LdN 469: Auswirkungen des Iran Kriegs

Wie ich schon in diesem Thread schrieb Aktuelle Benzinpreise - #109

Hat die durch den Iran Krieg ausgelöste Energiekrise nicht nur Auswirkungen auf „Diesel Dieter“ der immer noch kein E Auto hat oder „Peter Ölheizung“ der immer noch keine Wärmepumpe eingebaut hat. Das Thema betrifft kurz oder lang alle. Die Fokussierung auf Auto Fahrer oder Besitzer von Gas /Öl Heizungen ist massiv unterkomplex.

und wir bekommen gerade mal 10% unseres Öls über die Straße von Hormus, durch Weltmarktpreise, sind die Auswirkungen trotzdem massiv.

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Es geht im übrigen nicht nur um Energie, sondern auch um Düngemittel. Was wiederum Auswirkungen auf die globale Nahrungsmittel Produktion hat. Insbesondere auf die von ärmeren Staaten. Was wiederum die Fluchtbewegungen nach Europa und andere Staaten verstärken wird. Marktbericht: Iran-Krieg lässt auch die Düngerpreise steigen | tagesschau.de

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Die Kette kann man noch weiter denken. Wenn die Ölquellen wegen Klimawandel und Abkehr von fossilen Energiequellen abgedreht werden, wo kommen dann die Düngemittel her?

Ja, Öl ist der Schmierstoff für die gesamte Weltwirtschaft. Benzin, Diesel und Kerosin fallen einem zwar direkt ein, aber ganz viele Produkte benötigen Öl als Bestandteil.
Daher wurde ja so viele Kriege um das Öl gemacht - weil es halt so unfassbar wichtig ist.

Sonne und Wind können einiges etwas ersetzen, aber das geht vermutlich über geschätze 2-3% nicht hinaus.

Da hätte ich doch gerne mehr Fakten, mein Verständnis sagt, dass ein Großteil für Verkehr der diversen Art und Heizen drauf geht. Klar braucht auch die chemische Industire Erdöl für diverse Produkte direkt, aber eine Relation von 1:50 halte ich doch für eine gewagte Behauptung.

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Leseempfehlung zum Thema. Besonders relevant dürften angesichts der fallenden Maskerade vom Regime-change und eskalierenden Drohungen gegen und Angriffen auf zivile Infrastruktur durch Trump, die Hinweise auf wachsende Differenzen zwischen Exil-Opposition und den Menschen im Iran sein.

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Erstens dürfte @WilliWuff Recht haben, dass der Anteil des Erdöls, der durch erneuerbare Energien ersetzt werden kann, deutlich höher liegt. Wirklich unersetzlich ist Erdöl nur dort, wo es nicht als Energielieferant, sondern als Bestandteil eingesetzt wird. Und selbst dort, z.B. in der Kunststoffproduktion, kann es oft durch andere regenerierende Rohstoffe ersetzt werden.

Es dürfte daher eher umgekehrt sein: 95% des Erdöl-Bedarfs sind durch erneuerbare Energien und Rohstoffe ersetzbar, der Sockel der restlichen 5% sind für bestimmte chemische Prozesse, die (aktuell noch) nicht anders funktionieren. Aktuell werden übrigens 6-7% des gesamten Erdöls für die Petrochemie verwendet, also in der chemischen Industrie. Nicht 97%. (Wikipedia).

Und diese Unersetzbarkeit des Erdöls in bestimmten chemischen Prozessen ist übrigens ein weiterer, sehr guter Grund, warum wir das begrenzte Gut „Erdöl“ nicht für die Energiegewinnung verschwenden sollten, wenn wir diese Energiegewinnung auch anders organisieren können.

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Übrigens mal ein anderer Punkt zum Thema „Auswirkungen des Iran-Krieges“, dieses Mal für das iranische Volk (dieser Thread ist wieder sehr west-zentrisch…):

Trump droht Iran nun, dass er, wenn Iran nicht binnen 48 Stunden die Straße von Hormus wieder freigibt, die gesamte Energie-Infrastruktur des Iran zerstören wolle, er sagt sogar, er wolle alle Kraftwerke des Iran zerstören (FR)

Also er droht, genau das in Iran zu tun, was Russland in der Ukraine versucht, um die Ukraine in die Kapitulation zu zwingen. Dass die Zivilisten dabei genau so getroffen werden wie der Staatsapparat, was die Definition einer nicht verhältnismäßigen, weil indiskriminenten, Maßnahme ist, stört ihn dabei nicht. Trump droht hier mit einem riesigen Kriegsverbrechen und kaum jemand beklagt sich darüber. Würden die USA und Israel es wirklich schaffen, das iranische Stromsystem völlig zu zerstören, würden nicht nur viele Menschen direkt sterben (man denke an Krankenhäuser, lebenserhaltende Geräte usw.), sondern viele auch indirekt (z.B. durch Hungersnöte, Medikamente, die gekühlt werden müssen, Epidemien durch Keime im Trinkwasser, weil die Pumpwerke und Trinkwassergewinnung- und Reinigung nicht mehr funktioniert…).

Egal wie man zu Iran und dem Krieg steht, bei dieser Drohung müsste die gesamte zivilisierte Welt sofort aufschreien und Trump mit massiven Sanktionen drohen, wenn er das durchzieht. Zumindest, wenn wir das mit dem Völkerrecht noch irgendwie ernst nehmen wollen. Denn aktuell wirkt es so, als sei gegen den Iran alles erlaubt, hauptsache, das Öl fließt wieder über Hormus…

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Meine Vermutung ist, dass die meisten Regierungen (einschließlich der iranischen) davon ausgehen, dass Trump einfach wild irgendwelche Drohungen ausstößt, in der Hoffnung, dass er sich damit einen gesichtswahrenden Ausweg aus seinem dämlichen Krieg herbei-bluffen kann. Und die Sorge ist, dass lauter Wiederspruch gar Drohungen in seinem Fall eher dazu führen, dass er dann zur Tat schreitet, einfach weil er nicht als Schwächling dastehen will. Das wäre nicht der Ansatz, den ich wählen würde, aber ich sehe nicht, dass die Europäer es an Kritik haben mangeln lassen.

Die Reaktionen auf das Gesamtprojekt einschließlich der europäischen Verbündeten fand ich für diplomatische Verhältnisse extrem deutlich. Von daher sehe ich es nicht ganz so krass, dass den USA und Israel alles durchgehen gelassen wird. Auch wenn man sie nicht frontal an irgendwas hindern oder sanktionieren will.

Mein letzter Stand war, dass Düngemittel vom Russland Embargo von Anfang ausgenommen wurden.

Mal davon ausgehend, das die Energiepreise weiter steigen:
Wo sind da die Kippunkte?

Beispiel Benzinpreise.

Als Arbeitnehmer ist es ja rechtlich mein Problem, wie ich zur Arbeit komme.
Wenn ÖPNV, eBike oder zu Fuß nicht geht, nur das Auto bleibt, ab wann tut es so weh, das man ggf radikale Konsequenzen zieht?

Also Auto stehen lässt, Job wechselt, Wohnort wechselt?
Oder einfach kündigt und zuhause bleibt, weil Arbeiten zu teuer wird?

Wo wäre eine absolute Schmerzgrenze? Ab wann käme die Regierung nicht mehr drum rum, massive Maßnahmen zu ergreifen?

Sehr hypothetisch, aber im Moment scheint es noch kein wirkliches Problem zu sein.

Naja, gehen wir mal von einem „Normalfahrer“ aus, der an ca. 250 Arbeitstagen jeden Tag insgesamt 30km (Hin- und Rückweg) mit einem älteren Benziner pendelt und nehmen einen Durchschnittsverbrauch von 7l/100km an.
Fahrstrecke übers Jahr: 250 Arbeitstage x 30km = 7500km
Spritverbrauch für Pendelstrecke: 525l Benzin
Vor der Krise lag der Liter E10 bei 1,65€? Dann hat das Pendeln an Sprit 866,25€ gekostet.
Nun liegt der Liter E10 bei 2,05€, was 1.076,25€ bedeutet, Mehrkosten von 210€ im Jahr.
Das ist, denke ich, unschön aber zu verschmerzen. Da geht man übers Jahr 2-3x weniger Essen und hat das kompensiert.
Bei 2,50€ pro Liter sind es dann schon 1.312,50€, also knapp 450€ mehr im Jahr.
Noch unschöner, aber Jobwechsel wegen 450€ Mehrkosten im Jahr?
Selbst wenn der Liter E10 auf 4,-€ steigt und die Pendelstrecke dann 2.100,-€ an Sprit, wer wird für 1.230,-€ Mehrkosten seinen Job kündigen?

Ich finde die Schmerzgrenze ist eine rein politische, die momentanen Mehrkosten rechtfertigen keine massiven Maßnahmen.

Und mal als Vergleich im BEV: Angenommener Verbrauch 20kWh/100km:
Heimlader zu 32ct/kWh, da kostet das Pendeln 480€
Laternenlader zu 49ct/kWh liegt bei 735€.

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Die Menschen die vorher mit ihrem Job am Ende des Monats 0 auf 0 waren. Warum sollte ich fürs Arbeiten noch draufzahlen? Ich hab anders mehr Freizeit, gehe eventuell schwarz arbeiten und wenn ich weder Auto, noch Spritkosten habe muss ich meinen Lebensstandard nicht mal großartig einschränken, wenn ich in der Nähe meines Wohnortes einen Minijob annehme. Dem Gutverdiener sind die Mehrkosten egal…da ist es wirklich eher das Restaurant das es merken wird, das die Kunden ausbleiben.

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Das können viele Menschen aus vielen Gründen sein. Der Familienvater, der netto 3.500,-€ mit nach Hause bringt, aber durch Miete und sonstige Kosten nichts übrig hat. Oder der Geringverdiener, der sowieso schon mit netto 1.400-1.500,- € nicht viel hat.

Verstehe ich das richtig: Die Person gibt dann den Job auf und lebt ohne Auto von einem Minijob mit max. 603,-€ im Monat? Wie soll das denn funktionieren? Es mag solche Edge-Cases geben, ich halte das für sehr konstruiert.

Nur um das nochmal klarzustellen: Pro Arbeitstag kostet die Fahrt in meinem o.a. Beispiel 3,47€ bei 1,65€/Liter E10. Bei den momentanen 2,05€/Liter E10 sind es dann am Tag 4,30€ oder Mehrkosten von 0,84€ pro Arbeitstag. Im Monat bei 20 Arbeitstagen sind das keine 20€.
Daraus dann einen so großen Bruch abzuleiten, dass die Person ihr soziales Arbeitsumfeld aufgibt und irgendwo in der Nähe dafür einen Minijob annimmt, mag möglich sein. Für wahrscheinlich halte ich es nicht.
Mit den Spritpreisen wird ein Thema künstlich aufgebauscht, was sich gut als Reizthema nutzen lässt.

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Die Frage ist, warum sie das nicht vorher schon gemacht hat.
Die Fixkosten eines Autos sind nicht ohne.

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Ich befürchte, unsere Abhängigkeit von beispielsweise dem Auto ist so hoch, egal ob Verbrenner oder Elektro, das wir bei beidem relativ hohe Kosten akzeptieren würden, weil es schlicht kaum Alternativen gibt.
Das weiß die Mineralölindustrie genauso wie unsere Regierung/Parteien.
Wenn es richtig weh tut, reicht dann schon ein kleines Placebo …. Meist…

Meiner Meinung nach konzentriert sich die Diskussion zu sehr auf die Tankstelle. Das Problem ist aber doch um einiges größer. Wie ich oben beschrieben habe, sind die Preiserhöhungen an der Tankstelle allein nichts, was nach den Zahlen sofort zu einem Aufstand führen sollte. Aber vielleicht bei dem ein oder anderen zum Überdenken seines Fahrverhaltens.
Der Iran-Krieg hat ja nicht nur Auswirkungen auf die Tankstellen, auch wenn es da am Besten zu sehen ist. Auch die Lebensmittelpreise und Strom/Gas steigen.
Die Wähler werden also nicht nur an der Tanke merken, dass das Leben teurer geworden ist, sondern auch beim Einkaufen und verzögert am Jahresende bei der Abrechnung von Strom/Gas.

Für mich ist unverständlich, wie sich dann eine Bundesregierung mit einem so völlig nachteiligem Konzept hinstellen kann und den Ausbau erneuerbarer Energien bremsen will. Das ist DER Pfad in die Unabhängigkeit, die Technologien sind da und erprobt.
Aber nein, unsere Regierung redet über:" Jo, lass mal wieder mehr mit Gas machen. Gibts da sonst noch was? Wie wäre es denn mit Atomkraft? Wäre doch geil, oder? Was machen wir denn wegen der steigenden Spritpreise? Machen wir es so wie in Österreich! Funktioniert zwar nur mäßig, aber das merkt der Wähler ja nicht sofort. Und später können wir es auf die bösen Ölkonzerne schieben …".

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Es wird vermutlich und irgendwie auch hoffentlich auf absehbare Zeit keine bessere Gelegenheit geben, der Bevölkerung endlich mal klarzumachen, dass Klimaschutz mit allen Facetten, wie dem Wegkommen von fossilen Energieträgern, im Interesse des Großteils der Bevölkerung ist.

Progressive Parteien bekommen hier wie Ulf gegenüber Lang schon meinte, einen Elfmeter und müssten ihre gesamte Energie aufbringen, diesen Umstand hoch und runter in jede Kamera zu posaunen.

Die Situation ist einfach komplett absurd und das muss man den Wählern klarmachen, was ihre Wahl der Union an der Urne aktuell in deren Portemonnaie verursacht. Spiegel vorhalten, gerne pointiert und provokant, aber eben orientiert an den realen Umständen.

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hätte ich doch frühzeitig ein E Auto gekauft oder eine Wärmepumpe eingebaut…. Ach Moment: "Kaum noch Puffer" - wo mit steigenden Preisen zu rechnen ist | tagesschau.de

Ich entschuldige mich für die Polemik. Aber es war abzusehen, dass genau das passiert und die Fixierung auf den Aspekt Mobilität und Heizen zu kurz greift.

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Philip und Ulf, viele Grüße aus Chicago!

habe etwa 1,5 Jahre in Deutschland gelebt und diente als Reservist in der israelischen Armee im laufenden Konflikt seit Oktober 2023; aktuell mache ich meinen Master an der Northwestern University in Chicago.

In Episode 469 habt ihr die Position von Micah Goodman erwähnt, die eurer Meinung nach die breitere Stimmung in der israelischen Bevölkerung widerspiegelt. Dazu möchte ich einige

Anmerkungen ergänzen:

  1. Ich glaube nicht, dass die israelische Armee die Kapazität hat, das iranische Regime zum Einsturz zu bringen. Daher halte ich es für unwahrscheinlich, dass unsere Strategie auf einem Ziel basiert, das außerhalb unserer Reichweite liegt. Allgemein sehe ich die übergeordnete Strategie eher darin, ein Regime zu schwächen, das uns gegenüber genozidale Absichten hegt. Die derzeit Unterstützung durch die USA eröffnet dabei die Möglichkeit, dies zu relativ geringen Kosten zu erreichen.

  2. In diesem Zusammenhang wird das iranische Regime jedes Ergebnis, das sein Fortbestehen sichert, mit Sicherheit als Sieg darstellen. Dennoch glaube ich nicht, dass iranische Propaganda für uns einen besonders großen tatsächlichen Stellenwert oder eine ernsthafte Bedrohung darstellt.

  3. Wir haben genügend Erfahrung mit Theokratien und modernen Diktaturen, um zu wissen, dass sie nicht von Dauer sind. Unsere Hauptsorge ist daher, dass ein solcher Staat kurzfristig irreversiblen Schaden anrichten könnte, bevor er schließlich von der historischen Bühne verschwindet. Unsere Strategie zielt deshalb nicht darauf ab, einen ohnehin unvermeidlichen Zusammenbruch zu erzwingen, sondern darauf, das Regime in Schach zu halten und zu verhindern, dass es uns vor seinem Ende ernsthaft schadet.

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