LdN 469: Auswirkungen des Iran Kriegs

Fällt dir ein vorhersehbarerer, vermeidbarerer Fehlschlag in der US-Geschichte ein? Mir nicht. Wir reden hier ja nicht von Erfolglosigkeit im Sinne von Zielverfehlung, sondern davon, das Gegenteil der eigenen Ziele zu erreichen. Erst ein Abkommen zu kündigen, das der Iran eingehalten hat und mit dem die zentrale, nukleare Bedrohung für die USA und ihre regionalen Verbündeten erfolgreich unterbunden wurde. Weil Trump glaubte, ein besseres Abkommen erreichen zu können. Das dann nicht auf die Reihe bekommen. Jetzt einen Krieg zu starten, ohne hinreichende Vorbereitung, wenigstens die offensichtlichsten Reaktionen des Iran abzuwehren, ohne irgendein sinnhaftes politisches Ziel formulieren und konsistent erklären zu können. Sich mit einer trolligen Kommunikation und immer mehr von einer nicht funktionierenden Taktik immer tiefer in die Sackgasse zu bewegen, einfach, weil man sonst vor der ganzen Welt das eigene Scheitern einräumen müsste (das aber eh jeder sehen kann). Am Ende wird das Regime innenpolitisch stärker, radikaler, feindseliger, selbstbewusster sein, als vor dem Krieg und dank der neuen Einnahmequelle mit der Straße von Hormuz auch bald schon wirtschaftlich stärker als vorher und entschlossener, die ultimative Abschreckung zu erlangen. Nachdem man verschiedentlich Mitglieder iranischer Verhandlungsdelegationen getötet hatte, dürfte es zudem noch schwerer sein, als vorher, irgendeine Art von Abkommen zu schließen. Wenn Trump so weiter macht, stellt er auch sicher, dass zu unseren Lebzeiten keine demokratische Opposition im Iran mehr den Makel loswerden wird, mit den Mördern von noch abzuwartenden Zahlen an iranischen Zivilisten mehr oder weniger kollaboriert zu haben. Und wenn Trump seine Drohungen im Ansatz verwirklicht, brauchen die Fans seiner Angriffe aus den Reihen der Exil-Opposition sich auch sehr lange nicht mehr im Iran blicken lassen. Für (mindestens) eine Generation die Chance auf eine demokratische Wende im Iran zerstört.

So selbstverschuldet, so vorhersehbar, so umfassend kontraproduktiv waren weder Vietnam, noch Iran 1 (Zerschlagung der iranischen Demokratie), noch Iran 2 (Angriff mittels Irak als Proxy) oder Afghanistan oder Irak. Und vor allem hätte man ja aus den vielen Fehlschlägen vorher durchaus das eine oder andere lernen können, um im Iran erfolgreich zu intervenieren. Denn grundsätzlich falsch oder unmöglich wäre das mMn nicht gewesen, es wäre halt aufwendig, langwierig und teuer. Man hätte vielleicht mehr als nur die Überschriften der Briefings etc. lesen müssen, sich gut mit Verbündeten absprechen müssen, die innere iranische Opposition und die Exil-Opposition vernetzen müssen etc. Alles nicht so glamourös, alles nicht so gut zur Kompensation der diversen Minderwertigkeitskomplexe von Trump geeignet, alles nicht so ablenkend von Trumps Verwicklungen in die Epstein-Files und sein sonstiges Totalversagen, alles nicht so eine gute Basis für seinen Putsch-Versuch bei den Mid-terms.

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Endlich mal keine nur schlechten Nachrichten.

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aus dem vom Iran vorgelegten 10-Punkte-Plan, den die USA als „praktikable Verhandlungsgrundlage“ bezeichnet:

  • Einstellung sämtlicher Kriegshandlungen, auch im Libanon
  • Iran behält die Kontrolle über die Straße von Hormus
  • Iran darf eingeschränkt Uran anreichern dürfen, sich aber verpflichten, niemals Atomwaffen herzustellen
  • Aufhebung der internationalen Sanktionen und der Strafmaßnahmen des UN-Sicherheitsrats.
  • Kriegsentschädigungen
  • Abzug der US-Streitkräfte aus der Region.

Aus früheren Verhandlungsständen: Bleibt die Forderung nach einer Durchfahrtsgebühr von 2 Mio. US‑Dollar pro Schiff (d.i. die Größenordnung der bisherigen Versicherungskosten entspricht je nach Schiffsgröße 1-2% des Rohölpreises)? Sie sollten einen Teil der Kriegsentschädigung finanzieren.

Wenn der Iran weiter eingeschränkt Uran einreichen, aber keine Atomwaffen herstellen darf, wären wir „zurück auf Los“, nämlich zurück zu dem Status, den wir hatten, bevor die USA sich aus dem Iran-Abkommen zurückgezogen hat - außer daß die USA ihre Militärbasen in der Region verlieren würden (worauf die sich ganz sicher nicht einladen werden).

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Und das ist aus Trumps Sicht schon nahe an einem best-case. Aber man kann ja froh sein, dass er wenigstens aufhört, alles noch schlimmer zu machen. Also jedenfalls kann man das hoffen. Wenigstens für bis zu 2 Wochen. Dann rennt er danach vielleicht rum und macht aus “nur etwas schlechter als vor dem Krieg” einen “totalen Sieg”. Alles besser, als die Eskalation von der gestern noch die Rede war.

Die USA unter Trump verhandeln nicht, um ein Ergebnis zu erzielen. Die verhandeln, um im Schatten der Verhandlungen ihre eigentlichen Pläne vorzubereiten. Da man wohl davon ausgehen kann, dass der Iran das weiß und selbst auch nur auf gute Gelegenheiten zum Zuschlagen wartet, seh ich da keine große Hoffnung auf eine nachhaltige Lösung.

Laut dem was ich gelesen habe wurde der Abzug der US Soldaten aus der Region zum Schluss nicht mehr gefordert.

Des Weiteren sieht das Waffenstillstandsabkommen auch eine feuerpause für den Libanon vor. An dem will sich Israel aber nicht halten.

Aber insgesamt eine voll Blamage für Israel und die USA. Das einzige was man jetzt erreicht hat, ist, dass die Straße von Hormus wieder geöffnet wird. Das war auch schon vor dem Krieg so. Nun allerdings unter der Kontrolle des Irans und mit der Zollgebühr von 2 Millionen Dollar pro Schiff. Der Rest basiert auf dem 10 Punkte Plan des Iran. Der Iran ist wohl auch nicht wegen der Drohungen Trumps eingeknickt, sondern auf Druck Chinas, sie sollte Flexibilität zu Verhandlungen zeigen. Es bleibt höchst fraglich, dass es in zwei Wochen zu einem Friedensvertrag kommt. Wahrscheinlich wird die Frist aber sowieso andauernd verlängert. Sollte der Iran weiter Uran anreichern, wird Israel wieder angreifen und wir stehen vor dem selben Problem.

Wie die EU jetzt die Straße von Hormus absichern will (siehe Merz und starmer) bleibt mir auch ein Rätsel, solange der Iran diese weiterhin kontrolliert.

Im übrigen bleiben die Reedereien immer noch vorsichtig. So schnell wird die Durchfahrt nicht vorkriegsniveau erreichen. Viele Förderanlagen sind stark beschädigt. Da es sowieso immer ein paar Wochen braucht bis ein Schiff von dort an seinem Zielort ankommt, werden die Auswirkungen auch noch in Wochen zu spüren sein. Die Durchfahrt wird in Zukunft für alle teurer. Die Versicherungen werden nicht so schnell runter gehen

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Aktuelle Berichte legen im übrigen nahe, dass der Waffenstillstand schon wieder gebrochen wurde. Es gibt immer noch Meldungen seitens Raketen und Drohnen Angriffe auf die Golfregion, sowie Israel. Israel hätte seinerseits Drohnen in Richtung Iran geschickty

Die Straße von Hormus ist nicht frei. Schiffe haben die Nachricht bekommen, dass sie nicht passieren dürfen. Der Iran begründet das damit, dass Israel sich aus dem Libanon zurück ziehen muss.

Für Trump dagegen ist das alles ein riesen Sieg und er will zusammen mit dem Iran, erstens das Uran Bergen und zweitens mit den Zollgebühren in der Straße von Hormus verdienen.

Das ist alles eine riesige Lachnummer.

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