LdN 465: Feedback allgemein

Nach spontaner Begeisterung über eine Folge, die sich dem Thema Wirtschaft mal aus der Perspektive des Unternehmers nähert und das Thema Verwaltungsbürokratie als signifikante Ursache des „Problem Bürokratie“ widmet, hat mich - auch dank der Diskussion hier - die Folge immer wieder „verfolgt“ und ich möchte mich dazu nochmal äußern:

Feedback zu Sonderfolgen dieser Art:

Ich bleibe dabei: Ich finde es sehr gut, dass die Hosts sich mal einem drängenden Thema aus klein- und mittelständischen Unternehmen nähern und dabei auch bereit sind, den Unternehmer ausführlich zu Wort kommen zu lassen (ja, es gab ja schon mal das eine oder andere Interview - Stichwort „Leiterbeauftragter“). Ich wünsche mir, dass wir immer mal wieder Spezial-Ausgaben zu diesem Thema bekommen und dass die Perspektive von klein- und mittelständischen Unternehmern berücksichtigt wird. Die Hosts sind ja schon seit Jahren selbst welche und ich nehme auch einen zunächst schleichenden, jetzt aber deutlich wahrnehmbaren Wandel in der Haltung zu diesem Thema wahr … und finde das sehr gut!

Kritik: LdR sollte sich nicht für PR missbrauchen lassen

Trotzdem bleibt ein Störgefühl, dass die LdN Marco Scheel in diesem Umfang eine Bühne geboten hat, ohne ihn kritisch genug zu hinterfragen (s.u.; ich hatte allerdings das Gefühl, der war im Interview extrem schwer einzufangen). Wenn man sich seinen Youtube-Kanal ansieht, bleibt der Eindruck, dass er sich mit seinem Bashing (nicht nur) auf Behörden eine Followerschaft von 150.000 aufgebaut hat (teilweise 200.000 Viewer) und dann dort auch Werbung für seine Produkte und für sein Unternehmen macht.

Kritik: Kritische Rückfragen?

Insbesondere die für die LdN typische kritische Rückfragen sind zwar nicht ausgeblieben. Aber es hätte mehr geben müssen. Denn in vielen Punkten, auf den Marco Scheel herumhackt, hatte ich den Eindruck oder auch nur den Impuls, dass er an dem Problem, das er da kritisiert, nicht ganz unbeteiligt ist.

Das wird hier im Forum sehr schön aufgearbeitet:

  • Scheel kauft einen halb verfallenen landwirtschaftlichen Betrieb im Außenbereich und wandelt ihn in eine „Nähfabrik“ um, ohne vorher alle notwendigen Genehmigungen einzuholen und vor allem - so scheint mir - ohne sich vorher von Architekten und Baurechtlern beraten zu lassen. Wer ein rechtlich sensitives Vorhaben ohne vollständige Klärung der baurechtlichen Rahmenbedingungen startet, trägt ein erhebliches Mitverschuldensrisiko an späteren Konflikten und Verzögerungen.
  • Scheel stellt einen Bauantrag (dessen Genehmigung absurd lange dauert - wir wissen aber nicht, wie lange es gedauert hat, evtl. fehlende Unterlagen und Informationen nachzuliefern) und baut dann - im Fall der Brandschutztreppe - anders, als beantragt. Und kritisiert dann, dass die Behörde das nicht einfach durchwinkt.
  • Scheel lässt eine Treppe bauen mit Materialien, die keine baurechtliche Zulassung haben. Sollte er nicht als Erstes auf seinem Fachplaner rum-bash-en?!
  • Unterstellt man, dass er in seiner Art (s.u.) auch gegenüber Behörden auftritt, hat dies ganz sicher auch dazu beigetragen, dass die Sachbearbeiter in den Behörden nicht allzu zügig und geschmeidig gearbeitet haben.
  • Das gilt umso mehr, wenn Sachbearbeiter und Behörden, die auf Youtube vor bis zu 180.000 Viewern der Lächerlichkeit, dem Zynismus und dem Sarkasmus ausgesetzt und damit an den öffentlichen Pranger gestellt werden.

Aber natürlich haben hier Behörden-Sachbearbeiter und -Leiter auch falsch gehandelt. Meiner schon lange gehegten These, dass ein nicht unerheblicher Teil unseres „Bürokratie“ auch in der unserer Verwaltungsbürokratie liegt, teils in fehlenden gesetzlichen Ermessenspielräumen, aber vermutlich viel mehr in der Weigerung, Ermessenspielräumen zu nutzen. Das hat viel mit Behördenkultur und damit von Führungskompetenzen von Vorgesetzten bis hoch ins Ministerium zu tun.

Fortsetzung

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