Ihr beleuchtet im FAZ Gastbeitrag von Frau Reiche ihre Aussage bezüglich des Ausbaus an Erneuerbaren.
Mir ist eine weitere Aussage in dem Beitrag aufgefallen, da dieses Thema in meinem direkten Umfeld auch häufiger diskutiert wird (disclaimer: mit einem einfachen Angestellten der Westenergie). Nämlich, dass die Redispatchkosten die Energie teurer machen und durch den Ausbau von Erneuerbaren diese Kosten noch steigen würden.
Tatsache ist, dass die Redispatchkosten ca 3 Milliarden Euro jährlich kosten. Davon fallen keine 500 Millionen für die erneuerbaren Erzeuger an der Rest geht an fossile Kraftwerksbetreiber, das wird im Artikel verschwiegen. Ein Fakt ist auch das die Kosten erst mit dem Ausbau an erneuerbaren Energien gestiegen ist, da wir vorher fast ausschließlich grundlastfähige Kraftwerke hatten. Frau Reiche stellt es aber so dar als seien Betreiber von erneuerbaren Energieträgern die einzige Wirtschaft die wir für Stillstand bezahlen, das stimmt nicht, wir bezahlen auch Gaskraftwerke dafür.
Also ja, der Ausbau an erneuerbaren Energien hat die Redispatchkosten steigen gelassen. Es ist aber auch keine Lösung deshalb mit dem Ausbau aufzuhören und Gaskraftwerke stattdessen zu bauen. Der einzige unterschied wäre, dass diese Gelder an die, für Frau Reiche, richtige Lobby fließen. Möchte man diese Kosten senken müsste man dafür sorgen, dass so wenig Windräder wie möglich leer laufen, also Netzausbau und Batteriespeicher. Frau Reiche muss das als ehemalige Westenergie CEO wissen.
Bei der Effizienz des Einsatzes von Primärenergieträgern (Öl, Kohle etc) geht es um den Wirkungsgrad, d.h. nutzbare Wärme oder Bewegungsenergie ggü. Primärenergie-Einsatz. Der ist idR kaum über 50%, es sei denn man kann Abwärme nutzen etc. Bei der Wärmepumpe wird dagegen eine Effizienz ggü. dem Stromeinsatz angegeben (eher aus Marketinggründen), der Sekundärenergie-Einsatz und - Ertrag vergleicht. Die Primärenergie einer Wärmenpumpe ist die Wärme der Luft oder des Wassers (also Sonnenenergie); der Wirkungsgrad dürfte weit unter 50% liegen. Wenn man mit dem Verhältnis zum eingesetzten Strom argumentiert, muss dessen Wirkungsgrad miteinbezogen werden - bei Wind (das ist die Primärenergie eines Windrades) ca. 50%, bei Solar kaum 25%. Die Tatsache, dass diese Primärenergieverluste bei der Produktion von „Erneuerbaren“ nicht bezahlt werden muss, heisst nicht dass das System effizienter wäre (mal von Back-Up und Speicherbedarf, von H2-Produktion, von fossilene Feedstocks für die Chemie nicht zu reden).
Es wäre eine Studie wert, aber ich halte die These, wir bräuchten bei vollständiger Umstellung auf Erneuerbare c.p. nennenswert weniger Primärenergie (wohlgemerkt einschliesslich Sonne und Wind), ist bei weitem nicht intuitiv. (Der Faktor 2,5 statt 5 wurde bei Tablemedia korrigiert ).
Soweit ich weiß, können Batterien schon den Energiebedarf zwischen Tag und Nacht ausgleichen, aber Dunkelflauten stellen sie noch vor Probleme. Es wäre interessant, da mal einen Batteriefachmann zu hören. Was sind die Gründe dafür, dass Batterien das nicht vollständig ausgleichen? Bieten Batterie irgendwann in jedem Fall Stromsicherheit? Oder muss man auf Wasserstoff als Backup zurückgreifen?
Mir war bekannt, dass durch E-Mobilität und Wärmepumpen der Bedarf an Energie sinkt. Wenn man es weiß, kann man es einordnen, Wäre es eine Aufgabe von Journalisten, auch Talkmaster, die Bürger darüber zu informieren und das einzuordnen?
Ketzerische Frage: Wie viele Journalisten fallen auf diesen Trick mit den Zahlen herein? Das kann man nur so machen, wenn das Wissen in der Bevölkerung fehlt.
Macron würde ich nicht so sehr in die Kategorie Friedrich Merz einordnen, sondern in die Kategorie Blair und Schröder, also neue Mitte, schon immer deutlich grüner als Schröder.
Wie gut wären Batterien für die Dunkelflaute? Den Tag-und-Nacht-Ausgleich schaffen Batterien schon heute, bei Dunkelflauten kann ich mich daran erinnern, dass da Batterien aus Gründen nicht so geeignet wären, sondern eher Wasserstoff, wenn ich mich konkret einen Vortrag von Volker Quatschning auf Youtube erinnern kann. Es wäre spannend, mal einen Batterieexperte zu befragen.
Ihr führt in der aktuellen Lage an, dass der Primärenergiebedarf umso stärker sinkt, je mehr erneuerbare Energien eingesetzt werden. Ihr gebt an, dass künftig nur noch etwa 1000 Terawattstunden benötigt würden.
Skeptiker führen an, dass KI und auch andere neue Techniken aber wesentlich mehr Energie brauchen werden. Wie sehen die Zahlen dazu aus?
Das E-Auto kannst Du 7 l Benzin gar nicht fahren, wenn es ein reines Elektrofahrzeug, kein Hybrid ist. Und wenn es einer wäre, könntest Du damit wahrscheinlich keine 700 km fahren, wenn Du nicht noch weitere (z. B. elektrische) Energie aufwendest.
Okay, erklären wir es trotzdem genauer.
Was @Marco_B291 mein, ist folgendes:
1 Liter Benzin enthält das Energieäquivalent von ca. 10kWh.
Viele BEV haben einen Fahrakku mit durchschnittlich 70kWh, was mit der obigen Annahme ca. 7 Liter Benzin entspricht.
Ein Verbrenner kommt damit vielleicht 100km.
Ein BEV kommt mit 70kWh (also dem Äquivalent von 7 Liter Benzin) gut und gerne 400km.
Es ist also 4-fach so effizient.
Sorry, aber auf mich wirkt das etwas nerdig-klugsch***erig und ändert an der grundsätzlichen Kritik am Framing von Frau Reiche nichts, oder?
Tatsächlich sollte man über das Verhältnis von Primärenergie aus fossilen Energieträgern zur tatsächlich genutzen Energie im Vergleich zur Primärenergie aus erneuerbaren Energieträgern zur tatsächlich genutzen Energie sprechen. Dann wird es intuitiv.
Die von Frau Reiche genannte Primärenergie beinhaltet m.W. nicht Sonne und Wind, sondern die Energie aus allen Energieträgern, an denen die Erneuerbaren nur 20% Anteil hätten. Oder?
Ja so sehe ich es auch.
Immerhin sind Sonne und Wind ja umsonst, wieso sollte man da den Wirkungsgrad einer Solarzelle mit einrechnen. Klar ist das nicht unwichtig, denn je größer der Wirkungsgrad umso besser die Ausbeutung je Flächeneinheit.
Hinsicht der 20% Quote hat Frau reiche aber noch einen Denkfehler. Das bedeutet nicht, dass wir fünf mal mehr brauchen, sondern lediglich dass wir mehr Wärmepumpen und E Autos, Netzausbau und Speicher brauchen, denn häufig wird erneuerbar produzierter Strom abgeregelt, der muss doch nur genutzt werden
Das (“4-fach so effizient”) ist eben energiewirtschaftlich falsch: Es muss der Wirkungsgrad der Stromproduktion schauen, um die “wahre” Effizienz zu ermitteln. Strom wird mit 25 - 50% Wirkungsgrad produziert (Sonne, Wind, Kohle, … ganz egal). Dann werden aus “400 km” (ohne dass ich mir die Beispielzahlen zu eigen machen will) schnell 150 - 100 km …
ich möchte Euch für diese konstruktiven Kommentare danken. 4 x mehr effizient, wow. So habe ich etwas gelernt. Gleich mal den Taschenrechner holen, ob das die Gesamtrechnung mit Wertverlust usw. ändert. Aber was mir ganz entscheidend fehlt, ist ein eine Lademöglichkeit. Ich wohne in einer Mietwohnung in einem Altbauviertel in Hamburg-Eimsbüttel. Fußläufig gibt es hier circa. 4 Ladestationen, davon 1 schnell. Die sind aber alle über 500 m entfernt, und wenn ich vorbeikomme, immer belegt. Ladestationen in Supermärkten etc sind wohl eher zu langsam, und nicht zahlreich genug. Das ist für meinen Wechsel auf E-Auto nicht gut genug. Dabei wäre ich gerne dabei.
Sorry, aber wie sieht denn der Wirkungsgrad bei Benzin aus, wenn man dort auch die Lieferkette mit einbezieht?
Wenn man auch diesen Weg betrachtet, so muss man es auch bei Verbrenner-Kraftstoffen tun.
Es ist eben nicht energiewirtschaftlich falsch, dass Elektromotoren einen erheblich besseren Wirkungsgrad haben als Verbrenner. Das wird auch nicht besser wenn man die Lieferkette mit einbezieht.
Naja, nur 4 sind es nicht …
Und das ist nur die Karte, die ich bei EnBW sehe.
Und Hamburg ist eigentlich gut ausgebaut.
Schlussendlich hängt es stark davon ab, wie man seinen Alltag organisiert.
Wieviel km fahre ich die Woche? Kann ich beim Einkaufen laden? Oder auf der Arbeit?
Auf die konkreten Argumente kann ich mangels Fachwissen nicht eingehen. Ich wage aber mal die Anmerkung, dass jemand aus der Gasbranche bei der Beurteilung erneuerbarer Energien vielleicht nicht 100% unbiased ist.
Mehr als 30 Jahre in führenden Positionen in der Öl-, Gas- und Energiebranche in Europa
Als Gründer, strategischer Berater, Unternehmensentwickler und langjähriger stellvertretender Verwaltungsrats-Präsident eines europäischen Gaspipeline-Ventures verfügt Thomas über umfassende Erfahrungen im Energiesektor und in der vorbildlichen Unternehmensführung.
Nur am Rande: ich finde das eine ganz schwierige Argumentationstrategie, die man so auch häufig aus Verschwörungskreisen bekommt. Ich finde wir sollten jedes Sachargument anhand der Sache neutral beurteilen statt alles durch einen Bias-Filter aufgrund von Verbindungen und vermeintlichen Agenden laufen zu lassen (und das natürlich auch nur dann, wenn es unserem eigenen Confirmation Bias dienlich ist) … die Frage sollte doch stets sein ob sich das eigentliche Argument sachlich entkräften lässt.