LdN 473: Populistische Verengung auf die Spritpreisdiskussion

Wie ich bereits in diesem Thread dargelegt habe LdN 469: Auswirkungen des Iran Kriegs betrifft die Sperrung der Straße von Hormus alle Bereiche der Wirtschaft (Düngemittel, chemische Rohstoffe…) und wird über kurz oder lang auch alle Verbraucher betreffen. Sei es durch erhöhte Preise, Mangellagen oder gestiegene Inflation. Wir sind noch gar nicht an dem eigentlichen Kipppunkt angelangt. So ein Tanker/Container Schiff brauch 6-8 Wochen von Start bis zum Zielort. Aktuell treffen also noch Schiffe ein die vor dem Krieg losgefahren sind. Da die Meerenge aber bereits 6 Wochen zu ist, kommen wir langsam in eine kritische Phase. Selbst wenn als morgen die Straße von Hormus wieder geöffnet wird (und über die Gebühr von 2 Millionen Dollar pro Schiff haben wir noch gar nicht eingepreist) und wieder alle Schiffe normal durchfahren können, müssen erstmal die Schiffe von vor sechs Wochen dort gestrandet sind, los fahren. Dazu sind viele Produktionsanlagen in den Emiraten zerstört worden.

Vor der Sperrung sind täglich(!) etwa 130 Containerschiffe durch die Straße von Hormus gefahren. Aktuell sind es 6 seit Verkündung der waffenruhe. Dazu ist es selbst bei einer Normalisierung fraglich ob es wieder so wird wie vorher. Denn die Versicherungen für Container Schiffe werden langfristig steigen. Hapag Loyd rechnet mit 3 Milliarden Euro mehr Kosten pro Jahr. Und dabei geht es um alle Arten von Gütern.

Die ganze Diskussion populistisch nur auf den Autofahrer der 20 Cent mehr für seinen Sprit bezahlt zu verengen, simplifiziert die ganze Situation. Das Hauptproblem bleibt die Sperrung dieser Straße von Hormus. Es gibt stand jetzt keine Lösung dafür. Militärisch will man nicht, und diplomatisch heißt wohl, man akzeptiert faktisch, dass der Iran diese Meerenge jetzt kontrolliert und seinen Wiederaufbau über Maut finanziert. Wenn dieser Zustand noch mehrere Wochen andauert, sind die Spritpreise unser geringstes Problem. Und weder die USA, noch die EU haben irgendeinen Plan wie man damit umgeht. Viele Länder auf der Welt haben das praktisch akzeptiert und bilateral Verträge mit dem Iran abgeschlossen. Will man das wirklich?

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Trend zum Nationalismus?

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Ist absolut richtig angemerkt, dass die Reduzierung auf dem Spritpreis eine populistische Verkürzung ist. Wie @Christian87 richtig sagt, wird es die gesamte Wirtschaft treffen und eine Wirtschaftskrise gewissermaßen unausweichlich sein.

Ich würde sogar noch weiter gehen, der gesamte Krieg wird aus deutscher Perspektive auf die Spritpreise verengt. Schaut man sich die Tagesschau an, wird erstaunlich viel Zeit Spritpreisen gewidmet und relative wenig den Grausamkeiten des Krieges und der Haltung Deutschlands dazu.

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Wenn man den Experten von Sicherheitshalber glaubt, bleibt uns wenig anderes übrig, als auf die Schutzgelderpressung des Irans einzugehen (Sicherheitshalber #106). Eine militärische Sicherung des Gebietes durch EU-Länder wäre nicht nur um ein Vielfaches teurer, sie würde auch einen Krieg mit dem Iran bedeuten, da man für eine effektive Sicherung iranisches Staatsgebiet besetzen und iranische Truppen bekämpfen müsste.

Ein gemeinsames Vorgehen der EU ist gegenüber nationalen Alleingängen natürlich trotzdem immer vorzuziehen.

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Es gibt einen klaren Verursacher der Lage, der wird dabei dann meist verschwiegen.

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Nach dem jetzt Trump seinerseits angekündigt hat die Straße von Hormus für Schiffe zu sperren: Straße von Hormus: Was steckt hinter Trumps Seeblockade? | tagesschau.de oder auch nicht, denn faktisch werden wohl nur iranische Häfen gesperrt, hat sich die Lage nicht verbessert.

Außer beim Öl. Denn beim Öl haben die Golfstaaten es geschafft, den Output der normal per Schiff durch die Straße von Hormus geht, über Pipelines so umzuleiten, dass man Häfen an anderen Küsten bedient. Daher kann man sich wohl auch in den usa leisten zu sagen, man blockiert die Straße von Hormus.

Der dortige Schiffsverkehr ist trotz US Schiffen die dort durch gefahren sind, immer noch nur bei 10% -15% des ursprünglichen Verkehrs. Und wenn dann nimmt man die vorgegebene Route der Iraner und Zahl Maut.

Da sollten jetzt eigentlich alle Alarmglocken an gehen. Denn außer Öl gehen da halt wie gesagt noch mehr Güter durch. Und wir kommen jetzt langsam in den kritischen Bereich, von 6 Wochen in denen kaum Schiffe durch sind. Solange Brauch ein Schiff im Durchschnitt einmal vom Start zum Ziel.

Zur Untermauerung meines Arguments: Jetzt drohen Versorgungsengpässe: Die letzten Hormus-Tanker erreichen ihre Raffinerien - ntv.de

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Europa und insbesondere die Deutsche Industrie sind sehr verletzlich durch hohe Energiepreise geworden. Das weis auch die Börse:

Nach dem Ende des billigen Putin Gas muss nun was neues her (EE, Kohlereserve…)

Ach wer hat das nur kommen sehen

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Schau dir an, wieviel Zeit und Gedanken Abhängige darauf verwenden, ihren Stoff zu kriegen, dann erklärt sich der Tanksäulen-Fetisch deutscher Nachrichten :man_shrugging:

Es gibt keine Lösung für das von Trump erzeugte Problem, weil er bald am Ende seiner Aufmerksamkeitsspanne sein wird. Wenn man die militärischen Mittel nicht hat und nicht bereit ist, sie zeitnah zu beschaffen, was bleibt dann über, als zu zahlen? Solange man die eigene Abhängigkeit nicht reduzieren will, weil weite Teile der Bevölkerung ihre Fossil-Sucht noch immer nicht als Problem, sondern als Lösung betrachten, bleibt nur noch, das Schutzgeld zu zahlen.

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Ja, so ist dass. Sobald es an den eigenen Geldbeutel geht, ist die Solidarität mit anderen wie weggeblasen.
Bertolt Brecht hatte Recht: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“

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