwillig die Mehrkosten für ein größeres System übernehmen kann. Da auch BKW einzubeziehen ist sinnvoll, da nicht jeder einen Speicher aufstellen kann (z.B. als Mieter in einem MFH).

Das ist so nicht ganz richtig. Nur als Beispiel: Zendure SolarFlow 2400 AC+
Das ist ein Stecker Speicher. einfach nur in die Steckdose stecken. Man braucht im optimalen Fall dann einen Vertrag, z.B. ZenWave. Soll jetzt keine Werbung sein. ich nutze es nur und kenne mich daher damit am besten aus. Den Speicher kann sich jeder ins Wohnzimmer oder sonst wo hin stellen. Da ist keine Installation im Keller oder so notwendig. Ich wollte da eigentlich auch noch Module ran hängen, wird mir aber von der Eigentümer Gemeinschaft leider nicht erlaubt.
Aber wir sparen damit Jahr für Jahr ca. 300 Euro. Das ist ja dann nach einem Jahr nicht weg, sondern bleibt. Wenn man da, z.B. einen Gutschein für Pro Person z.B. 800 Euro bekommen würde, wäre das für den Staat erst mal Netzdienlich und für den Verbraucher echte Ersparnis. So ein Speicher kann locker 15 Jahre halten. so kann jeder pro Person im Haushalt theoretisch 4500 Euro sparen, aber wenn man nur von der Hälfte ausgeht hätte man eine Ersparnis von 2250 Euro.

Mit den Autos als Speicher ist das natürlich etwas aufwändiger an jede Laterne ein Ladegerät anzubauen, aber auch das wird ja schon gemacht, aber sie dienen noch nicht Netzdienlich. Aber warum? Wenn ich mein eAuto über Nacht oder am Job tagsüber anschließe kann der Speicher doch arbeiten. Am Besten bezahlt man dann nur das, was das Auto selber auch verbraucht hat, der Rest ist Netz Dienlichkeit und als Entschädigung bekommt dann jeder 15.000 Kilometer im Jahr geschenkt.

BMW bietet genau diese Modell für einige wenige Modelle ja schon an.

Wirklich alle Fahrzeuge die aktuell zugelassen sind, könnte man per Software oder mit kleinen Nachrüstungen dazu bringen Netzdienlich zu arbeiten.

In Frankreich und Holland geht man davon aus das da wo das genutzt wird der Strom Preis schnell um >20% sinken wird.

Aktuell werden oft im Norden die Windräder gedrosselt oder im Süden Solarparks abgestellt, da der Strom nicht abfließen kann. Der könnte so super gespeichert werden.

Noch ein anderer Punkt ist die Einspeisevergütung. Warum zum Teufel bekommt man dafür nur Geld, warum gibt es keine Verträge, wo man den Strom nur verleiht und sich dann wenn der eigene Speicher wieder leerer wird wieder zurück geholt werden kann.

Das Zauberwort der Zukunft muss Netz Dienlichkeit sein.

Wir haben genug Batteriespeicher, nämlich in E-Autos – und reden trotzdem über Gas?

Ja. Batteriespeicher haben in der Regel eine Kapazität von 2-4 Stunden (bezogen auf ihre Maximalleistung). Mit entsprechend mehr Speichern kann man das natürlich ausweiten. Je mehr man das tut, desto seltener werden die Speicher allerdings genutzt, so dass sie schnell unwirtschaftlich werden.

Deswegen geht es nicht um Speicher oder Gas. Wir brauchen beides. (Das sage ich übrigens als vollkommen überzeugter Anhänger der Energiewende.) Den Großteil des Speicherbedarfs von mehreren Stunden bis einige wenige Tage werden mit Speichern abdecken können. Für die wenigen, aber doch immer vorkommenden Fälle, wo wir 2 Wochen mit sehr wenig Wind und Sonne überbrücken müssen, scheinen mir Gaskraftwerke die deutlich wirtschaftlichere Lösung zu sein.

Es geht also nicht um Speicher vs. Gas, sondern darum, dass wir die Rahmenbedingungen so gestalten, dass Gaskraftwerke reines Backup sind und den Speichern keine Konkurrenz machen. Und dann sind wir wieder beim Problem Katherina Reiche.

Schöne Idee. Aber 180 GWh reichen bezogen auf den deutschen Stromverbrauch für etwa 3-4 Stunden. Das reduziert nicht die Notwendigkeit für Gaskraftwerke, die auch 2 Wochen relative Dunkelflaute überbrücken können.

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Weil Batteriespeicher keine Lösung gegen die Dunkelflaute sind:

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Und vor allem keine Lösung für saisonalen Ausgleich.

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Ich finde, ihr beschreibt das technisch alles richtig – aber aus meiner Sicht fehlt eine wichtige Perspektive: Wir denken das Problem zu national und zu „binär“.

Zuerst einmal zur Einordnung: Eine Dunkelflaute bedeutet nicht, dass plötzlich kein Strom mehr da ist. Auch in solchen Phasen gibt es weiterhin Erzeugung – durch Biomasse, Laufwasserkraft, etwas Rest-Wind und Importe. Das System fällt also nicht auf null, sondern auf einen deutlich reduzierten Anteil.

Die eigentliche Frage ist also nicht: „Wie lange haben wir gar keinen Strom?“ – sondern: Wie lange haben wir zu wenig erneuerbare Erzeugung und müssen diese Lücke schließen?

Und da wird es spannend: Typische Dunkelflauten dauern einige Tage, selten auch mal länger. Aber sie betreffen in der Regel nicht ganz Europa gleichzeitig. Genau deshalb haben wir den europäischen Verbund. Schon heute wird Strom über Ländergrenzen ausgeglichen – Wind im Norden, Wasserkraft in Skandinavien, Solar im Süden. Auch wenn die großen Nord-Süd-Trassen in Deutschland noch nicht vollständig ausgebaut sind, fließt Strom bereits über Umwege durch Nachbarländer.

Das bedeutet: Die wirklich kritischen Phasen sind deutlich seltener, als oft dargestellt – vor allem, wenn man Europa als Ganzes betrachtet.

Und genau hier kommen die Speicher ins Spiel – aber in ihrer richtigen Rolle. Heimspeicher, Elektroautos und Batteriesysteme sollen keine zwei Wochen Dunkelflaute überbrücken. Ihre Aufgabe ist es, den Alltag zu stabilisieren: Lasten verschieben, Spitzen glätten, Solarstrom vom Mittag in den Abend bringen.

Wenn man das konsequent denkt, verändert sich das Bild deutlich. Würde man pro Person im Haushalt etwa 2 kWh Speicher installieren, käme man in Deutschland auf rund 180 GWh dezentrale Speicherkapazität.

Wenn man zusätzlich Elektroautos realistisch mit einbezieht – also nur einen Teil der Fahrzeuge und bewusst nur einen Teil der Batteriekapazität nutzt, damit die Fahrer jederzeit genug Reichweite haben – entsteht ein weiterer Puffer von grob 100–200 GWh.

Das ersetzt keine langen Extremphasen – aber genau das ist auch nicht die Aufgabe. Es ist ein massiver Hebel für die täglichen Schwankungen im Netz, die heute den größten Stress verursachen. Und genau dort kann man schnell und vergleichsweise günstig ansetzen.

Man muss dabei auch ehrlich sein: Wir werden nicht alles mit Strom lösen können. Gerade energieintensive Industrie wie Chemie, Stahl oder Aluminium braucht kontinuierlich große Energiemengen – das wird heute noch über fossile Energieträger und perspektivisch über Wasserstoff laufen. Das ist ein eigener Baustein und sollte nicht mit dem normalen Stromsystem vermischt werden.

Was man aber klar sagen kann: Wenn man diesen industriellen Dauerbedarf ausklammert, ist Europa beim Strom heute schon deutlich weiter, als oft dargestellt. Durch bessere Nutzung (weniger Abregelung), Netzausbau und Flexibilität wäre schon heute ein deutlich höherer Anteil erneuerbarer Energie möglich.

Und jetzt kommt für mich der entscheidende Hebel: Netzdienliche Fahrzeuge.

Heute sind Elektroautos noch ein kleiner Teil des Bestands und werden meist einfach nur geladen, wenn sie angeschlossen sind. In drei Jahren kann das schon ganz anders aussehen: Wenn netzdienliches Laden zum Standard wird und sich finanziell lohnt, werden deutlich mehr Fahrzeuge elektrisch unterwegs sein – und gleichzeitig als flexible Speicher im Netz arbeiten.

Das hat zwei Effekte: Erstens sinkt der Bedarf an Öl relativ schnell, weil mehr Fahrzeuge elektrisch fahren. Zweitens steigt gleichzeitig die verfügbare Speicherkapazität im System, weil genau diese Fahrzeuge netzdienlich genutzt werden können. Das System verbessert sich also doppelt – weniger fossiler Verbrauch und mehr Flexibilität im Stromnetz.

Für mich wirkt die aktuelle Debatte oft so, als würden wir das gesamte Energiesystem auf den seltenen Extremfall auslegen. Dabei passiert der Großteil der Probleme im Alltag – und genau dort können dezentrale Speicher und Fahrzeuge sofort helfen.

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Wenn man das Ganze auf Europa schaut, wird das Bild deutlich klarer – und auch stabiler. Im EU-Strommix liegen wir aktuell bei etwa 40–45 % erneuerbarer Erzeugung im Jahresmittel. Im Sommer ist Solar sehr stark, im Winter deutlich schwächer (teilweise nur 10–20 % des Sommerniveaus). Gleichzeitig steigt aber die Windproduktion im Norden und Westen Europas im Winter deutlich an, und Wasserkraft aus Skandinavien sowie den Alpen liefert konstant und flexibel Energie. Dazu kommen Biomasse und andere stabile Quellen. In Summe bedeutet das: Auch im Winter liegt die erneuerbare Erzeugung europaweit häufig noch bei 40–60 %, nicht bei null.

Der entscheidende Punkt ist: Diese Schwankungen gleichen sich auf europäischer Ebene deutlich besser aus als national. Während Deutschland alleine stärker schwankt, sorgt der Verbund dafür, dass sich Regionen gegenseitig stabilisieren. Deshalb ist die eigentliche Herausforderung keine komplette Dunkelflaute, sondern eine verbleibende Restlücke. Und genau die adressiert man sinnvollerweise im Zusammenspiel: europaweiter Ausgleich, flexible Verbraucher, dezentrale Speicher wie Heimspeicher und Elektroautos für den Alltag – und nur für die seltenen Extremfälle eine zusätzliche Reserve. Genau deshalb macht es aus meiner Sicht keinen Sinn, das Problem rein national zu betrachten.

Am Ende führt kein Weg an erneuerbaren Energien vorbei. Die entscheidende Frage ist nicht, ob es geht, sondern wie wir es am schnellsten und sinnvollsten umsetzen.

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Die Gelegenheit, auf E-Mobilität zu setzen, verpasst. Es ist nicht zu fassen. Aber liebes Lage Team. ihr sagt, ihr willst nicht, ob Frau Reiche total inkompetent oder extrem dreist sei. Warum nennt ihr das Kind ‘Korruption’ nicht bei seinem Namen?

Vermutlich, weil das rechtliche Konsequenzen haben könnte. Korruption ist in den meisten Fällen (je nach Definition) eine Straftat, und Menschen Straftaten vorzuwerfen, hat Konsequenzen. Man würde Frau Reiche als „Korrupt“ bezeichnen, wenn sie wegen Bestechlichkeit / Vorteilsnahme oder ähnlichem verurteilt wurde - oder zumindest Strafverfahren eingeleitet würden und ein hinreichender Verdacht besteht, um eine Verdachtsberichterstattung zu legitimieren (dann eben „möglicherweise korrupt“). So lange das nicht der Fall ist, wird man sich mit dem Begriff der „Korruption“ zurückhalten, und das ist auch vernünftig. Was man von Frau Reiche hält, kommt glaube ich gut genug rüber. Den letzten Schritt darf der Zuhörer dann ruhig selbst vollziehen.

Ich verstehe ehrlich gesagt den Zusammenhang zu meinem Kommentar nicht.

Niemand bezweifelt, dass wir durch ein europäischen Netz den Bedarf an saisonalen Ausgleich reduzieren können (mit entsprechenden Abhängigkeiten). Dadurch verschwindet er aber nicht. Wenn es tatsächlich so wäre wie du sagst

dann wären das ja gigantische Energiemengen, die man saisonal speichern müsste. Insbesondere vor dem Hintergrund dass man im Winter zunehmend mit Strom heizen wird. Denke eher das es weniger ist.

In jedem Fall ist das Mittel um auf Dunkelflauten oder saisonalen Ausgleich zu reagieren ganz sicher nicht der E-Auto Akku. Der eignet sich weder quantitativ noch ökonomisch dafür. Es geht darum, dass man relativ große Kapazitäten benötigt, die Energie vorhalten muss, die aber nur sehr selten abgerufen wird. Das ist halt der ideale Usecase für Gaskraftwerke (heute Erdgas, in Zukunft weitgehend Wasserstoff). Das wird unter Energietechnikern auch nicht angezweifelt. Höchstens welche Mengen erforderlich sind.

Wo der E-Auto Akku natürlich zukünftig eine wichtige Rolle spielen kann ist für den kurzfristigen Lastausgleich (Tage, Stunden etc). Nicht weil er dafür die ideale Technologie wäre, aber weil er eben im großen Stil einfach da ist.

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Sorry, aber du hast meine Ausführung glaube ich nicht verstanden. Also das eAuto und der Heimspeicher werden niemals mehr als ein Paar Stunden ausgleichen können, das ist nicht das Ziel. Das Ziel ist es Spitzen zu dämpfen. Da wir aktuell nicht im Sommer und auch nicht im Winter irgendwo mit Erneuerbarer Energie hin kommen müssen wir eh mit Gas oder Kohle zusätzlich Energie holen. Das hat aber nicht mit Saisonaler Verteilung zu tun.

Wenn alle mit Strom (Wärmepumpe) Heizen würden, würden wir weniger Gas brauchen als jetzt, das wäre extrem gut, auch wenn dieser Strom dann durch Gaskraftwerke erzeugt werden müsste, Aber die Effizienz ist halt 4-5 mal so gut, sprich gigantische EInsparungen möglich.

Nein - tatsächlich nicht. Denn

und

passt einfach nicht zusammen. Wenn du dir die großen Studien zur Transformation unseres Energiesystems anschaust, die auch hier immer wieder diskutiert werden (z.B. von Fraunhofer ISE), dann ist der Hintergrund der großen prognostizieren Zubauraten von Gaskraftwerken ja nur zu kleinen Teilen der Spitzenlastausgleich (der heute die größte Rolle spielt) und vor allem der saisonale Ausgleich.

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Die Aussage „Dunkelflauten betreffen in der Regel nicht ganz Europa gleichzeitig“ ist so pauschal nicht haltbar. Neuere Arbeiten zur Dunkelflaute-Charakterisierung auf EU-Ebene zeigen, dass es sehr wohl kontinentale VRE-Dürrephasen („variable renewable energy droughts“) gibt, die große Teile Europas gleichzeitig betreffen. Sie sind seltener als rein nationale Ereignisse, aber sie existieren – und genau dort laufen dann auch Importe an Grenzen.

https://www.nature.com/articles/s43247-026-03251-2

Aus Systemplanungssicht ist Handel deshalb kein Allheilmittel, sondern eine wichtige, aber endliche Flexibilitätsquelle.

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Aber das sind halt Punkte, was man nur schlecht ausgleichen kann. Das sind Punkte die wir immer haben werden. Dennoch durch Biomasse, Pumpanlagen usw, muss ja dann nur die Differenz ausgeglichen werden. Es wird in Europa ja nicht Null energie kommt rein geben. Es ist ja nur die Differenz die ausgeglichen werden muss. Ja und das wird noch lange mit Gas und später mit Wasserstoff gemacht werden müssen. Wie ja auch schon geschrieben, die Stahl, Chemie und Alu Industrie wird auch immer auf verbrennbare Stoffe wie Gas oder Wasserstoff setzen müssen, das kann man nicht vorhalten mit nem Akku.

Ich glaube, wir verrennen uns hier ein Stück weit. Ausgangspunkt war ja der Podcast (LdN 474), in dem es um den Ausbau von Großspeichern und gleichzeitig eine weiterhin starke Rolle von Gas geht.

Mir geht es dabei nicht darum, den saisonalen Ausgleich oder die Notwendigkeit gesicherter Leistung infrage zu stellen – da bin ich bei dir, dass Heimspeicher und E-Auto-Akkus das nicht leisten können.

Mein Punkt ist ein anderer: Ein großer Teil des heutigen Einsatzes konventioneller Kraftwerke entsteht im kurzfristigen Bereich – durch tägliche Lastspitzen und Schwankungen. Genau dort haben wir mit Heimspeichern und perspektivisch auch mit E-Autos bereits ein wachsendes, dezentrales Speicherpotenzial, das bisher kaum netzdienlich genutzt wird.

Wenn wir dieses Potenzial systematisch erschließen würden – z. B. gekoppelt an den Rollout smarter Zähler und konkrete Anreize wie einen Speicher-Bonus für Haushalte – könnten wir diese kurzfristigen Schwankungen deutlich besser abfedern. Gleichzeitig hätte das mehrere positive Effekte: weniger Verbrenner bedeutet weniger Ölbedarf, mehr E-Autos bringen zusätzliche flexible Speicherkapazität ins System, und mehr Wärmepumpen senken den Bedarf an fossilen Brennstoffen durch ihre höhere Effizienz.

Das ersetzt den saisonalen Ausgleich nicht, aber es reduziert den laufenden Bedarf an konventioneller Erzeugung im Alltag. Und genau deshalb finde ich, sollten wir viel stärker darauf setzen, klare und spürbare Anreize zu schaffen, damit möglichst viele Haushalte direkt vom Umbau profitieren und ihn aktiv mittragen.

Was denkt ihr, würde passieren, wenn wir morgen statt eines Tankrabatts genau solche Anreize setzen würden – also z. B. einen Gutschein für netzdienliche Heimspeicher beim Einbau eines Smart Meters, einen schnellen Rollout von Millionen dieser Speicher, kostenlose Stromkontingente für diejenigen, die ihre E-Autos netzdienlich zur Verfügung stellen, oder gezielte Förderung für Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum, wenn sie systemdienlich genutzt wird? Würde das nicht viel stärker dazu beitragen, die Energiewende tatsächlich zu beschleunigen – und wirkt es vor diesem Hintergrund wirklich sinnvoll, weiterhin Benzin und Diesel zu verbilligen oder „Technologieoffenheit“ als Alternative zur Wärmepumpe zu betonen?

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Für die Zukunft ist Vehicle-To-Grid sicherlich eine nützliche Technik (die allerdings auch zum Batterieverschleiß beiträgt), aber bei der Bestandsflotte bin ich da skeptisch. Die Komponenten sind typischerweise für eine Fahrzeugplattform und Generation entwickelt. Da müsste jeweils eine Nachrüstlösung entwickelt werden (wo nicht schon vorhanden). Ich glaube nicht, dass sich eine solche Entwicklung im Allgemeinen lohnen würde, nur vielleicht in Fällen, wo es per Software geht und eine große Nachfrage zu erwarten ist (oder der Aufwand sehr gering ist, weil das meiste von einem Nachfolgemodell übernommen werden kann).

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Da bin ich mir nicht mal so sicher.
Es scheint sich mehr und mehr zu zeigen, dass bei vernünftigem Ladeverhalten die modernen BEV-Batterien wesentlich weniger verschleißen als befürchtet. Eine V2G-Lösung würde natürlich darauf basieren, dass der Strom immer vergleichsweise langsam und konstant fließt (dh. kein möglichst schnelles auf- und entladen) und zudem die Akkus weder bis ans Limit geladen, noch zu sehr entladen werden. Mit anderen Worten: Eine V2G-Lösung würde wohl darauf basieren, den Akku immer zwischen 50 und 80% des Maximums zu halten, außer eben, der BEV-Besitzer sagt explizit, dass er voll laden will (weil er am nächsten Tag z.B. eine lange Strecke fahren will) und deshalb aus dem V2G out-opted.

Wir müssen uns immer vor Augen führen, dass der absolute Großteil der BEVs im Alltag nur für Kurzstrecken genutzt wird. Das sind die Akkus, die für eine V2G-Lösung attraktiv sind. Die Akkus der Handelsvertreter, die jeden Tag den Akku leer fahren, sind für V2G generell uninteressant.

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Aber wenn man doch wie du hier gerade schreibst ohnehin Gaskraftwerke für den saisonalen Ausgleich benötigt, dann verstehe ich deine komplette Ausführung nicht. Dann reden wir natürlich trotzdem über Gas.

Und wie schon in einem anderen Thread angesprochen gibt es ja noch einen Punkt: das Netz!

Denn wenn wir in Zeiten von deutlichem Mangel wirklich alles aus dem fernen Ausland ausgleichen wollen, dann muss auch das Netz die Kapazität haben diese hohe Energiemenge von A nach B zu bringen.

Und die Wasserkraft in Skandinavien liefert ja auch nur ein relativ konstantes Potential. Die kann man ja schlecht hochregeln wenn der Bedarf steigt. Was man aber gut machen könnte wären Überschüsse in Skandinavien zu H2 oder Methan zu machen und in Mangelsituationen dann wieder zu verstromen. Denn das lohnt sich vor allem dort wo man eine hohe Auslastung hätte, weniger am deutschen Windrad mit schwankender Leistung.

Zudem gibt es ja zwischen ausreichender Stromproduktion und Dunkelflaute noch viel dazwischen. Da hat man zwar dann keinen weitgehenden Ausfall von Sonne und Wind, aber dennoch großflächig weniger Produktion als Bedarf mit der Folge, dass sich Stromspeicher leeren. Wenn es dann aus einer solchen Mangelsituation in die lokale Dunkelflaute geht, dann wären die Speicher bereits leer.

Beim Thema Dunkelflaute geht mir die Diskussion ein wenig zu binär. Es wird gerne so getan, dass es nur die Situation gibt Dunkelflaute, also kein Strom, oder keine Dunkelflaute, also genug Strom für Export.

Aber da man ja je nach Definition bei einem Ertrag von unter 10% von Dunkelflaute redet würde das nur gelten, wenn man mehr als das 10-Fache der Kapazität hätte.

Interessant wäre mal eine Analyse des Zeitlichen Verlaufs von Produktion und Kapazität auf 100% EE hochgerechnet um zu sehen wie lange den Phasen wären in denen die Produktion niedriger ist als der Bedarf. und wie viel Ausgleich das tatsächlich benötigt.

Stromspeicher könnten ihren Teil dazu beitragen den Bedarf im Tagesverlauf auszugleichen, aber saisonal braucht es nach allen Prognosen die ich kenne, also auch von absoluten Befürwortern erneuerbarer Energien, dann doch auch Erzeugung z.B. über Gas und solange das so ist müssen wir natürlich auch über Gas reden.

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Ich hoffe ja auch auf eine möglichst schnelle Durchsetzung von bidirektionalem Laden.

Das hier kam heute im PV Newsletter und klingt leider weiterhin nicht nach schneller Massentauglichkeit.

Tipp, auch mal ganz nach unten scrollen, da finden sich die Forumsbeiträge. Noch nicht so sehr viele angesichts des Veröffentlichungsdatums, aber einige interessante, tlw. Kontroverse.

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