Mit fossilen Düngemitteln verhält es sich ein wenig wie mit Benzin: Sie sind im etablierten System unersetzlich – aber wenn man bereit ist, das System als solches zu überdenken, werden sie auf einmal überflüssig.
Das gegenwärtige System in der Landwirtschaft besteht aus einer maximal mechanisierten, auf großflächige Monokultur ausgerichteten industriellen Produktion, in der ein großer Teil der unter großem energetischen Aufwand angebauten Kalorien gar nicht zur menschlichen Ernährung genutzt wird (sondern z.B. als Futtermittel). Dieses System ist auf die ständige Zufuhr von Energie und Nährstoffen angewiesen. Dies wird teils durch fossile Energie gewährleistet, teils durch die fortschreitende Degradation der genutzten Böden und geht mit massiven Artenschwund und anderweitigem Ressourcenverbrauch einher. Aber sie ist für einen Teil der beteiligten Akteure (Chemie-, Öl-, Agrarkonzerne und der Lebensmittelhandel), weil sie die Wertschöpfung bei ihnen sammelt.
Der Gegenentwurf dazu nennt sich Regenerative Landwirtschaft. Die ist in der Regel kleinteiliger, weil sie stärker auf lokale Bedingungen Rücksicht nehmen muss. Sie benötigt mehr Fläche, ist aber dafür auch auf weniger ertragreichen Flächen praktizierbar. Sie braucht einen etwas höheren Grad an menschlichen Arbeitskräften (wobei das Potenzial zur Mechanisierung wegen fehlender Investition und Forschung nicht ausgeschöpft ist) und benötigt mancherorts den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten. Kritisch ist aber, dass sie keinen externen Energieinput braucht und auf den genutzten Flächen mehr CO2 bindet als emittiert.
Ein Beispiel ist die Kombination aus Agroforstwirtschaft mit holistischer Weidewirtschaft und no-dig oder minimal-dig Ackerwirtschaft. Auf einer Fläche werden Baumstreifen (Nutzholz wie Paulownia oder Wallnuss) mit breiten (25 - 50 Meter) Zwischenstreifen angebaut. Auf den Zwischenstreifen werden mehrere Arten Tiere in enger Folge und täglicher Umstellung gehalten. Unterschiedliche Tiere bevorzugen unterschiedliche Teile der Gräser. Wenn man die Haltezeit kurz genug wählt, dann fressen Kühe beispielsweise nur die Spitze, es bleibt dann noch was für Schafe. Am Ende kommen Hühner, die aus den im Kot heranwachsenden Larven einen Teil ihres Futters generieren.
Das bringt Fruchtbarkeit in den Boden, die dann alle paar Jahre durch den Anbau von Getreide oder anderen Feldfrüchten wieder genutzt werden kann. Dazu wird der Boden nicht gepflügt, sondern nur oberflächlich geeggt. Die Technik für alle Elemente existiert.
Das würde auch wieder erheblich mehr Lebensräume schaffen, was der Artenkrise entgegenwirkt. Entsprechend müsste man auch viel weniger Fläche für Schutzgebiete vorhalten – die etwas geringere Produktivität pro Flächeneinheit könnte man durch die Nutzbarmachung von mehr Fläche problemlos ausgleichen.
Weil das alles aber Personalintensiver ist, müsste ein großer Teil der Wertschöpfung aus der Landwirtschaft (die ja durchaus da ist) wieder zu den Produzenten zurückgehen. Es bräuchte neue, eher an der direkten Beziehung von Produzent zu Konsument orientierten Vermarktungswege. Die Erdöl- und Chemiekonzerne würden nicht mehr an der Wertschöpfung teilhaben und die Investitionen vieler landwirtschaftlicher Betriebe in die industrialisierte Landwirtschaft (z.B. Massentierhaltung) müssten abgeschrieben werden.
Es ist also ein vielleicht noch krasserer Systembruch als in der Mobilität nötig.