Mein Verständnis zum Thema “Dunkelflaute”: Batteriespeicher sind für ein erneuerbares Stromsystem unverzichtbar. A ber sie lösen das Dunkelflaute-Problem nicht. Netzdienliche Großspeicher und der europäische Verbund reduzieren Risiken, aber ohne steuerbare Kraftwerke (Gas/Wasserstoff) bleibt Versorgungssicherheit bei Extremwetter nicht gewährleistet.
Dunkelflaute
Ist kein Kampfbegriff von Energiewendegegnern. Sondern in der Netzpraxis und der Klimaforschung ein klar definiertes Phänomen: Länger anhaltende Wetterlagen, in denen Wind- und Solarleistung gleichzeitig stark unterdurchschnittlich sind. Solche Situationen treten in Deutschland typischerweise einige Male pro Jahr auf; seltener, aber vorhanden, sind Ereignisse von einer Woche und länger.
Das Problem ist nicht nur die Dauer eines einzelnen Ereignisses, sondern die Summe mehrerer enger Ereignisse, die in einem Winter relativ dicht nacheinander auftreten können. Nicht „die eine Horror-Dunkelflaute“, sondern das Zusammenspiel von 2–3 Mangelphasen innerhalb mehrerer Wochen erzeugt den größten Speicherbedarf.
„intra-day“ oder „day-ahead“, nicht saison
Selbst ein sehr offensiver Ausbau von netzdienlichen Batteriespeichern wird Dunkelflauten nicht im Alleingang „wegbügeln“. Der Sinn von Batterien liegt in anderen Zeitskalen: Sie sind hervorragend für Sekunden- bis Minuten-Regelung (Frequenzhaltung, Primärregelleistung) und für die Glättung stündlicher Fluktuationen geeignet. Typische Anwendung ist die Verschiebung von PV-Mittagsspitzen in den Abend und die Glättung von Windspitzen bzw. das kurzfristige Auflösen von Engpässe. Batteriespeicher senken Preisspitzen, reduzieren Abregelungen von EE-Anlagen und entlasten Netze lokal.
Für Betreiber von Wind- und Solarparks sind Speicher ein Instrument, um Erlöse zu glätten und Flexibilität zu verkaufen. Großbatteriespeicher sind notwendig, aber kein saisonaler Energiespeicher und daher nicht bei Weitem nicht hinreichend.
Rolle des europäischen Verbunden
Der europäische Verbund ist wird gern als Gegenargument zum Speicherbedarf angeführt:
- Der Verbund reduziert die Häufigkeit und Schärfe nationaler Dunkelflauten erheblich. Deutschland kann auf norwegische Wasserkraft, französische Kernkraft, dänischen Wind etc. zugreifen, und umgekehrt.
- Aus Sicht der Versorgungssicherheit wäre es irrational, sich auf ein rein nationales System zu beschränken, solange man technisch und politisch gut eingebunden ist.
Aber großskalige Hochdrucklagen und Winterflauten betreffen regelmäßig weite Teile Europas gleichzeitig. Dann sinken Wind- und PV-Erträge synchron in mehreren Ländern.
Die Importfähigkeit hat außerdem harte Grenzen: Leitungen sind begrenzt, die Nachbarn haben eigene Lastspitzen, und niemand wird in der Krise unbegrenzt exportieren.
Der Verbund ist also eine Risikodiversifikation, aber kein Ersatz für eigene Langzeitspeicher und steuerbare Kapazität.
Stromsysteme nur mit Wind, PV und Batterien
… sind theoretisch möglich, aber nur um den Preis extrem hoher Überdimensionierung und Speicherinvestitionen. Man landet – bei 100 %-Ziel ohne Backups – in Größenordnungen mehrerer Dutzend TWh Langzeitspeicher, typischerweise in Form von chemischen Speichern (Wasserstoff, Methan).
Demand Response und dynamische Preise
Verbrauch ist nicht statisch. Lastflexibilität ist ein Schlüssel der Energiewende.
- Haushalte und Kleingewerbe: Smart Meter, dynamische Tarife, zeitvariable Netzentgelte. Waschmaschine, E-Auto, Warmwasserspeicher – vieles lässt sich um Stunden verschieben.
- Industrie: Elektrostahl, Elektrolyseure, chemische Prozesse – große Lasten, die sich bei richtiger Auslegung bewusst preisgetrieben fahren lassen.
- Sektorenkopplung: Wärmepumpen und Power-to-Heat können Wärme vorziehen und in Speichern puffern, Verkehr (BEV-Flotte) kann ladezeitlich optimiert werden.
Damit lassen sich Lastspitzen abflachen und EE-Erzeugung besser nutzen.
Nur: Ein mehrtägiges Winterloch in der Erzeugung lässt sich nicht allein dadurch wegschieben, dass alle nachts etwas weniger waschen. Auch die Industrie kann nicht beliebig lange auf Standardprozesse verzichten. Schon aus Wirtschaftlichkeitsgründen wird Flexibilität nur bis zu einem bestimmten Schmerzpunkt genutzt.
Lastflexibilität ist daher eine komplementäre Maßnahme, die Speicher- und Kraftwerksbedarf reduziert, aber nicht eliminiert. Man sollte sie maximal fördern (Marktdesign, Digitalisierung, Anreize), aber nicht als Ersatz für die physische Vorsorge verkaufen.
Fortsetzung im nächsten Beitrag …