Das ist grundsätzlich richtig - man muss sich ggfs. verständigen, worauf man sich bezieht. Auch beim Benzin im PKW rechnet man zurück auf das Rohöl. Aber die monierte Aussage von Fr. Reiche bezog sich auf PEV. Dann kann man nicht plötzlich mit der Effizienz von Sekundärenergie-Einsatz argumentieren, und auf der Basis “Lüge” unterstellen.
Es geht mir weder um die völlige Delegetimierung einer Person und ihrer Argumente, noch um irgendeine Verschwörung. Selbstverständlich müssen Argumente für sich genommen bewertet werden. Trotzdem ist es immer sinnvoll zu wissen, woher bestimmte Argumente und Positionen kommen. Das ist genauso wie Zahlen von zB Agora Energiewende eher weniger kritisch zu Erneuerbaren sein werden, oder wie sich die verschiedenen Wirtschaftsinstitute in tendenziell arbeitgebernah, gewerkschaftsnah etc unterscheiden lassen.
Genau Frau Reiche bezieht sich auf die Primärenergie für der gesamten Bundesrepublik. Also Strom, Wärme und Mobilität. Da haben wir bisher 20% erneuerbare Energien.
Wenn man aber überlegt dass der Stromverbrauch bereits mit über 60% aus Erneuerbaren gedeckt wird, schneiden Wärme und Mobilität eher schlechter ab. Mit einer ca vier mal höheren Effizient bleiben von den verbleibenden 80% noch 20% übrig die wir tatsächlich ausbauen müssen. Da wir schon 20% haben als wie im Podcast gesagt eher Halbzeit.
Da wir bei fossilen Kraftwerken auch nur den Output als Primärenergie rechnen und nicht das Gas oder Öl kannst du Sonne und Wind genauso aus der Rechnung raus nehmen.
Ich kann nur jedem empfehlen, sich die Erläuterung des Umweltbundesamtes zum Primärenergieverbrauch anzusehen;
Dieser sinkt seit Jahren und ist dennoch nahezu ungeeignet, um den Bedarf an Erneuerbaren zu prognostizieren. Hierfür muss man bei der Nutzenergie ansetzen.
Das ist die grosse Falle im Bereich Energiewirtschaft, in die die Menschheit gern tappt: der Illusion zu folgen, irgendeine Nutzenergie (Sekundär-Energie für unseren Wohlstand/Komfort) sei ohne Kosten, ohne Nachteile, ohne Umwelt-Inanspruchnahme zu haben - weit gefehlt! Es gibt keine unendliche, kostenlose, Energie ohne Trade-off!
Was aus dem KW, dem Windrad, dem Solarpanel rauskommt (“Output”), ist Sekundär-Energie … Öl, Kohle, Wind etc. sind Energiequellen (Primär-Energie), Strom ist ein Energieträger (nach Umwandlung von Primär-Energie in die Nutzenergie Strom)
Dann erklär mir den Trade off doch gern mal. Und selbst wenn es einen Trade off gibt, macht es doch dennoch Sinn das geringe Übel einzugehen
Aber wie mans dreht, die ganze Betrachtung bezieht sich auf die Nutzung und nicht die Erzeugung. Je mehr Strom wir nutzen desto besser wird der Schnitt.
Derlei lag nach dem Lesen der Anmerkungen schon nahe, aber danke fürs Recherchieren!
@EnergyStrategy ich hätte erwartet, dass du deinen persönlichen Bias hier ungefragt offenlegst.
Das Ergebnis der Lage ist absolut korrekt (5 mal mehr? Nein!). Die Kommentare tragen meines Erachtens nach nur zu einem nebulös machen der Debatte bei.
Wenn du das Argument zu Ende denkst müsstest du das ursprüngliche Reiche Zitat auch anders darstellen - wenn du nur Primärenergie gegenüberstellen willst müsstest du wirklich die Sonnenenergie auf den Solarflächen + die Windenergie an den Windradstandorten den Brennwerten gegenüberstellen. Also für Solar *4 (da 25 % Effizienz), so kämest du auf ein ganz anders Verhältnis von 1:1. (Was witzigerweise in der Ableitung — wir brauchen etwa 2.5* mehr Erneuerbare — fast richtig ist aber aus komplett falschen Gründen.)
Solch eine Darstellung ist überhaupt nicht hilfreich.
Es ist natürlich bei Darstellungen der Primärenergie absolut Standard für Erneuerbare die gewonnene erneuerbare Energie und nicht die der e.g. elektromagnetischen Strahlung anzugeben.
Wirklich relevant ist die Effizienz der Solarzellen etc. bei Flächenverbrauch und Kosten.
Man kann natürlich solch eine Gesamtbetrachtung machen — was man durchaus interessant finden kann — nur ist sie durch die Kostenlosigkeit der Energiequellen sehr irrelevant.
Deshalb tauche ich ja auch mit diesem Namen, dieser Transparenz auf. Ich geh mal davon aus, dass wir alle unsere besten Erfahrungen einbringen, natürlich nie frei von partikular-Interessen oder etwa völlig objektiv sind. Ich halte es für selbstverständlich, dass man seine Interessensbindungen darlegt. Ich habe keinerlei Bindung zu Unternehmen der Erdgaswirtschaft, wohl aber zu Ocean Quest Int’l. Wir versuchen, CO2 zu binden, indem wir u.a. Kunststoffabfälle aus den Ozeanen sowie Kelp und Bambus zu Pflanzenkohle umzuwandeln.
Zum Thema kann ich nur sagen:
- Ich habe von der These, der PEV würde durch Erneuerbare c.p. sinken, noch nie gehört. Meines Erachtens ist sie angesichts von Wirtschaftswachstum auch nicht relevant: der PEV Europas ist grosso-modo seit 1998 trotz Wirtschaftswachstum flat (und die CO2-Emissionen sinken). Vielleicht liegt das bilanziell daran, dass Sonne und Wind bei den 20% nicht gezählt werden …
- daher ist es für mich nicht redlich, die Überlegung der LdN (die Vermutung von sinkendem PEV) als Allgemein-Wissen, und damit Fr. Reiche Vorsatz (sie wisse es ja sicher), zu unterstellen. Die Argumentation der LdN zu “Lüge” ist energiewirtschaftlich abwegig.
Es geht nur um energiewirtschaftliche Redlichkeit: wenn die LdN die These vertritt, dass die Umstellung auf Erneuerbare den Primärenergieverbrauch (PEV) c.p. senken würde, weil die “Effizienz” steige, dann muss auch mit Bezug auf PEV gerechnet werden! Und nicht plötzlich Sekundärenergie-Einsatz (Strom) zu Sekundärenergie-Output (Wärme) verglichen werden, ohne auf die Gestehung der Sekundärenergie zu schauen.
Und das ist die interessante Frage: stimmt die These der LdN? Genau: es sollte Nutzenergie (Sekundärenergie) ggü. Primärenergie-Einsatz verglichen werden.
Die LdN konstruiert ja eine bewusste Irreführung/Lüge durch Fr. Reiche aus dieser energiewirtschaftlichen Überlegung. Ich habe überhaupt keinen Grund, Fr. Reiche zu verteidigen, aber aus energiewirtschaftlicher Sicht kann man schon ohne Hintergedanken als Fakt dokumentieren, dass trotz aller Massnahmen, Regulierungen, Subventionen etc. in 30 Jahren die Abhängigkeit von fossilen Primär-Energieträgern nur auf ca. 80% des PEVs gesenkt wurde. Ob der derzeitige (oder eben lt. der Annahme von LdN ein niedrigerer) PEV ein Maßstab für eine Einschätzung, wie gross die Anstrengungen für weitere Energietransition sein sollten, kann ich nicht sagen. Die (sich im üblichen Bereich der) Wirkungsgrade bei der Stromproduktion aus Erneuerbaren einfach zu ignorieren, halte ich für nicht redlich. Die Nutzung von Sonne und Wind bleiben ja nicht ohne Rückwirkungen; die mögen auf den ersten Blick vernachlässigbar sein (so wie man früher dachte, Atommüll sei vernachlässigbar!), aber z.B. muss bei Windparks in der Nordsee bereits auf Abschattungen einerseits, und Veränderungen der Oberflächenströmungen andererseits geachtet werden.
Die LdN nimmt sich ja auch nur ein Beispiel aus dem Gastbeitrag heraus. Im Gesamtkontext des Artikels und ihrer Arbeit kann man durchaus von bewusster Irreführung sprechen auch wenn die Fakten erstmal stimmen
Nur kurz hierzu (wäre ein neues Thema aus der LdN474): Hier werden zwei Dinge vermischt (von der LdN und den Kommentaren): “Back-Up” und Speicher. Ja, beides trägt zur Versorgungssicherheit bei, aber
- “Back-Up” meint Vorhaltung von Produktionskapazität, und
- Speicher meint Vorhaltung von Puffer (also Abfederung von Differenzen zwischen Angebot und Nachfrage in verschiedenen Zeithorizonten, von 15 Minuten bis saisonal)
Beiden gemeinsam ist die “Vorhaltung”, also die Investition in Kapazität (im Gegensatz zu Energie/Arbeit - im Englischen so schön: capacity vs. commodity) - das ist der heilige Gral von Versorgungssicherheit. (Sonne und Wind sind eben nur Energie/Arbeit, keine Vorhaltung von Kapazität.) Neben Batterien gibt es auf der Ebene Strom (Sekundärenergie) historisch insbesondere Speicherseen (Talsperren) für diesen Zweck. Batterien erzeugen aber keinen Strom, d.h. man kann sie nicht in einen Topf mit “Back-Up”, also Vorhaltung von Produktionskapazität, werfen. Insofern ist es kein Wunder, dass eine Kraftwerksstrategie der BR sich nicht mit Speichern befasst.
Neben “Back-Up” braucht es beim Strom (schön, dass die BR nach 30 Jahren auf den Trichter kommt, was Energiefachleute seit damals gesagt haben: Sonne und Wind liefern keine Versorgungssicherheit) auch massiv Speicher, damit Windenergie möglichst durchgehend produzierte werden kann! Eine weitere Speichermöglichkeit für Strom ist H2 (durch Elektrolyse, aber eigentlich viel zu teuer).
Guter Punkt, der die These der bewussten Täuschung im FAZ Artikel unterstützen.
Frau Reiche behauptet die Branche der erneuerbaren Energien sei die einzige die durch Redisptch gefördert wurde wenn sie nicht produziert. Aber wer baut denn bitte aus ökonomischen Gründen ein Gaskraftwerke zur Reserve das darauf ausgelegt ist die meiste Zeit nicht zu laufen wenn ihm keine Redispatch Zahlungen zugesichert würden.
Das ist genau der Punkt: das geringere Übel - es ist immer (immer! - auch bei der nächsten grossen Hoffnung Fusion) ein Dilemma. Allein das anzuerkennen, ist schon ein wichtiger Schritt! Wir wissen dann, dass wir auf Kosten des Planeten leben …
Ich finde es in Diskussionen immer gut wenn man auf einer Grundlage einer Meinung ist. Die scheinen wir ja dann gefunden zu haben ![]()
Vielleicht müssen wir uns auch von der Nomenklatur von primär und sekundär Energie lösen und können uns auch noch darauf einigen, dass eine Elektrifizierung das geringere Übel ist zu Gas verheizen und Benzin verbrennen.
Und zum eigentlichen Thema zurück, Frau Reiche kennt den unterschied zwischen primär und sekundär Energie, vielleicht hat sie die Wortwahl deshalb bewusst gewählt um sich nicht der bewussten Lüge verantwortlich zu machen. Durch den Aufbau des Narratives und dem Kontext, kann man den Vorwurf der bewussten Irreführung dennoch vertreten
Guter Punkt … (ich bin kein Strom-Experte, kenne die Details von Redispatch nicht), aber: solange die Energiewirtschaft für die Versorgungssicherheit zuständig war (bis zur EU-Regulierung der Strom- und Gasmärkte ca. 1998), gehörte es zum selbstverständlichen Ethos dieser Unternehmen, für Kapazität und Arbeit zu sorgen (es gab - wie heute noch - in Endverbraucherverträgen einen Arbeits- und einen Leistungspreis). Der Kunde hat für die Versorgungssicherheit bezahlt (natürlich nicht zu knapp … ).
Heute wird Strom und Gas an Börsen gehandelt - niemand auf der Handelsebene bezahlt mehr für Versorgungssicherheit/Kapazität. Die soll (nach EU-Richtlinien) der sich aus Angebot und Nachfrage bildende Preis sicherstellen (und das hat er ja 2022 und in der derzeitigen Situation auch getan - man mag das mögen oder nicht). Die eigentliche Versorgungssicherheits-Pflicht liegt nun beim Staat; der hat sie aber während Dekaden mehr oder weniger ignoriert. Daher gibt es seit Ende der Ampel-Regierung eine Kraftwerksstrategie (für Back-Up = Versorgungssicherheit), die nun in ein Gesetz münden soll; die entspr. Kraftwerke dürften nur gebaut werden, wenn die Betreiber - statt lediglich den Arbeitspreis für Strom - eine Entlöhnung für die Kapazitätsvorhaltung (“capacity charge”) zugesichert bekommen (denn in der Tat: diese KW werden kaum 1’000 - 2’500 Std/Jahr laufen). Wenn man also nicht an die Versorgungssicherheit durch Preissignale glauben will (es gibt dann ja jedesmal einen inszenierten Aufstand, wenn Energiepreise steigen), muss man die Kraftwerksbauer mit Kapazitäts-Zahlungen locken …
Das wird der Sache mE nicht gerecht. Der Gastbeitrag von Min. Reiche hat hohe Wellen in der Koalition und den Medien geschlagen; die LdN 474 ist mit dem Thema betitelt, Energie ist das! Thema bei Planetare Grenzen, es gibt viel zu wenig Kreislaufwirtschaft, um neue Extraktion von Öl, Kohle und Gas zu ersetzen …
Wie gesagt, Fr. Reiche bietet keinen Grund, sie zu verteidigen, aber verstehen sollten wir alle, wie die Dinge zusammenhängen …
Frau Reiche schreibt:
«Deutschland hat einen Gesamtenergiebedarf von 2.900 Terawattstunden für Strom, Wärme, Mobilität und Industrieprozesse. Ein knappes Sechstel entfällt auf Strom, mehr als die Hälfte davon kommt aus erneuerbaren Energien. Der Anteil Erneuerbarer am Gesamtenergieverbrauch lag 2025 aber gerade einmal bei knapp einem Fünftel.»
Sie ersetzt hier Primärenergieverbrauch mit dem falschen Begriff Gesamtenergiebedarf. Das ist fachlich falsch. Sie suggeriert damit, dass es diesen Bedarf von 2.900 Terrawattstunden gibt, der komplett durch Erneuerbare gedeckt muss.
Es soll das Bild entstehen, dass wir noch 5 mal mehr Erneuerbare benötigen, was die Unmöglichkeit des Vorhabens darstellen soll.
Das ist Manipulation.
Da kannst du noch hunderte Nebenschsuplätze aufmachen.
Das müsste man dann aber für den Vergleich mit konventionelle Energieträgern berücksichtigen. Was den Punkt mit dem Wirkungsgrad nochmal verstärkt.
Es ist interessant um den tatsächlichen zukünftigen Bedarf abzuschätzen, aber für den Vergleich was sinnvoller ist nicht kritisch falsch
Edit: passt auch als Reaktion auf @EnergyStrategy: wenn man von steigendem Bedarf ausgeht, dann auch im Vergleichsszenario.
Im Übrigen…selbst wenn wir annehmen es war nicht bewusst manupuliert: braucht es eine Ministerin die in der Zeitung verlautbart wir sollen einfach aufgeben? A la ich hab unter vorgängerregierungen dafür gesorgt dass wir noch nicht weiter sind als 20% „trotz aller Anstrengungen“ und jetzt sage ich die Hürden und Hindernisse voranzukommen sind zu hoch.
Dann müsste sie doch erst recht richtig anpacken und den turbo zünden.