LdN 456 Russlands Darstellung im Ukrainekrieg

Seit einigen Folgen habe ich den Eindruck, dass die LDN den Ukrainekrieg sehr einseitig betrachtet. Russlands Position ist deutlich schlechter als im Podcast dargestellt. Die Ukraine setzt schmerzhafte Stiche in Russland, die teils irreparable Schäde an Infrastruktur und Luftabwehr.

Dafür erzielt Russland lächerliche Geländegewinne. Russland beißt dich die Zähne an der Ukraine aus, ganz bestimmt wird er so schnell kein weiteres Land angreifen.

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Deine Perspektive ist schon richtig, die Ukraine fügt Russland sicherlich einige schmerzhafte Stiche zu. Aber die militärische Situation an der Front ist für die Ukraine leider sehr bitter, während es für Russland Tag für Tag ein bisschen vorangeht. Die schmerzhaften Stiche kann Putin schnell vergessen, solange er dafür die Ukraine langsam aber sicher in die Knie zwingt.

Und sicherlich wird Putin kein weiteres Abenteuer starten, solange der Krieg in der Ukraine dauert - aber danach? DAS war die Frage, die wir uns gestellt haben.

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Es geht Tag für Tag ein bisschen voran, aber bisher hat Russland immer noch nicht wieder so viel Gebiete besetzt, wie vor den ersten erfolgreichen ukrainischen Gegenoffensiven. Im Vergleich zur russischen Offensive war die Westfront des 1. Weltkriegs ein Bewegungskrieg. Dieses relativ kleine Übergewicht ließe sich - entsprechende Bereitschaft vorausgesetzt - mit passenden Materiallieferungen relativ schnell kippen. Die Erzählung vom steten Vordringen deklariert den russischen Sieg zur Unvermeidlichkeit.

Lohnendes Fazit der jüngsten russischen Offensive: https://www.youtube.com/watch?v=8A2-7y85Du0

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In den letzten beiden Lage-Episoden hatte ich den Eindruck, dass Russland als das Land dargestellt wird, das klar die Oberhand hat. Ich bin da nicht ganz überzeugt und habe deshalb mithilfe von AI einen Bericht zusammengestellt, der die aktuelle Lage aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet — mit Quellenangaben.

Meine These: Russlands Position ist deutlich prekärer, als es die deutsche Medienlandschaft oft vermittelt. Territoriale Gewinne ja, aber zu welchem Preis? Und vor allem: Kann Russland überhaupt noch aufhören?

Würde mich über eure Einschätzung freuen.


Die Kurzfassung meiner Recherche:

Das Paradoxon: Russland besitzt taktische Dynamik, während es strategisch verliert. 2025 wurden ~0,7% zusätzliches ukrainisches Territorium erobert — zu Kosten von etwa 350.000 Gefallenen und Verwundeten. Das entspricht etwa 100 Soldaten pro Quadratkilometer. Bei der aktuellen Geschwindigkeit bräuchte Russland 152 Jahre für die restliche Ukraine.

Verlustquoten: Laut CSIS-Analyse und Economist-Auswertungen (Satellitenbilder, 200+ Schätzungen) fallen 2-5 russische Soldaten pro ukrainischem. Das britische Verteidigungsministerium schätzt die Gesamtverluste auf über 1,1 Mio. Entscheidend: Russland verliert monatlich ~35.400 Soldaten, rekrutiert aber nur ~29.000 — ein Nettoverlust laut ISW.

Die Wirtschaft: Russland ist offiziell in Stagflation (auf dem St. Petersburger Forum bestätigt). 40% des Haushalts gehen an Verteidigung, der Leitzins liegt bei 21% — der höchste unter allen Schwellenländern. Die Öleinnahmen fielen im Oktober 2025 auf den niedrigsten Stand seit Kriegsbeginn.

Die Kriegswirtschaftsfalle (mein Hauptargument): Russland kann nicht aufhören. 3,8-4,5 Mio. Arbeiter sind in der Rüstungsindustrie beschäftigt, zivile Fabriken wurden massiv auf Militärproduktion umgestellt. Carnegie Endowment schlussfolgert: „Eine schmerzlose Rückkehr zum zivilen Modell ist unmöglich." Eine Demobilisierung würde Massenarbeitslosigkeit und Rezession auslösen. Das erklärt die aggressive Verhandlungsposition: nicht Stärke, sondern Verzweiflung.

Demographie: 650.000-920.000 Russen sind emigriert (86% mit Hochschulabschluss). Die Geburtenrate Q1 2025 war die niedrigste seit 225 Jahren. Etwa 2% aller Männer 20-50 wurden getötet oder schwer verwundet.

China: Kein echter Verbündeter. Peking liefert keine Waffen, verlangt 87% Aufschlag auf Dual-Use-Güter. Gleichzeitig wurden russische Städte auf chinesischen Karten umbenannt (Wladiwostok → Haishenwai). China wartet ab.

Ukraine: Oft unterschätzt. 96% der Drohnen werden im Inland produziert. Die Verteidigungsindustrie wuchs um das 35-fache. Bis zu 40% der russischen Raffineriekapazität wurden beschädigt.


:paperclip: Den vollständigen Bericht mit allen 27 Quellen findet ihr hier: Google Docs (Der Bericht hat über 20.000 Zeichen — zu viel für das 5.000-Zeichen-Limit hier im Forum.)

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Niemand sagt ernsthaft, dass Russland auf der Sieger Straße ist. Ein Sieg sieht definitiv anders aus. Die NATO würde diesen Krieg konventionell militärisch in wenigen Wochen gewinnen. Alles du über die Situation Russlands schreibst stimmt alles, ist aber in dem Sinne egal, solange die Ukraine nicht strategisch in der Lage ist die schlechte Lage Russlands auszunutzen. Und jetzt bitte nicht schon wieder “dann müssen wir die Ukraine in die Lage versetzen dass….” Oder “Taurus…”. Wir sind spätestens seit dem Amtsantritt von Donald Trump >1 Jahr über diesen Punkt hinaus. Im Westen will man diesen Krieg irgendwie beenden. Es geht nur noch um die Konditionen. Der Zug ist abgefahren. Es passiert nichts nennenswertes mehr. Russland wird langfristig ein wirtschaftlicher Vasall chinas und weltpolitisch keine Rolle mehr spielen. Das spielt aber für den Ausgang dieses Krieges kurzfristig auch keine Rolle mehr.

Weder kann die Ukraine ohne westliche Hilfe, über die ständig neu und breit über 28 eu Mitgliedstaaten immer wieder neu verhandelt werden muss, ihren Staatshaushalt stemmen, noch hat man die militärischen Reserven eigene Offensiven zu starten.

Russland hat im übrigen auch als Autokratie in einer kriegswirtschaft ganz andere Möglichkeiten ihre Verluste auszugleichen, als die Ukraine.

Wenn die Lage so gut wäre, würde selensky nicht gefühlt jede Woche zum stiefellecken in die usa fliegen. Und nicht ohne Grund spricht man in westlichen Regierungen nur noch von einem
Waffenstillstand und nicht mehr von “die Ukraine muss gewinnen”.

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Danke für die differenzierte Rückmeldung — ich stimme dir in mehreren Punkten zu, würde aber einige Dinge ergänzen:

Zur Abhängigkeit der Ukraine: Absolut richtig. Ohne westliche Unterstützung wäre die Ukraine nicht in der Lage, diesen Krieg zu führen. Das bestreite ich nicht. Mein Bericht sagt auch nicht „die Ukraine gewinnt“ — sondern: Russlands Position ist prekärer, als es medial oft dargestellt wird.

Aber: Diese Abhängigkeit ist seit Kriegsbeginn deutlich gesunken. Die Verteidigungsindustrie wuchs um das 35-fache — von 1 Mrd. Dollar (2022) auf 35 Mrd. Dollar (2025). 96% der Drohnen werden inzwischen im Inland produziert — 2,2 Millionen Stück allein 2024. Das ist keine vollständige Unabhängigkeit, aber ein klarer Trend.

Zum Narrativ: Ich höre sehr wohl regelmäßig — auch in der Lage — Formulierungen wie „Russland gewinnt den Zermürbungskrieg“, „die Zeit spielt für Russland“, „Russland kann das länger durchhalten“. Genau das hinterfrage ich.

Zu Russlands autokratischen Möglichkeiten: Autokratien können tatsächlich Verluste länger ignorieren — aber nicht unbegrenzt. Die demographischen Zahlen sind keine Meinung, sondern Fakt: 2% der Männer 20-50 bereits tot oder schwer verwundet, niedrigste Geburtenrate seit 225 Jahren, fast eine Million Auswanderer. Selbst Stalin konnte keine Menschen herbeizaubern. Und die Kriegswirtschaftsfalle ist real: 3,8-4,5 Mio. Arbeiter in der Rüstungsindustrie, die bei Kriegsende arbeitslos werden.

Zur fehlenden Offensivfähigkeit: Die Ukraine führt durchaus erfolgreiche strategische Offensiven — nur nicht mit Bodentruppen. Die Drohnenkampagne 2024/25 hat bis zu 40% der russischen Raffineriekapazität beschädigt. Die Öleinnahmen — Russlands wirtschaftliches Rückgrat — fielen auf den niedrigsten Stand seit Kriegsbeginn. Irgendwann sind die Reserven aufgebraucht. Und dann lassen sich weder die Soldaten noch die hohen Bonuszahlungen für Gefallene (~12 Mio. Rubel pro Tod) aufrechterhalten. Das Rekrutierungsmodell basiert auf Geld — wenn das Geld ausgeht, kippt es.

Zum Waffenstillstand: Dass der Westen auf Waffenstillstand umschwenkt, hat weniger mit Russlands Stärke zu tun als mit westlicher Kriegsmüdigkeit und politischen Zyklen. Das ist ein Problem für die Ukraine — aber kein Beweis für russische Überlegenheit.

Mein Punkt: Es geht nicht darum zu behaupten, die Ukraine stehe super da. Es geht darum, die Lage realistisch einzuschätzen — jenseits der vereinfachten Narrative „Russland gewinnt“ oder „Ukraine gewinnt“. Russlands aggressive Verhandlungsposition könnte Verzweiflung widerspiegeln, nicht Stärke. Wer das bei der Lageeinschätzung ignoriert, versteht nicht, mit wem man es zu tun hat — und macht am Ende schlechtere Deals.

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Warum mir die richtige Lageeinschätzung wichtig ist:

Ich möchte hier niemandem Vorwürfe machen — aber ich finde es wichtig, darüber nachzudenken, welche Wirkung mediale Darstellungen haben können.

Wenn ein Podcast wie die Lage der Nation — mit seiner Reichweite — regelmäßig das Bild vermittelt, Russland sei klar am längeren Hebel, dann prägt das die öffentliche Meinung. Und die öffentliche Meinung beeinflusst, welchen Spielraum Politiker bei Verhandlungen haben.

Konkret: Wenn die Bevölkerung glaubt, Russland könne diesen Krieg ewig durchhalten und der Westen habe keine Chance, dann wächst der Druck auf westliche Regierungen, der Ukraine einen schlechten Deal aufzuzwingen — „weil es ja eh aussichtslos ist“.

Aber was, wenn Russland gar nicht in der Position ist, so viel zu verlangen? Was, wenn die aggressive Verhandlungsposition Verzweiflung ist, nicht Stärke? Dann würden wir der Ukraine Zugeständnisse abverlangen, die überhaupt nicht nötig wären.

Deswegen finde ich es wichtig, die Lage differenziert darzustellen. Nicht um zu behaupten, die Ukraine gewinne — sondern um nicht ungewollt russischer Propaganda in die Hände zu spielen, die genau dieses Narrativ der Unbesiegbarkeit braucht.

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Interessanter Podcast dazu von Ronzheimer mit Claudia Major und Carlo Marsala.

Durchaus auch mit selbstkritischen Tönen der beiden Experten, das beide mit den Einschätzungen nicht immer richtig lagen.
Aber auch relevante Punkte, warum ein Waffenstillstand rein innenpolitisch für Putin keine Option ist, er braucht den deutlichen „Sieg“ um die Kisten des Krieges für Russland rechtfertigen zu können.

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Danach wird Russland kein weiteres “Abenteuer” starten. Die Frage ist doch: was hatte Russland davon? Was hatte Russland davon ein NATO -Land anzugreifen? Ich sehe da keine Logik und auch keine Strategie darin. Also ich bleibe dabei’: ein weiteres “Abenteuer” wird es nicht geben.

Die Frage ist doch eher, was braucht Putin um an der Macht zu bleiben? Was man man mit einer hochgerüsteten Armee und einer hochgefahrenen Rüstungsindustrie in die 40% des Haushalts fließen, wenn plötzlich Frieden ist? Wieviel Arbeitslose und Krieggeschädigte verträgt die russische Gesellschaft?
Auch Aspekte die eine Rolle spielen, neben den außenpolitischen Machtambitionen Putins.
Putin ist nicht Russland. Aber Putin bestimmt aktuell Russlands Handeln.

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Zugegeben, das ist ein wenig am Thema vorbei, aber sowas ärgert mich immer:

Dein Beispiel ist schlecht gewählt. Dort wurde nichts umbenannt. Dieser Teil Russlands war über Jahrhunderte Teil Chinas. Wenn ich einen deutschen Atlas zur Hand nehme, stehen da auch vielerorts deutsche Namen für Orte, die heute eigentlich polnische, tschechische oder italienische Namen tragen. Das ist nichts anderes. Selbst Deine Quelle sagt in der Einführung:

… the Russian Federation continues to occupy the Amur region and Outer Manchuria. This land area was extorted from China in 1860 during the Second Opium War, under threat to set Beijing ablaze.

Und noch als Ergänzung: China und Russland waren nie die dicksten Freunde - es ist gerade mal 55 Jahre her, dass beide Staaten militärisch gegeneinander vorgegangen sind, und 45 Jahre, dass China einen Verbündeten Russlands angegriffen hat. China unterstützt zur Zeit nur weil es weiß, dass es damit den USA schaden kann. Je mehr sich die USA aus dem Konflikt herauszieht, desto geringer dürfte Chinas Unterstützung für Russland ausfallen.

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Hattest du denn eine Logik oder eine Strategie im Angriff von 2014 gesehen? Oder in dem von 2022? Ich wäre vorsichtig damit, meine Erwartungen an das Verhalten anderer Akteure an meinen eigenen Vorstellungen von Logik und Strategie auszurichten.

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Das ist ja einer der schwer verständlichen Fehler in der russischen Position, wenn man angebliche Sicherheitsinteressen Russlands und Ängste vor einem Angriff durch die Nato ernst nehmen würde: ein Übergriff Chinas auf russischen Territorium ist um Größenordnungen naheliegender, als ein Angriff durch die Nato. Aus historischen, politischen, ökonomischen, demographischen Gründen. Und gegenüber China hatte Russlands Angriff ausschließlich negative Folgen, was das Kräfteverheältnis angeht.

Ganz gute Überblicksvorlesung zu russisch-chinesischen Beziehungen: https://youtu.be/RH_ycZYH8-s?si=daZHc8V_awKuwnZj

Vor einem Jahr war das narrativ noch: die Ukraine muss gewinnen. 2023 hat man noch davon gesprochen, die Ukraine holt sich die Krim zurück usw… das war auch alles recht einseitig und hat die Lage auf dem Schlachtfeld nicht umfassend wiedergespiegelt. Ich glaube medial neigt man immer dazu das irgendwie mit einem Schlagwort zu versehen, obwohl die Lage durchaus komplexer ist.

Die Ukraine hat auch keinen Mangel an Drohnen oder allgemeiner Ausrüstung, sondern einen Mangel an Infanterie hat und steigende Zahlen von Deserteuren. Außerdem brauch sie Geheimdienstsinfos über russische Truppenansammlungen und Ziele. Die kommen aus den USA. Die Ukraine hat keine eigenen Satelliten Aufklärung. Und ganz wichtig: der Mangel an Flugabwehr macht sich seit Wochen massiv bemerkbar. Die Munition für die Patriots kommt ausschließlich aus den usa. Andere Flugabwehrsysteme spielen kaum eine Rolle.

Habe nie behauptet, dass Russland irgendwie überlegen ist. Aber die Ukraine ist auch nicht Russland überlegen. Deswegen ist die einzige Option gerade Waffenstillstand.

Ich glaube nicht, dass wir in Europa (nicht die USA) der Ukraine irgendwas abverlangen. Die Ukraine ist gerade selbst dazu bereit einen Waffenstillstand einzugehen.

Russland sitzt deswegen am längeren Hebel, weil Europa und die Ukraine am Tropf der USA hängen. Die USA will diesen Krieg beenden.

Die Bundesregierung, sowie alle EU Staaten sind wahrscheinlich besser über den Krieg informiert als wir alle. Die bekommen jeden Tag ihre Infos direkt von den Analysten der Geheimdienste und anderer Think Tanks.

Ja, da ist eine Logik drin. Nicht jedoch im Bezug auf den möglichen Angriff auf ein NATO Land.

Die Situation für die Ukraine ist auch schlecht. Insofern sind die Einschätzungen in den vergangenen folgen zutreffend.

Ich empfehle zu der Frage mal das Buch “Die Macht der Geographie” von Tim Marshall und seine Ausführungen zur Ukraine dort. Für Russlands Sicherheitspolitik spielt die Ukraine seit Jahrhunderten eine zentrale Rolle.

Richtig, und das ist Trumps nachvollziehbares Ziel: um China einhegen zu können, muss Russland wieder näher an die USA gebracht werden und dafür muss in der Ukraine Frieden herrschen.

Da hast du recht — ich hätte das präziser formulieren sollen. Natürlich sind das historische chinesische Namen. Aber genau das ist doch der Punkt:

Mein Argument ist nicht, dass China Städte „umbenennt“ — sondern dass es absurd ist, China als Verbündeten Russlands zu sehen. In den Medien herrscht oft der Tenor: „Mit Chinas Unterstützung kann Russland den Krieg lange durchhalten.“ Ich halte das für eine Fehleinschätzung.

Schau dir an, was China tatsächlich tut:

  1. Finanziell ausbeuten: 87% Preisaufschlag auf Dual-Use-Güter, 98% der Banken lehnen russische Zahlungen ab
  2. Keine echten Waffen liefern: Mikrochips ja, Artillerie und Munition nein
  3. Territorial Fakten schaffen: Im Februar 2023 — also nach Kriegsbeginn, als Russland bereits geschwächt war — benannte China acht russische Städte auf offiziellen Karten mit historischen chinesischen Namen um (Wladiwostok → Haishenwai etc.). Im August 2023 folgte dann die „Standardkarte“, auf der die strategisch wichtige Insel Bolschoi Ussurijski (Heixiazi) plötzlich komplett als chinesisch eingezeichnet wurde — obwohl sie seit 2008 offiziell geteilt war. Diese Insel kontrolliert den Amur-Fluss und den Pazifikzugang. Russlands Reaktion? Schweigen. Im Mai 2024 dann eine „gemeinsame Entwicklungs-Roadmap“, während China massiv investiert und Russland seine Hälfte brachliegen lässt.

Das Timing ist kein Zufall. China nutzt Russlands Schwäche, um historische Ansprüche auf ~1 Mio. km² schrittweise durchzusetzen.

Was bedeutet das? Je mehr Geld Russland ausgeht, je mehr Soldaten an der Front sterben, desto instabiler werden Russlands Ansprüche auf diese Gebiete. Es ist rational für China, Russland langsam ausbluten zu lassen — bis es sich seine historischen Territorien zurückholen kann, ohne einen Schuss abzufeuern.

Das ist kein Verbündeter. Das ist ein geduldiger Gläubiger, der auf den Bankrott wartet.

Und genau das zeigt wieder: Russlands Position ist viel schwächer, als das Narrativ „China stützt Russland“ suggeriert. China stützt sich auf Russland — und wartet ab.

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Ich dachte immer, das, immer wieder medial kritisierte, Narrativ war „die Ukraine darf nicht verlieren“. Da kann man viel hineininterpretieren, aber sicher keinen militärischen Sieg.
Keiner hat vor, Russland zu demontieren, alleine schon wegen deren Atombomben und weil keiner weiß, was ein Putin mit dem Rücken zur Wand tut.
Die Meinung ist nun einhellig, dass man wegen Kriegsmüdigkeit die Grenzlinie einfrieren könnte. Die Kriegsmüdigkeit ist aber auf beiden Seiten. Auch Russland hat immer weniger Lust, für einen Krieg, dessen Bedeutung auch in Russland immer mehr hinterfragt wird, zu sterben. Die wirtschaftliche und politische Situation macht es aber schwierig, da einen Weg rauszufinden ohne dass Putin sein Gesicht verliert.