LDN 474 - Wir haben genug Batteriespeicher, nämlich in E-Autos – und reden trotzdem über Gas?

Ja, es ist gut, dass Batterien länger halten.

Trotzdem sollte man den Beitrag des bidirektionalen Ladens zur Batteriealterung nicht ignorieren. Nehmen wir an, bei einer V2G-Nutzung würde dafür einmal pro die Energiemenge zwischen den beiden von die genannten Grenzen geladen und entladen, also 30 % der Batteriekapazität. Das entspricht (bei gleichem Verschleiß pro Energie) pro Jahr mehr als dem Hundertfachen der Reichweite, bei einem Fahrzeug mit 200 km Reichweite also 20000 km, was vermutlich mehr als die Jahreslaufleistung eines Kurzstreckenfahrers ist.

Und in manchen Modellen ist die Energie für bidirektionales Laden begrenzt, z. B. beim ID.7 mit 77 kWh auf 10 MWh ( VW ID.3, ID.4 und ID.5 – Grenzen beim bidirektionalen Laden | Bidirektionale Wallboxen ). Das hätte man mit 30 % pro Tag nach knapp eineinviertel Jahren ausgeschöpft.

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Noch mal, wenn wir die Situation hätten das wir schon jetzt zu optimalen Zeiten den Enegiebedarf zu 100% aus erneuerbarer Energie decken könnten, können wir uns darüber unterhalten ob wir kein Gas mehr bräuchten. da sind wir aber noch Lichtjahre von entfernt. Also jetzt geht es darum Lokale Schwankungen kurzfristig zu glätten, damit dann der Stom aus anderen Regionen hin fließen kann, ohne das lokal wieder ein Gaskraftwerk hoch gefahren werden muss, ohne vorhandenen Strom aus anderen Regionen zu nutzen.

Noch mal Europaweit ist das Netz in Deutschland ja nicht so relevant. Dann geht der Strom eben um uns herum.

Die Verbindung in Deutschland ist nur für Strom Zonen relevant. Von denen halte ich aber eben nichts, da wir Europaweit schauen müssen.

Wenn Bayern kein Strom aus dem Norden bekommen kann, bekommen sie den eben aus Österreich, die den aus Tschechien, die den aus Polen und die aus Norddeutschland. Ist ein Umweg aber der Strom kommt schon.

Bei Akkus ob zentrale großakkus oder Heimspeicher oder eben die Autos da geht es um einen ausgleich um die Spitzen abzuflachen

Gas ist aber dennoch auf Dauer keine Lösung

Ich finde es geht um beides. Wenn Gaskraftwerke perspektivisch nötig sind um bei Dunkelflaute einzuspringen, dann macht es ja wenig Sinn diese heute stillzulegen um dann in 10-Jahren ein neues hinzubauen. Das heißt bei der Planung muss man immer über die Situation heute, die in wenigen Jahren, aber eben auch die in ein 10-20 Jahren sprechen.

Das gehört für mich alles zu einem zukunftsfähigen Gesamtkonzept.

Wenn natürlich genug Speicher für kurzfristige Schwankungen vorhanden sind, dann braucht man keine Gaskraftwerke anlaufen zu lassen um Spitzen abzufedern. Dann laufen die eben nur bei längerer Unterdeckung der Versorgung.

Problem heute ist aber ja zudem, dass durch die große Preiszone auch Österreich günstigen Strom beziehen kann, wenn dieser gar nicht in Bayern vorhanden ist. Auch hier braucht es ja entweder eine Anpassung der Preiszonen oder man muss dann eben in der Lage sein den Strom den Österreich bezieht auch zu produzieren.

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huch? Ich dachte, Gaskraftwerke stilllegen steht eh nicht zur Diskussion? Eher ist die Frage, ob man die Kohlekraftwerke lieber noch länger in Reserve hält, statt neue fossile und thermische (Gas-)Kraftwerke zu bauen (thermische Kraftwerke haben inhärent eine Begrenzung in ihrer Effizienz, kann man mit GuD ausreizen, aber “Seltenläufer” würde man eher billig und dafür weniger effizient bauen, weil der Trade-Off zwischen CAPEX und OPEX inkl. Brennstoff ein anderer ist). Glücklicherweise muss die BNetzA m.W. bei Stilllegungen zustimmen, dass die Kraftwerke nicht systemrelevant sind, sonst müssen sie bleiben.

München hat übrigens sein Heizkraftwerk Nord von Kohle auf Gas umgestellt - es muss also für einen Energieträgerwechsel auch nicht unbedingt ein Neubau sein. (Wobei ein Heizkraftwerk nicht so sehr auf maximalen Stromertrag achten muss - es nutzt ja die entstehende Wärme. Und ob sie das aus heutiger Sicht auch gemacht hätten, sei dahingestellt, zum Zeitpunkt der Entscheidung wurde es klar als Klimagewinn gesehen.)

„jeder haushalt mit Smart Meter“ … ich musste spontan lachen.. Bis ich, trotz +10.000kwh Verbrauch, WP, E Auto etc, einen Smart Meter bekomme, sind meine Kinder in Rente… Bei mir macht der Netzstellenbetreiber alles, um die Dinger nicht zu installieren…

Aber die Idee ist gut. Ich würde sogar sagen (und genau das habe ich gerade gestern meinem MdB aus meiner Region geschrieben), dass wir einfach auf die Bestand PV die Einspeisevergütung streichen, im Tausch gegen eine Batterie-Förderung. damit wäre allen geholfen. Ich bspw. speise eh nur dann Strom ein, wenn der Preis negativ ist (also das eine fällt eben sehr oft mit dem anderen zusammen) und damit ist wirklich niemandem geholfen..

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Bei V2G sollten wir aber bedenken, dass die Energie aus Solar da nicht der Treiber sein wird. Die meisten Autos fahren am Tag nicht viel, aber sind eben auch tagsüber woanders. Wenn ich bspw. morgens um 7 zur Arbeit fahre, dort auf einem Parkplatz parke, und erst um 16:00 zuhause bin, ist im System nicht mehr viel PV Strom. Auch das eigene Dach liefert kaum mehr etwas. Anders sieht es dann aus, wenn der Wind nachts geht.

Selbst bei V2H ist es das gleicge Problem. Klar, wenn das Auto gar nicht genutzt wird, kann man damit perfekt einen PV Batteriespeicher „Simulieren“, aber so oft passiert das auch nicht.

Dazu sind 99% der Wallboxen nicht in der Lage, bidirektional zu arbeiten. und für V2G braucht es smart Meter, die sehr rar sind…

Ich würde mich wirklich freuen, wenn V2X endlich flächendeckend gehen würden. aber ob es die massiven Schwankungen im Netz wirklich ausgleichen wird?

Dazu sind - wie so oft gesagt - 66% aller Neuzulassungen Firmenwägen in Deutschland. Da wird das dann auch hinreichend kompliziert, wie man das Laden mit der Firma abrechnet, wenn man ständig Strom ins Auto lädt und rausholt… dann muss man ja auch jeweils den Preis dazu kennen…

ich denke, da müsste man es anders aufziehen: mit dem Firmen-ePkw kommt eine bidirektionale Wallbox mit, die vom Arbeitgeber (bzw. dessen Flotten-Energiepartner) gemanagt wird. Das skaliert auch besser, denn damit die Netze stabil bleiben, muss zumindest ein Teil der Batteriekapazitäten - und hunderttausende Autos mit je 11 oder 22kW sind schon eine relevante Größe - netz- und marktdienlich gesteuert werden, Damit könnte sich der Arbeitgeber den Beitrag zur Klimaneutralität auf seine ESG-Ziele anrechnen, außerdem senkt es die Flottenkosten. Sofern der Arbeitnehmer PV hat, könnte ein gleicher oder höherer Preis als die Einspeisevergütung für die Abnahme durch dieses System vereinbart werden.

die größten Stromüberschüsse sind tagsüber am Wochenende, in der Arbeit ist das Auto da in der Regel nicht, aber natürlich ggf. auf Freizeitfahrt unterwegs.

Die Überschrift zu diesem Thema adressiert ja nicht den Ausgleich zwischen Tag und Nacht, sondern den Einsatz der Pkw-Batterien zum Stopfen der “Dunkelflaute”. Für die kurzfristige Speicherung entstehen gerade Dutzende GW Batteriespeicher, die wie bisher schon Pumpspeicher die PV in die Nach bringt und die “Hellbrise” aufsaugen. Die Dunkelflaute sind einige Tage, selten auch mehrere Wochen, pro Jahr, über die Wettervorhersage lassen sie sich auch mehrere Tage vorher voraussagen. Es reicht also, da das Auto zuhause zu lassen, Unternehmen, bei denen das geht, werden vielleicht zu Homeoffice aufrufen. Manche energieintensive Industriebetriebe, die ihre Prozesse leicht unterbrechen können, werden womöglich sogar Werksferien machen, weil der Strom in dieser Woche zu teuer ist (bei den seltenen Situationen, wo es nicht nur zwei Tage sondern länger dauert), dann müssen die Mitarbeitenden auch nicht hinfahren.

Auch hier nochmal. Eine Dunkelflaute liegt ja nicht isoliert zwischen Wochen des Stromüberschusses sondern ist meist die extremste Ausprägung einer oft auch länger anhaltenden Wetterlage bei der auch schon in den Tagen vor der Dunkelflaute weniger Strom produziert wird als benötigt und das auch noch in den Tagen nach der Dunkelflaute.

Selbst wenn die Dunkelflaute selbst nur 60 Stunden andauert kann die Phase in der die Produktion erneuerbarer Energien geringer ist als der Bedarf schnell mehrere Wochen gehen. Damit am Tiefpunkt der Produktion volle Speicher in den E-Autos sind müssten die ja vorher schon stillstehen.

Außer man nutzt sie wirklich nur um am Tiefpunkt der Produktion etwas weniger Strom fossil erzeugen zu müssen, den muss man dafür dann aber in den Tagen vorher erzeugen. Es spart aber womöglich etwas maximal bereitzustellender Kapazität für Kraftwerke.

Der Punkt mit den Werksferien passt aber überhaupt nicht. Dienstwagen werden vorwiegend ja nicht von Mitarbeitern in der Produktion gefahren sondern auf der einen Seite von Mitarbeitern im Außendienst (Service, Montage, Verkauf) für die kurzfristige Werksferien keine Option sind weil Termine teils länger geplant werden und Kunden drauf angewiesen sind, ja vielleicht eine Wartung sogar gezielt während des Stillstands während einer Dunkelflaute gemacht wird, auf der anderen Mitarbeiter der Verwaltung die auch unabhängig Termine von der Produktion haben.

Edit: Komplette Werksschliessungen dürften zudem die Ausnahme sein. Anders als bei den länger geplanten Schließungen im Sommer ist es ja nicht möglich Kunden langfristig drauf vorzubereiten und ggf. vorzuproduzieren.

Verbreiteter dürfte dann sein, dass z.B. die dritte Schicht in solchen Phasen entfällt.