Hallo zusammen,
ich arbeite selbst als Ingenieur in einer Behörde, die Genehmigungen nach dem BImSchG erteilt, und kann Marco Scheel nur zustimmen.
Schon in der Ausbildung wurde mir vermittelt, dass ich Entscheidungen nicht „nach gesundem Menschenverstand“ treffen soll, sondern vor allem so, dass ich rechtlich auf der sicheren Seite bin und mir keine Fehler vorwerfen lassen muss. Dieses Absicherungsprinzip steht in der Praxis oft über allem anderen auch, weil wir als Beamte Entscheidungen treffen, die angreifbar sind, und weil daraus im Zweifel Klagen oder persönliche Vorwürfe entstehen können.
Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch, warum Sachbearbeiter so stark auf Zertifizierungen, formale Nachweise und detaillierte Vorgaben pochen: Wenn alles „nach Standard“ dokumentiert ist, sinkt das Risiko, dass am Ende die einzelne Person verantwortlich gemacht wird, falls etwas schiefgeht.
Genau darin liegt aber das Problem: Wir überregulieren, kontrollieren und genehmigen teils jedes Detail, statt Unternehmen mehr Spielräume zu geben. Sinnvoller wäre aus meiner Sicht, stärker auf Eigenverantwortung zu setzen und erst dann konsequent zu sanktionieren, wenn tatsächlich etwas passiert oder Pflichten verletzt werden.
Solange Sachbearbeiter für jede Einzelfallentscheidung persönlich angreifbar bleiben und im Zweifel rechtlich „den Kopf hinhalten“, wird sich die Behördenkultur kaum in Richtung Ergebnisorientierung verändern.
Insgesamt treffen Philips und Ulfs Analyse aus dieser Folge aus meiner Sicht häufig ins Schwarze. Wenn gewünscht, kann ich das gern mit Beispielen aus meinem Arbeitsalltag untermauern.