LdN 456 Russlands Darstellung im Ukrainekrieg

@Christian87 Du machst wichtige Punkte — besonders zur US-Abhängigkeit bei Patriot-Munition, Satellitenaufklärung und Geheimdienst. Das ist real und kritisch.

Im Prinzip geht es um die Frage: wer kann länger durchhalten — und wer bricht zuerst?

Russlands Zeitfenster (1-2 Jahre, optimistisch 3):

  • Aktuelle Analyse (Euromaidanpress, Okt 2025): „Russia has 18 months of war funding left“
  • Haushaltsdefizit 2025 bereits 4x höher als Vorjahr ($48 Mrd. in 8 Monaten)
  • Nur noch ~$40 Mrd. liquide Reserven
  • Ökonom Itskhoki (Carnegie): Bei Ölpreisen unter 40$/Barrel droht „sofortige Krise“
  • Netto-Verlust: 5.000-6.000 Soldaten/Monat

Das ist die Kriegswirtschaftsfalle: Russland kann nicht aufhören, ohne wirtschaftlich einzubrechen.

Zum Ölpreis — warum er fallen könnte:
Trump hat offen gesagt: „If the price came down, the Russia-Ukraine war would end immediately.“ Seine Zielzone liegt bei $40-80/Barrel, bevorzugt unter $60. Die US Energy Information Administration prognostiziert ~$50/Barrel für Anfang 2026.

Dazu Venezuela: größte Ölreserven der Welt, Produktion von 3 Mio. auf ~900.000 Barrel/Tag gefallen. Die USA erhöhen massiv den Druck — Kolumbiens Präsident Petro sagt offen: „Oil is at the heart of the matter.“ US-Raffinerien sind genau auf dieses schwere Öl ausgelegt.

Europa + Ukraine (6-18 Monate Erosion bei reduzierter US-Hilfe):

  • Kein sofortiger Kollaps, aber Erosion ohne US-Unterstützung (CSIS)
  • EU hat USA überholt: 72 Mrd. € vs. 65 Mrd. $
  • Kiel-Institut: 0,12% zusätzliches EU-BIP würde US-Hilfe ersetzen
  • ~200 Mrd. € eingefrorene russische Vermögen verfügbar (Merz: 140-Mrd.-€-Kredit)
  • Keine harte ökonomische Grenze — es ist eine Frage des politischen Willens

Zur Aufklärung: UK und Europa können teilweise einspringen — UK hat RC-135 Rivet Joint, Frankreich CERES-Satelliten, Deutschland/Italien Radar-Imaging. Ein ehemaliger Whitehall-Insider: „Not as far-reaching as U.S. capabilities, not at the same scale.“ Aber es reicht für Frühwarnung und begrenzte Deep Strikes.

Fazit: Die Zeitfenster sind nah beieinander — Russland 1-2 Jahre, Ukraine/Europa 6-18 Monate Erosion. Aber der entscheidende Unterschied: Russland hat harte ökonomische Grenzen (Ölpreis, Reserven, Defizit), Europa hat nur politische Willensfragen. Wenn Europa durchhält, spielt die Zeit gegen Russland.

Diese Informationen sind öffentlich zugänglich — aber sie finden selten ihren Weg in die Berichterstattung. Wie Sun Tzu sagte: „Kenne deinen Feind und kenne dich selbst, und du brauchst den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten.“

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Also sollen Ukrainer für europäische Interessen sterben?

Wie viele Tote bedeuten 2 Jahre mehr Krieg? Wie viel Verteidiger der Freiheit aus dem Rest von Europa sind bereit anstelle der Ukrainer in der Krieg zu ziehen. Ich denke nicht, dass die Ukraine etwas gegen Legionäre in den eigenen Reihen hat und jeder freiwillige könnte evtl. einen jungen ukrainischen Wehrpflichtigen das Leben retten. Und um sich eine Drohne oder Kugel zu fangen muss man nicht fit und unter 30 sein.

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Es wird verhandelt:

Hängt aber an Russland, den Krieg zu beenden.

Das ist doch in beide Richtungen unredlich. Die Ukraine wehrt sich nicht wegen Interessen der Europäer, oder weil die Unterstützung der Europäer sie dazu bringen würde, sondern weil sie grundlos angegriffen wird, nachdem sie es schon mal mit Rücksicht auf russische Sicherheitsinteressen und westliche Sicherheitszusagen probiert hat (und wieder und wieder), alles, was sie den Russen überlässt tschetschenisiert wird und die Russen jeden noch so weitgehenden Friedensplan, egal von wem, zurückweisen.

Wer meint, es sei ein gutes Argument gegen eine bessere, weitere Unterstützung der Ukraine sei es, Menschen, die dafür argumentieren, an die Front zu empfehlen, der müsste dann konsequent bereit sein, um des “Friedens” willen, in dem man unter russischer Herrschaft leben und sterben kann, mit einem Ukrainer unter russischer Besatzung zu tauschen. Was soll so ein Argument also bringen?

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Ukrainer sterben ja erst mal für ukrainische Interessen. Sie führen diesen Krieg auf jeden Fall, egal ob Europa das befürwortet oder nicht.

Die gibt es auch. Es gibt sogar eine Freiwilligen-Legion für Spezialeinsätze

Internationale Legion: Ist Kämpfen für die Ukraine strafbar?

Russland hat damit gedroht, internationale Kriegsgefangene nicht der Genfer Konvention zu unterstellen, da sie aus Russlands Sicht keine Kombatanten sind. Das ist rechtlich vermutlich nicht haltbar, hilft in Gefangenschaft aber erst mal nichts.
Wer in Deutschland dafür wirbt, für die Ukraine zu kämpfen, macht sich außerdem strafbar.

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Das ist falsch. Am Samstag wäre die Region Kyjiw ohne Gepard ziemlich aufgeschmissen gewesen.

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Dass Krieg etwas ganz Furchtbares ist und so schnell wie möglich beendet werden sollte … ich denke, darüber sind wir uns alle einig. Niemand hier befürwortet den oder irgendeinen Krieg!

Solange aber ein militärisch (noch) sehr mächtiger (zumal Atomwaffen-) Staat unter Missachtung jedweder Moral und Völkerrecht ohne jede Berechtigung nicht nur einen einen anderen Staat angreift, sondern dort, wo er Land okkupiert hat, ein wahres Terrorregime gegen die Bevölkerung installiert, sind alle Rufe nach sofortiger Waffenrufe und Frieden wohlfeil. Zumal die Befürchtung, dass der Agressor nach einem Waffenstillstand gegen weitere Staaten weitermachen wird, alles andere als von der Hand zu weisen ist - schon allein angesichts seiner Abhängigkeit von seiner eigenen Kriegswirtschaft (und aufgrund Putins außenpolitischer Ideologie).

Die EU steht andauernd vor einer einfache Entscheidung:

  1. Die Ukraine „in die Lage versetzen“ mit dem Ziel, den Preis Russlands immer weiter hochzutreiben.
  2. Die Unterstützung der Ukraine zu beenden, d.h. die Ukraine fallen zu lassen … und zu hoffen, dass wir den Schutz der eigenen EU-Außengrenzen schnell und effektiv hochfahren können, damit Russland sich als nächstes Opfer doch lieber Moldawien oder Georgien auswählt und nicht das Baltikum.

Wir haben uns (noch) für die Option 1 entschieden, allerdings mit der billigsten Variante: „Zu viel um zu sterben, zu wenig um zu leben“. Dabei ist es egal, ob der Grund dafür die steigende „Kriegsmüdigkeit“ (was für ein sarkastisches Framing!) der EU ist oder die extremen Kosten oder eine Kombination daraus ist.

Nicht die Fortsetzung der Unterstützung der Ukraine (und damit des Krieges) ist moralisch fragwürdig, sondern das „Zu viel um zu sterben, zu wenig um zu leben“.

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Das werfe ich der EU auch vor. Aber man ändert an den Sachverhalt einfach gar nichts.

Deshalb muss man Entscheidungen anderer, die mehr Gewicht haben, akzeptieren und endlich mal die Moral Staaten gegenüber bleiben lassen.

Leider droht auch dieser Ukraine-Thread (wie schon so viele zuvor) zu derailen, weil Einzelne zum gefühlt 298. Mal die immergleichen und allseits bekannten Talking Points von Stegner, Wagenknecht & Co („Ukrainer sterben für europäische Interessen“) wiederholen und andere sich dann daran abarbeiten.

Was die m. E. sehr viel interessantere Einschätzung der aktuellen Lage angeht - also die Frage, wie stark bzw. schwach Russland ist und welche Entwicklung hier zu erwarten ist - würde ich gerne auf die Einschätzungen von Experten verweisen, die sich schon sehr lange damit beschäftigen, konkret ein ausführliches Interview mit dem Lage-Gast Gustav Gressel und zum anderen auf eine Diskussionsrunde im sogenannten Ostausschuss der Salonkommunisten.

Der Tenor lautet kurz gesagt: Europa verspricht viel, tut aber viel zu wenig und scheint vor allem weder aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen, noch langfristige Strategien zu haben. Bleibt das so, so wird Putins Strategie des längeren Atems, der Zermürbung und Demoralisierung, über kurz oder lang erfolgreich sein. Dass die seit 2022 kaum veränderten russischen Maximalforderungen nun de facto auch von der EU als Verhandlungsgrundlage akzeptiert wurden, ist in dieser Hinsicht mehr als nur ein Alarmsignal.
Was die Situation auf dem Schlachtfeld angeht, sei laut Gressel die entscheidende Frage nicht, ob die Ukraine den Vormarsch der russländischen Armee weiter behindern und ihr schwere Verluste zufügen kann, sondern ob sie in der Lage sein wird, ihre Situation gegenüber dem Status quo zu verbessern. Und da sieht es angesichts der nach wie vor mangelhaften Unterstützung einfach mau aus. Zudem sei ein baldiger Zusammenbruch Russlands noch immer eher Wunschdenken als ein realistisches Szenario.
Kurzum: Das Bild, das die Experten zeichnen, widerspricht der Aussage von @nheer, dass Russland „strategisch verliert“.

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Du willst zwei Dinge separat betrachten, die nicht separat zu haben sind. Nach diesem Prinzip - und nur nach diesem Prinzip - gab und gibt es die westliche Waffenhilfe. Zu wirklich keinem Zeitpunkt hat die Ukraine von ihren Sponsoren alles bekommen was sie wollte oder brauchte. Nach mittlerweile gut dreieinhalb Jahren dieser Praxis kann man ja mal ganz nüchtern festhalten, dass für alles signifikant weitergehende offensichtlich der politische Wille fehlt. Das ist moralisch fragwürdig (deine Worte). Die Fortführung des Krieges gibt es aber nur so.

Bei einem Abnutzungskrieg kommt es nicht darauf an, ob Russland sich erschöpft, sondern ob sich prozentual die Ukraine oder Russland sich schneller abnutzen. Dein Bericht schaut sich nur eine Hälfte dieses Bildes an.

Landverluste sind irreführend. Das Land gibts gratis wenn die ukrainische Verteidigung kollabiert, wichtig ist also zu schauen, wessen Streitkräfte schneller nachgeben. Was zu deinem nächsten Punkt führt

Russland hat eine 5 mal so große Bevölkerung wie die Ukraine. Verlustquoten von 2-5 sind also zu Gunsten der Russen, bestenfalls ausgeglichen.

Der Nettoverlust den du zitierst ist das eine Momentaufnahme November 2024, allgemein wächst die Größe der russischen Armee.

Der Economist schrieb im Sommer: Ukraine’s recruitment rate is running at 27,000 a month, roughly 15,000 below Russia’s.

(Internationale Söldner sind darin noch nicht enthalten). Also im Moment rekrutiert Russland deutlich mehr als die Verlustraten aus November. Trotzdem, wenn die Ukraine es schaffen kann, weiterhin 2/3 so viele Leute zu rekrutieren wie Russland sieht das sehr vielversprechend aus, also vielleicht doch weniger Grund zur Sorge als ich dachte.

Die Wirtschaft: Russland ist offiziell in Stagflation(auf dem St. Petersburger Forum bestätigt). 40% des Haushalts gehen an Verteidigung, der Leitzins liegt bei 21% — der höchste unter allen Schwellenländern. Die Öleinnahmen fielen im Oktober 2025 auf den niedrigsten Stand seit Kriegsbeginn.

Die russische Wirtschaft wächst mit einem realen Wachstum von 1% immer noch schneller als die Deutsche. Die haben sicherlich Probleme, aber die Ukrainische Wirtschaft hat viel mehr schaden genommen.

Das klingt für mich, als sollte sich Europa doppelt vor russischer Aggression fürchten.

Aber vor allem bin ich weder überzeugt, dass Putin sich wirklich um die Wirtschaft seines Landes schert, noch das jemand anderes in Russland wirklich Druck auf ihn ausüben kann.

Bei ner Gesamtbevölkerung von 150 Millionen ist das nicht mal ein Prozent. 98%+ der Bevölkerung sind noch da. Sicherlich nicht gut für Russland, aber nichts was die zum aufgeben zwingt. Zumal die Verluste in marginalisierten Gruppen konzentriert sind.

Für mich zumindest sieht es immer noch ziemlich Grimm für die Ukraine aus, besonders wegen ihrer Wankelmütigen Unterstützer. Und wir als Europa täten gut daran, eine Konventionelle Verteidigung gegen Russland ohne die USA vorzubereiten.

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Ich kann dem nur uneingeschränkt zustimmen. Hinzu sollte auch die Überlegung kommen, welchen Preis Europa zahlt, wenn die Ukraine verlieren würde. Hierzu gibt es jetzt anscheinend eine neue Studie, die die Perspektiven Europas einordnet:

Es sieht hiernach so aus, als ob Europas einziger Ausweg ein möglichst gutes Abschneiden der Ukraine, deren Bestandssicherung und eine militärische Niederlage Russlands ist.

Die Frage ist nur, wann begreifen es die Europäer endlich? Und wann schalten sie in eine echte überzeugende Unterstützung um, die sich auch löst vom amerikanischen Diktat?

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Meine unqualifizierte Vermutung wäre, dass einige das schon längt kapiert haben, dass sie aber keine Chance sehen, dass politisch durchzusetzen - sei es innerhalb ihrer eigenen Parteien und Koalitionen, sei es gegenüber „ihrer“ Bevölkerung oder sei es innerhalb einer erodierenden und durch widerstreitende Partikularinteressen de facto dysfunktionalen EU.
Meine Hoffnung auf den einen großen Aha-Moment, bei dem alle relevanten Akteure „aufwachen“ und dann auf einmal konsequent, strategisch und zielgerichtet handeln, hat sich inzwischen aufgelöst. Dazu haben schon zu viele Leute zu viele Schüsse nicht gehört. Und selbst wenn der politische Wille da wäre: Sicherheitspolitische Autonomie bastelt man nicht einfach mal von heute auf morgen.

[Edit: Solche Meldungen machen auch nicht gerade Mut, was den mentalen Aspekt von Verteidigungsfähigkeit betrifft - egal ob das nun „nur“ ein Versehen oder Absicht war
20.000 Schuss verschwunden: Bundeswehr-Munition auf Hotelparkplatz gestohlen | MDR.DE]

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Diese Einseitigkeit beobachte ich ebenfalls: Wieso glauben so viele, dass Russland überhaupt dazu in der Lage wäre, weitere Länder anzugreifen? Mit welchen Leuten denn? Er heuert ja schon in Afrike und in Kuba, zuvor auch schon in Korea Leute an - die oft gar nicht wissen, dass sie kämpfen sollen und dann schleunigst wieder flüchten wollen - wie jetzt die Südafrikaner, die dann im eigenen Land strafrechtlichverfolgt werden. Die Einseitigkeit in der Darstellung sehen ich aber auch in anderen Punkten grundsätzlicher Art. Wie soll es akzeptabel sein für Russland, wenn sich - wie von den Europäern geplant - NATO-soldaten in der Ukraine aufhalten, um den Friieden zu sichern? Dann könnte Putin auch gleich die NATO-Mitgliedschaft in der Ukraine akzeptieren - was er sicher nicht tun wird.

Europa und die Ukraine müssen von ihren Maximalforderungen abrücken: Keine NATO-Mitgliedschaft und auf die Krim verzichten. Donbas und Co: da sollten die Abmachungen von Minsk 2 wieder aktiviert werden: eine Volksabstimmung unter Beobachtung der OSZE wie damals im Elsass. Das sind keine “Belohnungen” für Putins Angriffskrieg, sondern leider die Realitäten, wenn ein weiteres Gemetzel und weitere Gebietsverluste vermieden sollen. Und die weitere Eskalationsgefahr für Europa. Aber ich bin keine Expertin und würde mir daher schoon lange wünschen, dass Philipp und Uwe mal andere Experten einladen z.B. aus der Friedensbewegung. Es gibt gerade das neue Friedensgutachten 2025, an dem fähige Leute aus 4 Instituten gearbeitet haben. Sehr empfehlensert.

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Naja, nicht ganz. Hat nicht gerade erst Roderich Kiesewetter davon geredet. den westl.ichen Luftraum derUkraine schützen zu wollen und den Taurus nun doch zu liefern? Es gibt immer noch reichlich Menschen bei uns und in Europa (Kaja Kallas!), die den Schuss (makaber jetzt) nicht gehört haben. Sie fordert Menschen und Geld. Und die 11,5 Milliarden, die Friedrich Merz (aus welcher Tasche eigentlich?) aufbringen will: Wofür?

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Niemand, wirklich niemand sagt, dass während des noch laufenden Kriegs gegen die Ukraine mit einem Angriff Russlands gegen ein anderes Land zu rechnen ist, sondern danach. Und das wahrscheinlichste Szenario ist auch nicht eine Großinvasion mit dem Ziel einer kompletten militärischen Eroberung, sondern eher sozusagen als militärische Unterstützung der politischen Strategie, die Russland schon lange fährt und die auf die Destabilisierung und Fragmentierung von NATO und EU abzielt. Also eher etwas im Stile von Georgien seit 2008, auf der Krim bzw. im Donbas seit 2014 oder in Moldau seit 1991. Die Debatte wurde hier im Forum auch schon zigmal geführt, etwa in diesem Thread: Putins mögliche Motivation / Rational die östlichen Nato-Staaten anzugreifen - #7 von JohanneSAC

Ja, warum nur sollte Russland akzeptieren, was internationales Recht ist, nämlich dass souveräne Staaten selbst entscheiden, welche politischen, ökonomischen oder militärischen Bündnisse sie eingehen. Und warum sollte sich Russland an die Verträge halten, die es unterzeichnet und ratifiziert hat und die genau dieses Rechtsprinzip betonen, etwa die UN-Charta, die KSZE-Schlussakte von Helsinki oder die Russland-NATO-Grundakte?
Die Art und Weise wie hier mal eben „nebenbei“ festgestellt wird, dass Russland sich „natürlich“ nicht an geltende Rechtsnormen halten „kann“ - also quasi gezwungen ist, Krieg gegen sein Nachbarland zu führen, wenn dieses sich erdreistet, tatsächlich unabhängig zu sein, spricht Bände.

Nochmal: Was du hier „Maximalforderungen“ nennst, heißt üblicherweise internationales Recht oder auch Völkerrecht. Was du forderst ist nichts anderes, als das die Ukraine ihre Rechte aufgibt - zugusten eines Landes, das dies durch Krieg, also durch zigtausendfachen Mord und systematische Zerstörung erzwingen will.

Es hat eine Abstimmung gegeben, die war 1991. Die ging ganz eindeutig zugusten einer Unabhängigkeit der Ukraine aus. Wenn es überhaupt eine erneute Abstimmung geben kann, dann nur, wenn die Bürger dieses Staates - also der Ukraine - das in einem demokratischen Verfahren so wollen - aber nicht weil irgendein russischer Invasor oder irgendwelche Leute auf einem gemütlichen Sofa irgendwo auf der Welt das gerne möchten. Und sollte es jemals eine solche Abstimmung geben, dann dürfen daran nur jene teilnehmen, die vor Beginn jeglicher militärischer Eroberungen ukrainische Staatsbürger waren - inklusive derjenigen, die seit 2014 aus von Russland militärisch besetzten Gebieten geflüchtet sind oder vertrieben wurden oder die von Russland gefangen gehalten werden. Auf keinen Fall abstimmungsberechtigt sind russische Staatsangehörige, die illegalerweise in den besetzten Gebieten angesiedelt wurden.

Das sind keine „Realitäten“, sondern politische Forderungen, die vollkommen unkritisch die Perspektive des Kreml übernehmen. Und es wäre auch keine Vermeidung von weiterem „Gemetzel“ - also der Ermordung von Menschen und der Zerstörung von Leben und Infrastruktur - sondern die Garantie und Legitimation für dessen Fortsetzung.

Auch die Gefahr für künftige Eskalationen steigt, wenn man eine eindeutige und offensichtlich völkerrechtswidrige Aggression wie die Russlands auf die von dir vorgeschlagene Art und Weise belohnt.

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Schöner Euphemismus für die „Tradition“ des russländischen Kolonialismus und Imperialismus, auf die sich ja auch Putin in seinen historischen Traktaten beruht.

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Heißt aber im Grunde doch, das man um des „Friedens“ Willen dem Stärkeren immer nachgeben muss, um Krieg zu verhindern?
Also das quasi Putin, Trump und Xi als Führer der militärisch mächtigsten Staaten Narrenfreiheit hätten, weil die Androhung von militärischer Gewalt schon ein Nachgeben der bedrohten Länder bedeuten müsste?

Wollen wir das?

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Mal abgesehen davon, dass dieser Artikel kaum mehr als ein Zusammenschnitt von Interviewzitaten, Absätzen aus anderen Medien und einzelnen Studien ist, geht er nebulös von einem russischen Sieg aus, ohne aber konkret zu beschreiben wie der eigentlich aussehen würde.

Warum sollte es beispielsweise “sechs bis elf Millionen” weitere ukrainischer Flüchtlinge geben, wenn ein ukrainischer Staat weiterhin bestehen bleibt?

Und dass die russische Armee den europäischen Streitkräften “moralisch haushoch überlegen” sein würde, halte ich für geradezu absurd.

Mal ein anderer Gedanke:

Man einigt sich jetzt auf Druck der USA auf einen Friedensplan, der tiefe Einschnitte für die Ukraine bedeutet ohne verlässliche Sicherheitsgarantien.
Es kommt zu einem ähnlich brüchigen Waffenstillstand wie in Gaza.

Wie gehen wir in Europa dann mit Russland um?
…und den USA?