LdN 469: Auswirkungen des Iran Kriegs

Clusterfuck

https://www.focus.de/politik/ausland/masala-bezeichnet-trumps-iran-krieg-als-clusterfuck_68077178-e7e3-49a3-9c48-98dc3e61ae52.html

Es sind ja auch einige Erdöl/Erdgas Einrichtungen Zerstört, das dauert bis die wieder die produzieren…

Ein Regine Change indem man ein bisschen über dem Iran rumfliegt ist auch nicht zu erreichen.

Iran ist momentan der angeschlagene Boxer, der irgendwo noch etw. Angereichertes Uran rumliegenden hat.

Der Ukraine werden wohl Waffen fehlen

Putin verdient durch die hohen Preise

Israel ist im schatten des Iran Kriegs dabei mal wieder dabei sich ein Stückchen Land einzuverleiben was ihnen nicht gehört. Was passiert eigentlich in Gaza /Westjordanland…?

Evtl Hungersnot weil Dünger fehlt…

Israel und Putin sind die Kriegsgewinnler, der Rest der Welt ist gelackmeiert

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Mit fossilen Düngemitteln verhält es sich ein wenig wie mit Benzin: Sie sind im etablierten System unersetzlich – aber wenn man bereit ist, das System als solches zu überdenken, werden sie auf einmal überflüssig.

Das gegenwärtige System in der Landwirtschaft besteht aus einer maximal mechanisierten, auf großflächige Monokultur ausgerichteten industriellen Produktion, in der ein großer Teil der unter großem energetischen Aufwand angebauten Kalorien gar nicht zur menschlichen Ernährung genutzt wird (sondern z.B. als Futtermittel). Dieses System ist auf die ständige Zufuhr von Energie und Nährstoffen angewiesen. Dies wird teils durch fossile Energie gewährleistet, teils durch die fortschreitende Degradation der genutzten Böden und geht mit massiven Artenschwund und anderweitigem Ressourcenverbrauch einher. Aber sie ist für einen Teil der beteiligten Akteure (Chemie-, Öl-, Agrarkonzerne und der Lebensmittelhandel), weil sie die Wertschöpfung bei ihnen sammelt.

Der Gegenentwurf dazu nennt sich Regenerative Landwirtschaft. Die ist in der Regel kleinteiliger, weil sie stärker auf lokale Bedingungen Rücksicht nehmen muss. Sie benötigt mehr Fläche, ist aber dafür auch auf weniger ertragreichen Flächen praktizierbar. Sie braucht einen etwas höheren Grad an menschlichen Arbeitskräften (wobei das Potenzial zur Mechanisierung wegen fehlender Investition und Forschung nicht ausgeschöpft ist) und benötigt mancherorts den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten. Kritisch ist aber, dass sie keinen externen Energieinput braucht und auf den genutzten Flächen mehr CO2 bindet als emittiert.

Ein Beispiel ist die Kombination aus Agroforstwirtschaft mit holistischer Weidewirtschaft und no-dig oder minimal-dig Ackerwirtschaft. Auf einer Fläche werden Baumstreifen (Nutzholz wie Paulownia oder Wallnuss) mit breiten (25 - 50 Meter) Zwischenstreifen angebaut. Auf den Zwischenstreifen werden mehrere Arten Tiere in enger Folge und täglicher Umstellung gehalten. Unterschiedliche Tiere bevorzugen unterschiedliche Teile der Gräser. Wenn man die Haltezeit kurz genug wählt, dann fressen Kühe beispielsweise nur die Spitze, es bleibt dann noch was für Schafe. Am Ende kommen Hühner, die aus den im Kot heranwachsenden Larven einen Teil ihres Futters generieren.

Das bringt Fruchtbarkeit in den Boden, die dann alle paar Jahre durch den Anbau von Getreide oder anderen Feldfrüchten wieder genutzt werden kann. Dazu wird der Boden nicht gepflügt, sondern nur oberflächlich geeggt. Die Technik für alle Elemente existiert.

Das würde auch wieder erheblich mehr Lebensräume schaffen, was der Artenkrise entgegenwirkt. Entsprechend müsste man auch viel weniger Fläche für Schutzgebiete vorhalten – die etwas geringere Produktivität pro Flächeneinheit könnte man durch die Nutzbarmachung von mehr Fläche problemlos ausgleichen.

Weil das alles aber Personalintensiver ist, müsste ein großer Teil der Wertschöpfung aus der Landwirtschaft (die ja durchaus da ist) wieder zu den Produzenten zurückgehen. Es bräuchte neue, eher an der direkten Beziehung von Produzent zu Konsument orientierten Vermarktungswege. Die Erdöl- und Chemiekonzerne würden nicht mehr an der Wertschöpfung teilhaben und die Investitionen vieler landwirtschaftlicher Betriebe in die industrialisierte Landwirtschaft (z.B. Massentierhaltung) müssten abgeschrieben werden.

Es ist also ein vielleicht noch krasserer Systembruch als in der Mobilität nötig.

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Ich glaube es wird OT. Persönlich esse ich mittlerweile auch weniger Fleisch aber bis sich so etwas entwickelt dauert es sehr lange.

Die Gefahr ist dass durch einen eventuell höheren Flächenbedarf sich die Landwirtschaft in der Regenwald frisst…

Ich empfehle die aktuelle Markus Lanz Sendung mit Claudia Kemfert anzuschauen. Wir sprechen über Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft und alle Beteiligten der Wertschöpfungsketten. Es hilft niemanden jetzt die vierte Sendung damit zu eröffnen, ob Diesel Dieter immer noch kein E Auto gekauft hat. Auch Besitzer von E Autos und Wärmpumpen werden die Auswirkungen zu spüren bekommen. Klar merkt man die Auswirkungen erstmal an der gestiegenen Heizrechnung, aber auch die Strompreise, die Inflation und die Lebensmittelpreise steigen. Völlig egal wie ich heize.

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Weitere Hörempfehlung. Sowohl der erste (etwas unstrukturiertere) Teil zu den Anforderungen erfolgreicher Regimewechsel, als auch der zweite, in dem u.a. die Verbindung zwischen Trumps Idiotie im Nahen Osten und chinesischen Angriffsplanungen bezgl. Taiwan geht.

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Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages sagt dass der Iran Krieg klar Völkerrechtswidrig ist:

Was für die meisten hier wahrscheinlich keine große Überraschung ist, hat aber Konsequenzen für Deutschland bzw. Für die Bundesregierung:

„Sollte Deutschland eine sogenannte Staatenverantwortlichkeit für völkerrechtswidriges Handeln nachgewiesen werden, kämen als „Formen der Wiedergutmachung“ finanzieller Schadensersatz, eine Anerkennung der Verletzung, eine Erklärung des Bedauerns oder eine formale Entschuldigung infrage.“

Ich denke der Iran müsste Deutschland vor dem IGH verklagen um das feststellen zu lassen.

Zweitens die Nutzung der US Basen in Deutschland für den Krieg im Iran:

„Die Wissenschaftler erörterten in ihrer Analyse auch, ob eine mögliche Nutzung von US-Militärbasen in Deutschland für Angriffe gegen Iran eine Beihilfe darstellen könnte. Dies sei „vorbehaltlich der konkreten Umstände der Nutzung (…) jedenfalls nicht ausgeschlossen“, hieß es. Als Referenz verwiesen die Experten auf ein früheres Gutachten zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Darin wurde das "‚bloße Zur-Verfügung-Stellen‘ belarussischen Staatsgebietes für russische Angriffshandlungen“ als Beihilfe gewertet.“

Auch wenn relativ offensichtlich ist, dass die Stützpunkte genutzt werden (alles was Nachschub mäßig über die Luft kommt, wird meistens über Ramstein umgeleitet), kann die Bundesregierung sich immer auf den Standpunkt zurückziehen „wir wissen von nix“ „die usa sagen ist nicht so“

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Oh wer hätte das nur gedacht. Es betrifft bei weitem nicht nur die Verbrenner Fahrer und die Besitzer von Öl oder Gasheizung.

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Nun werden auch andere Rohstoffe knapper und teuerer: Iran-Krieg und China-Knappheit: Warum Wolfram knapp wird | tagesschau.de

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Wenn Trump davon spricht, dass heute Nacht eine ganze Zivilisation sterben und nie wieder zurückkehren wird, dann droht er doch mit einem groß angelegten Genozid? Oder gibt es da eine andere mögliche Interpretation, die mir entgeht (so lange die Träger einer Kultur/Zivilisation leben, kann diese wiederbelebt werden)?

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Ginge es um einen Politiker, bei dem man einen Rest an Zusammenhang zwischen Reden und Handeln annehmen sollte, wäre das wohl der Fall. Ich denke aber nicht, dass es lohnt, die Äußerungen von Trump in die eine oder andere Richtung zu interpretieren. Sehr wahrscheinlich weiß er selber nicht genau, was er meint. Was auf keinen Fall heisst, dass es nicht zu massiven Kriegsverbrechen kommen wird, die möglicherweise am Ende auch einen Kriterienkatalog für Genozid erfüllen. Traurigerweise kann man nicht darauf hoffen, dass das Militär oder die republikanische Partei das verhindern würden.

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Vielleicht meint er ja die Amerikanische? :smiley:

Im Ernst: Ich würde Trump an dieser Stelle keine Drohung mit Genozid unterstellen, sondern einfach absurdes Gebabbel.

Von der Sache mit dem Genozid abgesehen ist dieses Gebabbel aber durchaus strafrechtlich relevant. Trumps vielfache Drohungen, Brücken, Kraftwerke und andere zivile Infrastruktur zu zerstören wäre ein gefundenes Fressen für jeden Staatsanwalt, um Kriegsverbrechen nachweisen zu können. Kriegsparteien dürfen zivile Infrastruktur zerstören, wenn dies vor dem Hintergrund der Kriegshandlungen zielführend und verhältnismäßig ist. Einfach dem ganzen Iran den Strom abzuknipsen dürfte wohl kaum unter diese Kategorie fallen, sondern sich eher Bereich der kollektiven Bestrafung bewegen. Vom Straftatbestand des “Führen eines Angriffskriegs” mal ganz abgesehen.

Da allerdings weder die USA, noch der Iran das Rom-Statut ratifiziert haben, hat der IStgH wohl keine Jurisdiktion. Auch nach US-Amerikanischem Strafrecht dürfte Trump als Präsident für diese Handlungen Immunität genießen, auch vor Zivilgerichten. Eine juristische Aufarbeitung ist also unwahrscheinlich, es sei denn der Iran ratifiziert das Rom-Statut noch schnell. Das wäre dann der ultimative Mittelfinger in Richtung Trump, aber leider auch sehr unwahrscheinlich, da der Iran selbst wohl keine Lust hat, die eigenen Aktivitäten vor dem IStgH zu rechtfertigen.

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Wenn der Oberkommandierende des mächtigsten Militärs dieser Welt solche Sprache verwendet ist es nicht gerade beruhigend, wenn das einzige Gegenargument ist: „Das meint der nicht so, der will nur spielen.“ Nach all den Eskalationen in Rhetorik und Handlungen des letzten Monats wäre ich null überrascht, wenn irgendwann im Laufe der nächsten vier Wochen ein Atompilz über Teheran wächst.

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Problem: was tut man dagegen? Empörung und der Verweis aufs Völkerrecht halte ich bei Trump für wenig zielführend.

Alles darüber hinaus tut uns wohl mehr weh als den USA…

Ich habe das nicht geschrieben.

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Das stimmt nicht unbedingt. Das wichtigste ist die Verweigerung von Kooperation. Sowohl rhetorisch (also eine klare Benennung der Völkerrerrechtswidrigkeit), als auch militärisch. Und beides tut den USA und vor allem Trump sehr wohl deutlich mehr weh als uns.

Die Europäer könnten den USA durchaus helfen, die Straße von Hormuz “freizukämpfen”, wenn wir bereit wären, unsere Marineschiffe und Soldaten dafür zu riskieren. Die USA können es alleine wohl nicht, ohne ihre Marinepräsenz in anderen Erdteilen signifikant und inakzeptabel zu schwächen und ihre Stärke zur See auf Dekaden hinaus empfindlich zu schwächen.

Wenn die Europäer hier Trump zur Hilfe eilen würden, dann würde ihm das die Möglichkeit eines militärischen und politisch Siegs geben – und damit eine Chance, die Midterms doch noch für die Republikaner zu entscheiden. So wird der Irankrieg vielleicht der Sargnagel für Trumps Mehrheiten im Kongress. Das tut richtig weh.

Die Europäer könnten als Reaktion außerdem ihre Investitionen in ihre eigene Rüstungsindustrie verstärken, um von den offensichtlich unzuverlässigen USA unabhängiger zu werden. Auch das tut Trump richtig weh, hätte für Europa langfristig sogar einige Vorteile.

Das gleiche gilt bei digitaler Unabhängigkeit. Eine konsequente Besteuerung US-Amerikanischer Tech-Konzerne und die Durchsetzung von EU-Datenschutzstandards tut den Amerikanern weh, würde aber wohl die nötigen Ressourcen für eine öffentliche Förderung von EU-Tech-Unternehmen generieren.

Massive Investitionen in Erneuerbare Energien würden uns unabhängiger von Fossilen Energieträgern machen, was tendenziell deren Preis drückt, was wiederum vor allem Trump und seinen Fans schadet und uns unabhängiger von US-Außen- und Handelspolitik macht.

Sicher gibt es noch mehr Möglichkeiten. Die EU ist alles andere als zahnlos.

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Wir müssten nur konsequent dazu bereit sein. Aber die Erkenntnis setzt sich wohl durch, das die USA wohl nicht mehr so wirklich an unserer Seite stehen.

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Zumal es damit ja nicht getan wäre. Freikämpfen und dann mit einer unabsehbar langen Präsenz in einem sehr langen und breiten Streifen entlang der iranischen Küste frei halten, wäre ja die Aufgabe. Mit allen “Annehmlichkeiten “ dauerhafter Besatzung in feindlichem Gebiet.

Man konnte (musste) das alles eigentlich kommen sehen, aber wenn die totale Katastrophe konkret passiert, ist es immer noch kaum zu fassen, wie ein böswilliger Idiot einen Weg finden kann, mit der ultimativen Supermacht der Menschheitsgeschichte derart jämmerlich an einer (bestenfalls) regionalen Mittelmacht zu scheitern. Fast schwerer, als erfolgreich zu sein. Aber wenn man es geschafft hat, ein Casino (!) in die Pleite zu führen, ist das wohl der logische nächste Schritt. Wer hätte das ahnen können…

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Naja, die militärischen Erfolge der USA nach dem Zweiten Weltkrieg waren auch ohne Trump eher überschaubar.

Zahlenmäßige militärische Stärke wird oft überschätzt. Besonders wenn der Gegner nach anderen Regeln spielt bzw. man nicht bereit ist „All in“ zu gehen.

Ich würde argumentieren, dass die USA praktisch jeden militärischen Konflikt, den sie eingegangen sind, auch militärisch vollständig dominiert haben (wie in der aktuellen Situation ja auch). Sie haben überwiegend aber völlig darin versagt, aus der alten Clausewitzschen Weisheit “Krieg ist die Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln” die wichtige Lehre zu ziehen, dass militärische Dominanz völlig unbedeutend und langfristig nicht nachhaltig ist, wenn man sie nicht in eine erfolgreiche (!) politische Gesamtstrategie einbetten kann.

Es hätte vor dem ersten Angriff der USA auf den Iran im letzten Sommer eine Version des Irankriegs gegeben, der für die USA und/oder Trump auch politisch erfolgreich gewesen wäre. Da bin ich mir ziemlich sicher. So ist es jetzt schon eine ziemliche Katastrophe für die strategischen Interessen der USA und ihrer Verbündeten.

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Militärische Dominanz ist kein Garant für einen „Sieg“.

Die Erfahrungen der USA in Vietnam oder der Russen in Afghanistan haben gezeigt, das militärische und technische Überlegenheit auch an der Entschlossenheit und Durchhaltevermögen des Gegners scheitern.
Siehe auch NATO in Afghanistan oder Russland wohl in der Ukraine.

Ähnliches könnte Trump jetzt im Iran erleben