Hallo in die Runde,
ich bin Verwaltungswissenschaftler und habe schon in unterschiedlichen Positionen sowohl auf kommunaler als auch auf staatlicher Ebene gearbeitet. Aufgrund meiner Erfahrungen beschäftigt mich weniger der konkrete Fall von Herrn Scheel, sondern vielmehr das übergeordnete Thema der Ergebnisorientierung in der Verwaltung.
Dieses Thema ist schon sehr alt. Es wurde mir schon vor über zehn Jahren während meines Studiums als Bestandteil des New Public Management eingebläut und war bereits damals mehrere Jahrzehnte alt. Seit dem Auftauchen gab es schon unzählige Implementierungsversuche auf allen Ebenen der Exekutive. Meist hatten sie nur wenig Erfolg.
Im Rahmen des Podcast wird der „Fehler“ u.a. bei der mittleren Managementebene gesucht. Das mag in dem Einzelfall vlt. auch zutreffen, ist m.E. jedoch nicht der einzigste Grund.
Die Ursachen beginnen schon bei der Ausbildung. Bspw. werden während der Ausbildung für die allgemeine Verwaltungslaufbahn in den rechtsbezogenen Modulen, wie z.B. Bauordnungsrecht, Fallbesprechungen durchgeführt. Vordergründig geht es dabei darum, den konkreten Einzelfall nach den einschlägigen Normen korrekt zu prüfen. Der Ermessensgebrauch wird zwar behandelt, aus meiner Sicht jedoch nur sehr untergeordnet und schon garnicht auf das gewünschte Ziel des Bürgers bezogen. Ergebnis ist, dass bei uns in der Verwaltung Beschäftigte anfangen, die zwar hervorragend rechtssicher Fälle prüfen, jedoch kaum über den Tellerrand hinausschauen können.
Fortsetzen tut sich das Problem bei den politischen Organen, wie z.B. Gemeinde- und Stadträten, Kreistagen und Landesparlamenten, aber auch Bürgermeistern, Landräten und Ministern. Ein ergebnisorientiertes Handeln der Verwaltung bedingt es, dass die o.g. Organe übergeordnete strategische Ziele vorgeben und diese von den Führungsebenen in operative Ziele übersetzt werden. Oft genug geht es bei diesen Instanzen jedoch nur darum, welches Problem mit wieviel Geld vollgestopft wird oder welches Gesetz bzw. welche Satzung wie bis ins kleinste Detail geregelt wird. Für die Führungsebenen klare übergeordnete Ziele fehlen dann. Für die Führenden zählt dann lediglich die Einhaltung des Rechts und des Budgets.
Erschwerend kommt hinzu, dass Mikromanagement auf politischer Ebene oft gepaart mit persönlichen Interessen Gang und Gebe ist. Im Ergebnis wird dann halt bspw. drauf hingewirkt, dass das potentielle neue Unternehmen oder die potentielle neue Behörde sich an einem Standort ansiedeln, der den eigenen Zielen mehr entspricht.
Auch wenn es bestimmt noch weitere Ursachen gibt, möchte ich meine Aufzählung mit der mittleren Führungsebene beenden. Zumindest in den meisten Landesverwaltungen ist es üblich, dass untere Führungspositionen mit Juristen besetzt werden. In meiner Laufbahn kamen diese oft genug frisch aus dem 2. Staatsexamen. Wie sollen frisch ausgebildete Führungskräfte in der Lage sein, Beschäftigte richtig und ergebnisorientiert zuführen und wie soll das möglich sein, wenn im Studium das Thema Führung überhaupt keine Rolle gespielt hat? Ich möchte an dieser Stelle kein Juristenbashing betreiben. Dieser Punkt lässt sich bestimmt auch auf andere Fachrichtungen und auf andere Verwaltungsebenen übertragen.